RÜCKKEHR IN DIE BENEDIKTINERKIRCHE (Frida Heinzmann)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bürger der Stadt Villingen hatten in früheren Jahren vier Heilige als Schutzpatrone, denen sie ihre Sorgen und Nöte anvertrauten und sie um Fürbitte bei Gott und um Hilfe anflehten.

Es waren dies die vier heiligen „Martyrer Gregorio, Benedicto, Theodoro, Cölestina „.

Innerhalb von 86 Jahren wurden durch fürstliches Wohlwollen und Beziehungen die Benediktiner für die Villinger St. Georgskirche mit „4 ganzen hlg. Leibern römischer Martyrer“ gewürdigt, die lange auf den Seitenaltären der Benediktinerkirche in einem schwarzen Sarg zur Verehrung aufbewahrt wurden. Mit der Aufhebung des Klosters und der Schließung der Kirche in der Säkularisation, wurden die heiligen Leiber ihrer zur Ausschmückung gestifteten Edelsteine beraubt und sind in Vergessenheit geraten. Aus dem Leben dieser Schutzheiligen mangeln die Nachrichten. Es ist nur bekannt, daß sie christliche Märtyrer waren. Der Gregorius- und Benedictus-Altar, die beiden Seitenaltäre in der Benediktinerkirche, sind erhalten und renoviert. Sie wurden im Jahre 1734 von Martin Hermann neu gestaltet und von Georg Samuel Schilling gefaßt, der auch die Altarblätter neu gemalt hat. Über dem Altar des heiligen Gregorio war ein altes Gemälde aus der früheren Kirche, das Martyrium des heiligen Gregor darstellend, das übermalt wurde.

Die beiden Heiligen, Gregorio und Benedicto, sind heute gegenüber ihren Altären in der Benediktinerkirche aufbewahrt.

Am 4. August 1665 wurde das Gotteshaus der Benediktiner in Villingen mit dem Leib des heiligen Märtyrers Gregoriy beschenkt durch „Francisco von Sonnenberg, Ritter des Ordens S. Johannis von Jerusalem, Großprior in Ungarn und Commendeur zu Villingen“. Der heilige Gregorio war einer der Hausgenossen des Edlen Hippolyti, mit welchem er von dem heiligen Laurentius zum Christentum bekehrt und getauft wurde. In seinem 18. Jahr wurde Gregorio am 13. August im Jahr 285, auf Befehl von Kaiser Valeriano, auf dem Veraner Feld außerhalb der Tiburtinischen Pforten, enthauptet. Er wurde neben dem heiligen Laurentius begraben.

Nach 70 Jahren wurde nach den Berichten des Geschichtsschreibers Prudentiy, zum Gedenken an den heiligen Hippolyti, über diesen Gräbern eine herrliche Kirche gebaut, die viele Jahrhunderte von einer zahlreichen Menge Wallfahrer besucht wurde.

Als in späteren Jahrhunderten die Gebeine des heiligen Hippolyti nach Deutschland gebracht wurden, verkümmerte die Wallfahrt und die Kirche verfiel mehr und mehr.

Im Jahre 1650 wurde der Leichnam des heiligen Märtyrers Gregorio auf Befehl des Papstes Innozenz X. erhoben. Bischof Marcellus Ananias „Sr. Eminenz des damaligen Cardinals General Vicariy Vincens gerens“ verfügte, daß diese Reliquie an den hochadeligen Venezianer, Ritter des Goldenen Vlies‘, Herrn Thomae Candido gegeben wurde.

Commendeur von Sonnenberg, der sich den Ruhm eines tapferen Seehelden erworben und im Kampf gegen die Feinde des Christentums Berühmtheit erlangte, wurde als Anerkennung und Auszeichnung mit der Reliquie des heiligen Gregorio beschenkt.

Die enge Freundschaft dieses Ritters mit dem Abt Francisco von St. Georg in Villingen bewog ihn, als Geschenk für das neu zu bauende Gotteshaus in Villingen, diesem die Reliquie zu überlassen.

Am 25. September 1669 wurde sie in St. Georg in Villingen feierlichst eingesetzt.

So wurde der heilige Märtyrer Gregorio zum zweiten Schutzpatron, neben dem heiligen Georg, ernannt und sein jährlicher Festtag am 4. Sonntag im Oktober mit einer Octav feierlich begangen. Freigebige Spenden an Silber und Juwelen wurden zur kostbaren Fassung der Reliquie verwendet und diese im Jahr 1713 zum zweiten Mal feierlich konsekriert.

Die Fassung in Amtenhausen hatte im Jahr 1713 624 Gulden gekostet.

Der Geschichtsschreiber meint: „Die Beweißthumber von den Wohltaten, welche Gregorius denen Nothleidenden erwisen / seindt nicht darumb wenig / weilen sie nicht männiglich kundbar. Es verbiethen allein die Umbständ / eint — oder andere scheinbare Wunderwerk anzuführen.“

Der Leib des heiligen römischen Märtyrers Benedicti, der, als kostbares Geschenk von der Apostolischen Schatzkammer, Georg, dem dritten Abt dieses Namens an dem hiesigen Gotteshaus zugedacht war, kam am 15. Mai 1689 nach Luzern, nebst einem Schienbein des heiligen Modesti und einem Rohrbein der heiligen Reparata, beides römische Märtyrer. Durch Kriegseinwirkungen war es nicht möglich, diese Reliquien weiter zu befördern, so daß sie einige Jahre bei dem Kaplan Christophorus Lechner verbleiben mußten, wo sie auch sehr verehrt wurden.

Glasschrein mit den Gebeinen des heiligen Benedictus ( nicht zu verwechseln mit Benedikt von Nursia, dem Stifter des Benediktinerordens), der als „römischer Märtyrer“ verehrt wird. Die altchristlichen Grabanlagen, die Rom in einem unterirdischen Gürtel umgeben, heute Katakomben genannt, waren anfangs die gesetzlich anerkannten Begräbnisstätten von Christen ( und „Heiden „). Man bezeichnete sie damals mit dem griechischen Namen Coemeteria ( Ruhestätten). Bis zum Anfang des 9. Jahrhundert genossen sie mit den Märtyrergräbern allgemeine Verehrung, wobei auch unzählige Gebeine als Reliquien in andere Kirchen übergeführt wurden.

 

In der Zwischenzeit verstarb Abt Georg. Sein Nachfolger Michael III. konnte am 30. August 1699 den heiligen Leib nach Villingen bringen und nach reicher Ausstaffierung im Jahr 1711 mit feierlichen Riten in der hiesigen Klosterkirche aussetzen. Bei dem Leib war ein Gläschen Blut mit Erde vermischt, das bei seinem Märtyrertod gesammelt wurde. Der Blutzeuge Christi soll Priester gewesein sein.

Als höchstes Verdienst wurde es dem Prälaten Hieronymus (der erste des Namens in St. Georg zu Villingen) angerechnet, daß er sich darum bemühte, von Rom zwei ganze Leiber heiliger Märtyrer zu erhalten: Theodori und Coelestina.

Sie sollten nebst Gregorio und Benedicto als die vier Schutzherren, nach allen vier Erdwinkeln des Klosters und der Stadt, Villingen bewahren.

Von dem heiligen Theodori bestätigen die in Rom ausgefertigten Urkunden, daß auf Anordnung Papst Benedikt XIV. aus dem Friedhof des heiligen Callepodiy dieser Leib erhoben und von der Congregation der heiligen Ablasse und Reliquien als ein Leib eines heiligen Märtyrers anerkannt und dem Pater Paulo Miller, des heiligen Brigittiner Ordens General-Procurator und Vorsteher in der Stadt Rom, ausgehändigt wurde.

Der Villinger Abt lief aber obigem Herrn den Rang ab, daß dieser es sich gefallen lassen mußte, den heiligen Leib herauszugeben, mit den Worten: “ … damit der gändig Herr von Villingen getröstet werde.“ Im August des Jahres 1749 wurden die zwei verschlossenen Truhen mit den Leibern des heiligen Theodori und der heiligen Coelestina nach Villingen überbracht und dieselben auf zwei hierzu gewidmeten Altären zur Verehrung ausgesetzt, wo sie 1 1/2 Jahre verblieben. Durch Stiftungen wurden sie mit einer kostbaren Fassung ausgestattet und am 30. Juli 1752 in ihrer geschmückten Ruhestatt aufbewahrt.

Der berühmte Kardinal Bernadus Maria aus dem herzoglichen Haus Conti, eine Benediktiner und Papst Innozenz XIII. leiblicher Bruder, war der erste Besitzer des Leichnams Coelestinas, nachdem derselbe aus den unterirdischen Gruften von S. Sebastian in Rom hervorgeholt worden war.

Die Grabplatte mit lateinischer Aufschrift weist Coelestina als Ehefrau und nicht mehr als 30 Jahre alt aus. Das eingemauerte Gläslein mit Blut ist das Zeichen ihres Märtyrertodes. Das ganz zerschmetterte Haupt und das vorgefundene Blut weisen darauf hin, daß sie mit Bleikolben zu Tode geschlagen wurde. Coelestina war von adeliger Geburt. Hieronymus verordnete, daß die Gebeine Coelestinas ein benediktinisches Erbgut bleiben. Bischof Umberto Aloysio Radicati hatte die Gebeine bis zum Jahre 1749 in sicherer Bewahrung, von wo sie dann mit den Gebeinen des heiligen Theodoro nach Villingen überbracht wurden.

 

Als nach jahrhundertelangem Vergessen zu Ende des 16. Jahrhunderts die wissenschaftliche Erforschung der alten christlichen Begräbnisstätten einsetzte, kam in der Zeit des Barocks die religiöse Mode auf, ganze Skelette in Glasschreinen den Gläubigen zur Verehrung darzubieten. Der unten abgebildete „Heilige Märtyrer Gregoriy “ hat, schließt man aus den Angaben unseres Berichts, im 3. Jahrhundert gelebt. Die kostbare Bekleidung der Skelette besorgten die Benediktinernonnen von Amtenhausen, die dem Abt des Klosters St. Georgen zu Villingen unterstanden. ( Die Leiber Theodori und Coelestina sind nach ihrer Entfernung aus der Kirche möglicherweise in der Gruft vor dem Hochaltar eingemauert worden.)

 

Durch Rückkauf aus der „Verbannung“ in der Bad Dürrheimer Kirche, in den 1970er Jahren, kehrte unter anderem neben dem Benediktus-Altar auch der Altar des St. Gregorii nach der Restaurierung in die Benediktinerkirche zurück. Durch eine zeitlich nicht einzuordnende Umgestaltung des Altars fand der Schrein zwischen Altartisch und Altarbild, wo sein ursprünglicher Standort war, keinen Platz mehr.