Geschichtlicher Abriss der Kaufmännischen Schulen I, Villingen-Schwenningen (Isabel Schaeffer)

„Die Wirtschaft braucht Menschen, die zu mehr fähig sind als allein zum Denken in wirtschaftlichen Kategorien.“

Das Jahr 2001 war für die Handelsschule Villingen ein dreifaches Jubliäumsjahr. Offiziell gefeiert wurden: 40 Jahre eigene Lehranstalt, 80 Jahre Selb- ständige Handelsschule in Villingen und 100 Jahre kaufmännische Ausbildung in Villingen. Zu diesem Anlass möchte ich an dieser Stelle einen kurzen historischen Blick auf die Entwicklung dieser Schule geben.

Ein Blick in die Vergangenheit

Im April 2001 begingen die Kaufmännischen Schulen Villingen-Schwenningen ihr 100-jähriges Jubiläum. Doch auch heute noch kann es passieren, dass, wenn man sich als Fremder nach dem Wirtschaftsgymnasium oder den Kaufmännischen Schulen erkundigt, man bei den älteren Einheimischen ein Achselzucken erntet. Fragt man dagegen nach der Handelsschule, stehen die Chancen schon besser. Mit der Handelsschule Villingen begann am 7. Januar 1901 die Geschichte der heutigen Kauf männischen Schulen Villingen-Schwenningen. Ein neues Ortsstatut der Gemeinde Villingen vom 30. April 1900 ordnete zur gültigen Gewerbe schulpflicht bis zum 18. Lebensjahr für alle Lehrlinge, Gesellen und Gehilfen auch an, dass ab diesem Zeitpunkt „sämtliche hier in Stellung befindlichen Lehrlinge und Gehilfen des Handelsgewerbes, welche das 18. Lebensjahr noch nicht zu rückgelegt haben, zum Besuch der Handelsschule“ verpflichtet sind. Die Lehrlinge und Gehilfen des Handlungsgewerbes besuchten ab 1901 die sogenannten Handelsfortbildungskurse, in denen in 2 Kursen mit je 5 Wochenstunden kaufmännisches Rechnen, Wechsellehre, Korrespondenz, Buchführung und Handelsgeographie unterrichtet wurde. Zu Beginn war die Schule noch eine Unterabteilung der schon seit 1835 bestehenden Gewerbeschule, allerdings bereits mit eigenen Lehrkräften. Mit 16 Knaben nahm man den Betrieb auf, Mädchen wurden erst ab 1908 zugelassen (4 von 29 Schülern). Interes- santes Detail: Mit Beginn des neuen Schuljahres Ostern 1901 wurde auf Antrag der Pfarrämter der Sonntagsunterricht der Gewerbeschule auf einen Werktag verlegt!

Unterrichtet wurden damals folgende Fächer:

A) Berufskunde                       B) Geschäftskunde

Gewerbliches Zeichnen              Geschäftsrechnen

Angewandte Geometrie              Geschäftsaufsatz

Materialien- u.Werkzeuglehre   Buchführung

Naturlehre                                     Kostenrechnen

Freihandzeichnen                        Wirtschaftslehre

Projektionslehre                           Bürgerkunde

Techn. Fachunterricht

1923 kamen dann noch die allgemeinbildenden Unterrichtsfächer Deutsch, Staatskunde und Religion dazu. Die Handelsabteilung an der Gewerbeschule Villingen nahm rasch an Bedeutung zu. Am 23. Februar 1906 beschloss der Gemeinderat, eine weitere Planstelle einzurichten und diese einem ausgebildeten Handelslehrer zu übertragen. Damit war ein weiterer Schritt zu einer selbstständigen Handelsschule getan. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges zählte die Handelsabteilung über 60 Schüler, diese wurden allein vom späteren Direktor der Schule Theodor Essig unterrichtet. Von 1915 bis 1918 war die Schule ganz geschlossen. Erst im Oktober 1918 wurde ihr mit dem „Handelsschulkandidat“ Karl Glatt, eine Lehrkraft zugewiesen. Er übergab seinen Dienst im Februar 1918 an den Handelslehrer Theodor Essig, der aus dem Krieg zurückgekehrt war.

 

Am 1. April 1921 wurde die Handelsschule, unter der Leitung von Herrn Handelsschulvorstand Theodor Essig, selbstständig. Im selben Jahr waren auch erstmals die Mädchen in der Überzahl (85 von 135 Schülern). Das ist bis heute so geblieben. Der Unterricht wurde damals von zwei hauptamtlichen und einer nebenberuflichen Lehrkraft in zwei Klassenräumen und einem Schreibmaschinensaal im Gebäude der damaligen Oberrealschule abgehalten.

Schon damals war man bemüht, den Schreibmaschinensaal modern auszustatten, allein es fehlte an Geld und Lehrkräften.

Um den Wünschen aus Industrie und Praxis zu entsprechen, hatte sich die Schule schon 1921 entschlossen, Unterricht in englischer Sprache anzubieten (1926 kommt Französisch dazu).

Auch um das gesundheitliche Wohl der Schüler und Lehrer machte man sich damals Sorgen. Der erste Weltkrieg war immer noch durch seine Folgen präsent: So kann man im Jahresbericht 1921 lesen:

„Besonders unter den Schülern der dritten Klassen fühlt man den Mangel an väterlicher Erziehung, welche wegen der durch den Krieg bedingten, jahrelangen Abwesenheit der Väter leider allzulange aussetzte.(…)

Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war ein zufriedenstellender. Dadurch, dass der Kaufmannslehrling unserer Tage schon mehr als eine bezahlte Arbeitskraft betrachtet wird, hat die Schule mehr als früher gegen das Bestreben, die Lehrlinge vom Unterricht ferne zu halten, anzukämpfen. Wir betrachten es deshalb als unsere Aufgabe, die Interessen der Lehrlinge bezüglich ihrer theoretischen Ausbildung durch strengste Handhabung der Schulordnung zu wahren.“

Auch die Sorgen um den Fleiß der Schüler haben sich in den letzten Jahrzehnten wohl nicht geändert, der Bericht fährt nämlich fort:

„Sehr zu beklagen ist, dass ein Teil der Schüler es am nötigen Fleiß im Unterricht und bei der Anfertigung der Hausaufgaben fehlen lässt. Der große Nutzen einer guten Schulbildung wird von vielen noch zu wenig erkannt und geschätzt. Eine wach- sende Verflachung und Blasiertheit unter der heranwachsenden Jugend muss leider festgestellt wer- den.“ Weiter heißt es: „Die Mädchen sind im Fleiß und der Aufmerksamkeit den Knaben weit überlegen“!

Doch auch für Ablenkung und praktische Erfahrungen wurde durch moderne Medien gesorgt:

„Zur Belebung des Unterrichts dienten, neben den zahlreichen Lichtbildervorträgen, Betriebsbesichtigungen. Es wurden angesehen: Bierbrauerei, Brennerei, Töpferei, Baumwollweberei, Maggiwerke, Salinenbetrieb, Müllerei, Getreidelagerei und Bankbetriebe, Seidenweberei.“ So der Jahresbericht 1921/22.

Obwohl man nun selbstständig war und die Klassen-, Schüler und Lehrerzahlen ständig zunahmen, blieb der Wunsch nach eigenen Räumen noch über 30 Jahre unerfüllt. Man war all die Jahre auf die Gastfreundschaft anderer Schulen, insbesondere des Gymnasiums, angewiesen. Probleme, wie unterschiedliche Unterrichtszeiten, die Bereitstellung eines Aufenthaltsraumes für die „Auswärtigen“, Platz für die Errichtung eines „Musterkontors“ (1924 eingerichtet), blieben dabei zwangsläufig nicht aus.

Von kurzzeitigen Entspannungsphasen abgesehen, sind Raumnot und Lehrermangel bis heute ein Dauerproblem.

Die stetige Aufwärtsentwicklung der Schule setzte sich fort. Bereits 1924 wurde der Schule ein weiterer Zweig angegliedert, die „Höhere Handelsschule“, eine zweijährige berufsvorbereitende Vollzeit- schule, die zur Mittleren Reife führte (Vorläuferin der heutigen Wirtschaftsschule). Diese Schulart wurde von den Jugendlichen gut angenommen und bekam auch bei der örtlichen Wirtschaft einen guten Ruf. Im Jahre 1924 hatte die Schule 248 Schüler und Schülerinnen und vier hauptamtliche Lehrkräfte sowie einen Referendaren. Von besonderer Bedeutung war auch das Schuljahr 1928/29. Es brachte gleich drei wichtige Neuerungen: die Aufteilung der dritten Klassen der Berufsschule in Fachklassen für Spedition, Großhandel und Kleinhandel und die erste Kaufmannsgehilfenprüfung, an der sich neben 60 Lehrlingen auch 52 Gehilfen beteiligten sowie die Einrichtung der „Einjährigen Höheren Handelsschule“ für Schüler mit mittlerer Reife. Damals mussten die Schüler noch Schulgeld bezahlen. Es wurde durch die Stadtkasse in 10 Raten erhoben. Schüler der Pflichthandelsschule zahlten DM 4,50 per Rate, Schüler der Höheren Handelsschule DM 12,00 per Rate.

Versucht man, an Informationen über die Zeit des Dritten Reiches zu gelangen, so werden Akten und Auskünfte dünner, wenngleich nicht weniger interessant.

Außer dem weiteren Anstieg der Schüler- und Klassenzahlen (1936/37 wird von einer Zunahme um 50%, im Vergleich zum Vorjahr berichtet), macht sich auch der Nationalsozialismus in der Schule bemerkbar. Der Jahresbericht des Direktors Theodor Essig 1934/35 vermerkt dazu:

„Wichtige weltgeschichtliche Ereignisse kenn- zeichneten das nun vergangene Schuljahr als ein Jahr von ganz besonderer Bedeutung. Im Innern erbrachte die fortschreitende Besserung auf allen Gebieten den Beweis des großen Vertrauens, das der Regierung des neuen Reiches aus allen Schichten der Bevölkerung entgegengebracht wurde. Dieser überwältigende Eindruck blieb auch auf unser Verhältnis zum Ausland nicht ohne Einfluß. Als zwei mächtige, tragende Eckpfeiler des neuen Reiches erwiesen sich im vergangenen Jahr die Heimkehr unserer Saar und die Rückgewinnung unserer Ehre und Gleichberechtigung. Auch auf unsere Schüler blieben diese gewaltigen Ereignisse, deren wir in einer Schulfeierstunde gedachten, nicht ohne Einfluß. Ihre Liebe zu Volk und Vaterland und ihre Treue und Verehrung zum Führer und Kanzler, Adolf Hitler, bekamen einen mächtigen, neuen Auftrieb.(…)“

Die Freizeit und wohl auch Zeit, die die Schüler besser zum Lernen gebraucht hätten, wird in diesen Jahren schon von der HJ bestimmt, von bis zu 4 Abenden pro Woche ist die Rede. Die aufkommende Problematik, die bis ins Ministerium gelangt ist, schlägt sich ebenfalls im Jahresbericht nieder.

„Die Beanspruchungen unserer Schüler durch die Veranstaltungen in der HJ haben im vergangenen Jahr nachgelassen. Die entsprechenden Erlasse des Ministeriums in Verbindung mit der badischen HJ-Führung haben in Verbindung mit persönlichen Rücksprachen mit der örtlichen HJ-Führung hier Besserung gezeigt. Am meisten belastet sind immer noch die in Lehrstellen befindlichen jungen Leute. Ist der örtliche HJ-Führer ein Mittelschüler (…), so unterliegt er leicht der Gefahr, die Freizeiten eines Mittelschülers als Maßstab für die Inanspruchnahme seiner H-Jungen zu benützen. Er denkt nicht daran, daß kaufm. Lehrlinge oft erst um halb 8 Uhr müde nach Hause kommen, noch zu Abend essen sollten und auch noch erst in den Abendstunden ihre Schul-aufgabe zu erledigen haben.“

Kritisch wird weiterhin angemerkt: „Im allgemeinen wird ja immer wieder die Beobachtung gemacht, daß es gerade die weniger eifrigen Schüler sind, die eine Abhaltung durch die HJ sich sehr gerne gefallen lassen und solche als Entschuldigung nehmen, wenn sie ihre Aufgaben nicht gemacht haben.“ Im gleichen Jahr (1934/35) wird festgestellt, dass in manchen Klassen 100% der Schüler in der HJ organisiert sind. 1936 sind 99% der Schüler der Höheren Handelsschule in der HJ. In der Pflichtschule beträgt der Prozentsatz nur 65%. In den folgenden Jahren wird immer wieder begeistert über Sportfeste und Feierstunden unter dem Banner des Dritten Reiches und dem Abbild des Führers berichtet. Natürlich hatten auch alle Lehrkräfte rückhaltlos zum neuen Staat zu stehen. Viele von ihnen waren im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) organisiert. Wie der Ablauf der Feiern, so änderten sich in diesen Jahren auch die Lehrinhalte in einigen Fächern drastisch. Erinnert sei hier vor allem an die sog. „Deutschkunde“ und die Vermittlung der Rassenlehre in verschiedenen Fächern. Auch die Schüler- und Lehrerbibliothek wird mit einschlägiger Literatur ausgestattet. Über den sittlichen Umgang, gerade seiner Schülerinnen, machte sich der Rektor 1935 auch so seine Gedanken.

„In den Klassen der Pflichthandelsschule macht sich besonders unter den Mädchen der Einfluß Villingens als Soldatenstadt sehr geltend. Mehrfach mußte gegen den Wirtschaftsbesuch von Schülerinnen mit Soldaten eingeschritten werden. Es handelt sich hier meist um Mädchen aus der dritten Klasse.“ Auch in späteren Jahren blieben der Verstoß gegen das Tanz- und Rauchverbot und der Umgang mit Soldaten in der Garnisonsstadt Villingen ein ernstliches Problem.

Am 18. August 1937 wird die Schule nach dem Fabrikanten Hermann Schwer benannt, dem Inhaber der Saba-Radio-Werke in Villingen. 1950 wird diese Benennung zurückgenommen, weil Hermann Schwer eine belastete Beziehung zum Nationalsozialismus hatte.

Ab dem Jahre 1938 finden sich in den Jahresberichten Bemerkungen über die Abwesenheit von Schülern und Lehrern aufgrund von Wehrübungen. Bereits die ersten Kriegsjahre trafen die Schule hart. Mit Kriegsbeginn (1. Sept. 1939) wurde die Schule mit sämtlichen Schulräumen von einer Fliegerstaffel beschlagnahmt und belegt. Im September wurden die Räume wieder freigegeben und der Unterricht in den beiden höheren Klassen mit nur zwei Lehrkräften wieder aufgenommen. Für die vier zum Kriegsdienst eingezogenen männlichen Lehrkräfte wurde ein Studienassessor aus Rastatt zugewiesen. In den folgenden Jahren wer- den die männlichen Lehrkräfte immer wieder eingezogen, abgeordnet, beurlaubt und teilweise durch weibliche Lehrkräfte ersetzt. Einige von ihnen kehren aus dem Krieg nicht wieder zurück. Wegen des Unterrichtsausfalls mussten die Prüfungsanforderungen in diesen Jahren ebenfalls her- abgesetzt werden. Wegen großer Kälte und um Licht und Kohle zu sparen, wurden 1940/41 die Herbst- und Weihnachtsferien zusammengelegt. Das Schuljahr wurde in drei Drittel aufgeteilt. Und die Schule wechselte ihren Träger. Sie wurde von der Stadtverwaltung Villingen an das Landratsamt Villingen überführt, das auch heute noch Schul- und Kostenträger ist.

In den Sommerferien und während der Schulzeit, an den Samstagnachmittagen und Sonntagen der Heu-, Getreide- und Kartoffelernte, leisteten auch Schüler der Handelsschule Villingen Erntehilfe, gemäß dem Erlass des Reichserziehungsministers.

1942 standen der Schule, bei 9 Klassen und 212 Schülern, noch ganze drei Lehrkräfte zur Verfügung. Erneut gibt es zu Beginn des Jahres 1942 zwangsweise „Kohleferien“. Für kurze Zeit wurde der Unterricht in das Sitzungszimmer des Stadtrates verlegt. Als jedoch die Kienzle Uhrenfabriken und Kaiser Uhren Räumlichkeiten anboten, zog man es vor, das Angebot der Firma Kaiser zu nutzen. So fand der Unterricht im Februar und März in den Repräsentationsräumen dieser Firma statt. Im ersten Nachkriegsjahr erhielten die Klassen der Handelsschule unter dem neuen Rektor Dr. Josef Rappenecker wieder vollen Unterricht. Direktor Essig, der die Schule von 1911-1945 geleitet hatte, wurde im Zug der politischen Säuberung pensioniert. Es wird auch von der mangelnden Ernährung der Schüler berichtet. Die Bücherei ist wohl von einer „Säuberung“ betroffen, nach der nur noch 50 Prozent des Bestandes vorhanden waren. Des Weiteren mussten wertvolle Bücher und Karten an die französische Wirtschaftsforschungsstelle abgegeben werden.

Kurz vor Schluss des Schuljahres 1946/47 konnte die Schule, nach fünfmaligem Umzug während des Krieges, wieder in das Gebäude am Romäusring (Erdgeschoss) zurückkehren. Doch die zuletzt als Lazarett genutzten Räume mussten erst einmal wieder hergerichtet werden. Auch mit der Schulküche sah es schlecht aus. Sie war in den Wirren des Krieges teilweise geplündert, teilweise mit ihrem Inventar „anderen Zwecken zugeführt worden“, so der Jahresbericht. Auch herrschte Not an Papier und Büchern.

Erst das Jahr 1953 brachte wieder eine besonders wichtige und langersehnte Veränderung. Erst damit konnte man in ein eigenes Schulgebäude einziehen, in die umgebaute und renovierte ehemalige Gewerbeschule an der Bertholdstraße, gegenüber der heutigen Tonhalle. Endlich hatte man auch nach außen den Status einer „richtigen Schule“.

1957 konnte man schließlich, Dank des zähen und unermüdlichen Einsatzes des damaligen Schulleiters, Studiendirektor Lothar Schill, die „Wirtschaftsoberschule“ (das heutige Wirtschaftsgymnasium) feierlich eröffnen.

Wegen dieser neu eingegliederten Schulart und dem Anstieg der Schülerzahlen in den anderen

Schularten, wurde das erst 1953 bezogene Schulhaus schon bald wieder zu klein.

Der Kreistag des damaligen Kreises Villingen beschloss deshalb im Frühjahr 1958 den Bau einer neuen Schule an der Herdstraße. Für die damals 594 Schüler war das Gebäude schon lange zu klein geworden und man hatte zwei Räume des Gasthauses „Zur Krone“ als Außenstelle nutzen müssen. Ostern 1961 konnte das neue, geräumige und gut ausgestattete Gebäude bezogen werden. Die Schülerzahl war inzwischen auf 627 angestiegen. Sie sollte in den folgenden Jahren weiterhin stetig wachsen.

Die wilden letzten Sechziger- und ersten Siebzigerjahre verlaufen an den Kaufmännischen Schulen I in Villingen scheinbar friedlicher als im Rest der Republik. Nach einem, wohl entgegen den Erwartungen, harmonisch verlaufenen Sommerfest, schreibt der damalige Direktor 1968:

„Ich bin sicher, dass die Handelslehranstalten Villingen, wenn sie auf diesem Wege weitergehen, von den allseits bekannten Entgleisungen der Schüler der Oberstufe nicht nur verschont bleiben werden, sondern darüber hinaus beispielgebend für eine nachahmenswerte Zusammenarbeit zwischen Lehrer- und Schülerschaft wirken können.“

Im gleichen Jahr 1968 muss die Schulleitung den Schulträger erneut auf auftretenden Raummangel hinweisen. Die Schule hat nun 1077 Schüler.

1971 war schließlich mit 1387 Schülern der absolute Höchststand erreicht. Die Raumnot wurde unerträglich.

Ein weiterer Punkt von großer Bedeutung für das Schulleben war die Umsetzung des Schulentwicklungsplans II, die im Schuljahr 1971/72 begann und die neben der Einführung des strengen Fachklassenprinzips in der Berufsschule auch die Abgabe der Bürogehilfinnen Klassen und der „Einjährigen Höheren Handelsschule“ (0-Klasse) an die Kaufmännischen Schulen Schwenningen mit sich brachte.

Erst 1975 beschloss der Kreistag des Schwarzwald- Baar-Kreises, im Rahmen seines umfangreichen Schulbauprogramms, einen Erweiterungsbau. Im Herbst 1981 wurde mit dieser Baumaßnahme begonnen und zu Beginn des Schuljahres 1982 konnten die beiden neuen Klassenzimmer und Fach-Räume bezogen werden. 1993 kommen die bis dahin selbstständigen Kaufmännischen Schu- len St. Georgen als Außenstelle zu den Kaufmännischen Schulen I VS-Villingen. Die Gesamtschülerzahl dort betrug 76. Doch bereits 1997 wird die Außenstelle wegen Schülermangels und aus Grün- den der Konzentration aufgelöst.

1998 erhält die Schule im Schulversuch die Ausbildungsgänge „Finanzassistent/-in“ und „Industriekaufmann/-frau mit internationalem Wirtschaftsmanagement und Fremdsprachen“ als Duales Berufskolleg für Abiturienten.

In den Jahren 2000 und 2001 finden Modernisierungsarbeiten statt, vor allem zur besseren Isolierung der Gebäude und Gestaltung der Klassenzimmer.

Heute besuchen 1200 Schüler die Kaufmännische Schule. Ihr Einzugsgebiet geht weit über Villingen hinaus. Auch heute noch bietet die Schule ihren Schülern, durch engen Kontakt zur Wirtschaft, ständige Modernisierung (z. B. Anschaffung moderner PCs und die Einbeziehung der neuen Medien und ihrer Anwendung in den Unterricht) und die laufenden Ergänzungen ihrer Sammlungen, die bestmögliche Vorbereitung für ihr späteres Berufsleben, bzw. Studium.