Die Stadt Villingen in der Auseinandersetzung zwischen Kaiser Sigmund von Luxemburg und Herzog Friedrich IV. „mit der leeren Tasche“ von Österreich (Wilhelm Baum)

Die Geschichte der Stadt Villingen wurde bisher noch nie systematisch dargestellt; trotz mancher Vorarbeiten von Roder und Revellio1) wurde dieses Desiderat bis heute nicht behoben. Die zähringische Gründung Villingen kam 1283 endgültig an die Grafen von Fürstenberg. Den ursprünglich vor allem im Aargau und im Oberelsaß begüterten Habsburgern gelang es dann im 14. Jahrhundert, Bräunlingen und Villingen auf ähnliche Weise von den Für-stenbergern zu erwerben. Während einer Auseinandersetzung zwischen den Stadtherren und den Bürgern schalteten sich die Herzöge von Österreich in den Konflikt ein und unterstützten die Bürger gegen die alten Herren. Auf diese Weise kam Bräunlingen 1305 mit der großen, bis zum Schwarzwaldkamm reichenden Waldmark in österreichischen Besitz. Am 30. 11. 1326 erwarben die Habsburger auch Villingen von den Grafen von Fürstenberg. Zur Stadt gehörte auch diesmal eine große Waldmark, „die wiederum Ansatzpunkte für die allmähliche Aufsaugung des ganzen Waldgebietes der östlichen Schwarzwaldabdachung, vor allem wegen der entscheidend wichtigen Kinzigtalstraße, bot“.2) Auch die Inbesitznahme der Stadt Freiburg im Breisgau verlief 1368 ähnlich; hier unterstützten die Herzöge die Bürger gegen die mit den Fürstenbergern verwandten Grafen von Freiburg. Die verdrängten Grafenfamilien konnten dies nicht mehr rückgängig machen, und die Städte Bräunlingen, Villingen und Freiburg verblieben bis 1805 bei Österreich.

Leider ist auch die Geschichte Villingens im späten Mittelalter nur unzulänglich erforscht. Es fehlt vor allem eine Auswertung der Urkunden des Stadtarchivs aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Detailuntersuchungen aus dem Bereich der Kultur-, Wirtschafts- und Verwaltungsgeschichte könnten auch etliche Fragen der vorliegenden Untersuchung noch näher aufhellen. Leider konnten auch die Quellen für die Zeit des deutschen Kaisers Sigmund von Luxemburg (1410-1437) nur zum Teil herangezogen werden; gerade in dieser Zeit kam Villingen jedoch eine besondere Bedeutung zu, erwies sich die Stadt doch als einziger Brückenkopf Österreichs in Schwaben, der auch nach dem Zusammenbruch der vorderösterreichischen Machtstellung infolge der Ächtung Herzog Friedrichs IV. auf dem Konstanzer Konzil 1415 erhalten blieb.

Es ist hinlänglich bekannt, daß Sigmund von Luxemburg, König von Ungarn (seit 1387) und Böhmen (seit 1419), deutscher König (seit 1410) und römischer Kaiser (seit 1433)3) bereits seit seiner Wahl zum deutschen König mit Herzog Friedrich IV. von Österreich4), der seit 1404 die österreichischen Vorlande in Schwaben und seit 1406 auch Tirol verwaltete, verfeindet war. Schuld daran war nicht nur der jahrzehntelange Antagonismus zwischen Luxemburgern und Habsburgern — bekannt bereits durch den Streit zwischen Kaiser Karl IV. und seinem Schwiegersohn Herzog Rudolf IV., der sich den Titel eines Herzogs von Schwaben zugelegt hatte — ; Herzog Friedrich, der Schwiegersohn König Ruprechts von der Pfalz (+ 1410), hatte sich selbst um die deutsche Königskrone bemüht. Eine versteckte Feindschaft herrschte seither zwischen beiden Monarchen; jeder versuchte alles, um dem Gegenspieler zu schaden. Der Herzog, der am 6. 11. 1404 die Stadt Villingen besuchte5), unternahm alles, um seine Machtposition in Schwaben zu verstärken. Der König hingegen, der in Deutschland selbst kaum eine Hausmacht besaß, versuchte sich hauptsächlich auf Schwaben und die Schweizer Eidgenossen, die „Erbfeinde“ der Habsburger, zu stützen. Der große Konflikt war also längst vorprogrammiert, bevor das Konzil zu Konstanz (1414-1418)) das Gewitter zur Entladung brachte.

König Sigmund versuchte sein Ansehen in Deutschland und in Europa durch eine Beendigung der abendländischen Kirchenspaltung zu heben. Als es nach dem Konzil von Pisa (1409) neben dem römischen Papst Gregor XII. und dem avignonesischen Papst Benedikt XIII. nun einen dritten Papst, Alexander V., gab, erteilte der junge Herzog Friedrich IV. seinem Hauptmann der Grafschaft Hohenberg, Burkhard von Mannsberg, am 23. 10. 1409 den Befehl, „daz wir uns halten an den pabst Alexander und wellen auch an im beleiben“.6) Nach dem Tode Alexanders V. unterstützte Friedrich IV. sogleich dessen Nachfolger Johannes XXIII.; am 23. 12. 1413 genehmigte dieser Papst in Lodi einen Vertrag zwischen dem Herzog und der Stadt Rottweil.7) König Sigmund bemühte sich unterdessen, die Kirchenspaltung durch ein Konzil, das in Konstanz abgehalten werden sollte, zu beendigen. Er neigte dazu, Papst Johannes XXIII., der als einziger der drei Päpste nach Konstanz zu kommen bereit war, vom Konzil absetzen und einen Nachfolger vom Konzil wählen zu lassen. Das Bündnis Herzog Friedrichs mit dem Papst vom 15. 10. 14158) bedeutete für den König eine große Herausforderung. Trotz mehrfacher Ladungen erschien der Herzog erst am 8.3.1415 in Konstanz, nach dem er noch zuvor die österreichischen Festungen im Elsaß hatte in Alarmbereitschaft versetzen lassen.

Es ist ebenfalls hinlänglich bekannt, daß Herzog Friedrich IV. die Flucht des Papstes am 20. 3. 1415 unterstützte und deswegen am 30. 3. 1415 vom König geächtet wurde. Sigmund hatte nun die einzigartige Gelegenheit, mit Unterstützung des Konzils und der in Konstanz anwesenden Reichsstände gegen seinen Rivalen vorzugehen und diesen politisch auszuschalten. Während der Herzog sich in Ensisheim und Freiburg aufhielt, fielen seine Rivalen über seine vorderösterreichischen Besitzungen her und eroberten sie innerhalb einiger Wochen fast vollständig. Die Eidgenossen besetzten den Aargau und Thurgau, Kurfürst Ludwig von der Pfalz und der einstige Landvogt Hans von Lupfen—der wie ein großer Teil des bis dahin österreichischen Adels zum König übergelaufen war — das Elsaß, Burggraf Friedrich von Nürnberg die Gebiete am Rhein und im Hegau und Graf Friedrich VII. von Toggenburg die habsburgischen Besitzungen in Vorarlberg. Lediglich in Tirol sowie in der vorarlbergischen Stadt Bludenz behauptete sich die Herrschaft des Hauses Österreich. In den Vorlanden verweigerten allein die Städte Villingen, Waldshut und Laufenburg die Huldigung an den König.9) Am 7. 5. 1415 sah Friedrich sich gezwungen, sich in Konstanz dem König zu unterwerfen und ihm alle seine Besitzungen auszuliefern.

 

Porträt Kaiser Sigmunds von Luxemburg von Antonio Pisanello. (Wien, Kunsthistorisches Museum)

 

Was seine Vorfahren in mehr als zweihundertjähriger Arbeit aufgebaut hatten, war innerhalb weniger Wochen wie ein Kartenhaus zusammengebrochen.

Es ist hier nicht der Ort, die vielschichtigen Ursachen dieser Katastrophe für die Geschichte des Hauses Habsburg zu analysieren. Aus Geldmangel hatten sich die Herzöge schon lange gezwungen gesehen, einen großen Teil ihrer Besitzungen zu verpfänden oder gar zu verkaufen. Die Schweizer Eidgenossen hatten sie nach der Erwerbung Österreichs und der Steiermark (1282) systematisch nach und nach bis zur Rheinlinie zurückgedrängt. Die inneren Streitigkeiten und Rivalitäten zwischen der in Wien residierenden „albertinischen“ Linie der Habsburger und ihren „leopoldinischen“ Vettern hatte das Ihrige dazu beigetragen. Die Leopoldiner hatten sich in zwei Linien, die in Graz residierende Linie des Herzogs Ernst und in die Linie Herzog Friedrichs IV. aufgespalten, der in Meran, Innsbruck, Baden im Aargau, Schaffhausen, Ensisheim oder in Freiburg residierte. Die Brüder und Vettern zogen längst nicht immer an einem Strang, was eine Verteidigung der Besitzungen gegen Angriffe von außen sehr erschwerte.

Bereits in den Appenzellerkriegen (1405-1410) war die Schwäche des habsburgischen Machtgebietes deutlich geworden; die Appenzeller waren tief in österreichisches und oberschwäbisches Gebiet eingedrungen und hatten im „Bund ob dem See“ Verbündete gefunden. Der Konstanzer Historiker Otto Feger urteilt in diesem Zusammenhang über Herzog Friedrich: „Alle Unfähigkeit, die sein späteres langes Leben zeigen sollte, seine Unüberlegtheit bei raschen Entschlüssen, seine Kopflosigkeit danach, die Würdelosigkeit, mit der er die große Macht in seinen Händen verwaltete und vertat, alle seine schlechten und für einen Regenten unerträglichen Eigenschaften zeigten sich schon im Appenzeller Krieg. Es entsprach den Herrschaftsverhältnissen des Mittelalters, daß ein großes Staatswesen an seiner Spitze einen Leiter von wenigstens durchschnittlicher Begabung haben mußte, sollte es nicht zerbrechen; aber selbst eine bescheidene Ausstattung mit staatsmännischen Gaben war dem unglücklichen Herzog versagt geblieben“.10) An diesem zweifellos überzogenen Urteil ist dennoch einiges richtig; der Nachfahre König Rudolfs, der in seinen Geldverlegenheiten zeitweise sogar seinen Mantel versetzen mußte, um zu Verhandlungen reisen zu können, schreckte nicht davor zurück, in Raubrittermanier unter fadenscheinigen Vorwänden Kaufleute zu überfallen und auszurauben. Die 17 Beschwerdeschriften, die dem Herzog 1411 vorgelegt worden waren, legen von den Zuständen in Friedrichs Herrschaftsbereich Zeugnis ab. Daß die Kleinen es den Großen nachmachten, zeigt die Beschwerdeschrift der Stadt Villingen an den Herzog: Der Ritter Hermann von Landenberg hatte dem Herzog 80 Pfund geliehen und nie zurückerhalten. Deshalb griff er einen Villinger Kaufmann auf der Straße auf, der Waren nach Rapperswil führte, und raubte sie ihm mit der Begründung, Herzog Friedrich schulde ihm das Geld.

Friedrich IV (gest. 1439), Herzog von Österreich, links, mit seinem Freund Hans Wilhelm von Mülinen — Ausschnitt aus dem Stifterbild — (Innsbruck, Basilika Wilten, Schutzmantelmaradonna)

 

Ähnlicherweise hatte Gerhard von Neuenstein einem Villinger Bürger 100 Gulden geraubt. Auch Hans von Hornstein hatte aus diesem Grunde Villinger Bürger ausgeraubt. Die Vertreter der Stadt hatten darüber beim Herzog Klage erhoben.11) Derartige Vorfälle verdeutlichen, daß es um das Ansehen des Herzogs schon vor seiner Ächtung nicht zum besten stand. In der freilich erst im 16. Jahrhundert entstandenen „Chronik der Stadt und Landschaft Schaffhausen“ von Johann Jakob Rüeger heißt es sogar: „Das Schwabenland wolt schwarlich widerum under sin gehorsame von wegen der nähe des conciliums, uf desse bann es sich verließ“.‘) König Sigmund hätte die vorländische Machtposition des Hauses Habsburg nicht so schnell und leicht 1415 zerstören können, wenn er dabei nicht Helfershelfer und Sympathisanten unter dem Adel wie unter der Bevölkerung gefunden hätte.

Wie sah es nun nach dem Zusammenbruch Vorderösterreichs in Villingen aus? Am 27. 6. 1415 teilte der Rat der Stadt der Stadt Freiburg, die am 5. 5. König Sigmund gehuldigt hatte, mit: „Nu haben wir noch nit gehuldet, nachdem und daz an uns gemutat haust“.13) Was weiter in der Stadt geschah, läßt sich nicht ganz eindeutig feststellen. Die Schwesterstadt Bräunlingen war am 7. 6. von Sigmund aufgefordert worden, seinem Rate, dem früheren österreichischen Landvogt Hans von Lupfen zu huldigen. Mit großer Wahrscheinlichkeit läßt sich jedoch schließen, daß in ganz Vorderösterreich einzig und allein Villingen unter österreichischer Herrschaft verblieb. Als Herzog Friedrich der Stadt nach seiner ersten Versöhnung mit Sigmund 1418 die Privilegien bestätigte, hieß es in der Urkunde, daß Villingen in vielen Kriegen und Widerwärtigkeiten treu zum Hause Österreich gestanden sei und daß die Bewohner „bey uns als frum erber lewt bey irem naturlichen herrn sind beliben“ (Dokument IV). Der König hatte der Stadt zwar am 2. 3. 1415 —also noch vor der Ächtung Friedrichs — die Privilegien bestätigt (Dokument I), doch war dies nur eine reine Routineangelegenheit, die nichts über das Verhältnis Sigmunds zu Villingen aussagt. Daß die Stadt jedoch auch nach der Ächtung des Landesfürsten bei Österreich verblieb, geht aus einer Urkunde von Friedrichs Bruder Ernst hervor. Dieser war nach der Gefangennahme seines Bruders im Juni 1415 nach Tirol geeilt, um das Land gegen Sigmund zu schützen, denn Herzog Friedrich hatte sich am 7. 5. 1415 in Konstanz verpflichten müssen, so lange in der Haft des Königs zu verbleiben, bis alle seine Besitzungen Sigmund gehuldigt hätten. Ernst kam nun nach Tirol; Anfang Juli 1416 unternahm er sogar einen Vorstoß über den Arlberg und besetzte die Burg zu Feldkirch, die erst am 14. 6. 1417 mit Unterstützung Zürichs durch Graf Friedrich VII. von Toggenburg eingenommen werden konnte.

Herzog Ernst „der Eiserne“ bestätigte nun in der Zeit seiner Verwesung in Tirol am 15. 12. 1415 den Bürgern von Villingen, die „dem loblichen haws Osterreich mit lautern ganczen und besundern trewen und undertenikeit gewesen sind“ und „yeczund in den hertten sweren und widerwerrtigen lewffen uns wol beweiset und swerlich ir leyb und gut willikleich dargelegt haben und des noch willig sind ze tun, damit sy bey uns erharret bestannden und beliben sind“, die Privilegien (Dokument II). Diese wichtige Privilegienbestätigung beweist, daß Villingen im Dezember 1415 immer noch im Besitz Österreichs war. Bei dieser Urkunde dürfte es sich auch um die einzige dieser Art handeln, die Herzog Ernst während seiner Ver-weserschaft in Tirol (1415 / 16) für eine Stadt in den österreichischen Vorlanden ausstellte; zumindest ist mir keine andere Urkunde dieser Art bekannt. Ledigleich bei Säkkingen und Laufenburg wäre ein ähnlicher Vorgang denkbar; es fehlen jedoch diesbezügliche nähere Untersuchungen auf lokalgeschichtlicher Ebene.

Da Privilegienbestätigungen nicht immer unbedingt als ein Beweis für eine tatsächliche Machtausübung angesehen werden können, könnte man die Zugehörigkeit Villingens auch nach der Ächtung Friedrichs IV. bezweifeln, wenn es die einzige Urkunde Herzog Ernsts vom 15. 12. 1415 wäre, die von Regierungshandlungen der Habsburger in Villingen in dieser Zeit zeugt. Es hat sich jedoch eine weitere Urkunde vom 15. 10. 1416 erhalten, in der Herzog Ernst in Hall in Tirol dem Berchtold von Hohenberg das bisher als Lehen innegehabte Haus auf dem „Keferberg“ in Villingen zu eigen gab. Diese Urkunde bezeugt, daß Ernst sich sogar noch nach der Flucht Friedrichs IV. aus Konstanz in das Geschehen in Villingen einschaltete.15) Nur ganz wenige Belege bezeugen, daß Herzog Friedrich, der Anfang April 1416 aus seiner Konstanzer Haft nach Meran entflohen war, sich in die Ereignisse im schwäbischen Raum einschaltete. So erlaubte er am 31. 5. 1416 dem Grafen Eberhard IV. von Württemberg, die zur Grafschaft Hohenberg gehörende Stadt Oberndorf mit der Herrschaft Wassenegg von Hans von Zimmern aus der Verpfändung zu lösen.16) Nach der Rückkehr König Sigmunds von seiner Spanien-, Frankreich- und Englandreise nach Konstanz Ende Januar 1417 — nahm er seine Aktionen gegen Herzog Friedrich IV. wieder auf. Graf Friedrich VII. von Toggenburg eroberte die Burg von Feldkirch. Der König ernannte am 27. 5. 1417 den Markgrafen Bernhard von Baden zum Landvogt im Breisgau, um die vormals österreichischen Gebiete einer schärferen Kontrolle zu unterziehen. Es scheint, daß die Städte im Breisgau bereits wieder geheime Kontakte zu Herzog Friedrich unterhielten, denn am 11. 10. 1417 berichtete Neuenburg an Freiburg, man habe auch Breisach darüber informiert, daß man einen Boten nach Innsbruck schicken wolle.17) Die politische Stellung des Herzogs besserte sich jedoch zunächst nicht; am 20. 12. 1417 wurde er neuerlich von König Sigmund geächtet, nachdem er bereits im gleichen Jahre vom Konstanzer Konzil exkommuniziert worden war. Hans von Lupfen erhielt vom König das Patronatsrecht über die Kirche von Villingen und die Steuer zu Villingen18); es scheint, daß der Parteigänger des Königs sich in Villingen festsetzen wollte. Noch im Februar 1418 war er an Kampfmaßnahmen des Königs gegen Herzog Friedrich und der Vergabe früherer österreichischer Lehen beteiligt. Wie groß der Einfluß des Grafen von Lupfen in Villingen jedoch wirklich war, läßt sich aufgrund des bisher bekannten Quellenmaterials nicht eindeutig feststellen.

König Sigmund hatte sich mittlerweile mehr und mehr mit der Problematik zu beschäftigen, die durch die Hinrichtung des tschechischen Reformators Hus in Konstanz entstanden war. Da zwischen ihm und dem pfälzischen Kurfürsten Ludwig eine Entfremdung eingetreten war, suchte er neue Verbündete und wandte sich den Habsburgern zu, besonders Herzog Albrecht V. von Österreich, der 1422 seine Tochter Elisabeth heiraten und sein Nachfolger werden sollte. Albrecht V. vermittelte zwischen dem König und Herzog Friedrich, sodaß es am 8.5.1418 zu einem ersten Friedensvertrag zwischen beiden kam. Friedrich wurde mit den Reichslehen belehnt; er mußte sich bereiterklären, den König bei einem Feldzug gegen Venedig zu unterstützen, eventuell auch gegen Frankreich. Er gelobte, alle Prälaten seines Herrschaftsbereiches wieder in ihre Ämter einzusetzen und stellte Tirol als Bürgschaft für die Einhaltung der Verträge.19) Schließlich gestattete Sigmund dem Herzog, alle verpfändeten Gebiete um die Summe, um die er sie an die Gegner Friedrichs verpfändet hatte, wieder auszulösen, aber nur mit dem Einverständnis der derzeitigen Besitzer! Mit anderen Worten: der Herzog konnte sein früheres Eigentum wieder zurückkaufen. Davon waren jedoch alle Gebiete ausgenommen, die von den Eidgenossen besetzt worden waren, denn mit ihnen konnte und wollte der König es sich keinesfalls verderben. Nach dieser ersten Aussöhnung reiste Herzog Friedrich letztmals in seinem Leben in sein einstiges Herrschaftsgebiet. Es muß niederschmetternd für ihn gewesen sein. Bis zum 12. 5. 1418 blieb er in Konstanz, dann reiste er über Tettnang nach Basel weiter, wo er vom 20. 5. bis zum 17.6 nachweisbar ist. Mittlerweile stellten sich auch bereits die ersten Früchte seiner neuen Politik ein: Bereits am 31. 3. war die Markgrafschaft Burgau wieder unter seiner Herrschaft.20) Am 9. 5. setzte er Konrad von Laufen als Pfleger der Stadt Laufenburg am Rhein ein.21) Damit war auch diese wichtige Stadt mit der Brücke über den Rhein, die „gegenüber dem König sehr zurückhaltend war und dem habsburgischen Herzog wenn immer möglich die Treue halten wollte“,22) wieder unter die österreichische Herrschaft zurückgekehrt. Die Waldstadt Säckingen war 1415 vergeblich von Basel belagert worden. Drei Jahre lang verhandelte Basel mit dem König darüber, Laufen-burg und Säckingen zu besetzen; als man 1418 nahe an einer Einigung war, die auch die an Hans und Frischhans von Bodman verpfändete Stadt Rheinfelden betroffen hätte, brachte eine Oppositionsgruppe im Basler Rat das Projekt zu Fall.23) Ähnlich wie bei Villingen läßt sich auch in Säckingen nicht exakt nachweisen, wie es in diesen Jahren in der Stadt aussah. Es erweckt den Eindruck, als ob sich auch in Säckingen die österreichische Herrschaft behauptet hätte, denn am 22. 5. 1418 verlieh Friedrich IV. der Stadt in Basel in Anbetracht der Treue „in den vergangen lewffen, als wir mit unserm gnedigen herrn etc. dem romisch kunig in krieg und zwaytracht waren“, als die Bürger sich dem König „als keklich und manlich wider-saczten, daz sy mit prand, rawb und andern czusaczen als swerlich beschedigt wurden“, das Recht, den Brückenzoll einzunehmen») Am 1. 6. 1418 gelobte Friedrich in Basel dem König, ihm 36 000 Gulden zu bezahlen. Sigmund forderte nun eine Reihe von Besitzern ehemals österreichischer Herrschaften auf, Herzog Friedrich die Gebiete zurückzugeben. Villingen, Laufenburg und Säkkingen kommen weder in den Restitutionsaufforderun-gen noch in den Erlaubnisbriefen, beim Reiche zu verbleiben, vor. Auch daraus läßt sich schließen, daß sie dem Herzog unterstanden. Vom 22. bis zum 24. 6. 1418 verhandelten der König und der Herzog noch einmal miteinander in Straßburg; dabei versprach Friedrich seine Teilnahme an einem Feldzug gegen Venedig. Am 4.7. kam der Herzog nach Breisach. An diesem Tage stellte er der Stadt Villingen den erwähnten Privilegienbestäti-gungsbrief aus, in dem er die Treue der Stadt zum Hause Österreich rühmt (Dokument IV). Zwei Tage später war er in Freiburg. Hier beschäftigte er sich erneut mit Villingen.

Für die Bewohner der Stadt war das Lavieren zwischen dem König und dem Herzog nicht ungefährlich. Der noch ungefestigte Zustand der österreichischen Herrschaft war auch der Grund, daß Freiburg nicht bereit war, sich Herzog Friedrich zu unterwerfen. Auch für Villingen konnte das Festhalten an Österreich zu einem großen Risiko werden. Wohl um es sich mit dem König nicht ganz zu verderben, hatte der Rat der Stadt nach Bekanntwerden der königlichen Verfügung vom 8. 7. 1417, mit der die Stadt infolge der Frevel Herzog Friedrichs an das Reich genommen worden war (Dokument III), dem stets geldbedürftigen Sigmund 2000 Gulden gezahlt, die der König am 19. 7. 1417 quittiert hatte.25) Diese Geldzahlung läßt jedoch nicht den Schluß zu, daß Villingen sich jetzt etwa als Reichsstadt gefühlt hätte. Schon vor dem endgültigen Abschluß der Friedensverträge mit dem König hatte der Herzog am 6. 5. 1418 bekannt, dem Villinger Burggrafen Hans von Tierstein eine Mark Silber oder vier Schweine pro Jahr von den vier Mühlen in Villingen zu schulden.26) Am 17. 6.1418 hatte er den Breisgaustädten mitgeteilt, daß er infolge seines Treffens mit dem König sein Kommen verschieben müsse; er verwies sie dabei auf die Abgesandten von Villingen, die jetzt nach Freiburg kämen und denen man glauben solle.27) All dies setzt ein Einverständis zwischen dem Herzog und der Stadt voraus. Am 6. 7. erlaubte Friedrich dem Rat Villingens, infolge des Abnehmens der Bevölkerung den Rat in Zukunft statt mit 72 Ratsherren mit 12 Richtern und den Zunftmeistern zu besetzen.28) Gleichzeitig erlaubte er der Stadt, von den Habsburgern verpfändete Güter und Steuern an sich zu lösen.29) Glaubte Herzog Friedrich dadurch seine Position in Villingen endgültig befestigt zu haben? Wir wissen es nicht. Der Herzog reiste noch im Juli über Basel nach Tirol zurück; in die Vorlande sollte er nie wieder zurückkehren.

 

Friedrich IV. Herzog von Österreich (Rottenburg-Ehingen, St. Moritz: Ehemaliger Marktbrunnen um 1483)

Nach der Abreise des Landesfürsten aus den Vorlanden mußte Villingen noch eine Überraschung erleben. König

Sigmund besuchte die Stadt vom 18. bis zum 20. August des Jahres! Bevor Sigmund nach Villingen kam, belehnte er Konrad von Fürstenberg mit der Stadt, dessen Vorfahren sie bereits besessen hätten.30) Die Urkunde fehlt in den Reichsregistraturbüchern; nichts spricht dafür, daß die Villinger je von diesem Akt des Herrschers erfuhren. „Der königliche Spruch entbehrte aber wohl der rechtlichen Grundlage“;31) er stand einerseits im Widerspruch dazu, daß alle Habsburger mit allen Lehen der Dynastie belehnt wurden, also, daß Friedrich IV. nicht der alleinige Eigentümer war, andererseits aber widersprach die Belehnung auch der von Sigmund selbst 1417 ausgestellten Verfügung, durch die die Stadt an das Reich gezogen wurde! Auch dieses Beispiel illustriert, wie sehr das Wort eines deutschen Königs an Relevanz verloren hatte; die Urkunden wurden je nach Belieben ausgestellt, und als „ewig“ bezeichnete Privilegien konnten bereits nach kurzer Zeit wieder widerrufen werden.

Der König blieb also drei Tage in Villingen und reiste dann nach Donaueschingen weiter 32) Es scheint, als ob die Stadt gute Miene zum Spiel gemacht hätte. Man könnte sogar sagen, die Macht des Königs dauerte in Villingen nur so lange, wie dieser in der Stadt weilte. Sigmund verbot den Reichsuntertanen am 18. 8. in Villingen den Handelsverkehr mit Venedig und eröffnete einen neuen Handelsweg durch Ungarn 33)

Eine Urkunde, die Sigmund am 19. 8. in Villingen ausstellte, beleuchtet seine geschäftlichen Praktiken: er gestattete Dietrich von Weitmühl, der für ihn Schulden machte, dafür eigene Schulden bei Juden nicht zu bezahlen34) Am 20. 8. empfing der König vor der Weiterreise den Bevollmächtigten der Stadt Frankfurt. 35)Was sich bei diesem Besuch des Königs in Villingen sonst noch abspielte, entzieht sich unserer Kenntnis. Vielleicht geben die noch unerschlossenen Quellen des Stadtarchivs hier Auskunft. Es muß jedenfalls eine peinliche Situation für die Stadt gewesen sein, so kurz nach Erhalt der Vergünstigungen durch Herzog Friedrich IV. dessen Todfeind in der Stadt begrüßen zu müssen bzw. zu können. Auch für den Fall, daß die Villinger nichts davon erfuhren, daß Sigmund den Grafen Konrad von Fürstenberg von der Kinzigtaler Linie mit Villingen belehnt hatte, dürfte die Situation unangenehm gewesen sein.

Der Friede zwischen Sigmund und Herzog Friedrich war kein endgültiger Friede. Bereits im Sommer des Jahres 1420 kam es zu neuen Auseinandersetzungen um das Erbe der Elisabeth von Rottenburg, der Schwester des von Herzog Friedrich entmachteten Tiroler Hofmeisters Heinrich von Rottenburg, die mit Hans von Lupfen verheiratet war. Der einstige Landvogt Friedrichs war zu einem seiner erbittertsten Feinde geworden; wie der Truchseß Johannes von Waldburg, Graf Friedrich VII. von Toggenburg oder Graf Eberhard von Nellenburg gehörte er zu den Exponenten des schwäbischen Adels, die 1415 von der österreichischen Seite zu König Sigmund übergelaufen waren, um auf Kosten ihrer einstigen Gönner Karriere zu machen. Am 28. 8. 1420 erlaubte der König von Kasslau aus dem Grafen Hans von Lupfen, die Städte und Festungen Villingen, Bräunlingen, Berheim im Elsaß und Blumberg im Schwarzwald zu besetzen, da Herzog Friedrich nicht zu dem Gerichtstermin erschienen war, den der König im Streit um das Erbe der Elisabeth von Rottenburg angesetzt hatte.36) Den Dekreten des Königs fehlte jedoch häufig die Exekutionsmöglichkeit; auch in diesem Falle gibt es keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß der Graf in den Besitz von Villingen kam.

 

Porträt Kaiser Sigmunds von Luxemburg von Antonio Pisanello (Paris, Louvre, Codex Vallardi)

 

Um seine Interessen in den Vorlanden besser wahrzunehmen, bevollmächtigte Herzog Friedrich am 27. 8. 1419 seine zweite Gemahlin Anna von Braunschweig, nach Schwaben und ins Elsaß zu reiten, um dort an seiner Stelle zu verhandeln und zu wirken. Vom Januar bis März 1420 und im März und April 1421 ist Herzogin Anna in Ensisheim nachweisbar. Am 16. 4. 1421 übergab sie im Namen ihres Mannes dem Hans von Tierberg in Villingen einen Teil des Laienzehnten in Villingen.37) Auch dies dokumentiert die österreichische Herrschaft in der Stadt. Am 17. 2. 1425 kam es im Hornsteiner Vertrag zur zweiten Aussöhnung zwischen dem König und dem Herzog, die wohl auf die Vermittlungsbemühungen Herzog Albrechts V. zurückzuführen war, der sich sehr für seinen Schwiegervater in den Hussitenkriegen engagierte. In der Liste der Städte, die Herzog Friedrich IV. zurückgestellt erhielt, wird „Vilingen mit andern slossern in Brißgow“ erwähnt38) Unter den Städten, die König Sigmund zu Handen des Reiches genommen hatte und die er am 22. 3. 1425 von Tata in Ungarn aus aufforderte, nunmehr wieder dem Herzog Friedrich gehorsam zu sein, wird auch Villingen genannt.39) Es ist jedoch bezeichnend, daß das Original der Ausfertigung nicht expediert wurde, sondern im Reichsarchiv verblieb. Wußte der König gar nicht, daß Villingen längst zu Österreich zurückgekehrt war? Hatte man dem Monarchen bei seinem Besuch eine Komödie vorgespielt? Wollte Herzog Friedrich noch einmal im nachhinein eine Bestätigung dafür, daß Villingen jetzt rechtmäßig wieder zu Österreich gehörte? Wir wissen es nicht. Tatsache ist jedoch, daß der Vertrag zu Hornstein dem Herzog die Möglichkeit bot, seine Position in Schwaben wieder neu aufzubauen. Einen durchschlagenden Erfolg konnte er dabei jedoch erst im Herbst 1427 erzielen, als König Sigmund für seinen geplanten Italienzug die Unterstützung Herzog Friedrichs brauchte: Am 6. 11. 142 7 huldigte Breisach, am 10. 11. Freiburg und am 12. 11. schworen auch Neuenburg und Endingen ihrem alten Herrn die Treue.40) Damit war die Machtstellung des Hauses Habsburg im Breisgau wiederhergestellt.

Villingen war nach dem Hornsteiner Vertrag gewissermaßen eine österreichische Enklave in feindlicher Umgebung. Herzog Friedrich knüpfte daher Kontakte zu Graf Ludwig I. von Württemberg und seinem Bruder Ulrich an. Kurz nach seiner Volljährigkeitserklärung erklärte Graf Ludwig sich 1426 bereit, das Bündnis, das die Vormundschaftsregierung im Jahr zuvor mit den schwäbischen Reichsstädten geschlossen hatte, einzuhalten. Herzog Friedrich IV. hielt das exponierte Villingen wohl für gefährdet, denn am 3. 10. 1426 nahm Graf Ludwig auf Wunsch Friedrichs den Bürgermeister, den Rat und die Bürger von Villingen auf 10 Jahre unter seinen Schutz; ein halbes Jahr vor Ablauf der Frist sollte der Vertrag kündigbar sein. 41) Am 31. 10. stellte die Stadt Villingen den Gegenrevers aus; sie räumte ihm dabei das Öffnungsrecht in ihren Mauern ein. 42) Der Graf von Württemberg konnte also bei Bedarf Truppen in die Stadt verlegen. Auch bei der Gefährdung Villingens im Waldshuter Krieg 1468 sollte sich der Rat der Stadt später an Württemberg um Unterstützung wenden.

Nach dem Tod der Herzogin Katharina von Burgund, der Witwe Herzog Leopolds IV. von Österreich, kehrten die ehemals österreichischen Gebiete im Elsaß 1426 wieder unter die Herrschaft Herzog Friedrichs zurück. Der in Ensisheim residierende Landvogt im Elsaß, Sundgau und Breisgau wurde nun wiederum zum obersten Verwaltungsbeamten des Hauses Österreich in den Vorlanden; alle habsburgischen Gebiete in diesen Gegenden wurden ihm unterstellt. Am 9. 4. 1432 verlieh Herzog Friedrich dem elsässischen Adeligen Smasmann von Rappoltstein „unser landvogtey im Ellsass, Sunkgew, im Brissgew, auch unserr stet Vilingen, Walczhut, Lauffenberg und Sekchingen mitsambt dem Swarczwald“.43) Die Urkunde zählt genau auf, was damals wieder unter österreichischer Herrschaft war. Als Sigmund von Luxemburg nach seiner Kaiserkrönung am 30. 8. 1435 der Stadt Villingen die Privilegien als Kaiser bestätigte (Dokument V), ist keine Rede mehr von „unserer“ Stadt Villingen. Das Fehlen des Possessivpronomens besagt alles: der Kaiser hatte zur Kenntnis genommen, daß Villingen nicht mehr zum Reiche gehörte, sondern wieder unter die angestammte österreichische Herrschaft zurückgekehrt war. Im Jahre 1437 war die Stadt Villingen noch an einer weiteren Rückerwerbung österreichischer Gebiete beteiligt: an der ihrer Schwesterstadt Bräunlingen. Die bereits im 14. Jahrhundert an Villingen verpfändete Stadt war 1405 vom österreichischen Landvogt Rudolf von Wolffurt ausgelöst worden; sein Sohn Wolf bestätigte die Freiheiten der Stadt am 6. 2. 1406 als Pfandherr. Am 19. 5. 1412 gab Wolf von Wolffurt die Pfandrechte seiner Schwester Anastasia als Heiratsgut in deren Ehe mit Erhard von Falkenstein mit.44) Nach der Ächtung Herzog Friedrichs hatte König Sigmund Bräunlingen am 7. 6. 1415 befohlen, dem Grafen Hans von Lupfen an seiner Stelle zu huldigen.45) Der Lupfener scheint sich tatsächlich in den Besitz der Stadt gesetzt zu haben, denn am 22. 3. 1425 erhielt er den Auftrag von Sigmund, Bräunlingen an Österreich zurückzugeben.46) In der Urkunde, mit der der König am 7. 12. 1430 die Privilegien der Stadt bestätigte, wird nichts über den staatsrechtlichen Zustand ausgesagt. Es ist denkbar, daß die Stadt wieder in den Besitz des Pfandherren Erhard von Falkenstein zurückgekehrt war. Am 16. 9. 1437 wurde der Verpfändungsvertrag von 1412 vom österreichischen Landvogt Wilhelm von Hachberg-Rötteln erneuert.47) Die Stadt löste sich nun selbst um 1600 Gulden aus der Verpfändung, da ihr die nicht sehr straffe österreichische Herrschaft offensichtlich angenehmer war. Dafür gelobte der Herzog, Bräunlingen nie mehr zu verpfänden.48) Die Stadt Villingen war an der Stärkung der österreischischen Position durchaus interessiert und versprach der Schwesterstadt am 31. 7. 1437, sie bei der Auslösung finanziell zu unterstützen.

Sämtliche Bürger Bräunlingens sollten in Zukunft auch Bürger Villingens sein. Dafür liehen die Villinger den Bräunlingern 1200 Gulden auf 12 Jahre.49) Die fehlende Restsumme kam von Graf Heinrich VI. von Fürstenberg, der damit die erste Voraussetzung für die Verpfändung Bräunlingens an die Fürstenberger schuf, die Herzog Sigmund der Münzreiche, der Sohn Herzog Friedrichs IV., 1460 vornehmen sollte. Erhard von Falkenstein erhielt erst 1441 die letzte Rate der Pfandsumme ausbezahlt; damit war auch Bräunlingen endgültig wieder unter die österreichische Herrschaft zurückgekehrt.

Nach dem Tod des Grafen Friedrich VII. von Toggenburg konnte Herzog Friedrich IV. 1436 auch die ehemals österreichischen Gebiete in Vorarlberg mit Feldkirch, dem Bregenzerwald und dem St. Galler Rheintal wieder zurückerwerben, nach dem Tod des Grafen Hans von Lupfen im gleichen Jahre auch die Stadt Bergheim im Elsaß. Nach dem Tod Kaiser Sigmunds, der am 9. 12. 1437 in Znaim starb, fiel die deutsche Königswürde wieder an das Haus Habsburg zurück. Nun konnte die Macht des Königtums für den Ausbau der habsburgischen Hausmachtpolitik in Schwaben eingesetzt werden. Herzog Friedrich IV. starb am 24. 6. 1439 in Innsbruck, am 27. 10. des gleichen Jahres auch König Albrecht II., der Schwiegersohn Sigmunds. Die deutsche Königskrone fiel nun an Herzog Friedrich von der Steiermark, den Sohn von Herzog Ernst. König Friedrich III. betrieb über Jahrzehnte hinweg eine aktive Schwabenpolitik. Auf dem Reichstag in Nürnberg setzte er 1444 seinen Bruder Albrecht VI. zum Verweser der Vorlande ein.50) Als Herzog Albrecht VI. am 25. 9. 1444 in Villingen einzog — wo er bis zum 12. 10. blieb, um hier seine Rüstungen gegen die Schweizer Eidgenossen voranzutreiben — war erstmals seit 26 Jahren wieder ein Angehöriger des Herrscherhauses persönlich in Schwaben, um von hier aus die Interessen des „Hauses Österreich“ zu vertreten. Besonders die Regentschaft Albrechts in den Vorlanden verdeutlicht, daß die Machtstellung des Hauses Habsburg im schwäbischen Raum nach einigen Blessuren wiederhergestellt worden war. In der Ära Sigmunds des Münzreichen, der Villingen als Bollwerk habsburgischer Macht in den Vorlanden häufig besuchte, sollte es dann noch einmal zu einer systematischen Expansion Österreichs im schwäbischen Raum kommen und der Dauerkonflikt mit den Schweizer Eidgenossen durch die „Ewige Richtung“ von 1474 endgültig beigelegt werden.

Dokumente

I.

1415 März 2 Konstanz

König Sigmund bestätigt die Privilegien der Stadt Villingen

Orig.:    Villingen, Stadtarchiv, Urk. A 12 (Perg., Siegel an Perg.str.)

Reg.:    Regesta Imperii XI/1 (1896), 92, Nr. 1475 1 Wollasch, Bd. I (1970), 58, Nr. 283 in verso: Stadtarch. A 12, Lad. 1, de anno 1415 Künig Sigmundts confirmation R(egistra)ta

Wir Sigmund von gotes gnaden romischer kunig tzu allen tzyten merer des richs und tzu Ungern Dalmacien Cora-cien etc. kùnig, bekennen und tun kunt offenbar mit disem brief allen den die in sehen oder horen lesen, das wir angesehen haben stete getrue dienste, die uns und dem riche der schultheisze der burgermeister rate und burger gemeinlich der stat tzu Villingen getan haben und noch teglichen tun mogen und sollen in künftigen tzyten und haben in yetzùnd ouch dorumb mit wolbedachtem mute gutem rate und rechter wissen alle und ygliche ire gnade rechte freyheite und alle ire brieve, die sy dorùber von romischen keysern und kùnigen unsern vorfarn an dem riche redlichen herbracht und erworben haben und der sy, in rechter nutzlicher gewer sin bestetet befestet und confirmiret besteten bevesten und confirmiren in die mit königlicher macht in craft disz briefs in aller der masse und wyse, als sy von worte tzu worte in disem brief begriffen und geschriben weren und meynen sec-zen und wollen, das sy fùrbasmer daby beliben sollen und mogen von allermeniglich ongehindert und gebieten dorub allen und yglichen fürsten geistlichen und werntlichen graven freyen herren rittern knechten vogten amptluten lantrichtern und sust allen und yglichen unsern und des richs undertanen und getruen ernstlich und vesticlich mit disem brief, das sy die vorjgenanten schultheissen burgermeister rete burger gemeinlich der vorgenanten stat tzu Villingen an den vorgenanten iren gnaden freheiten rechten und brieven nit iren noch hindern in dhein wis sunder sy, daby, gerùlichen beliben lassen bey unsern und des richs hulden. Mit urkund disz briefs versigelt mit unser kuniglichen maiestat insigel, geben tzu Costentz nach Crists geburt viertzehenhun-dert jar und dornach in dem fünftzehenden jare des nechsten sampztags vor oculi unserer riche des ungrischen etc. in dem achtundtzweintzigisten und des romischen in dem fünften.

(ad relacionem domini G. comitis de Swartzburg judicis curie Michel de Priest canonicus Wratislav.)

1) Die Urkunde fehlt in den Reichs-Registraturbüchern

Urkunde König (Kaiser) Sigmunds, siehe Übertragung Dokumente 1.

 

II

1415 Dezember 15 Hall

Erzherzog Ernst von Österreich bestätigt der Stadt

Villingen, die in den Wirren um seinen Bruder Herzog Friedrich IV. treu bei Österreich verblieb, die Privilegien!

Orig.:    Villingen, Stadtarchiv, Urk. B 17 (Perg., Siegel an Perg.str.)

Reg.:    Wollasch, Bd. I (1970), 58, Nr. 287

in verso: Stadtarch. B 17, Ld. 6 Herzog Ernsten confirmation

Wir Ernst von gots gnaden ertzherczog ze Osterreich ze Kernden und ze Krain herre auf der Winndischen March und ze Porttnaw graf ze Habspurg ze Tirol ze Phirrt und ze Kyburg markgraf ze Burgaw und lanntgraf in Elsessen bekennen und tun kund offenlich mit dem brief, wan unser lieben getrewn unser stat und burger ze Vilingen und ir vordern den allen got genedig sey allzeit allen unsern vordern seliger gedechtnuss und den loblichen haws Osterreich mit lautern ganczen und besundern trewen und undertenikeit gewesen sind als auch das ir nachkomen und getrew nachvolger derselben irer vordern unser gegenwurttig burger daselbs yeczund in den hertten sweren und widerwerrttigen lewffen an uns wol beweiset und swerlich ir leyb und gut willikleich dargelegt haben und des noch willig sind ze tun, damit sy bey uns erharret bestannden und beliben sind, das wir auch als ain genediger besorger seiner getrewn billich bedenkchen und sy dadurch in solhen wegen begnaden, damit sy derselben unsr stat fromen furgziehen mugen und ir und aller irer erben und nachkomen nucz schemperlich zu scheczen ist. Und umb solh gross und besunder trew und gehorsamkeit, so sy uns steti kleich tragent und hinfur phlichtig sind ze tun und auch durch vleissiger bette willen haben wir in und allen iren erben und nachkomen und derselben unser getrewn stat all ir gnad recht freyhait geseczt und gut gewohnheit, die sy uncz auf hewtigen tag von allen unsern vordern fursten und herren des haws von Osterreich gehabt und her-bracht habent von fùrstiglicher gùtigkeit genedeklich bestett bevestend und confurmiert bevesten bestetten und confurmyeren in auch wissentlich in krafft dicz briefs, was wir in zurecht daran bestetten sullen und mugen in sölher mass, daz dieselben unser getrewn burger all ir erben und nachkomen und dieselb unser stat ny furbass ewikleich und unwiderruffenlich von uns unserm lieben bruder herczog Fridreichen und allen unsern erben und nachkomen bey denselben iren gnaden rechten freyhaiten geseczden und guten gewonhaiten beleiben und der in all weg genyessen sullen nach laut irer brief, die sy darumb habent ungehinndert von allermenikleich. Davon gebieten wir unsern lieben getrewen allen unsern hawbtlewten heren rittern knechten phlegern und allen andern unsern ambtlewten undertanen und getrewen gegenwurtigen und kùnfftigen, den diser brief gezaigt wirdet und wellen ernstlich, daz sy die obgenan-ten unser stat und burger bey solh iren rechten freyhaiten geseczten gnaden und gùten gewonhaiten nach irer brief innhaltung lassen beleiben und sy daran nicht hindern noch irren in dhain weys. Das ist ernstlich unser maynung. Mit urchund dicz briefs, geben ze Hall im Intal an suntag nach sand Lucein tag nach Krists geburd in dem vierczehenhundertistem und fùnfczehenden jare.

D. duc in cons.

III.

1417 Juli 8 Konstanz

König Sigmund erklärt, daß Villingen wegen der Frevel Herzog Friedrichs IV. von Österreich an das Reich gefallen sei und bestätigt die Privilegien.

Orig.:    Villingen, Stadtarchiv, Urk. A 13 (Perg., Siegel an Handschnur)

Kop.:    Wien, Haus-, Hof- u. Staatsarchiv, Reichsregistraturbuch F, 46v

Reg.:    Regesta Imperii XI /1 (1896), 172, Nr. 2451 Wollasch, Bd. I (1970), 59, Nr. 291

in verso: Stadtarch. A 13, Ld. 1 Künig Sigmundts freiheit und wie Villingen an daß Reich khomen de anno 1417

R(egistra)ta

Wir Sigmund von gotes gnaden römischer kunig zu allen czyten merer des richs und zu Ungern Dalmacien Coracien etc. kunig bekennen und tun kunt offenbar mit disem vrief allen den die in sehen oder horen lesen, wann wir die stat Vilingen und ouch ander stet slosz lande lute und herschafft die der hochgeborn hertzog Fridrich von Osterrich etc. zu Swaben zu Elsass am Rin in Briszgow Sunkow und Ergow innegehebt hat, durchs sins frevenlichen uberfarens willen, das er mit hindweg helfen ettwan babst Johannes wider die heilig kirch uns und das riche begangen hat und ouch durch der grossen gewalt mutwillens und unrechts willen, die er an manichen des richs prelaten edeln und undertanen frowen und mannen geistlichen und werntlichen luten wider alles recht getan hat, an uns und das rich geruffen bracht und empfangen haben, und wann ouch dieselben von Vilingen mitsampt andern vorgenanten steten slossen landen luten und herscheften nach lude des briefs, den uns der vorgenant Fridrich daruber gegeben und dor-nach siner gelubd und eyde, die er uns darinn und daruff getan und doch nit gehalten hat, an uns und das riche recht und redlich komen und gefallen sind, dorumb und ouch durch merung willen des heiligen römischen richs, des merer wir durch die wyte werlde genant sin, meynen setzen und wollen wir von römischer kunglicher macht das sy und ir nachkomen burger und die stat Vilingen by uns unsern nachkomen römischen keysern und kungen und dem heiligen römischen riche furbassmere zu ewigen czyten beliben sollen und das ouch wir und die iczgenanten unser nachkomen dieselben burgere und stat zu Vilingen von dem ytzgenanten riche furbassmere on iren willen nit versetzen verkouffen hingeben entliden noch empfremden oder in ander hende wenden sòllen in kein wis on all geverde, sunder das sy by uns und dem riche alwege beliben und behalden werden sollen als ander des heiligen richs stet die yewelten an dem rich herkomen sind; und uff das das dieselben burger und stat zu Vilingen also by uns unsern vorgenanten nachkomen und dem riche desterbasz beliben mögen, darumb mit wolbedachtem mute gutem rate und rechter wissen haben wir in alle und igliche ire gnade fryheite rechte brieve privilegia gute gewonheite rechte und redlich her-komen, die sy von der herschaft von Osterrich erworben und redlich herbracht haben, gnediclich bestetigt und bestetigen in die mit rechter wissen in craft disz briefs und römischer kunglicher macht volkomenheit und settzen und wollen, das sy furbaszmer daby beliben und der ouch an allen enden gebrùchen und geniessen mögen ungehindert von allermeniclich. Ouch haben wir in dise besunder gnad getan und tun in die mit disem brief fur uns und unser nachkomen an dem riche, was gùlt rente oder nùtze ire herschefte von Osterrich von der vorge-nanten stat Vilingen verseczt und uff widerkouff verkouft haben, das das die vorgenanten burger an sich und die stat Vilingen losen und widerkoùffen mögen umb solich sume als dann solich versatzung oder kouffe beschehen sind und als die brieve doruber gegeben innehalden, doch also, das wir und unser itzgenante nachkomen an dem riche losung und widerkoufe allczyt döruf haben sollen und mögen in aller der masz und in allem dem rechten, als dann die vorgenant herscheft von Osterrich nach lude ir brieve doruff gemacht gehebt haben oder gehaben mochten on geverde sölicher losung und widerkoufe, so wir oder unser itzgenante nachkomen die tun wollen uns und dem riche zu behalten und furbasz andern nit zu versetzen, die vorgenanten von Vilingen uns und denselben unser nachkomen in solicher wise allczyt stat tun und gehorsam sin sollen umb sovil als sy dann das an sich gelozt hand on alles vercziehen und widersprechen. Mit urkund disz briefs versigelt mit unser kunglicher maiestat insigel, geben zu Costentz nach Crists gebùrt vierczehenhundert jare und darnach in dem sibentzehenden jar, des nechsten donerstags nach sant Ulrichs tage, unser riche des ungrischen etc. in dem eynunddrissigsten und des römischen in dem sibenden jaren.

Per dominum Fridericum marchionem Brandemburgensem Johannes Kirchen

IV.

1418 Juli 4 Breisach 1)

Herzog Friedrich IV. von Österreich bestätigt der Stadt Villingen in anbetracht der „grosse trew und manigvaltig nuczper dienst“, mit denen sie in „kriegen und wider-wertikeiten ir plut vergossen und offt keklich“ dem Hause Österreich diente, besonders in jüngster Zeit gegen König Sigmund „hiedishalb des Arls“, alle Privilegien und Freiheiten.

Orig.:    Villingen, Stadtarchiv, Urk. B 19 (Perg., Siegel an Perg. str.)

Kop.:    Innsbruck, Tiroler Landesarchiv, Lehenamtsbücher 1 /1, fol. 212

Reg.:    Lichnowsky, Bd. V (1841), CLXVI, Nr. 1847 Wollasch, Bd. I. (1970), 60, Nr. 297

in verso: Stadtarch. B 19, Ld. 7 Confirmation Hertzog Friederichs, de anno 1415

Wir Fridreich von gots gnaden herczog ze Osterreich ze Steyr ze Kernden und ze Krain, herre auf der Windischen March und ze Portnow, graf ze Habspurg ze Tyrol ze Phirt und ze Kyburg, marggraf ze Burgow und landgrave in Elsass bekennen und tön kunt offenlich mit dem brief, daz fur uns komen die erbern weysen unser lieben getrewn burgermaister, rett und burger ze Vilingen und batten uns diemùtiklich, daz wir in all ir recht gnad freyheit und gùt gewonheit, damit sy und ir vordern herkommen wern und die sy uncz auf hewtigen tag von unsern vordern und uns gehebt hetten, gnediklich ich geruchten ze vernewen und ze bestetten, haben wir angesehen und betracht solch grosse trew und manigvaltig nuczper dienst, die sy und ir vordern uns und unsern vordern offt unverdrossenlich hand getan und noch hinfùr wol getùn sùllen und mögen und auch in resen, kriegen und widerwertikeiten ir plut vergossen und offt keklich bey ùns sind bestanden, und sunder wan auch sy sich in unsern lewffen als uns ùnser herr der römisch kunig alle unsre land hiedishalb des Arls abgedrungen het, als keklich frùmblich erberlich und manlich widersaczten, daz sy bey uns als frum erber lewt bey irem naturlichen herrn sind beliben, des sy in sòlch grozz scheden sind gevallen, daz wir das billich gen in erkennen und sullen auch ir nachkönnen des von unsern erben billich ergeczt werden, und also haben wir als ain erkenner empfangner guttät den egenanten von Vilingen und allen iren erben und nachkomen all ir gnad recht geseczt freyheit und gùt gewonheit, die sy hand und damit sy herkomen sind, von furstlicher macht vernewt bestett und confirmiert, vernewen bestetten und confirmiern in auch diewissent-lich in kraft diczs briefs, was wir in billich und ze recht daran bestetten und vernewen sullen oder mögen, also daz sy und ir erben und nachkomen dieselben ir gnad recht freyheit geseczt und gut gewonheit hinfur ewiklich und unwiderrùfflich von unserm brùder vettern uns und unsern erben haben und der geniessen sùllen und auch dabey beleiben nach innhalt und begreiffung der brief die sy darumb hand und in aller der mass als ob sy von wort ze wort hieinn geschriben wern von meniklich daran umbekrenkt und unbekùmbert an alles geverde. Davon so empfelhen wir unsern lieben getrewen allen herren rittern knechten landvögten haubtlewten vogten pflegern schultheissen retten burgern ambtlewten und undertanen in stetten und auf dem lande gegenwurtigen und kùnfftigen bey unsern hulden, daz sy die egenanten unser burger und die stat ze Vilingen und ir nachkomen bey solchen iren gnaden rechten geseczten freyheiten und guten gewonheiten, damit sy herkämen sint, nach begreiffung irer brief halten schirmen und beleiben lassen und in daran kain invell irrung noch hindernuss tùn noch des nyemand anderm gestatten, wan wir das ernstlich maynen und wellen. Mit urkund dicz briefs geben ze Brysach an sand Ulrichs tag nach Christs gebùrde in dem vierczehnhundertistem und in dem achtzehenden jare.

1) Die Innsbrucker Kopie enthält lediglich das Jahresdatum ohne Ort

 

Urkunde Herzog Friedrichs IV., siehe Übertragung Dokumente IV.

 

V.

1435 VIII 30 Tyrnau

Kaiser Sigmund bestätigt der Stadt Villingen die Privilegien, insbesondere die von seinem Vater Kaiser Karl IV.gewährte Befreiung von auswärtigen Gerichten.

Orig.:    Villingen, Stadtarchiv, Urk. A 15

Kop.:    Wien, Haus-, Hof- u. Staatsarchiv, Reichsregistraturbuch K, 15 s. d. u. 228 v, s. d.

Reg.:    Regesta Imperii XI /2 (1900), 357, Nr. 11177 Wollasch, Bd.1(1970), 74, Nr. 360

in verso: Stadtarch. A 15, 1435 Kayser Sigmundts fraihait und confirmation

R(egistra)ta Marquardus Brisacher

Wir Sigmund von gotes gnaden römischer keyser zu allen ziten merer des reichs und zu Hungern zu Behem Dalmacien Croacien etc. kunig, bekennen und tun kunt offembar mit disem brieff allen den die ihn sehen oder horen lesen, das wir angesehen haben getreue und willige dienste die uns und dem reich die schulthess burgermeister und burger gemeinlich der statt zu Vilingen getan haben teglichs tun und hinfur tun sollen und mogen in kunftigen czeiten, und haben in dorumb mit wolbedachtem mùt gutem rate und rechter wissen alle und ygliche ir gnad freiheit rechte brieff privilegia hantvesten und gut gewanheit, die sy von romischen keysern und kunigen unsern vorfarn am reiche und uns redlichen herbracht und erworben haben gnediclich bestetet bevestnet und confirmiret besteten bevestnen und confirmirn in die von romischer keyserlicher macht in crafft dis briefs in aller der mass und wise als ob sy alle von wort zu wort in disem unserm brieff geschriben und begriffen weren und meinen setzen und wollen, das sy fùrbassmer dabey bliben und der gebruchen und genissen sollen und mogen von allermeniclich ungehindert, ouch von sundern unsern keyserlichen gnaden, so haben wir denselben schultheissen burgermeister rate und burgern gemein-lich der statt zu Vilingen dise besunder gnad getan und freiheit gegeben tun und geben in die ouch in crafft dis briefs, als sy vormals von unserm lieben hern und vatter keyser Karin loblicher gedechtnùss gemeinlich und sun-derlich begnadet und gefriet syn, das sy nyemandt in was statt oder wirden der were fùr dhein hofgerichte sin hofgerichte oder andere lantgerichte oder gerichte und dheinerley sach oder zuspruch fùrheischen fordern oder laden sol, sunder wer also zu in zusprechen hat, umb was sach das ist, der sol das recht von in nemen vor irem richter zu Vilingen nach derselben irer statt rechten frei-heiten und gewanheiten, als dann sin keyserlich maies-tatbrieff in doruber gegeben das mit mer worten clerlicher uswiset; also wollen wir das in solicher freiheit und gnade wie die von wort zu wort lutet und begriffen ist ouch begriffen seyen und der ouch gebruchen und geniessen mogen an allen enden alle und ygliche der genanten state zu Vilingen inwonere und die, die derselben statt als fur ir rechte burgere zu versprechen steen, zu gleicherweiss als die ingesessen burgere doselbst der ytzund gebruchen und geniessen von allermeniclich ungehindert. Und wir gebieten darumb allen und ygliche fursten geistlichen und werltlichen graven fryen hern rittern knechten vagten amptluten hofrichtern lant-richtern richtern burgermeistern reten und gemeinden und sust allen andern unsern und des reichs undertanen und getruen ernstlich und vesticlich mit disem brieff, das sy die vorgenanten schultheisse burgermeister rate und burgere gemeniclich der vorgenanten statt zu Vilingen ire inwonere und die; die in fur ire rechte burgere zu versprechen steen, an den vorgenanten iren gnaden Freiheiten rechten und brieven nit hindern oder irren in dhein wisz sunder sy dabey gerulich bliben und der genissen lassen, bey unsern und des reichs hulden. Mit urkunt disz briefs versigelt mit unserer keyserlichen maiestat insigel, geben z Tirnaw am dinstag vor sant Egidy tag nach Cristi geburt vierczehenhundert und dornach in dem fùnfunddrissigisten jaren unserer reiche des hungrischen etc. in dem XLIX. des romischen in dem XXV. des behemischen in dem XVI. und des keyserstumbs in dem dritten jaren.

Ad man datum domini imperatoris Caspar Sligk miles cancellarius

Anmerkungen

1) Revellio (1964), 440, wo allerdings gerade das hier zu behandelnde Kapitel fehlerhaft und ungenau ist.

2) Bader (1978), 82

3) Der Verfasser des vorliegenden Artikels bereiteteine Biographie des letzten Luxemburgers vor, die in einigen Jahren erscheinen soll.

4) Baum (1987), 39-63

5) Villingen Stadtarchiv, Urk. H 9, vergl. dazu: Wollasch, Bd. I (1970), 53, Nr. 255

6) Stuttgart, Hauptstaatsarchiv, B 19, Büschel 4

7) Schmid (1897), 197 f

8) Kramer (1934), 440-452

9) Jäger, Bd.II/ 2 (1885), 311

10) Feger, Bd. III (1981)2 ,151

11) Hottinger (1846), 132 f

12) Rüeger, Bd. II (1892), 622

13) Schreiber, Bd. II (1829), 263, Nr. 483

14) Bilgeri, Bd. II (1974), 182

15) Wollasch, Bd. I (1970), 59, Nr.289; für die Beschaffung der Kopien von den Originalurkunden aus dem Villinger Stadtarchiv bedanke ich mich bei allen beteiligten Personen, insbesondere beim Geschichts- und Heimatverein Villingen

16) Fester (1896), 84

17) Schreiber, Bd. II (1829), 278, Nr. 501

18) Regesta Imperii, Bd. XI /1(1896), 196, Nr. 2749

19) ebenda, 224, Nr. 3152-3154

20) Lichnowsky, Bd. V (1841), CLXX, Nr.1890

21) ebenda, CLXIII, Nr. 1804

22) Schib (1950), 73 f

23) Wackernagel, Bd. I (1907), 406

24) Innsbruck, Tiroler Landesarchiv, Lehenamtsbücher 1 /1, fol. 123 r; vergl. dazu: Malzacher (1911), 225, Anm. 55

25) Regesta Imperii, Bd. XI /1 (1896), 178, Nr. 2528 (auch: Villingen, Stadtarchiv, Urk. A 12; vergl. dazu: Wollasch, Bd.1(1970), 60, Nr. 293)

26) Innsbruck, Tiroler Landesarchiv, Lehenamtsbücher 1 /11, fol. 210 v

27) Schreiber, Bd. II (1829), 286f, Nr. 515

28) Villingen, Stadtarchiv, Urk. B 20 u. Innsbruck, Tiroler Landesarchiv,

29) Lehenamtsbücher 1 /11, fol. 212 v; vergl. dazu: Wollasch, Bd. I (1970), 60, Nr. 298 Villingen, Stadtarchiv, Urk. B 21 u. H 10 u. Innsbruck, Tiroler Landesarchiv, Lehenamtsbücher 1 /1, fol. 212 v; vergl. dazu: Wollasch, Bd. I (1970), 61, Nr. 299

30) Regesta Imperii, Bd. XI /1 (1896), 242, Nr. 3419 u. Fürstenbergisches Urkundenbuch, Bd. III (1878), 101 f

31) Riezler (1883), 360

32) Regesta Imperii, Bd. XI 1 (1896), 242 f, Nr. 3420-3421 a

33) ebenda, 242 f, Nr. 3420

34) ebenda, 243, Nr. 3421

35) ebenda, Nr. 3421a

36) ebenda, Nr. u. Glatz (1874), 377 f, Nr.226

37) Villingen, Stadtarchiv, Urk. R 1; vergl. dazu: Wollasch, Bd. I (1970), 62, Nr. 309

38) Regesta Imperii, Bd. XI /2 (1900), 9, Nr. 6158

39) ebenda, 13, Nr. 6233

40) Baum (1988) (im Druck)

41) Villingen, Stadtarchiv, Urk. B 22; vergl. dazu: Wollasch, Bd. I (1970), 66, Nr. 326

42) Stälin, Bd. III (1856), 432 u. Württembergische Regesten, Bd.I/ 1 (1916), 230, Nr. 6253

43) Rappoltsteinisches Urkundenbuch, Bd. III (1894), 353 f, Nr. 718

44) Balzer (1903), 37

45) Hornung (1964), 177

46) Regesta Imperii, Bd. XI /2 (1900), 13, Nr. 6211

47) Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg, Bd. II (1901), 47, Nr. 1461 (vergl. ebenda, Nr.1470 den Aufenthalt des Landvogtes in Villingen am 31. 10. 14371)

48) Hornung (1964), 177

49) ebenda, 178

50) Baum, Albrecht VI (1988) (im Druck)

Literaturverzeichnis

Bader Karl S.: Der deutsche Südwesten in seiner territorialstaatlichen Entwicklung, Sigmaringen 1978

Balzer Eugen: Überblick über die Geschichte der Stadt Bräunlingen, Donaueschingen 1903

Baum Wilhelm: Sigmund der Münzreiche. Zur Geschichte Tirols und der habsburgischen Länder im Spätmittelalter, (= Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes 14), Bozen 1987

ders.: Albrecht VI. (+ 1463), Erzherzog von Österreich. Skizze einer Biographie, in: Der Sülchgau (im Druck)

ders.: Freiburgs Rückkehr zu Österreich, in: Schauinsland (im Druck) Bilgeri Benedikt: Geschichte Vorarlsbergs, Bd. II: Bayern, Habsburg, Schweiz – Selbstbehauptung, Wien-Köln-Graz 1974

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Fester Richard: Markgraf Bernhard I. und die Anfänge des badischen Territorialstaates, (= Badische Neujahrsblätter 6), Karlsruhe 1896 Glatz Karl: Regesten zur Geschichte des Grafen Hans I. von Lupfen, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Befürderung der Geschichts-, Alterthumsund Volkskunde, 3, 1874, 291-424

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Kramer Hans: Das Meraner Bündnis Herzog Friedels mit der leeren Tasche mit Papst Johann XXIII., in: Schlern 15, 1934, 440-452 Lichnowsky Eduard Maria: Geschichte des Hauses Habsburg, Bd. V: Vom Regierungsantritt Herzog Albrecht des Vierten bis zum Tod König Albrecht des Zweiten, Wien 1841

Malzacher Josef Arnold Claudius: Geschichte von Säckingen und nächster Umgebung, Säckingen 1911

Rappoltsteinisches Urkundenbuch, hrsg. v. Karl Albrecht, Bd. III, Colmar 1894

Regesta Imperii, Bd. XI: Die Urkunden Kaiser Sigmunds (1410-14337), 2 Bde, bearb. v. Wilhelm Altmann, Innsbruck 1896 /1900

Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg, Bd. II: Regesten der Markgrafen von Hachberg von 1422-1503, bearb. v. Heinrich Witte, Innsbruck 1901

Revellio Paul: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, Villingen 1964 ders.: Villingen, Bräunlingen und die Herrschaft Triberg, in: Vorderösterreich. Eine geschichtliche Landeskunde, hrsg. v. Friedrich Metz, Bd. II, Freiburg 1959, 437-461

Riezler Sigmund: Gjeschichte des fürstlichen Hauses Fürstenberg und seiner Ahnen bis zum Jahre 1509, Tübingen 1883

Rüeger Johann Jakob: Chronik der Stadt und Landschaft Schaffhausen, Bd. II, Schaffhausen 1892

Schib Karl: Geschichte der Stadt Laufenburg, in: Argovia 62, 1950, 1306

Schmid Georg: Itinerarium Johanns XXIII. zum Concil von Konstanz 1414, in: Festschrift zum 1100. Jub. des Campo Santo in Rom, Freiburg 1897,196-206

Schreiber Heinrich: Urkundenbuch der Stadt Freiburg, Bd. II, Freiburg 1829

Stälin Christoph Friedrich von: Wirtembergische Geschichte, Bd. III: Schwaben und Südfranken. Schluß des Mittelalters. 1269-1496, Stuttgart 1856

Wackernagel Rudolf: Geschichte der Stadt Basel, Bd. I, Basel 1907 Wollasch Hans-Josef: Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen, (= Schriftenreihe der Stadt Villingen), 2 Bde, Villingen 1970/71 Württembergische Regesten von 1301 bis 1500, Bd. I: Altwürttemberg, 1. Teil, hrsg. v. Gebhard Mehring, (= Urkunden und Akten des k. Württ. Haus- und Staatsarchivs 1), Stuttgart 1916