Auf dem Weg zu einem neuen Münsterplatz …

Geduld ist in der Berge langem Bleiben

Und in der Ewigkeit des Regenfalls.

Geduld ist eines Baumes stetig Treiben

Und der gestrahlte Ausbau des Kristalls —

Wo ist ein Ding, das anders sich vollende?

(Ina Seidel, 1885-1974)

Einverstanden, wir sprechen nicht in großen Worten von ihnen, den sechs Idealisten der „Initiative Münsterplatz“ im Geschichts- und Heimatverein. War es doch schon schwer genug, von ihnen überhaupt eine „Chronologie der Mühseligkeiten“ zu erhalten, die über die Vorgänge auf dem Weg zur Neugestaltung des Münsterplatzes berichtet. Gewissermaßen als Partner der Stadtverwaltung hätten sie sich mit ihrer Arbeit gerne im Hintergrund gehalten. Schließlich gaben sie dem Drängen der Redaction des Jahresheftes nach. Wir möchten, daß Sie, lieber Leser, einmal stichwortartig erfahren, was manchesmal hinter einer kurzen lapidaren Mitteilung der Tageszeitung über das Ergebnis einer Zusammenarbeit Bürger —Verwaltung an Arbeit, Zeitaufwand, Mühsal und Widerständen steckt. Der Fluß der Zeit spült alles gern und rasch ins Meer des Vergessens. Halten wir deshalb fest, was der Herzschlag von Menschen manchmal vermag. Der Dank an sie ist auch der Dank an die Stadtverwaltung und den Gemeinderat.

Wir stellen vor:

Peter Heisters, Oberamtsrat Stadt Vllg.-Schwenn.

Hubert Waldkircher, Oberamtsrat Stadt Vllg.-Schwenn.

Franz Blaser, freier Architekt

Dieter Ehnes, freier Architekt

Elmar Fuhrer, freier Architekt

Paul Naegele, freier Architekt

Sie berichten:

Vorstöße

8. 11. 1983

Schreiben von Hotelier Kaiser, Dekan Müller, Geschäftsführer Scheu (Kur- und Bad GmbH) und Herrn Waldkircher: Mitgl. Stiftungsrat Münster, an den Oberbürgermeister: Erinnerung an die von der Stadt wegen der seit geraumer Zeit vorgesehenen Neugestaltung des Münsterplatzes:

4.1.1984

Antwort des OB:

Neuordnung im Zusammenhang mit der Fußgängerzone werde nicht weiterverfolgt, neue Pläne seien in Arbeit.

Herbst 1984

Kontaktaufnahme durch die Herren Waldkircher und Heisters mit versch. techn. Ämtern.

Ziel: Information zu erhalten; Initiative ins Spiel bringen.

11.12.1984

Bericht im Südkurier über die Initiative.

Ziel: Breite Öffentlichkeit informieren, techn. Ämter indirekt erinnern.

5. 2. 1985

Techn. Ausschuß stimmt einem Haushaltsansatz von 100 000 DM zur „Begrünung des Münsterplatzes“ zu. In der Beratung wird Priorität von Bickenstraße und Niedere Straße (Erweiterung Fußgängerzone) hervorgehoben.

22.2.1985

Ortstermin Münsterplatz mit techn. Ämtern. Initiative lädt sich dazu selbst ein! Vorschlag Gartenamt zur Begrünung diskutiert: Insgesamt 18 kleine Bäume, davon 14 unregelmäßig auf der S-Seite, 4 auf der N-Seite. Außerdem wird die Vereinheitlichung der Beleuchtung angesprochen.

BM Kühn: Wenn fehlende Gesamtplanung moniert werde, könne man nur auf die ebenfalls fehlenden Mittel hinweisen. Zur Verfügung stünden eben nur 100 000 DM!

Von links: Architekt Blaser, Architekt Fuhrer, Oberamtsrat Waldkircher, Stadträtin Feld, Oberamtsrat Heisters, Stadtrat Oberle, Architekt Naegele, Architekt Ehnes. (Nicht auf dem Bild die Stadträte Merkle und Steinkamp) ‚Besprechung der Planvorlage zur Gestaltung des Münsterplatzes. Siehe hierzu auch den Plan auf Seite 62 mit dem eingezeichneten ‚ächte, das auf eine Anregung des Arbeitskreises Münsterplatz zurückgeht.

 

11.3.1985

1. Sitzung der techn. Ämter mit Dr. Leusch (Landesdenkmalamt), Stadtarchivar Dr. Fuchs, Dekan Müller und der initiative. Thema: Abschließende Erörterung der Begründung des M-Platzes. Gegensätzliche Standpunkte von Stadtarchivar/ LDA einerseits, techn. Ämtern und uns andererseits. Erstere wünschen aus historischen Gründen keinerlei Grün.

Herr Hosemann, Gartenamt, unterstreicht seinen Begrünungsvorschlag als vorläufige Lösung, da es eine konsensfähige Planung derzeit nicht gebe. BM Kühn beauftragt das Planungsmat, neu zu überlegen. Dr. Fuchs erklärt, Sanierung Altes Rathaus sei ihm wichtiger.

23.4.1985

2. Sitzung (wie 11.3.85, auch Bildhauer Klaus Ringwald ist anwesend). BM Kühn stellt heraus, der Münsterplatz sei nicht einfach Teil der Fußgängerzone sondern etwas Besonders. Nachdem die erste Sitzung keine Übereinstimmung ergeben habe, solle man heute über die Verwendung der vorhandenen 100 000 DM endgültige ,Vorschläge für den TA erarbeiten. Bereits die Wegnahme der Gehwege sei mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht finanzierbar. Deshalb angehen

a) Beleuchtung

Nur Wandleuchten mit hellem Glas statt versch. Modelle

b) Begrünung

2 Bäume, nämlich einer beim Sudhaus und einer zwischen „Falken“ und Altem Kaufhaus (H. Ringwald ist gegen Grün)

c) Als Zukunftsplanung ein Brunnen in der SO-Ecke, also hinter dem Alten Kaufhaus und Wegfall der Gehwege

Antrag der Initiative: Münsterplatz-Gesamtgestaltung vorzuziehen, wenn Erweiterung der Fußgängerzone im Bereich Bickenstr./ Niedere Str. so bald nicht realisiert wird.

21.5.1985

Vorstellung der Initiative in der Vorstandsitzung des Geschichts- und Heimatvereins (GHV). Die Initiative ist in ihrer bisherigen Form zu schwach. Sie braucht ein „Dach“ und „Gewicht“.

Der Vorstand begrüßt die Ziele der Initiative und erklärt sich mit der Firmierung „Initiative Münsterplatz im GHV“ grundsätzlich einverstanden.

3.6.1985

Der Vorstand des GHV informiert sich vor Ort.

19. 6. 1985

Vorstandmitglied Architekt Ehnes, bisher schon wiederholter Ratgeber, arbeitet ab sofort offiziell mit.

Juni/Aug. 85

Wiederholte Rückfragen beim techn. Dezernat wegen der Höhenaufnahme des Münsterplatzes als Grundlage weiterer Planung.

23. 8. 1985

Die Initiative bringt schriftlich ihre neu formulierten Gestaltungsvorschläge beim techn. Dezernat ein. Hierin sind auch die Ergebnisse vom 3.6.85 berücksichtigt.

15.10.1985

3. Sitzung mit Vertretern des techn. Dezernats. Unsere Anregungen vom 23.8.85 werden im wesentlichen verworfen. Die Initiative bittet die Verwaltung um Anmeldung des Münsterplatz-Projekts zum Städtebauförderprogramm.

11. 11. 1985

Pflanzlöcher für die beiden Bäume werden begonnen. Dabei Veränderung auf der Südseite um ca. 2,50 m zur Platzmitte, weil an der vorgesehenen Stelle noch alter Kanal liegt. Unser Versuch, unter Hinweis auf die offensichtlichen Behinderungen des Marktverkehrs am jetzigen Standort, Aufschub zu erreichen, schlägt fehl. Am 21.11. sitzen beide Pflanzkörbe (Gewicht mit Inhalt ca. 6 t).

Ende November 85

Erweiterung der Initiative durch die GHV-Mitglieder Blaser, Fuhrer und Naegele (freie Architekten).

4. 12. 1985

Diskussion der Gruppe mit Vors. d. Gesch. und Heimatvereins Werner Huger.

Funktionsprogramm rund um den Münsterplatz welche Gestaltungsgrundsätze sind daraus zu entwickeln

17.12.1985

Gesprächsrunde mit den Stadträten Merkle, Reiser, Steinkamp, Feld und Oberle. Unsererseits informieren die vier Architekten (Ehnes, Fuhrer, Naegele und Blaser) über die Gestaltungsvorschläge der Gruppe im Hinblick auf den morgigen Grundsatzbeschluß des Gemeinderats.

18.12.1985

GR-Beschluß: Zustimmung zum Gesamtkonzept mit Kosten von 2.600.000 DM.

5. 3. 1986

4. Sitzung mit dem techn. Dezernat

Unsere Architekten Ehnes, Fuhrer, Blaser und Naegele

erläutern ihre zwischenzeitlich erarbeiteten Planungen

a) betr. Gebäude um den Münsterplatz, z. B. Innenhof des Alten Kaufhauses durch einen überdachten Baukörper zu schließen

b) Platzumgestaltung selbst Pflasterung, Brunnen, Bäume, Fahrverkehr

c) „Bächle“ Kanzleigasse zum Brunnenstandort Kronen-/ Kanzleigasse (Arch. Fuhrer) Vors. Huger legt alte Pläne des Bächlesystems vor und zitiert deren Lauf aus dem Stadtrecht von 1371

Übergabe des Planes an BM Kühn. Festlegung: „Positive Vorschläge der Architekten sollen in den Gestaltungsplan einfließen.“

Die Weiterplanung soll gemeinsam zwischen unserer Architektengruppe und H. Wolf vom Planungsamt erfolgen.

10. 3. 1986

Planungsbesprechung mit Architekt Wolf vom Planungsamt und Bürgermeister Kühn in Schwenningen mit unseren Architekten.

13.3.1986

Planungsbesprechung mit Architekt Wolf.

18.3.1986

Planungsbesprechung mit Architekt Wolf.

20.3.1986

Gespräch mit BM Kühn.

24.3.1986

Zeitungsnotiz: Landeszuschuß f. Mü-platz bewilligt.

7.4.1986

Planungsbesprechung der Architekten mit Herrn Wolf.

9. 4. 1986

5. Sitzung mit dem techn. Dezernat

BM Kühn und Vors. Huger bedanken sich für gute

Zusammenarbeit.

Einzelthemen:

a) Wasserlauf (H. Huger unterstreicht einmalige Chance)

b) Pflaster: Probleme der Materialbeschaffung; Wiederverwendung alten und Einbringen neuen Materials gleicher Farbe (Sandstein nicht mehr erhältlich)

c) Brunnen: Gruppe möchte dazu noch Vorschläge bringen. GHV bekundet Absicht einer (Mit-) Finanzierung, auch H. Merkle denkt an Beitrag der Mün-sterpfarrei

d) Bäume: Je drei auf der N- und S-Seite

Kein endgültiger Beschluß!

17.4.1986

Planungsbesprechung unserer Architekten mit Herrn Wolf.

22.4.1986

Informationsgespräch mit OB Dr. Gebauer, das etwas unglücklich verläuft, weil Mißverständisse entstehen.

14.5.1986

GR-Beschluß über Planungserweiterung (Brunnen und ,Bächle“) Mehrkosten 230 000 DM; Wasserableitung kostenneutral.

16.5.1986

Dankschreiben GHV an BM Kühn.

30.6.1986

5. Sitzung mit dem techn. Dezernat

Seit dem Frühjahr haben sechs Arbeitsgespräche zwischen unserer Architektengruppe und H. Wolf vom Planungsamt stattgefunden.

BM Kühn gibt einige Änderungen gegenüber der bisherigen gemeinsamen Planung als beschlossene Sache bekannt:

a) Bächle 35 cm breit (bisher 50)

b) Kein Wandauslaß in der Kanzleigasse sondern bodennaher Auslaß (kein Trinkwasser!)

Bezüglich des Brunnens meldet BM Kühn Mitspracherecht der Stadt bei der Gestaltung an. Ebenso müsse da wohl die Münsterpfarrei gefragt werden.

Eine größere Diskussion kann sich nicht entwickeln, da a) und b) festgelegt und auch zeichnerisch bereits niedergelegt sind.

Als Ausschreibungstermin wird der 19.7.86 bestimmt.

7. 8. 1986

Interne Gespräche der Arbeitsgruppe über eine mögliche Brunnengestaltung.

Nach August:

Gespräche und Plangestaltung gehen weiter.

Neuplanung des Münsterplatzes

 

Neuplanung des Münsterplatzes