Der Villinger Handelsmann Michael Schwert und Rottweil (WINFRIED HECHT)

Zu den bedeutenden Persönlichkeiten der Geschichte Villingens und des gesamten Raumes zwischen Schwarzwald, Donau und oberem Neckar gehört an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert der wohl aus Schwenningen stammende, in Villingen 1614 verstorbene Unternehmer Michael Schwert1). Der Wahlspruch des selbstbewußten Mannes lautete: „Meine feindt mögenß nit erwören, wann Gott mich will ernören“. Was über ihn bisher bekannt war, wurde vor allem aus Villinger und solchen Quellen geschöpft, die sich im Fürstlich Fürstenbergischen Archiv in Donaueschingen befinden. Ein paar bescheidene Angaben über Schwert sind freilich auch Rottweiler Archivalien zu entnehmen, die hier mitgeteilt werden sollen.

Da ist zunächst einmal im Rottweiler Ratsprotokoll 2) vom 19. März 1591 die Rede davon, daß der Rat der Reichsstadt beschloß, dem Villinger „Khaufherren“ das Wappen der Stadt „in sein newe behausung“ zu schenken, und zwar „zu dankbarlicher erzaigung“3). Der 1588 ins Villinger Bürgerrecht aufgenommene Schwert hatte also kurz darauf in Villingen ein Haus gebaut. In dieses neue Haus stifteten ihm die Rottweiler nach damals üblicher Sitte eine gläserne Wappenscheibe. Sie war mit großer Sicherheit in Rottweil hergestellt worden, gab es in der Reichsstadt doch schon seit Jahrzehnten und noch bis weit ins 17. Jahrhundert angesehene und leistungsfähige Glasmalerwerkstätten und damals mit Sebastian Spiler einen bekannten Glasmaler 4). Wenn die Rottweiler sich „dankbarlich“ zu diesem Geschenk entschlossen, so zeigt dies, daß es zwischen Rottweil und Schwert schon vor diesem Zeitpunkt Beziehungen gegeben hat, über deren Inhalt wir allerdings nichts wissen; jedenfalls muß Schwert den Rottweilern in diesem Zusammenhang jedoch außergewöhnlich weit entgegengekommen sein.

Dies könnte durch die Gewährung eines Darlehens an die oft mit Geldverlegenheiten kämpfende Reichsstadt geschehen sein. Immerhin läßt sich für 1599 belegen, daß Schwert dem Rottweiler Armbrust-Wirt German Erndlin einen Kredit von 250 Gulden einräumte5). Bemerkenswert scheint dabei, daß die Familie Erndlin als Kaufmannsfamilie Handelsverbindungen vor allem ins französische Wirtschaftszentrum Lyon unterhielt.

Nachweislich organisierte Michael Schwert für die Reichsstadt Rottweil vor allem die Überführung von Sondersteuern an die von der Reichsverwaltung vorgeschriebenen Zahlungsorte und ihre dortige Auszahlung in der jeweils gewünschten Währung. Als entsprechende „Kontributionen“ wohl für den sogenannten „langen“ Türkenkrieg von 1593-1615 in Augsburg für das Reich und für den Schwäbischen Kreis in Ulm abzuliefern waren, zahlte Michael Schwert die fälligen Summen an ihren Bestimmungsorten in Philippstalern und in Basler Münze aus. Für seine Bemühungen erhielt er für je 100 Gulden einen halben Gulden Provision, manchmal auch mehr. Dabei ging es gelegentlich um recht beachtliche Summen: Allein 1596 hat der Villinger Handelsmann für Rottweil etwa 10 000 Gulden ausbezahlt6). Während der vorausgegangenen Verhandlungen wohnte Schwert Anfang Februar 1596 in der „Armbrust“ bei German Erndlin 7).

Noch ein weiteres Mal trat Schwert zur Reichsstadt Rottweil in Beziehung, wie sich auch aktenmäßig wenigstens in Umrissen deutlich machen läßt. Dies ist für die Zeit seit 1609 der Fall. Der Villinger Handelsmann war inzwischen mit großem Erfolg in den Schwarzwälder Bergbau eingestiegen. Mit der Förderung von Eisenerz hatte er in den Jahren 1607/1608 einen Höhepunkt und 1604 bis 1614 mit über 17 000 Zentnern aus dem Werk Eisenbach eine bisher kaum für möglich gehaltene Rendite erzieh 8). So schuf er die Voraussetzung, nach dem Vorbild anderer damaliger Unternehmer vorzugehen, die wie die Fugger in Augsburg auf dem Höhepunkt der Prosperität ihrer Firmen dazu übergingen, die erwirtschafteten Erträge in Grund und Boden anzulegen und in die Dienste einer politischen Macht zu treten. Schwert schied so 1609 aus dem Villinger Rat aus, um Obervogt der Herrschaft Triberg zu werden. Er versuchte aber auch, einen Landsitz zu erwerben, damit die Lebensformen des Landadels zu übernehmen und wahrscheinlich zuletzt auch gesellschaftlichen Anschluß an diese Kreise zu gewinnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Niederlassen wollte sich Schwert auf Schloß Herrenzimmern bei Rottweil. Dieses Schloß war eine ansehnliche Anlage und nach dem Aussterben der Grafen von Zimmern im Mannesstamm 1595 durch Kauf aus deren Erbschaft an die Reichsstadt Rottweil gekommen 9). Der Kaufpreis war so beachtlich, daß ihn die Rottweiler finanziell möglicherweise noch einige Zeit nicht verkrafteten. Das Schloß in dieser Situtation zumindest vorübergehend Schwert zu überlassen, hätte ihnen da sicherlich geholfen und zugleich ihren politischen Interessen nicht widersprochen, da Schwert als österreichischer Beamter sicherlich auf der Linie der damaligen Rottweiler Politik lag. So verhandelte man im Herbst 1609 über den Verkauf von Schloß Herrenzimmern an Schwert. Für Rottweil führte Hofgerichtsschreiber Johann Baptist Sachs die Verhandlungen, und der reichsstädtische Rat gab zum Verhandlungsergebnis bereits seine Zustimmung10). Im letzten Augenblick wurde man sich aber dann doch nicht einig, denn noch im Frühling des folgenden Jahres wurde weiterverhandelt 11).

Der Grund für diese Verzögerung mag einmal darin gelegen haben, daß für Schwert bei seinen Bemühungen um Schloß Herrenzimmern ein Mitbewerber in Gestalt von Erbschenk Johann Felix von Spaur und Valürn auftauchte. Er hatte Schwert gegenüber den Vorteil aufzuweisen, daß er seit 1610 als Statthalter am berühmten Kaiserlichen Hofgericht in Rottweil dessen zweithöchster Amtsträger war12). Schließlich verkaufte die Reichsstadt aber weder an den Hofgerichtsstatthalter, noch an Michael Schwert, der bekanntlich am 15. März 1614 gestorben ist.

Immerhin blieben die Beziehungen zwischen Rottweil und der Firma bzw. der Familie Schwerts auch danach zufriedenstellend. Im Rottweiler Rat wurde 1622, also bereits in den Anfangsjahren des Dreißigjährigen Krieges, beschlossen, Hans Schwert, dem „Berckherrn im Eysenbach“ — wahrscheinlich der Sohn und Nachfolger von Michael Schwert — zu erlauben, auf dem Rottweiler Kaufhaus Eisen zu verkaufen oder mit ihm auf diese Weise Handel zu treiben, daß er für sein Roheisen Rottweiler Getreide erhalten sollte13).

Anmerkungen

1) Vgl. P. Revellio, Michael Schwert, gest. 1614. In:•: P. Revellio, Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen. Villingen 1964 S. 450 — S. 454; H.H., Der Schwenninger Handelsmann Michael Schwerdt als erster Industrieller in Villingen. Das Heimatblättle 22. Jg. (1974) H. 4 5.1 — 5.2.

2) Zit.: RPR.

3) a.a.O. p. 312.

4) Vgl. A. Steinhauser, Rottweiler Künstler und Kunstwerke des 15. und 16. Jahrhunderts. Rottweil 1939 S. 106 ff. und S. 115 ff.

5) Vgl. Stadtarchiv Rottweil, Contracten-Protocoll 1597-1604 p. 280.

6) Stadtarchiv Rottweil, Stadtrechnungsbuch 1596 f. 46 v— f. 48 r.

7) a.a.O. f. 34″.

8) Vgl. Revellio a.a.O. S. 453.

9) Vgl. J.A. Merkle, Die Entwicklung des Territoriums der Stadt Rottweil bis 1600. Diss. phil. Stuttgart 1913 S. 112 ff.

10) Vgl. RPR vom 29. Oktober 1609 p. 59.

11) Vgl. RPR vom 23. März 1610 p. 96.

12) Vgl. RPR vom 17. Februar 1611 p. 170 und G. Grube, Die Verfassung des Rottweiler Hofgerichts. Stuttgart 1969 S. 220.

13) Vgl. RPR vom 13. Oktober 1622 p. 429.