Der Villinger Kunsthafner Hans Kraut(1532 — ca. 1592) (Eva Kayser)

Redaktionelle Vorbemerkung:

Soweit sich die Darstellungen von Eva Kayser auf den Bereich des Ofenbaues beziehen, sei hier als Zeitbild eine kurze geschichtliche Betrachtung vorangestellt, die wir bei Otto Borst: Alltagsleben im Mittelalter, Insel Verlag, 1983, 5. 254 f., entnommen haben.

„Der Ofen war eine wichtige Sache. Vielleicht ist er neben dem Fenster die einzige Erfindung, die, als Heizanlage mit regelrechtem Rauchabzug, die mittelalterliche Wohnkultur erst eigentlich ermöglicht hat. Hinterm Ofen sitzen zu dürfen, ist das genußreich hingenommene Privileg des , Bürgers, beneidetes oder belächeltes Bürger-Symbol bis in die Gegenwart hinein…. Was ein rechter Bürger ist, friert nicht. Er macht den Ofen zum Hätschelkind des Hauses. Aus dem einfach gemauerten Lehmofen, noch der Schottenmeister aus den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts zeigt einen Herdsockel aus Lehm, verkleidet mit einer Holzverschalung, wird der aufwendigste Einrichtungsgegenstand im Haus, als Kunstwerk eine Schöpfung des deutschen Sprachraums, in den meisten anderen Ländern waren offene Kamine üblich. Größte Buntheit an Wappen- und Figurenschmuck beherrschte die Öfen des 15. Jahrhunderts, die Ofenkacheln mit ihrer perspektivischen Architektur wurden zum ersten und wichtigsten Niederschlag von Vorbildern aus der italienischen Renaissance. Anfangs sind solche, seit dem 13. Jahrhundert wie eine gewöhnliche Scheibe auf der Töpferscheibe gedrehten Ofenkacheln roh und unglasiert verbreitet worden. Dann mündete der Sinn der Zierlichkeit in Möbelformen in einen so allgemeinen Aufschwung ein, daß aus diesen rauhen Platten kleine, gelb, grün, dunkel glasierte Prachtstücke wurden, ein gesuchtes Wirtschaftsobjekt des spätmittelalterlichen Kunstgewerbes. — Damit verband sich auch ein Wandel in der Ofenform. Aus dem schlichten Backofen mit seiner Wölbung wird die gefälligere Kasten- oder Schrankform, die in der späteren Zeit oft in einem vier-oder sechseckigen, auch zylinderisch gegliederten Aufsatz ausläuft. Kommen dann figurale Reliefkacheln an einen solchen, chachlloffen, so kann er der Glanz des ganzen Hauses sein. Man kennt den Meister, der ihn geschaffen hat, man kennt die Meister, wir müßten sagen, die Künstler, denen man die glasierten Erzählreihen an den Ofenwänden zu verdanken hat: für die Bewohner und Besucher eine Augenweide von immer wieder neuen Reizen.“

Ein Beleg für die obigen Ausführungen sind die meisterlichen Arbeiten des „Londoner“ Ofens sowie des im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe befindlichen. Wir wiederholen hier die Bilder aus unseren Jahresheften VI, 1981, und VLL, 1982, die die Ausführungen von Eva Kayser belegen.

Bisher ist eine umfassende Geschichte der Gefäß- und Kachelhafnerei in Villingen leider noch nicht geschrieben worden, und so wissen wir nicht, zu welcher Blüte es dieses Handwerk in der Stadt gebracht hatte, als Hans Bartlin in Kraut Bürger wurde. Allerdings wird eine Hafner-gasse in Villingen bereits im Jahre 1364 genannt, und wir kennen auch einige der Hafnerfamilien, die ihre Werkstätten dort betrieben, mit Namen1).

Doch über den bedeutendsten seiner Zunft, eben Hans Kraut, sagen uns die erhaltenen Dokumente nicht allzu viel. Wir wissen nicht, woher Johann Bartholomäus (Bartlin) Krut oder Kraut stammte, als er in die habsburgische Stadt kam. In der Literatur hat sich die Meinung durchgesetzt, er sei in Spaichingen geboren, das im 16. Jahrhundert zur österreichischen Herrschaft Hohen-berg gehörte und etwa vier Stunden östlich von Villingen lag. Diese These wird dadurch gestützt, daß der Familienname Kraut in Spaichingen belegt ist2). Aber schon über das Geburtsdatum unseres Meisters herrscht Uneinigkeit, denn aus seinen Jugendjahren existiert nur ein einziges Dokument, und dessen Aussagewert ist umstritten: Im Museum Altes Rathaus in Villingen befindet sich eine kleine Eckkachel mit der Gestalt eines stehenden Putto, der im Arm eine brennende Fackel hält. Über seinem Kopf ist ein winziges Täfelchen zu sehen, auf welchem man die Initialen H.K.VI und die Jahreszahl 1532 (etwas undeutlich geschrieben) erkennen kann. Diese kleine Leistenkachel taucht, mit unterschiedlichen Glasuren, im erhaltenen Werk Krauts immer wieder auf. Die Forschung interpretierte die Inschrift als Hans Kraut Natus 1532, oder aber wandte sich entschieden dagegen3). Da wir bis jetzt keine anderen Angaben über die frühen Jahre des Meisters besitzen, sein Todesjahr jedoch in die 90er Jahre des 16. Jahrhunderts datieren können, und die Menschen der Zeit im allgemeinen kein hohes Alter erreichten, ist es nicht unlogisch, 1532 als Geburtsjahr anzusetzen.

In welcher Werkstatt der junge Hafner ausgebildet wurde ist uns nicht bekannt, doch zeigen seine späteren Arbeiten Beziehungen zu Salzburger, Südtiroler und Schweizer Öfen, so daß man schließen kann, er habe auf seiner Wanderschaft als Geselle all diese Zentren der Kunsthafnerei kennengelernt. Kraut beherrschte die Technik der Zinnglasur, die auf italienischen Majolikaarbeiten zuerst Verwendung fand, was zu der Mutmaßung führte, er sei, wie sein Nürnberger Kollege Augustin Hirschvogel, bis nach Venedig vorgedrungen. Doch das bleibt im dunkeln, ist sozusagen reines Wunschdenken.

 

Grüne Eckkachel mit den vermuteten Initialen von Hans Kraut, 1532, im Täfelchen links oben

 

Auch die Vergrößerung des Initialen-Täfelchens, als Makroaufnahme unter Schräglicht bringt keine Klärung der umstrittenen Inschrift (Aufbewahrung: Museum Altes Rathaus)

 

Die nächsten verbürgten Daten, die sich erhalten haben, sind der Eintrag ins Zins-(Steuer-)buch des Spitals, in dem Kraut aufgefordert wird, Steuern für die Jahre 15661581 zu entrichten, sowohl für die gestochene Tonerde, als auch für seinen Verkaufsladen ,beim Hafnerort‘, dem Hafnermarkt am Münsterplatz4). Das bedeutet, der Meister muß spätestens ab 1566 in Villingen ansässig gewesen sein. Des weiteren existiert der Eintrag in ein Musterrodel, 1569,5) in welchem ,Hans Krutt‘ mit seinen Waffen, ain gantze rüstung, ain knebelspiess‘, innerhalb der Schmiedezunft aufgeführt wird. Die Art der soldatischen Ausrüstung erlaubt den Schluß, daß dieser Hafner es bereits zu einigem Wohlstand gebracht haben mußte.

Wie die Arbeiten aussahen, die er in seinem Laden verkaufte, wissen wir nicht. Vielleicht bot er nicht nur Ofenkacheln und Tontafeln, sondern auch Gebrauchsgeschirr an6).

Auf sicheren Boden gelangen wir erst wieder, wenn es gilt, die Geschichte eines Terracotta-Grabmales nachzuvollziehen, das der Komtur des Villinger Johanniterordens, Hans Philipp Lösch von Mühlheim (1571-1601) für einen seiner Vorgänger bei H. Kraut bestellte. Der Verstorbene, Johann Maaßmünster, hatte an der Schlacht um die Johanniter-Insel Rhodos teilgenommen, bei der im Jahre 1523 die Insel endgültig verloren gegangen war. Das große Tonrelief zeigt den Kampf, den sich drei Jagdschiffe der Johanniter mit zweien ihrer türkischen Gegner liefern. Am unteren Bildrand ein Malteser-ritter mit der Inschrift:

„Anno 1523 ist der erwirdig, edel, gestreng her Wolff-gang von Maßminster, st. Joha. ordens ritter, comentur zu Villingen, in der schlacht zu Rhodis gewesen, hernach anno 1536 allhie mit todt abgangen und in diser kirchen und riterl ichen Johaniter hauß begraben, dem got“ usw. Das Monument wurde für die Johanniterkirche gearbeitet und bei deren Profanisierung ins Museum Altes Rathaus gerettet. Da Joh. Maaßmünster bereits 1536 in Villingen verstorben war, datierte man Krauts Terra-cotta bisher in die Jahre 1536-1550. Doch befindet sich im General-Landesarchiv in Karlsruhe der Vertrag, der zwischen H. Kraut und seinem Auftraggeber, Lösch von Mühlheim, geschlossen wurde7). In ihm sind alle Einzelheiten der Reliefgestaltung festgeschrieben, die Bezahlung (25 Gulden und anderthalb Maß Weizen) wird genau geregelt, und das Datum lautet: 18. April 1574.

Terracotta-Grabmal des Johanniter-Kompturs von Maaßmünster aus dem Jahre 1574: Seeschlacht bei Rhodos (Altes Rathaus)

 

Diese Jahreszahl erstaunt vor allem deswegen, weil unser Meister im selben Jahr noch einen zweiten großen Auftrag übernahm. Diesmal fungierte die Stadt selber als Auftraggeber. Zu Ehren eines Ereignisses, welches bereits 44 Jahre zurücklag, bestellte der Rat bei H. Kraut eine große Gedenktafel. 1530 war Villingen durch Erzherzog Ferdinand I. ein „Hauptpanier, Stadtzeichen und Schildes“ verliehen worden. Krauts farbiges Relief zeigt, darauf bezugnehmend, die Wappen Kaiser Maximilian II. Erzherzog Ferdinands und der Stadt Villingen, samt einer Inschrift. Ein symbolischer Ausdruck für die Wertschätzung, welche die Stadt durch ihre Landesherren erfahren hatte. Die Ehrentafel war ursprünglich an der südlichen Außenseite des ehemaligen städtischen Kaufhauses am Marktplatz, einem exponierten Ort, angebracht und befindet sich heute ebenfalls im Museum Altes Rathaus. Beide Arbeiten weisen Kraut als vorzüglichen Bildhauer aus, der alle Möglichkeiten plastischen Modellierens beherrschte und Reliefs frei gestalten konnte. Darin lag seine Stärke, mit Stolz setzte er unter diese Werke seine Signatur.

Vier Jahre später schuf der Hafner dann sein Meisterwerk (soweit wir das wissen), einen prächtigen Ofen, der heute im Victoria- und Albert-Museum in London zu besichtigen ist. Wie er nach Britannien gelangte, in ein Land, in welchem man zu Stubenöfen eigentlich keine Beziehung hat, ist eine fast tragische Geschichte. In der Stadt Engen, am Rande des Schwarzwaldes, wurde der Ofen während der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts von seinem ursprünglichen Standort, dem Frauenkloster St. Wolfgang am Marktplatz, entfernt. Er gelangte nur wenige Schritte weiter in die Wohnung des Stadtschreibers Dorn. Von dort wanderte er 1867 für kurze Zeit zurück an seinen Entstehungsort, Villingen, in das Haus des Goldschmiedes Schilling. Zu dieser Zeit wäre es dem Rat möglich gewesen, das Prunkstück für wenig Geld zu erwerben, doch mangelte es an Interesse. So kaufte ein Freund des Goldschmiedes, der Antiquar Meder aus Paris, den Ofen für 200 Gulden. In der französischen Hauptstadt ließ sich die ungewöhnliche Originalität der Keramik nicht mehr verbergen, sie wurde in mehreren Publikationen aufgenommen und endlich vom Londoner Museum für den stattlichen Preis von 6000 Goldfranken angekauft.

 

Wappentafel der habsburgischen Landesherrn mit dem Villinger Wappen von 1530, ebenfalls aus dem Jahre 1574 (Altes Rathaus)

 

 

 

 

Ofenkachel, grün glasiert, 20 x 19 cm, Text: noach lebt auf erd 950 yar

 

 

Reliefkacheln mit Darstellungen der Erzväter des Alten Testaments, wie sie für die Verkleidung des Feuerraums beim Londoner Ofen Verwendung fanden, haben sich in Villingen erhalten.

 

Der Ofen hat sich wohl nicht in seiner ursprünglichen Form erhalten, die Füße gingen z. T. verloren, und es fehlt die Bekrönung. Doch zeigt dieses Meisterwerk eine ganze Mustersammlung keramischer Techniken. Der Feuerraum setzt sich aus Reliefkacheln mit Darstellungen der Erzväter des Alten Testamentes zusammen. Darüber je vier schmalere Kacheln mit personifizierten Tugenden, an den Ecken eingefaßt von bemalten Fayen-cekacheln mit Planetengottheiten. Die oberste Bildreihe ist als das eigentliche Schau- und Schmuckstück des Ofens anzusehen: zwei große Fayencekacheln, welche das Opfer Abrahams und die Kreuzigung Christi zeigen, und dazwischen eine freiplastisch geformte Reliefkachel mit einer Darstellung aus dem Alten Testament8). An den Ofen selber fügt sich eine sog. ‚Kunst‘, ein Ofensitz an. H. Kraut verwendete Kacheln, die er aus selbstgefertigten Holz- und Ton-Modeln abformte (und an anderen Öfen weiterbenutzte), zusammen mit bemalten Kacheln, von denen wir nicht genau wissen, ob ihn bei deren Gestaltung nicht Fayencemaler unterstützten. Als künstlerische Vorlage dienten dem Meister zeitgenössische Graphiken, für die Erzväter-Serie beispielsweise Holzschnitte des Nürnbergers H. S. Beham. Sich die neuesten, modernsten Vorlageblätter zu besorgen und in Relief umzusetzen (woran sich die Qualität ablesen läßt), war der übliche Brauch in den Hafnerwerkstätten. H. Kraut jedoch ist fähig, darüber hinaus noch ganz freie Entwürfe zu fertigen und farblich zu vervollständigen. Daß an Kraut Aufträge von Äbtissinnen und Ratsherren ergingen, zeugt von dem Ruhm, der dem Hafner in den 70er Jahren vorauseilte. Doch zählt er noch nicht zu den Bürgern der Stadt Villingen, zehn Jahre dauert es noch, bis er das Bürgerrecht erwirbt. Erst am 24. Mai 1585 heißt es im Bürgerbuch: „Hans Kraut, der hafner, ist burger worden“9). Zu diesem Zeitpunkt hatte der Meister vielleicht schon mit den Arbeiten für einen weiteren berühmten Ofen begonnen, — heute eines der kostbarsten Ausstellungsstücke im Bad. Landesmuseum Karlsruhe. Dieser Ofen war ein Geschenk des Abtes Blasius Schönlin von St. Georgen im Schwarzwald an seinen Amtsbruder Gallus Vögel in, Abt des Klosters St. Peter bei Freiburg. Wieder wurden bemalte Kacheln neben reliefierten verwendet, —die großen Teile des Oberofens weisen mehr Ähnlichkeit mit Terracotta-Plastiken als mit Kacheln auf. Als Mittelpunkt des Karlsruher Ofens darf man die große Dedikationskachel mit dem Wappen des Beschenkten ansehen. Die Schutzpatrone seines Klosters, Petrus und Benedikt, dienen als Wappenhalter, die Signatur HK und das Datum 1586 verraten der Nachwelt, wer der Künstler war.

Der nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als verschollen gegoltene sogenannte KARLSRUHER OFEN. (Bad. Landesmuseum)

 

 

Oben: Petrus und Benedikt als Wappenhalter mit Inschrift und Datum 1586 sowie den Initialen HK. Unten: Ebenfalls Teilansicht des Oberofens mit dem Wappen seines Schenkers, Abt Blasius vom Kloster St. Georgen auf dem Schwarzwald.

 

Lange hat man gerätselt, welches das Werk Krauts gewesen sein könnte, das so großartig geriet, daß Erzherzog Ferdinand dem Meister dafür im Jahr 1590 einen Wappenbrief verlieh. In dem Schriftstück heißt es „Bürger und des Rats zu Villingen“, der Künstler war demnach zum Ratsmitglied aufgestiegen10).

Einzelne Keramikforscher 11) vermuteten einen Ofen in Laxenburg bei Wien als Grund für die Ehre, doch ließ sich ihre These nicht halten.

Überhaupt werden immer wieder Orte genannt, an denen man noch Öfen des Villinger Meisters finden könne, — die Waldburg bei Ravensburg, Zürich, Basel, — doch hat sich bisher leider keine dieser Behauptungen bestätigt. Dagegen besteht eine gute Chance, einzelne Kacheln, die durch Zufall oder gezielten Ankauf in die Museen gerieten, aufzuspüren. Mit ihrer Hilfe wird es vielleicht möglich werden, weitere Öfen zu rekonstruieren, sich ein deutlicheres Bild vom Werk dieses großen Keramikers zu machen.

Die letzten Lebensjahre Krauts verschwimmen wieder im Dunkel der Geschichte. Wir besitzen noch einige Abrechnungen des Fürstenbergischen Rentamtes in Donaueschingen, in denen der Hafner H. Kraut für seine Tätigkeit entlohnt wird, aber welcher Art diese Arbeiten waren ist unbekannt. Die Bezahlung ist nicht so hoch, daß sich daraus Rückschlüsse auf Prunk-Öfen ziehen ließen, vielleicht entwarf der Villinger einfachere Heizkörper oder führte nur Reparaturen aus.

Wie lange der Meister noch tätig war, —das genaue Jahr seines Todes, — darüber können wir nur Spekulationen anstellen. 1586-1587 lautete das Datum auf dem großen Karlsruher Ofen, Werke aus späterer Zeit fanden sich bisher nicht. Krauts Söhne, die längst zu selbständigen Meistern herangewachsen waren, arbeiteten in des Vaters Werkstatt mit. Da im Jahre 1593 Graf Heinrich von Fürstenberg in Donaueschingen bei Jacob Kraut, nicht wie bisher immer bei Hans, einen neuen Ofen für sein „wolfheuslin“ orderte, können wir annehmen, daß Jacob zu diesem Zeitpunkt seines Vaters Nachfolge angetreten hatte. In einem Musterrodel des Jahres 1596 heißt es von Jacob: „hat seines vatters rüstung auch noch“12). Und 1601/02 sprechen die Donaueschinger Akten von „Hans Krauten, seeligen“. Zu Beginn unseres Jahrhunderts fiel einem interessierten Villinger Bürger ein Grabstein auf, der als Abdeckung der Friedhofsmauer die Zeit überstanden hatte. Die große, in zwei Teile zersprungene Sandsteinplatte weist unter einem Kreuz die Initialen H. K. und das Datum 1592 auf. Vielleicht besitzen wir hier den Grabstein des Künstlers und sein Todesjahr. Er ist in der Wand des Franziskaner-Kreuzgangs in Villingen eingemauert. Jedenfalls trifft nicht zu, was uns die Villinger Sagen13) berichten, Hans Kraut habe als Hexenmeister geendet und sei außerhalb des Kirchhofes in ungeweihter Erde verscharrt worden. Dieses grausame Schicksal traf erst seinen Sohn Jacob, dessen Prozeßakten wir heute noch nachlesen können14). Der Ruhm unseres Kunsthafners aber überdauerte die Jahrhunderte, seine Gestalt ist noch heute (wie es die Geschichte beweist) gegenwärtig.

Anmerkungen

1) Chr. Roder, Zur Lebensgeschichte und Würdigung des Hafners Hans Kraut von Villingen, in: Zeitschr. f. d. Geschichte des Oberrheins, N.F., XII, 1907, S. 369, nennt um 1400 einen Cunrath Diem, Johans der Owinger, 1463 Hans Cros u. Hainrich Mayer. 1486 tritt eine Familie mit Namen Haffner auf, deren Nachkommen bis 1546 belegbar sind.

2) In einem Kopialbuch von 1588 wird ein Jakob Kraut, und in einem Taufbuch (leider erst aus dem Jahre 1644) wird eine Anna Kraut genannt. Hans Kraut könnte aber auch ein Sohn des Hafners Peter Kruter aus Freiburg i. Ü. oder des Glasmalers Hans Kraut von Koblenz in Bern gewesen sein. Siehe: Anzeiger für schweizerische Altertumskunde, VI, 1905, 5. 29 und ib. XIV, 5. 302.

3) Karl Kornhas, Wann ist Hans Kraut, der bedeutende Kunsttöpfer geboren und gestorben, in: Heimat und Handwerk, Nr. 6, 1927, S. 25 widersprach dieser These vehement. Kornhas sah in der Eckkachel das Gesellenstück Krauts und las die Buchstaben als: Hans Kraut Villingen.

4) Das Zinsbuch des Spitals wird heute im Stadtarchiv aufbewahrt.

5) Chr. Roder, Zur Lebensgeschichte, s. o., S. 374.

6) Siehe den Aufsatz von C. Kornhas, Hans Kraut als Töpfer, in: Keramische Rundschau, Jg. 35, 1927, 5. 849.

7) Karlsruhe, G.L.A., Berainsmlg. 9109.

8) Aus dem Buch Esther. Abgebildet Mardochai zu Pferde, dahinter Esther an Ahasvers Tafel und die Hinrichtung des Bösewichts Hamann. Darunter eine Schrifttafel, die das Datum 1587 trägt.

9) Das 1509 begonnene Bürgerbuch vermerkt weiter: „uf sin schir (Scheuer), ligt im hafner ort zwischen Jacob Bofershaus und Barden Spachen schir, stoßt hinden an Gabriel Thoma, vornen an das alment.“

10) Das Wappen weist in blau einen goldenen Schrägrechtsbalken, einen Stechhelm mit einem blauen u. einem grünen Büffelhorn, in den Mundlöchern mit je drei grünen Krautblättern besteckt, auf.

11) Siehe Edmund Braun-Troppau, Meisterwerke alten Kunstgewerbes in der Franzenburg zu Laxenburg, in: Belvedere, Bd. IV, 1923, S. 14 und Konr.Strauss, Der Kunsthafner H. Kraut in Villingen, in: Altes Kunsthandwerk, 1928, S. 215-219.

12) Chr. Roder, s. o., 5. 377.

13) aus: Hans Brüstle, Villingen—Aus der Geschichte der Stadt, Neckar-Verlag Villingen, 1971, S. 107.

14) Die Akten der Villinger Hexenprozesse haben sich ziemlich vollständig im Stadtarchiv erhalten.

 

Bickenkapelle, Rudolf Heck, Kohlezeichnung (Siehe hierzu das Trümmerfoto in: Edwin Nägele — ein Bürgermeister erinnert sich, eingangs dieses Heftes)