Ein Ackerbürgerhaus nimmt Abschied (ULRICH DÖRING/WERNER HUGER)

Im Jahre 1900 gab es in Villingen 863 „Häuser-Besitzer“)) Die Häuser verteilten sich auch auf Straßen, die bereits außerhalb des Mauergürtels liegen, z. B. Vöhrenbacher-, Wald-, Friedrich-, Ring-, Brigach-, Post-, Marbacher-, Schwenninger-, Schwedendamm-, Berthold-, Kalkofen-, Bleiche-, Bahnhof-, Warenburg-, Schützenstraße u. a. sowie Nordstetten. Innerhalb der Mauern, also der mittelalterlichen Stadt, waren es knapp 600.

Die Zahl der Einwohner betrug 1900 7819 Personen.2) In welchem Umfang der Ackerbürger vertreten war, ist aus der nachstehenden Statistik zu ersehen, in der die Tierhaltung des Jahres 1905 der des Jahres 1845 (bei 4000 Einwohnern) gegenübergestellt wird?) Leider ist nur für das Jahr 1845 die Zahl der Stallungen mit 478 angegeben. Wir müssen sie — vielleicht außer Nordstetten — ausschließlich mit der Zahl der Häuser innerhalb der Mauer in Verbindung bringen. Weil zwischen 1845 und 1900 aber 45 Jahre liegen, können wir den Prozentsatz der Häuser mit Stallungen nur schätzen. Es sind rund 80 %. Selbst bei beruflichen Veränderungen in der Bevölkerung ist die Struktur der Hausbesitzer annähernd konstant, jedenfalls soweit ausreichend, um sagen zu können, daß noch 1900 der Ackerbürger als Neben- oder Vollerwerbslandwirt dominiert.

Rodenwaldt (a. a. 0.) teilt mit:

Zahl der Stallungen (1845): 478

1845

(4000 Einw.)

1905

(7800 Einw.)

Pferde 248 238
Rindvieh 1505 1073
Ziegen 197 190
Schafe 202
Schweine 468 402
Geflügel 1382 2000
Tauben 1144 1124
Bienenstöcke 271
Hunde 186 249

 

Ein wenig mit Rücksicht auf den modern gewordenen Datenschutz fangen wir zunächst nur mit Hausnummern an. Zu diesem Zweck biegen wir, von der Bickenstraße kommend, in die Gerberstraße ein. Wir gehen auf dem rechten „Trottoir“ Richtung „Krawazi“, dem unteren Teil der Gerberstraße. Dort überqueren wir die Paradiesgasse, die die Niederestraße mit dem Bahnhof verbindet. Jetzt stehen wir vor dem Eckhaus Gerberstraße Nr. 44. Halt, das steht ja gar nicht mehr!

1920 hatte es der Kamm-„Fabrikant“ Julius Kern als „zweistöckige Scheuer mit Stall und Hausgarten“ erworben.4)

Kannten Sie den alten Kern? Sein Vater war Lukas Kern, nannte sich noch Kamm-„macher“ und wohnte 1900 ganz unten im Haus Rosengasse 391, das später seinem Sohn Julius gehörte, der gegenüber noch die Kammherstellung betrieb, wo er schließlich auch wohnte und 1958 starb. Julius besaß Erbmasse, er war ein gewitzter Kaufmann, besser: eine unauffällige, ständig mit sich und seinen Plänen beschäftigte Händlernatur. Kennen Sie den alten Scrooge aus dem nebligen London des 19. Jahrhunderts, geschildert in Charles Dickens Weihnachtslied in Prosa? Die beiden hätten Zwillinge sein können. Als er sich von dieser Welt verabschiedete, war er schlicht reich. Um nur eines der zahlreichen Gebäude zu nennen, die ihm gehörten: Das ehemalige Kapuzinerkloster an der Niederen Straße, das gerade dieser Tage recht heruntergekommen trotzdem in Millionenhöhe den Eigentümer wechselte. 1945 wurde Kern nach dem Einmarsch der Franzosen von diesen verhaftet und in das provisorische Gefängnis in der ehemaligen Knabenschule (heute Realschule) eingesperrt. Es war die Stunde Null, für Deutschland und jeden. Niemand wußte, ob man als Geisel erschossen würde oder irgendwo in Frankreich in jahrelanger Zwangsarbeit enden würde. Den alten Kern schien das alles nichts anzugehen. Er erzählte seinem Mithäfling, an der Paradiesgasse besitze er ein altes Haus, das würde er abbrechen und an seiner Stelle eine Ladenpassage bauen.) Er hat sie gebaut, 1951. Es waren die einstöckigen Geschäfte von Radio-Pasch (Paul Schwiertz), Sport-Mauch, Strumpf- und Miederwarenhaus Kindler-Sterk. Inzwischen ist das Gebäude ebenfalls abgerissen. Das Grundstück ist im Verbund des neuen Hauses Gerberstraße 46 als Baueinheit aufgegangen. Dieser Hausteil wurde aber dem alten Bestand nachempfunden und vom Architekten optisch abgesetzt.

1900    hatte es die Hausnummer 253 und gehörte dem Seifensieder Wilhelm Oberle. Ihm gehörte auch das Haus Niedere Straße 333, heute Nr. 45, wo er im Hinterhaus seine Seifensiederei und Kerzenziehrei betrieb. Man nannte ihn „Soapfebläterli“ (= Seifenbläschen). Er war ein hochangesehener Mann, einer der zehn Stadträte und Mitbegründer des Kneippgedankens in Villingen. Noch mit 90 Jahren besuchte er das städtische Freibad, wo er dann auch prompt um ein Haar ertrunken wäre, hätte ihn der Bademeister nicht gerettet. Sein Großneffe ist der heutige Leiter des städtischen Kammerorchesters, Musikdirektor Claus Oberle, der Urgroßneffe ist der jetzige Stadtrat Claus-Martin Oberle. Um 1934/35 starb Wilhelm Oberle 91jährig.

1885    wird es als „Ökonomiegebäude mit Hofraum und Gärtchen“ bezeichnet.

1851/52 kaufte es der Seiler Martin Oberle, wohl der Vater des Wilhelm Oberle, nachdem der Vorname Martin bis heute noch weitere dreimal in der Familie vorkommt.

1842    teilte sich das Anwesen je hälftig in das Eigentum des Schreiners Martin Fischer und Agathe Glatz, geb. Fischer, Ehefrau des Johann Glatz.

1825    wird es mit einem Wert von 500 Gulden als „Wohnhaus von Mauer, zwei Steingiebel samt Scheuer“ bezeichnet.

1789    heißt der Eigentümer Jakob Fischer, Weber.

1784    wird Franz Ganther genannt.

1766    schließlich gehört es Johannes Holl und trägt nun die Hausnummer 206!

Das Jahr 1 766 bedeutet insgesamt für die Häuserforschung eine Zäsur. Damals werden zum erstenmal die Gebäude katastermäßig in einem sogenannten „Brandversicherungsanschlag“ erfaßt. Über ihn führt im allgemeinen der Weg nahtlos bis ins Grundbuch unserer Tage. Was vor 1766 liegt, kann nur schwer aus den Kontraktakten herausgefiltert werden.

Soweit zur Ecke Gerberstraße/ Paradiesgasse.

Der vornehmere Bruder daneben ist das heutige und frühere Haus Gerberstraße 46. Es trug im Jahre 1900, als die Nummerierung auf der rechten Seite von Süden her aufstieg, die Hausnummer 252. Von heute an drei Generationen Münch zurück, war der Eigentümer damals der Vollerwerbslandwirt Karl Münch. Das „Münch-Haus“ ist auch deshalb in Erinnerung geblieben, weil Karl Münch als angesehener Bürger ebenfalls, wie sein nachbar Oberle, zu den zehn Stadträten gehörte; eine vornehme Ecke also.

1874 hatte Karl Münch das Anwesen von den Eheleuten Weißer ersteigert. Es blieb drei Generationen in der Familie.

1864 kaufte es Xaver Weißer von dem Gerbermeister Maximilian Beha.

 

 

Ab Frühjahr 1983 laufen die Umbauarbeiten am alten Haus Gerberstraße 46 auf vollen Touren. Bild: Ostseite an der Gerberstraße. Am Giebel ist rechts, unterhalb der kleinen Lichtöffnungen und links von der Mitte, parallel zur Dachneigung, an der helleren Färbung noch zu sehen, wie der Giebel durchs alte, vor Jahrzehnten abgerissene Haus Gerberstraße 44 mitbenutzt wurde.

 

1842 Max (Anm.: -ilian) Beha, Gerber, ersteigert das Anwesen von dem Rotgerber Johann Konstanzer um 2805 Gulden. Es trägt zu diesem Zeitpunkt die Hausnummer 231.

1825 gehörte es dem Johann Konstanzer und wird mit 2000 Gulden eingeschätzt, als „dreistöckiges Wohnhaus von Mauer, zwei Steingiebel samt Scheuer und Stall unter einem Dach“ bezeichnet. Johann Konstanzer war wohl der Sohn von Andreas Konstanzer, denn er wird als „modo“ = Nachfolger bezeichnet, und so heißt es

1792 Andreas Konstanzer

1784 heißt der Eigentümer Baptisch Holl. Er folgte wohl ebenfalls dem Vater, denn als letzten erfassen wir 1766 Johannes Holl

Das Haus trägt zu diesem Zeitpunkt die Nummer 206.

Die Hausnummern 206 und 231 für das gleiche Haus bedeuten keinen Widerspruch. Dieser Tage hat sich ein Lokalhistoriker, der die Tageszeitung mit historischen Schilderungen beliefert, schwer damit getan, die am Gebäude des ehemaligen Gasthauses Falken in der Riet-straße angebrachte Hausnummer (450?) einzuordnen, indem er meinte, diese Nummer habe hier nichts verloren. (Die in Stein gefaßte Nummer, die wie ein Schlußstein in der Mitte des runden Türsturzes des ehemaligen Durchgangs an der Südostseite des Gebäudes an der Rietstraße angebracht war, wurde mit dem gesamten Bauelement beim Neubau des jetzigen Hauses Erwin Kaiser, Rietstraße 14, nach der Nordwestseite des Gebäudes verbracht und dort in neuem Zusammenhang mit einem Durchgang eingebaut.) Es ist darauf zu verweisen, daß die Nummernfolge der Hausnummerierungen nicht stabil war. Mindestens zweimal hat sich das Zählsystem geändert, und zwar ab 1766 blieb es bis 1840 etwa, dann folgte ein neues, bis ab 1905 die Zählung innerhalb der Straße und mit dieser abschließend, erfolgte. Außerdem gab es laufende Verschiebungen, weil entweder alte Gebäude verschwanden oder andere entstanden. Der „Falken“ trug im Jahr 1900 tatsächlich die Nummer Rietstraße 50.

Wie war’s mit den alten Rittersleut‘?

Als das stattliche Haus Gerberstraße 46 um das Jahr 1983 saniert werden sollte, da wurde halbamtlich orakelt, es könne zu dem Adelskollegium der Johanniter gehört haben, deren Kommende sich ja an der oberen Gerber-straße, dem sogenannten „Unterrockviertel“, befand. 1766 gab es noch den ungestörten kirchlichen und klösterlichen Besitz. Noch gab es keine Josephinische Reform, und die Säkularisation lag in unsichtbarer Ferne. So gesehen müssen wir jede Verbindung mit den Johannitern für das Haus Gerberstraße 46 ins Reich der Spekulation verweisen.

Das Haus hat es auch gar nicht nötig, daß es wie von einem Schimmer des stumpf gewordenen Glanzes feudaler Zeiten beleuchtet wird. Es ist tatsächlich ein

Paradebeispiel des stattlichen Ackerbürgerhauses:

Seine geschichtlichen Eigentümer waren in den mehr als zweihundert Jahren, die wir überblicken konnten, Bürger, die in diesem Hause eine Landwirtschaft unterhielten. Für beide Häuser erkennen wir immer wieder die Verbindung zu einem Eigentümer mit einem handwerklichen Beruf, darunter Gerber.

1982 wurde das Haus und das Grundstück Nr. 44 von einer sogenannten Bauherrengemeinschaft in privatbesitz erworden, darunter befindet sich ein Architekt, der in Villingen aufwuchs. So war es möglich, das alte Haus auch in Planzeichnungen zu erfassen, von denen wir zwei, das Erdgeschoß und das erste Obergeschoß abdrucken. Wir erhalten damit ein Bild funktionaler Strukturen des Hauses, die zwangsläufig der neuen Konzeption als Haus des Wohnens, der medizinischen Praxen und Geschäfte weichen mußten. Dennoch wurde aus denkmalpflegerischen Gründen der Versuch gemacht, für die künftigen Nutzungen den Grundriß und die historische Substanz möglichst weitgehend zu erhalten und sichtbar zu machen. Es ist ein Kompromiß, aber ein Kompromiß, der trotz des hohen finanziellen Aufwands den Bestand erhielt der vom Alter bedroht war; gemeint sind die Sicherung der Fundamente, die Giebel, die Fronten, Innenwände und Decken. Von den mächtigen Balkenunterzügen trägt einer die Jahreszahl 1657. Die nachfolgend vorgestellten Bilder sagen mehr aus, als wir verbal beschreiben können. Deshalb beschränken wir uns hier nur noch auf eine kurze Zustandbeschreibung des alten Hauses, wie sie beim Beginn der Umbaumaßnahme im Januar 1983 als Bestand angetroffen wurde. (Ende der Maßnahme Juni 1984).

Das Haus Gerberstraße 46 (206 u. 231) besaß eine gesamte Grundrißfläche von rund 240 qm einschließlich der Mauern. Die Tiefe des Gebäudes betrug rund 20,5 m, die Breite rund 12 m. Der Wohnteil besaß pro Stoccwerk einschließlich dem Treppenhaus ein Innenmaß von rd. 85 qm.

Im Erdgeschoß war eine teilweise landwirtschaftliche bzw. gewerbliche Nutzung wahrscheinlich. Darüber gab es zwei Wohngeschosse. 1902 wohnten im Haus außer dem Eigentümer Münch und seiner Familie noch Blessing Karl, Fabrikarbeiter, und Blessing Wolfgang Ww.

Über dem Wohnteil gab es bis zur Spitze des Satteldaches vier Geschosse, die mit zusammen rd. 490 qm Fläche der Ökonomie dienten (z. B. als Heuboden). Die Grundfläche der beiden Ställe im rückwärtigen Erdgeschoß, mit dem Futtergang dazwischen, betrug netto rd. 100 qm.

Über den Ställen gab es in den einzelnen Geschossen nochmals aus Balken und Brettern bestdehende Lagerflächen als Berge- oder Stauraum mit rund 200 qm. Wir erhalten damit die erstaunliche Fläche von 790 qm Lager unter einem Dach. Im Futtergang befand sich an der Decke eine quadratische Öffnung, die zu einem Aufzugsschacht für die landwirtschaftlichen Produkte, insbesondere des Heues, gehörte. Ansonsten waren Wohn- und Ökonomieteil durch eine Mittelmauer klar getrennt. Im Erdgeschoß führte durch diese Wand eine rundbogige Tür mit altem Gewände, die Futtergang und Erdgeschoß des Wohnteils verband. Eine gleiche Türöffnung befand sich genau oberhalb im 1. OG. Sie führte über den nördlichen Stallteil hinweg nach hinten (Westen), wo ein sehr schönes Renaissance-Gewände (s.Bild) die rückwärtige Ausgangstür bildete. Ob sie so primär verbaut wurde, ist nicht geklärt. Jedenfalls trägt dieses Außengewände in seinem Rundbogen-sturz die von uns als 1571 gedeutete Jahreszahl.

Im Erdgeschoß dienten rückwärtige Türen der Entmistung der zwei Ställe. Der Ökonomieteil im Westen hatte ohnehin seine Zufahrt von einer der typischen Wirtschaftsgassen, der Goldgrubengasse. Zwischen ihr und der Hauswand lag eine Hoffläche von rund 150 qm. Auf ihr lag selbstverständlich der Misthaufen, ferner ist im Bereich der schönen Renaissancetüre an der Nordwest-wand außen eine Remise denkbar, überdacht aber sonst offen. Ein kleines Gärtchen ist ebenfalls denkbar.

Wir glauben mit diesen wenigen Darstellungen die Struktur und Funktion eines alten Ackerbürgerhauses, dessen letzte größere Umbauphase wohl ins 16./17. Jahrhundert gehört, deutlich gemacht zu haben. Dem vertiefenden Verständnis sollen die nachfolgenden Bilder dienen.

 

Rückseite des Hauses Gerberstraße 46 (Westseite) vom Wirtschaftsweg Goldgrubengasse aus gesehen. Mitte: Scheuertor zum Futtergang, links und rechts im Erdgeschoß Zugang zum jeweiligen Stall mit Stallfenster (s. auch Planzeichnung). Im 1. OG links Renaissance-Türgewände. Die Tür führte, wie alle übrigen in dieser Fassade, zu Böden des rückwärtigen Wirtschaftstrakts. In Verbindung damit müssen früher Vorbauten vorhanden gewesen sein, als Schopf oder Remisen, die neben dem Misthaufen und vielleicht einem Gärtchen den jetzt leeren Zwischenraum als Hoffläche füllten.

 

Anmerkungen:

Adreßbuch der Großherzogin Badischen Kreishauptstadt Villingen. Herausgegeben von Polizeiwachtmeister F. J. Riegger, 1900, Verlag Otto Frick, Villingen, Seite 77 — 95.

Paul Revellio, Beiträge zur Geschichte der Stadt Villinen, Ring-Verlag Villingen, 1964, S. 467.

Entnommen bei Ulrich Rodenwaldt, Villingen im Spiegel der Ratsprotokolle von 1830 — 1930, in: Die Zeit als Herausforderung, 75 Jahre Binder Magnete, Privatdruck, 1986, Binder Magnete GmbH, Villingen-Schwenningen, Seite 60.

Die Informationen von 1920 — 1766 für die ehemaligen Häuser Gerberstr. 44 und 46 sowie über das Zählsystem in der Vergangenheit verdanken wir dem Häuserforscher und Mitglied des Geschichts- und Heimatvereins Villingen Walter K. F. Haas.

Der Mitverfasser, Werner Huger, war damals als Jugendlicher ebenfalls verhaftet und mit Kern in einem Raum eingesperrt, wo ihm Kern seine Pläne mitteilte.

 

Die Nordwestseite der rückwärtigen Fassade verdeutlicht die Ausführungen zum obigen Bild (EG und 1. OG).

 

Bogenwände zur Tür im 1. OG, profiliert, mit zierlichen Halbsäulchen, an den Längskanten mit ornamentalen Schmuckbasen. Im Bogen die Jahreszahl 1571.

 

Vom Scheunentor geht der Blick in den ehemaligen Futtergang. Links (nördlich) und rechts (südlich) lagen je ein Stall. Über diesen war ein Verbindungsgang von den Außentüren im 1. OG zur rückwärtigen Tür in der Mitte oben. Darunter (verdeckt) die Verbindungstür Futtergang— Haus; beide mit Rundbogenwände, siehe nächstes Bild. Über dem Futtergang, an der Decke, quadratische Öffnung für den Heuaufzug.

 

 

Rundbogige Verbindungstüren im EG und 1. OG vom Wirtchaftsteil zum Wohnteil des Hauses (Treppenhaus).

 

Schachtöffnung für den Heuaufzug im Holzboden eines der oberen Stockwerke. Die Zimmermannsarbeit des Dachstuhls zeigt noch die längst nicht mehr geübte Technik les Andreaskreuzes.

 

Alte Speichertreppe mit gebeilten Dreikanthölzern als Stufen. (Wird derzeit noch gelegentlich in Häusern der Innenstadt angetroffen.)

 

Rückseite des Hauses nach dem Umbau, jetziger Zustand: Das originale Rundbogengewände von 1571 im 1. OG wurde nach der südlichen Fassade verbracht. Die Tür zum südlichen Stall darunter blieb angedeutet, ebenfalls das Scheunentor. Der Anbau vor dem ehemaligen nördlichen Stall (links) wurde dem vermuteten alten Bestand nachempfunden. Der Hof wurde als Stellfläche gestaltet und gepflastert. Die Doppelfenster im 2.

OG sind ein erforderliches Zugeständnis an die jetzigen Bedürfnisse, nachdem sich hier ursprünglich noch der Wirtschaftstrakt befand.


Der ursprünglichen Hofstättengrenze folgend, wurde der Raum vom Architekten optisch durch eine Mauer geteilt. So entsteht der Eindruck, das frühere Haus Gerberstraße 44, hier entlang der Paradiesgasse, sei wiedererstanden. Tatsächlich wurde aus den beiden Grundstücken eine funktionale Einheit. Die alte Hoffläche schmückt eine kleine Grüninsel mit Bank. (Blick durch die Paradiesgasse Richtung Bahnhof.)


Seit 1766 (siehe Textteil, bei Johannes Hol!) besteht erstmals nieder eine rechtliche und diesmal auch funktionale Einheit les ehemaligen Grundstücks Gerberstraße 44 (Neubau Vordergrund) mit dem Haus Gerberstraße 46 (dahinter), las mit seinem äußeren Baukörper ganz und im Innern rum Teil erhalten blieb. Aus dem Ackerbürgerhaus wurde als neuer Komplex ein Haus der medizinischen Praxen, einer Apotheke, weiterer Läden sowie einer Galerie und mehrerer Wohnungen.

 

Planzeichnungen des EG und 1. OG, alter Zustand.

Der waagrechte Sturzbalken des steinernen Türgewölbes zwischen Raum „Vorräte“ und „Keller“ im EG trug die eingemeißelte Zahl 1691.