Geschichte gehörte immer zum Lieblingsfach (Wolfgang Bräun)

Hermann Preiser drückte als „Stift“ die Bank in der Handelsschule

Die „Eins“ im Betragen und die „Zwei“ für Fleiß und Mitarbeit in allen Halbjahres-Zeugnissen während aller drei Berufsschuljahre: das waren zu Beginn der 20-er Jahre die „Kopfnoten“ von Lehrling Hermann Preiser. Ein Gespräch mit dem 93-jährigen über seine Berufsschulzeit als „Stift“ erinnert ein wenig an früher geübte kaufmännische Tugenden, wenn im Jahre 2001, dem dreifachen Jubiläumsjahr für die Handelsschule, offiziell gefeiert wurde: 40 Jahre eigene Lehranstalt, 80 Jahre Selbständige Handelsschule in Villingen und 100 Jahre kaufmännische Ausbildung in Villingen. Hermann Preiser lernte vor 80 Jahren das Kaufmannswesen im elterlichen Betrieb an der Bahnhofstraße: einer Fabrik für Spirituosen und Essenzen, im Volksmund ganz einfach „de Schnaps-Preiser“.

Es war ein Muss, sich nach acht Jahren Volksschule eben auch noch dem Unterricht an der Berufsschule zu stellen, wo die Klassen nur nach Jahrgängen besetzt waren und wo von der Schulverwaltung keine Unterschiede in den Berufsbildern

Erinnerung an die gemeinsame Schulzeit: Zum Gruppenbild mit ihren Lehrern stellten sich die Schüler des Jahrgangs 1926 der Kaufmännischen Berufsschule Villingen, zu dem auch Hermann Preiser zählte.

 

gemacht wurde. Da hockten in den Klassen der Handelsgehilfe von der Badischen Landwirtschaftsbank, von der städtischen Werkskasse oder von der Genossenschaftsbank beieinander, und lediglich die Zahl der Mädchen je Klasse machte den Unterschied.

Preisers Lieblingsfach war die Geographie, gefolgt von der Geschichte, die damals noch als „Bürgerkunde“ unterrichtet wurde. Beim obligaten Unterricht in Stenographie war das Talent des Kaufmannsburschen nach dessen eigenen Angaben allerdings »nit so b’sunders«! Doch weil der Hermann ein überaus ordentlicher und disziplinierter Schüler war, fehlen in seinem Zeugnis auch jegliche Einträge zu Versäumnissen oder möglichen Schulstrafen.

Im Gespräch mit Senior Preiser spürt man noch den Stolz auf seine ersten Erfahrungen, die er während zwei Jahren beim Englisch-Unterricht gemacht hatte; damals gelehrt von Schulleiter Essig. Gebraucht hat der spätere Kaufmann und weithin bekannte Destillateur Hermann Preiser seine Kenntnisse in Englisch aber zunächst nicht. Dann eher noch die Kunst des Schriftwechsels oder das Wissen und Können um Soll und Haben in der Buchführung oder die Darstellung der Plakatschrift.

Wenn’s den stimmt, gab es aus der Handelsschule keine Aufgaben nach Hause, denn es wurde von den Stiften meist auch samstags gearbeitet. Und streng war das Lehrer-Trio aus Rektor Essig, Dr. Heim und Lehrer Mauch nach Hermann Preisers Erinnerung eigentlich auch nicht über die Maßen. Die gesellige Seite während der Lehrjahre spielte sich in der Freizeit im Katholischen Kaufmannsverein „Hansa“ ab, wo man in den Jahren der „Golden Twenties“ auch den Tanzkurs machen konnte. Weil die Lehrlingsvergütung sehr gering war, stand der sonntägliche Umtrunk mit einem Viertele oder zwei Bier allerdings nicht ständig auf dem Programm.

Für sich selbst und den Geschichts- und Heimatverein hat sich Hermann Preiser bis heute der Lokalgeschichte seiner Heimatstadt verschrieben, war er doch 22 Jahre 2. Vorsitzender im GHV und wirkt noch immer in dessen Beirat mit. Nostalgisch betrachtet hätte beim Schuljubiläum der Handelsschule deren eigener Kaufleute-Chor singen können?! Doch ist es lange her, dass Hermann Preiser mit dem KKV „Hansa“ unter dem Dirigenten Kammerer vom Quartett bis zum Oktett bei Höhepunkten im jährlichen Jahreslauf gesungen hat. Damals, als die meisten Berufsschüler noch richtig Kopf rechnen konnten.