Die Ausgrabung im ehemaligen Franziskanergarten an der Rietgasse (Bertram Jenisch)

Ein Beitrag zur Stadtarchäologie Villingens

Vorbemerkung

Im Jahr 817 wird erstmals die Vorgängersiedlung des heutigen Villingen urkundlich erwähnt1). Sie lag auf dem östlichen Brigachufer, zu beiden Seiten des Steppach-Flüßchens, in der Umgebung der sogenannten „Altstadtkirche“, wo sich heute noch der städtische Friedhof befindet. Durch archäologische Untersuchungen konnte die vermutliche Ausdehnung dieser Siedlung festgestellt werden. Am Rand dieser Siedlung wurden drei Friedhöfe lokalisiert. Ein Fund aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts aus dem Gräberfeld „Blutrain“ legt nahe, daß die zugehörige Siedlung vermutlich bis in die Zeit der alamannischen Landnahme zurückreicht, mit Sicherheit aber in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts fest etabliert war2).

Von Kaiser Otto III. erhielt Graf Berthold im Jahr 999 n. Chr. das Markt-, Münz-, Bann- und Zollrecht für den ihm gehörenden Ort Villingen3). Die traditionelle Geschichtsschreibung geht davon aus, daß 1119 die heutige Stadtanlage von den Herzögen von Zähringen als Nachfolger dieser Marktsiedlung neu gegründet wurde4). Allerdings ist in den letzten Jahren die Diskussion um die Gründungsgeschichte der „Zähringer Städte“ neu in Gang gekommen. So kommt B. Schwineköper nach erneuter Durchsicht der zur Verfügung stehenden Schriftquellen zu der Ansicht, die Siedlungsverlagerung von der ViIIinger Altstadt auf das gegenüberliegende Brigachufer habe am Anfang des 13. Jahrhunderts stattgefunden5). Diese Ansicht steht allerdings im Widerspruch zu den Ergebnissen der bisher erfolgten archäologischen Untersuchungen im Villinger Stadtkern, die eher für einen Siedlungsbeginn um die Mitte des 12. Jahrhunderts sprechen. Es erscheint mir allerdings wenig sinnvoll, dies zum Anlaß einer erneuten Durchsicht der Archivbestände zu machen, da sich die Frage erhebt, ob diese überhaupt in der Lage sind, uns den Zeitpunkt dieser Siedlungsverlagerung anzuzeigen. Offensichtlich belegen die bekannten historischen Quellen eher einen Rechtsakt als die tatsächliche Neuanlage Villingens. Da eine Erweiterung der Schriftquellenbasis nicht zu erwarten ist, können neue Hinweise zum Zeitpunkt und Verlauf dieser Stadtgründungsvor-gänge in erster Linie durch stadtarchäologische Untersuchungen geliefert werden.

Die folgende Darstellung der Ergebnisse der Ausgrabung im Franziskanergarten in Villingen kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, da sich die Auswertung noch im Gang befindet. Dennoch können bereits jetzt an diesem aktuellen Beispiel Villinger Stadtarchäologie die Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie mit Hilfe archäologischer Untersuchungen der durch die Schriftquellen gesteckte Rahmen gefüllt werden kann, so daß sich uns gleichsam ein Fenster zum mittelalterlichen Leben in dieser Stadteröffnet.

Die Ausgrabung im Franziskanergarten

Unmittelbar innerhalb der westlichen Stadtmauer von Villingen soll im ehemaligen Franziskanergarten eine Tiefgarage errichtet werden. Nördlich an dieses Gelände schließt das ehemalige Franziskanerkloster an, südlich die bis ins Mittelalter zurückreichende Bebauung an der Rietgasse. Aufgrund einer Stiftung der Grafen von Fürstenberg ließen sich die Franziskanermönche im Jahr 1268 innerhalb der Stadtmauern nieder. Bereits durch ältere Untersuchungen des Landesdenkmalamtes Freiburg war belegt, daß unter den Fußböden der heute profanierten Franziskanerkirche Reste einer mittelalterlichen Wohnbebauung, die älter als die Gründung des Klosters ist, liegen. Soweit bisher bekannt, war das Gelände des Franziskanergartens seit dem Mittelalter nicht mehr überbaut, mit Ausnahme einiger nicht unterkellerter Wirtschaftsgebäude des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, deren Punktfundamente bei der Untersuchung des Geländes angetroffen wurden. Vorsondierungen im Jahre 1985 hatten bereits gezeigt, daß auch im angrenzenden Gartengelände mittelalterliche Baubefunde vorhanden sind. Es bestand somit die Hoffnung, auf dieser relativ großen Freifläche innerhalb der Stadtmauern zusammenhängende Befunde zur frühen Entwicklungsgeschichte der Stadt zu erhalten. Die archäologische Ausgrabung des beschriebenen Geländes wurde vom Landesdenkmalamt Freiburg, durch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Stadt Villingen unterstützt, von März bis Oktober 1986 durchgeführt.

Den Untergrund des Franziskanergartens bilden die Schwemmschotter des Brigachtals, die von lehmigen Bodenschichten und Gartenhumus überlagert werden. Eine von N nach S schwächer werdende Schuttauffüllung bewirkt einen leichten Geländeanstieg nach N bis an die Gebäude des Klosters. Die bis zu 0,6 m mächtige Schicht aus Mörtelbrocken, Ziegelbruch und kleingeschlagenen Bruchsteinen stammt, wie die beigemengten Keramikbruchstücke und Kleinfunde belegen, von dem bei der Beschießung Villingens am 4. und 5. Mai 1704 stark zerstörten Franziskanerkloster. Offensichtlich hat man bei den Wiederaufbauarbeiten den unbrauchbaren Schutt im Klostergarten anplaniert. Die darunterliegenden älteren Schichten waren durch die intensive Nutzung als Gartenland tiefgründig durchmischt. Nur in der N-Hälfte des Grabungsgebietes sind Teile des mittelalterlichen Benutzungsniveaus erhalten, ansonsten war die Stratigraphie so stark gestört, daß zwischen den einzelnen, tiefer in den Boden reichenden Befunden keine Zusammenhänge mehr erkennbar waren.

In SO der Grabungsfläche, unmittelbar anschließend an die Rietgasse, wurden die Fundamentreste eines giebelständig zu ihr errichteten Steinhauses (ca. 5,5 x 10 m) festgestellt. Reste der Sockelzone der Hausfassade sind in die Gartenmauer des Franziskanergartens einbezogen. Deutlich ist die Baufuge zwischen der jüngeren Gartenmauer und der Eckquaderung des Gebäudes zu erkennen. Auch die unteren Partien der aus Bossenquadern gefügten Türeinfassung und Reste der Türschwelle in Höhe des heutigen Straßenniveaus sind noch erhalten. Im Innern fanden sich Fragmente eines Fußbodenestrichs, der den ehemaligen Benutzungshorizont auf dem Niveau der heutigen Rietgasse belegt. Als 1968 von der damals noch 3,3 m hohen Gartenmauer um 2 m abgetragen wurden, fand man die vermauerten Gewände eines vierteiligen gotischen Gruppenfensters, das sich heute im Magazin des Franziskanermuseums befindet.

Der Verlauf der Hausmauern ließ sich bei der Ausgrabung durch die Fundamentgruben nachweisen. Zwar waren beim Abbruch des Gebäudes zu unbekannter Zeit die Fundamente vollständig entfernt worden, doch waren die Ausbruchgruben mit dem kleingeschlagenen Kalkmörtel und Bruchsteinen angefüllt worden, die im Boden wieder sekundär verbacken waren. Die etwa 1 m breiten Fundamentgräbchen waren geringfügig in den anstehenden Schotter eingetieft und in der Sohle mit einer dünnen Schicht aus grobem Sand als Ausgleichslage gefüllt. Im Bereich des Fassadenrestes entlang der Riet-gasse besteht das Fundament aus Bruchsteinen von Kalk-und Buntsandstein. In der 0-Hälfte des Gebäudes fand sich eine größere Ansammlung von Becherkacheln und stark angeziegelter Lehm, woraus zu schließen ist, daß sich hier ehemals ein Kachelofen befunden hatte. Die Form der Becherkacheln läßt sich in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts einordnen. Unmittelbar vor der SW-Ecke des Gebäudes liegt an der Giebelseite eine knapp 1,5 m unter das Straßenniveau reichende rechteckige Grube, deren Funktion mutmaßlich als Abortgrube anzusprechen ist. U. a. fanden sich im Grubeninhalt wiederum Bruchstücke von Keramik aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Südlich dieses Hauses unmittelbar an der Grabungsgrenze wurde ein weiterer, in der gleichen Weise verfüllter Fundamentgraben festgestellt, der jedoch mit dem bisher besprochenen Hausfundament nicht direkt in Verbindung steht.

Über das Alter des Gebäudes lassen sich vorerst noch keine sicheren Angaben machen. Es könnte nach den beschriebenen Befunden und dem Fundamentmaterial bereits vor der Gründung des Klosters bestanden haben und wurde möglicherweise gleich mit dessen Niederlassung vom Orden erworben, um dann später abgebrochen zu werden. Ebensogut kann es aber auch mit dem gleichen Ziel in späterer Zeit in Ordensbesitz gelangt sein.

 

Abbildung 1 Übersichtsplan der mittelalterlichen Befunde: 1 Hausfundament 1a fest verbackener Mörtel in der Fundamentausbruchgrube 1b lockerer Mörtel 2 rechteckige Abfallgrube 3 runde Abfallgruben mit Flechtwerkaussteifung 4 Schmelzgrube

 

Nördlich und westlich der bisher beschriebenen Befunde fanden sich im Grabungsareal insgesamt noch sechs weitere Abfallgruben, von denen drei vollständig ergraben, während drei weitere an der nödlichen Grabungsgrenze nur angeschnitten wurden (Abb. 1,3). Diese Gruben sind im Gegensatz zu der Abortgrube an der Giebelseite des Hauses annähernd kreisrund mit einem Durchmesser von 1,5 — 1,8 m. Sie sind alle 1,6 —1,8 m unter die heutige Geländeoberkante eingetieft und reichen damit bis dicht über den heutigen Grundwasserspiegel. Die Gruben sind tonnenartig in den anstehenden Brigachschotter eingetieft. Um ein Nachrutschen des wegen der geringen Auflast lockeren Materials zu verhindern, sind entlang des Grubenrandes armdicke, angespitzte Pfosten in Abständen von ca. 0,25 m eingerammt und mit einem Geflecht aus fingerdicken Zweigen verbunden7). Der obere Abschluß dieser Gruben war aufgrund der starken Grabungstätigkeit im ehemaligen Klostergarten nicht mehr feststellbar. Die Grubenfüllung bestand aus tiefschwarzem, teils torfartigem, teils stark humosen Material, das mit vielen organischen Resten, aber auch mit Keramikbruchstücken durchmischt war. Es waren auch mehrfache dichte Lagen von Obstkernen im Wechsel mit Fäkalienschichten feststellbar. Die teilweise beträchtliche Entfernung dieser Gruben zu dem oben besprochenen Baubefund läßt annehmen, daß sie z. T. zu anderen bei der Grabung nicht mehr feststellbaren Häusern gehören.

Der Inhalt dieser Gruben läßt Rückschlüsse auf die Ernährung der mittelalterlichen Bevölkerung Villingens zu. Das Knochenspektrum weist neben zu erwartenden Knochen von Schwein, Rind und Schaf oder Ziege auch Geflügelknochen, Fischgräten und Süßwassermuscheln auf. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang die zahlreichen Obstkerne, die aufgrund der günstigen Erhaltungsbedingungen geborgen werden konnten. Den Großteil dieser organischen Reste machen Kirsch-, Pflaumen- und Mirabellenkerne aus, daneben treten jedoch auch Apfel- und Traubenkerne, Schalen von Hasel- und Walnuß und bisher noch nicht bestimmte Beerenkerne auf.

 

Abbildung 2 Villingen: Rietgasse, ehemaliger Franziskaner-Garten. Runde Abfallgrube mit Flechtwerkaussteifung.

 

Nahebei wurde eine Feuerstelle festgestellt, die vermutlich der Eisenverarbeitung diente. Die stark angeziegelte kreisrunde Ummantelung zeichnete sich deutlich von dem Humus ab, in den sie eingetieft war. Aus ihr wurde unter anderem ein großes Stück Eisenluppe geborgen. Die Grube hatte einen Durchmesser von 0,80 m und überschnitt eine annähernd quadratische Holzeinfassung mit einer Kantenlänge von 1 m, deren Inneres war mit flachen Steinen belegt. Vielleicht kann sie als Rest eines Wasserbehälters angesprochen werden. Im Bereich dieses Befundes bis hin zu den nahebei liegenden Abfallgruben fand sich eine große Ansammlung von Eisenschlacke und offensichtlich ungebrauchten, geschmiedeten Nägeln und Nagelrohlingen.

Zahlreiche Knochen weisen Bearbeitungsspuren und Schlagmarken auf. Ein Knochenfragment, das als Abfall bei der Herstellung von Knochenperlen entstand, gibt einen weiteren Hinweis auf handwerkliche Tätigkeit in diesem Bereich.

Die in den Abfallgruben und in den Humusflächen enthaltene Keramik reicht von der Mitte des 12. bis zum späten 13. Jahrhundert. Jüngere Keramik wurde lediglich in den nachträglich aufplanierten Schichten des 18. Jahrhunderts und in der darüberliegenden Deckschicht der modernen Gartenoberfläche gefunden. Die Daten der Klostergeschichte ergeben für das Keramikmaterial eine relativ sichere Datierung, die sich durch das Fundmaterial, welches bei den Instandsetzungsarbeiten der Klosterkirche vor Jahren geborgen wurde, bestätigen läßt. Auf der Basis des umfangreichen Keramikmaterials der vorgestellten Ausgrabung läßt sich eine Datierungsgrundlage für alte, noch zu bearbeitende und kommende Ausgrabungen im Raum Villingen erstellen. Darüber hinaus können an diesem Fundmaterial Fragen der handwerklichen Organisation, zum Beispiel über Handwerkerzeichen auf Gefäßböden, und räumliche Beziehungen im 12. und 13. Jahrhundert untersucht werden. Daher erhält die Grabung an der Rietgasse eine besondere Bedeutung.

Perspektiven stadtarchäologischer Forschung in Villingen

Obwohl die Auswertung der Grabungsergebnisse noch im Gange ist, wird doch deutlich, daß stadtarchäologische Forschungen nicht nur in der Lage sind einen Beitrag zur Beantwortung offener Fragen, etwa zum Zeitpunkt und Verlauf der Stadtgründung, zu leisten, sondern daß sie zugleich auch umfassendere Fragestellungen entwickeln, die die Aufklärung des Lebens mittelalterlicher Menschen zum Ziel haben. Villingen verfügt über eine ungewöhnlich günstige Ausgangssituation für stadtarchäologische Untersuchungen, da neben einem nahezu intakten mittelalterlichen Stadtkern auch eine gute Quellensituation vorliegt. Die Erhaltungsbedingungen und eine überaus hohe Funddichte in den Fundstellen zusammen mit einem umfangreichen, schon ergrabenen Material begünstigen solche Untersuchungen. Es steht zu hoffen, daß die bisherige Bereitschaft aller Beteiligten diese Forschungen voranzubringen erhalten bleibt und daß Bürger und Verantwortliche erkennen, daß Villingen einen überregionalen Modell-Charakter für die Erforschung des täglichen Lebens im Mittelalter haben könnte.

Anmerkungen

1) P. Revellio, Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, 1964 Erste schriftliche Erwähnung „ad filingas“ in einer Urkunde Ludwigs des Frommen an das Kloster St. Gallen.

2) K. Spindler, Zur Topographie der Villinger Altstadt, Fundberichte aus Baden-Württemberg 4, 1979, 391 ff.

3) P. Revellio, Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, 1964, 63 bis 66.

4) Das sonst nicht bezeugte Datum wird in der von H. Hug verfaßten „Villinger Chronik von 1495 bis 1533“ überliefert.

5) B. Schwineköper, Die heutige Stadt Villingen — Eine Gründung des Herzogs Berthold V. von Zähringen (1186-1218), in: Die Zähringer II, 1986.

6) Für die freundliche Mitteilung danke ich Herrn Dr. J. Fuchs.

7) Vergleichbare Befunde wurden bei den Ausgrabungen auf dem Osianderplatz und bei der Benediktinerkirche beobachtet.

Abbildungsnachweis: Landesdenkmalamt Freiburg

Abb. 1 Villingen. Rietgasse. Übersichtsplan der mittelalterlichen Befunden: 1 Hausfundament, 1 a fest verbackener Mörtel in der Fundamentausbruchgrube, 1b lockerer Mörtel, 2 Rechteckige Abfallgrube, 3 Runde Abfallgruben mit Flechtwerkaussteifung, 4 Schmelzgrube.

Abb. 2 Villingen. Rietgasse. Runde Abfallgrube mit Flechtwerkaussteifung.

Abb. 3 Villingen. Rietgasse. 1-5 Keramik des 12. und 13. Jahrhunderts, 1 Deckel, 2,3 Gefäßböden mit Handwerkerzeichen, 4 Becher-kachel, 5 Siebgefäß, 6 Abfallstück der Knochenperlenherstellung.

Abb.4 Villingen. Rietgasse. 1-9 Vorläufiger Überblick über die Entwicklung der mittelalterlichen Keramik Villingens von der Mitte des 12. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts.

Vgl. zu dieser Textseite die beiden folgenden Blätter:

Abbildung 3 Nr. 3, 6

Abbildung 4

Abbildung 3 Nr. 2 und 3

in der genannten Reihenfolge
Es enthalten: (wie oben)

Abbildung 3 1 — 5 Keramik des 12. und 13. Jahrhunderts, 1 Deckel, 2 und 3 Gefäßböden mit Handwerkerzeichen, 4 Becherkachel, 5 Siebgefäß,

6 Abfallstück der Knochenperlenherstellung

Abbildung 4 1— 9 vorläufiger Überblick über die Entwicklung der mittelalterlichen Keramik Villingens von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zum Ende des 13. Jahrhunderts

 

 

 

 

 

Abbildung 3 Nr. 4 (Becherkachel) Der absolute Maßstab 1 : 100 wurde in dieser Wiedergabe verkleinert.

Und alles ohne Zeitungsinterview:

Hätten Sie gedacht, daß es ohne Geschichts- und Heimatverein keine archäologischen Grabungen im Franziskanergarten gegeben hätte?

30. Mai 1985        Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Abteilung Bodendenkmalpflege, Außenstelle Freiburg, wird telefonisch auf den geplanten Garagenbau aufmerksam gemacht und um eine Grabung gebeten. Freiburg teilt mit, der Sachverhalt sei bekannt.

Juni 1985        Nach einem Jahr telefonische Erinnerung und Mitteilung an Freiburg, daß Gemeinderat am 5. Juni dem Garagenbau zugestimmt habe.

7. August 1985    Ein Dringlichkeitsschreiben geht nach Freiburg mit Bezugnahme auf die Telefonate vom 30. 5.1984 und 11.6. 1985. Der Oberbürgermeister erhält einen Durchschlag.

15. Oktober 1985    Architekt Fuhrer, Mitglied des Geschichts- und Heimatvereins, der die Garage bauen will, richtet nach Absprache mit uns ein dringliches

Mahnschreiben an das Landesdenkmalamt Freiburg.

18. Oktober 1985    Der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, Huger, führt mit den Herren Oberbürgermeister Dr. Gebauer und Bürgermeister Kühn ein Gespräch in der Sache. Der OB teilt Huger mit, das Landesdenkmalamt erkläre, trotz gesicherter Finanzierung und jeglicher zugesagter Unterstützung könne das Amt eine Grabung „wissenschaftlich nicht begleiten“! Das bedeutet: Es wird nicht gegraben!

21. Oktober 1985    Aufgrund der Absage der Außenstelle Freiburg, mit der uns ein gutes Einvernehmen verbindet, geht ein Brief unmittelbar an den Leiter der Oberbehörde, dem Landesdenkmalamt Stuttgart, Landeskonservator Dr. Dieter Planck, mit der dringenden Bitte um Hilfe.

November 1985         Dr. Dieter Planck antwortet in einem vierseitigen Brief. Er stellt den Grabungsbeginn für die Grabungskampagne in Aussicht; das bedeutet Frühjahr 1986.

21. Februar 1986    Der zuständige Oberkonservator des Landesdenkmalamtes, Außenstelle Freiburg, hält das Ergebnis einer Besprechung vom 14. 2. 1986, bei dem auch der Geschichts- und Heimatverein vertreten war, fest. Die von uns zugesagte Unterstützung der Grabung wird zur Kenntnis genommen, der voraussichtliche Grabungstermin wird für März 1986 fixiert.

21. Februar 1986    Wir sprechen mit dem Oberbürgermeister und bitten um Unterbringung der Grabungsmannschaft und um Bereitstellung von ABM-Arbeitskräften.

März 1986        Auf der Ebene des OB-Referenten und des Personalchefs werden in Zusammenarbeit mit uns die Anliegen vom 21. 2. 1986 in die Tat umgesetzt.

Geschichts- und Heimatverein und das Landesdenkmalamt bleiben fortan, bis Oktober 1986, in ständigen fruchtbaren Kontakten.

Wir danken dem Landesdenkmalamt für seine wissenschaftliche Arbeit und die Organisation der Grabung und hoffen nun auf die Ergebnisse der Kapuziner-Grabung.