Die Barockmeister der Familie Schupp (Ottmar Schupp)

Auf den Spuren Villinger Künstler

Eine Übersicht und Anregung für Heimatforscher von Ottmar Schupp

Zwei Urkunden im Villinger Stadtarchiv von 1506 und 1518 nennen einen „Hans Schupp, der das Tuninger gutlin buwt“. Jorig Kromer, Pfarrer zu Kilchdorf (Kirchdorf) sowie Bürgermeister und Rat von Villingen einigen sich in ihrem Streit um die Einkünfte aus diesem Gut.1) Im Jahre 1592 wird in Villingen ein Erasmus Schupp aus der Schuhmacherzunft erwähnt, dessen Geschlecht in drei Generationen bis etwa 1680 bekannt ist. Im Bürgerbuch III im Anhang befindet sich ein Wappen des „Herrn Asimus Schupp, Baulittzunft, Zunftmeister 1681, im Rat 1659“. Ein 1577 geborener Balthasar Schupp läßt sich nicht weiter verfolgen. Dagegen erscheint 1602 ein Hans Ludwig Schupp als Kupferschmied „außerhalb der Stadt wohnend“. Schon 1593 ist er erwähnt in einem Kaufbrief als „Ludwig des Schuppens des Kupferschmiedes, Hintersäßer zu Villingen eine Mannsmad Wiesen, darauf ein Zins von einem Viertel Wachs für die Jakobspflegschaft“.2) Nach Honold ist ein Sohn dieses Mannes ein Konrad Schupp, mit dem der Stammbaum Schupp lückenlos bis auf unsere Tage geht. Er ist der Stammesträger eins.3)

Verheiratet war Konrad in erster Ehe mit Margarete Weißhaupt (etwa 1620), in zweiter Ehe mit Katherina Ummenhofer aus altem Villinger Geschlecht. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, darunter der weitere Stammesträger zwei, Johann 1.

Er wurde 1631 zu Villingen geboren und war Bildhauer und Lilienwirt. Im Verzeichnis der Männerstühle im Münster wird er 1684 erwähnt, als Besitzer einer Wiese 1686. Er starb vermutlich 1699 in Villingen. Im Totenbuch der Münsterpfarrei, das 1700 beginnt, steht er nicht. 1702 verkauft seine Witwe Maria, geb. Dober, ihr Haus an den Schwiegersohn Matthias Walz, der 1702 ihre Tochter Anna ehelichte. Witwe Maria wird 1683 im Verzeichnis der Weiberstühle genannt.4) Den bisher frühesten Nachweis für Johann 1 Tätigkeit als Bildhauer gibt Pfarrer Hermann im Kleinen Kunstführer (Schnell und Steiner Verlag München) betreffend die Donaueschinger Stadtkirche. Es ist ein Ölberg mit knieendem Christus und niederschwebendem Engel, entstanden 1667; 1753 fügte man noch drei schlafende Apostel hinzu, wohl von Josef Anton Hops aus Villingen. Einen weiteren Nachweis hat das Generallandesarchiv in Karlsruhe.5)

In einem Vertrag vom 25. Februar 1670 sollten der Maler Hans Kaspar Dober und sein Schwiegersohn Johann I Schupp, beide Villingen, den Altar zu Untermettingen, Kr. Waldshut, schaffen, wofür zusammen 133 fl. vereinbart wurden, bei einer Anzahlung von 30 fl.. Bis zum St. Michaelstag (29. 9.) sollte der Altar geliefert werden, dessen Aufbau bis ins einzelne festgelegt worden war. Im Pfarrarchiv Untermettingen befindet sich die Kirchenrechnung von 1671, aus der hervorgeht, daß für den Altar „zu schnitzeln und zu mahlen“ noch 103 fl. zu zahlen sind. An Fuhrlohn von Villingen nach Untermettingen wurden 7 fl. und 54 kr. berechnet. Es ist wahrscheinlich, daß Schupp selbst die Fuhre ausgeführt hat, da die Gastwirte jener Zeit neben der Landwirtschaft auch einen Fuhrbetrieb hatten.6) Der oben erwähnte Altar kam noch in die im 14. Jahrhundert erbaute Kirche. Im Jahr 1738 wurde die Untermettinger Kirche neu erbaut in Anlehnung an den spätgotischen Chorturm. Baumeister war ein Jodokus II Beer aus Au in Vorarlberg (1673/ 1750), der 1706 die Villingerin Maria Hummel heiratete. 7) Als Bildhauer war Andreas Ketterer aus Schönwald fast vier Jahre lang beschäftigt.8) Dieser arbeitete mit Sonnenblumen als Zierat, wobei zwei Blätter nach unter geklappt sind im Gegensatz zu Anton Josef Schupp, dem Sohn des Johann I. Josef verwendet stilisierte Sonnenblumen. Wohin kam der Altar von Schupp-Dober? Dieser hatte die Malerarbeiten übernommen. Der Heimatforscher Brommer aus Merdingen/Freiburg hält die heutigen Altäre in Unter- und Obermettingen für Ketterer-Arbeiten, Herr Sutter aus Waldshut dagegen die in Obermettingen für Schupp-Werke, ebenso die Mutter Gottes ohne Strahlenkranz in Untermettingen. Die Figuren Petrus und Jakobus kamen 1935 nach Tiengen.

In Villingen fertigte Johann I die Nebenaltäre der 1945 durch Fliegerangriff zerstörten Bickenkapelle (1671/79). Diese Kapelle wurde nach 1633 wieder aufgebaut. 9) In dieser Zeit schnitzte er auch vermutlich das Chorgestühl der ehemaligen Johanniterkirche — 1336 erstmals erwähnt, heute evangelische Kirche. Es ist jetzt im Münster Unserer Lieben Frau Villingen aufgestellt.

Im Jahre 1675 wird Johann I in einem Rottweiler Klitoral genannt, in dem eine ausführliche Abrechnung über seine Leistungen vorliegt. Danach ist bezeugt, daß er in der Heilig Kreuz Kirche arbeitete. Diese Kirche hat verschiedene Bauepochen: von dem romanischen Portal über den hochgotischen Chor zum spätgotischen Langhaus. Die spätere barocke Ausstattung wurde durch eine Restauration (1840/43) in der Hauptsache beseitigt. Der „Riß“ der Kanzel mit den vier Kirchenlehrern Gregor der Große, Augustinus, Ambrosius und Hieronimus stammt von ihm, ferner der große Salvator, einst auf der Kanzel, heute an der Westwand des Münsters. Für sein „Dingwerk“ erhielt er 150 fl., daneben noch Geld für „Speis und Trank und Behausung“ und 30 kr. für des „Bildhauers Knaben als Trinkgeld verehrt“. Weiterhin lesen wir von einem Boten, der zu dem erkrankten Meister nach Villingen geschickt wurde. 10)

Im Heilig-Kreuz-Münster zu Rottweil befindet sich an der Westwand dieser meisterlich gearbeitete Salvator oder Weltenheiland, einst auf dem Schalldeckel der Kanzel. Dieses bisher in Kunstführern und sonstigen Beschreibungen fast unbeachtet gebliebene Werk ist eine Arbeit des Villingers Johann Schupp 11631 — 1713) — hier als Johann I bezeichnet — mit dem die Bildhauertradition der Familie Schupp beginnt.

 

 

Das Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil, in dem Johann Schupp 1661 am Hochaltar gearbeitet haben soll.

 

 

1675 wird er noch einmal mit seinen Arbeiten an der Kanzel in einer ausführlichen Abrechnung genannt.

 

Die früher an anderer Stelle der Kirche angebrachte Kanzel, mit ursprünglicher spätgotischer Brüstung, zeigt den Stilwandel zum Barock.

Der „Riß“ der Kanzel (was immer man darunter verstehen mag) im Heilig-Kreuz-Münster zu Rottweil stammt ebenfalls von Johann I.

 

In den Nischen und an der Kanzeltreppe begegnet uns Johann Schupp in den vier abendländischen Kirchenlehrern Gregor der Große, Augustinus, Ambrosius und Hieronymus.

Auch Ärger gab es in jenem Jahr (1675), wo wir im Villinger Ratsprotokoll feststellen: „Das Schreiner-handwerk hat dem Bildhauer Schupp zwei Stück von einem Altar weggenommen, welcher Altar der Schreiner von Vöhrenbach gemacht. Der Rat bescheidet, daß die Schreiner dem Bildhauer die Stück wieder liefern ohne Schaden . . . solle der Bildhauer bei seiner Arbeit und Kunst, hingegen die Schreiner auch bei ihrer Hantierung verbleiben.“ Beziehungen zu Rottweil ergaben sich für Johann I dadurch, daß Abt Michael III. vom Benediktinerkloster Villingen aus Rottweil stammte und sein Bruder Joh. Georg Glicker (Glücker) (1653/1731) von ihm nach Villingen geholt wurde, wo er mit dem Schupp-Vater Johann 1 und Anton Josef zusammenarbeitete, so in den Kunststuben des Alten Rathauses, in der Benediktinerkirche, in der Gottesackerkapelle zu Waldshut und in der Triberger Wallfahrtskirche ( Das große Votivbild).11)

Acht Jahre später (1683) wirkte Johann I auf dem Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen. Für Nachverbesserungen der Bilder auf dem Hochaltar erhielt er 30 fl.. Auch die Krönung Mariens dürfte von Johann I noch vor 1683 geschaffen worden sein, ebenso die HI. Dreifaltigkeit zwischen 1672 und 1680.12) Diese Wallfahrtskirche entstand 1666 und in den folgenden Jahren.

In Gengenbach im Kinzigtal war Johann I mitbeteiligt an den Altären der Berglekapelle, neu errichtet 1681/ 82 von Abt Placidus aus Gengenbach. Die Altäre wurden zwischen 1681 und 1690 gefertigt, aber Ende des 19. Jahrhunderts beseitigt und sind seither verschollen.13) Sein Schwiegervater Dober (Toper, Toperer) hat ihm diese Arbeit vermittelt, der selbst als Maler in Gengenbach ( Klosterkirche 1660), Pfohren /Donaueschingen, Villingen und Haslach/Kinzigtal gewirkt hat, soweit bis jetzt bekannt. In letzterem Städtchen malte er für die Klosterkirche der Kapuziner das Epitaph zu Ehren eines Grafen zu Fürstenberg aus. Das war 1657, wo von Wolfach aus die Tafel „auf dem Wasser nach Haslach geführt“ wurde. Wer die Tafel damals schnitzte, ist nicht bekannt. Vielleicht Johann I? Möglicherweise fertigte er auch die zweite kleinere Tafel im Jahre 1681.14)

Um 1683 schuf Johann 1 vermutlich die zwei Holzplastiken Moses und Isaias am Eingang zum HI. Grab in der alten Gottesackerkapelle in Waldshut, die ein Adam Tröndlein im selben Jahr errichten ließ.15)

Zurück nach Villingen. Unklar ist, ob die fünf Figuren, die bis 1971 auf dem Dach der Benediktinerkirche in Villingen standen, Johann I oder einem seiner Söhne zuzuschreiben sind. Diese Kirche wurde 1688 begonnen und erst 1719 vollendet. Die Figuren sind : St. Georg als Drachentöter, Christus mit der Weltkugel, Maria mit dem Kind, St. Michael mit Schild und St. Benedikt, auf dessen Sockel die Jahreszahl 1693 steht. So mag Revellios Zuweisung an Johann 1 stimmen. Das Podest mit Maria und dem Kind trägt die Jahreszahl 1728 und deutet somit auf einen der zwei Söhne Johann I oder Ignatius, den Enkel Johann l. Heute stehen die fünf Figuren im Museum Altes Rathaus in Villingen, während gute Nachbildungen seit 1974 wieder das Dach der Kirche zieren.16)

Im Vorzeichen der Altstadtkirche hing ein großer Kruzifixus mit den Schächern, 1683 von Schupp erneuert, heute in den Städtischen Sammlungen.17)

Ganz unklar ist die Bemerkung Dehios, Kunst in Baden-Württemberg 1964, der Kaiserturm, ehemals Schnebelturm, stamme von Johann 1 Schupp.

Schwierig ist auch die Beurteilung der Plastiken in der Wolfacher Schloßkapelle, der dortigen Stadtkirche und der Wallfahrtskirche St. Jakob bei Wolfach. Am Hochaltar dieser Kirche steht die Jahreszahl 1705. Danach müßten es die Gebrüder Schupp, Anton Josef und Johann II sein, welche die etwa 50 Figuren (nach Krausbeck) in gemeinsamer Arbeit geschaffen haben. Krausbecks Zuweisung an Johann 1 kann nicht stimmen, da der Meister bereits verstorben ist. Lacroix-Niester, Kunstwanderungen in Baden, 1959, formulieren : Altäre im Umkreis der Villinger Meister Schupp, Vater und Sohn, was so auch nicht stimmt, Dehios Bemerkung in Kunst in Baden-Württemberg, 1964, „alles an beide Schupp erinnernd“ ist ebenfalls abwegig. — Krausbeck vergleicht die Figur des Gottvaters (um 1680) am Hochaltar der Schloßkapelle in Wolfach mit der auf dem Dreifaltigkeitsberg. So müßte Johann I der Fertiger sein, was zeitlich stimmen würde. Die Gestalten der Barbara und des Franziskus in dieser Kapelle ähneln denen in Friedenweiler ( Krausbeck ). So müßten Anton Josef und Sohn Ignatius die Künstler sein, deren Altäre 1720 nach Friedenweiler verkauft wurden. — In der Stadtkirche Wolfach glaubt Krausbeck in der Gestalt des HI. Josef mit dem Kind ein Werk des Johann I; er vergleicht das Jesuskind mit den Putten auf dem Dreifaltigkeitsberg. Weitere Werke vermutet er im Schloßmuseum und im katholischen Pfarrsaal.18)

In Schapbach bei Wolfach restaurierte Herr Baumann ( Lautenbach im Renchtal ) in den sechziger Jahren die Altäre der Pfarrkirche. Er ist wie Krausbeck der Meinung, daß die Figuren und der Schmuck (Sonnenblumen) für Anton Josef Schupp sprechen. Die Kirche ist 1668 erbaut und 1715 erweitert worden. Um diese Zeit dürften auch die Arbeiten entstanden sein.1 9) Damit sind wir bei Anton Josef Schupp, einem Sohn des Johann I. Geboren wurde er 1664 in Villingen, wo er auch 1729 verstarb. 1709 und 1710 unterzeichnet er mit „Bildhauer aus Villingen“. Noch zu lösen bleibt die Frage: war er wie sein Bruder Johann II Ilgenwirt? Was haben beide Brüder gemeinsam geschaffen, was Johann II (1674/1713), der auch Bildhauer war? Und was hat ihr Neffe Johann III (1699/ 1735) gearbeitet? Hier sei gleich der dritte Bruder erwähnt: Johann Ludwig (1669/1716), verheiratet mit Elisabeth Kögler, Wirt (Welcher ?). Er übernimmt 1700 die Werkstatt seiner Großvaters, des Malers Hans Kaspar Dober.

Nun zu Anton Josef, auch Josef genannt. Er war in erster Ehe mit Margarete Hiner verheiratet, in zweiter Ehe mit Katharina Fleig (1712), beides Frauen aus alten Villinger Geschlechtern.

In seiner Vaterstadt Villingen schuf er 12 Apostel im Münster, dazu Paulus und Barnabas, jetzt im Museum Altes Rathaus. An den lebensgroßen Figuren arbeitete er von 1715 bis 1719, wofür er 18 fl. für jede Plastik erhielt. Rat und Bürgerschaft ließen diese Figuren aufstellen zur 600-Jahrfeier der Stadt, „die bis auf den gegenwärtigen Tag ohne Verletzung der katholischen Religion verblieben ist“. Auch die Figuren des Ölbergs unterhalb der Westempore stammen vermutlich von Anton Josef.20) Im Laufe der Jahrhunderte machte das Münster Unserer Lieben Frau einige Veränderungen durch: Ersterwähnung 1291, Ende des 17. Jahrhunderts Barockisierung, letzte Renovation 1978 — 1982.

Den ersten Hochaltar in der Benediktinerkirche in Villingen fertigte Josef zusammen mit seinem Sohn Ignatius (1720). Dafür bekam er 486 Gulden. Wegen Verlängerung des Chors wurde der Altar im Juni 1728 abgebrochen und Teile davon nach Furtwangen gebracht, wo sie 1853 einem Kirchenbrand zum Opfer fielen. Doch vermutet man in einer geretteten Plastik des heiligen Johannes Baptista — aufgestellt in der Ende der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erbauten Kirche — ein Werk des Meisters Josef.

Andere Teile des Villinger Altars kamen nach Friedenweiler/Hochschwarzwald, was eine Chronik aus dem Jahre 1731 berichtet. Es sind unter anderem zwei Statuen des Melchisedeks und des lsaaks sowie zwei kleinere Figuren.21) Diese Benediktinerkirche — heute Pfarrkirche — wurde 1725/1730 von Peter Thumb, dem Vorarlberger Baumeister, erbaut.

In der Nachbarschaft liegt Kappel bei Lenzkirch, wo in der Pfarrkirche eine ca. 140 cm hohe Figur des Apostels Johannes als einziges Überbleibsel des alten Hochaltars von 1702 steht, den „der Ilgenwirt von Villingen“ geliefert hat.22) War es nun Josef oder sein Bruder Johann II, beide Ilgenwirte, beide Bildhauer?

In Obereschach bei Villingen steht die 1821 (1816 ?) im klassizistischen Stil erbaute Pfarrkirche. Der Hochaltar wurde in den siebziger Jahren unseres Jahrhunderts von Restaurator A. Panowski, Gernsbach, restauriert. Er hält die Figuren für ein Schupp-Werk wegen der in die Sonnenblumen gemalten Rosenkranzszenen. Laut Mitteilung von Pfarrer Hermann, Ebringen bei Freiburg, kam der Altar 1906 von Kirchdorf bei Villingen und dorthin vermutlich von Pfaffenweiler bei Villingen. Er zeigt das Wappen des Abtes Hieronimus Schuh von der Benediktinerabtei Villingen — 1733/ 1757 —. Damit wäre der Altar kein Werk des Josef, sondern des Sohnes Ignatius, der 1735 starb. Der Altar könnte ursprünglich aus der Johanniter-Kommende Villingen stammen, die 1814 geschlossen wurde. Die Gemeinde Obereschach bewarb sich damals um Altarstücke (nach Revellio).23)

In seiner Heimatstadt schnitzte Josef für zwei Gemälde von J. G. Glicker, Kaiser Karl Vl. und seine Gemahlin Elisabeth Christine darstellend, die Barock-rahmen (1716). Die Gemälde befinden sich im Museum Altes Rathaus zu Villingen.24) Dort sehen wir auch eine Statue des hl. Johannes Baptista, ferner eine klagende Madonna und eine hl. Agathe. Auch eine Narro-Maske in den Städtischen Sammlungen wird der Künstlerwerkstatt Schupp zugeordnet.25) Die Wappentafel in der großen Ratsstube des Alten Rathauses stammt von Josef.26)

Früher als in der Villinger Zeit, ist der Meister Josef in der Klosterkirche der Benediktiner von Rheinau bei Schaffhausen, Kanton Zürich, tätig. Baumeister dieser Kirche war der Vorarlberger Franz Beer ( 1659-1726), der zusammen mit seinem Schwiegersohn Peter Thumb in Rheinau von 1705 bis 1711 wirkte. So lesen wir in den Verträgen des Klosters mit Josef, daß er 1710 den hölzernen Kern des Engels auf dem Dach fertigte. Im folgenden Jahr schuf er die Standbilder der Kirchenpatrone Petrus und Blasius an der Fassade. Im Dreiecksgiebel befindet sich eine Rundbogennische mit dem Standbild Mariens mit dem Kind, ebenfalls von Schupp. Schon 1709 begann er zusammen mit seinem Sohn, vermutlich Ignatius, das Grabmal des hl. Findan (Fintan) auf der rechten Chorseite. Es ist ein rechteckiger Körper mit Dach aus weißrötlichem Villinger Kalkstein. Wir sehen zehn Darstellungen mit lateinischen Inschriften aus dem Leben des Heiligen, eines irischen Mönches, der 878 in Rheinau starb. Für diese ausgezeichnete Arbeit erhielt der Künstler 370f1.. Auf der linken Chorseite steht das sogenannte Positivgehäuse der Chororgel mit der Statue des hl. Benedikt, wofür dem Meister 170 französische Taler bezahlt wurden. Die 14 Figuren auf den Rückwänden des Chorgestühls schuf Schupp im Jahre 1710.

 

 

Die Schupps waren zeitweilig nicht nur Holzbildhauer sondern verstanden sich auch hervorragend auf die Bearbeitung des Steins. Die beiden Bilder links und unten zeigen das 1709 durch den Sohn Johanns I, Anton Josef (auch: Josef Anton oder kurz Josef, jedoch nicht zu verwechseln mit dem Sohn von Johann II namens Josef Anton, geb. 1700, vgl. S. 36, linke Spalte unten) zusammen mit dessen Sohn Johann lgnaz (geb. 1692) begonnene Steingrabmal des heiligen Findanus in der Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters Rheinau, südlich des Schaffhausener Wasserfalls, in der Totale und im Detail.

 

Es sind die 12 Apostel, dazu Jesus und Maria. Ein neues Abt-wappen an der alten Kanzel stammt ebenfalls von ihm. Heute steht diese Kanzel in Rheinheim, Kr. Walds-hut.27)

Im selben Kreis liegt Klettgau. Im Teilort Grießen wurde 1900 die alte Kirche abgebrochen und der Hochaltar nach dem Teilort Bühl gebracht. In Grießen sind noch vorhanden die Figuren des hl. Petrus und des hl. Paulus. Nach Büche sind sie Werke des A. J. Schupp. Der Bühler Hochaltar ist etwa 1720 geschaffen: eine Marienkrönung mit der Heiligen Dreifaltigkeit, im Oberteil Christus als Salvator. Die Herren Brommer, Merdingen bei Freiburg, und Sutter aus Waldshut, teilen nach einer Studienfahrt im Herbst 1976 diese Meinung. Die Bühler Kirche wurde 1707 von Franz Beer und seinem Schwiegersohn Peter Thumb gebaut( 1700).

In der Pfarrkirche von Degernau, Kr. Waldshut, stammen die Seitenaltäre vermutlich nicht von Josef —ausgenommen die Madonna auf dem linken Seitenaltar — sondern von Sohn Ignatius. Vater Josef war 1729 gestorben. Wir wissen, daß die Statuen im Mai 1736 in Villingen abgeholt wurden.28)

Wenn wir den Hochrhein aufwärts fahren, kommen wir in den Kreis Konstanz. Dort liegt bei Singen/Hohentwiel das Dorf Duchtlingen, Pfarrei Hilzingen. Die spätgotische Kirche, im 18. Jahrhundert barockisiert, besitzt einen schönen Hochaltar, von Restaurator Panowski, Gernsbach, restauriert. Er hält diesen Altar für ein J. A. Schupp-Werk im Vergleich zum Triberger Hochaltar, entstanden ca. 1700.29) Das Mittelfeld des Altars ist um 1654 zu datieren, da in diesem Jahr die Altarweihe durch Weihbischof Molitor aus Konstanz‘ stattfand. Die Marienkrönung könnte noch von Vater Johann geschaffen sein, man vergleiche sie mit der vom Dreifaltigkeitsberg (1683); den weiteren Ausbau übernahm dann Sohn Josef. Der Duchtlinger Altar besitzt eine sogenannte Gloriole des Heiligen Herzens Jesu, 1705 gibt es eine Herz -Jesu -Bruderschaft. Nun besitzt auch Hondingen bei Donaueschin-gen eine solche Gloriole.30)

In dieser alten Wallfahrtskirche waren die Altäre, die ehemals in der Kirche standen, und die Figuren, die noch in der Kirche vorhanden sind, von Josef Schupp, wie eine Inschrifttafel aus dem Jahre 1711 besagt. Es ist auch die Rede von einem Maler Joh. Martin Mein-rad aus Villingen. Stifter der Altäre ist ein Pfarrer Andreas Zolk aus Wurmlingen bei Tuttlingen, ein gebürtiger Hondinger, der eine Jahrtagsstiftung von 800 Gulden für die Renovierung der Kirche machte. Bemerkenswert die spätgotische Madonna, in barocker Art gefaßt von Schupp. Alle Figuren sind in den 60er Jahren von Restaurator V. Mezger in Überlingen restauriert worden. Der Grundbau dieser Kirche stammt wohl aus dem 8. Jahrhundert, der angebaute Chor etwa 1450, der Turm ca. 100 Jahre später, die Eingangshalle wohl um 1700. Die jahrhundertelange Wallfahrt ist in den 30er Jahren erloschen und nicht wieder belebt worden.31)

Bleiben wir im Bezirk: In Bräunlingen wurde 1881 die heutige Stadtkirche errichtet anstelle der Barockkirche, 1694 — 1705 erbaut. Die Figuren des hl. Remigius und des hl. Nepomuk wurden aus der alten Kirche übernommen, ebenso die Sonnenblumenornamente an der Kanzel. Es könnten Johann I und Sohn Josef hier gewirkt haben, etwa 1699.32)

Im Nachbarkreis Tuttlingen steht in Seitingen die Eustasiuskapelle. Senn hält den Altar als das Miniatur-bild des Hochaltars zu Triberg, entstanden ca. 1710, durch Josef oder Balthasar Jäger aus Waldshut, der 1718 in einer Liste der Eustasius-Bruderschaft als Bildhauer genannt wird. Kannte Jäger die Schupp-Werkstätte und hat er vielleicht dort gearbeitet? Hier noch eine Bemerkung aus Revellio, Beiträge: „Die Schupps hielten sich beim Aufbau ihrer Altäre an die überlieferten architektonischen Formen: zwei flankierende Säulen tragen ein Gebälk, auf dem ein gleichgegliederter Aufsatz den giebelförmigen Abschluß bildet.“33)

Zum Abschluß nochmals an den Hochrhein nach Waldshut: Die Brückenfigur des hl. Rochus (1706) auf der Nordseite der Seltenbachbrücke, die Bischofs-gestalt in St. Blasien (1709) und die Gestalt des hl. Blasius an der Klosterkirche zu Rheinau (1709) müssen nach Konrad Sutter vom selben Meister geschaffen sein, nämlich von A. J. Schupp.34)

Ein früher Nachweis für Schupps künstlerische Tätigkeit bietet die Triberger Wallfahrtskirche, begonnen 1700; Chor und Hochaltar waren 1705 vollendet. Hier sind sämtliche drei Altäre, die Kanzel und die Kreuzigungsgruppe von ihm gefertigt, wobei man gewiß annehmen darf, daß ihm seine Brüder Johann Luwig als Maler und Johann II als Bildhauer und Sohn Ignatius als Geselle geholfen haben. Dr. Schnell beurteilt die Altäre als raumplastisch kraftvoll und zugleich dekorativ malerisch.

Der auf Seite 33 abgebildete Hochaltar der Wallfahrtskirche „Maria in der Tanne“ in Triberg sowie die Seitenaltäre und die auf dieser Seite links und unten gezeigte Kanzel wurden um 1705 ebenfalls von Anton Josef Schupp geschaffen. Man nimmt an, daß ihm seine Brüder Johann Ludwig (geb. 1669) als Maler und Johann II (geb. 1674) sowie sein Sohn Ignaz dabei geholfen haben.

 

Die Großaufnahme des Kanzelkörpers weist A. J. Schupp als Meister subtiler individueller Formen aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sehr fein sind die Proportionsverhältnisse gewählt: Der Hochaltar ist sehr breit und wuchtig, die Seitenaltäre treten schlank an seine Seite. Den festen Halt verleihen die sechs kräftigen Säulen, die mit blühendem Blumengerank umhangen sind. In diesem Zusammenhang darf erwähnt werden, daß Revellio auf die Fruchtschnüre hinweist, die für A. J. Schupp typisch sind. Senn macht aufmerksam auf die Blumengirlanden und die Sonnenblumen, welcher Meinung sich auch Krausbeck anschließt, und schließlich deutet Dr. Hitzfeld die Voluten und Blumengirlanden als Schupp-Eigenheiten. Es ist noch zu prüfen, ob diese Zeichen typisch für Schupp sind. Pfr. Hermann weist darauf hin, daß z. B. J. Ph. Winterhalter (1667 — 1727) und auch elsäßische Künstler das Sonnenblumenmotiv verwenden. Winterhalter hat natürliche, gelockerte Heiterkeit in seinen Sonnenblumen, während A. J. Schupp strenger stilisierte Blumen schnitzte. Am Hochaltar des Straßburger Münsters arbeiteten französische Künstler aus der Picardie und verwendeten das Sonnenblumen-Motiv (1680). Auch Josef hatte Beziehungen zu Straßburg. Bei der Taufe seiner Tochter Maria Agetha ( 1709) war eine Maria Elisabeth Fossethin aus Straburg zugegen. Sie war die Tochter eines Bildhauers Fosset.35)

Im Triberger Heimatmuseum ist eine Figur des hl. Wendelin und eine Figur des hl. Wolfgang aus Regensburg, die aus der alten Friedhofskapelle stammen und A. J. Schupp zugeschrieben werden.36)

Im Heimatmuseum Waldkirch ist ein sogenannter homo bonus und eine Figur des hl. Josef, die beide vermutlich von Josef stammen (um 1700 nach Rambach). Beziehungen zu dieser Stadt gibt es später durch den Baumeister Ludwig Oswald, ein Enkel Johann I. Oswald führte 1754 als Baumeister das Propsteigebäude auf. Der Villinger Bildhauer J. A. Hops, Nachfolger der Schupps, fertigte 1755 eine Statue der hl. Margareta, und der Villinger Schreiner Joh. Martin Hörmann ( Hermann) arbeitete in der Margaretenkirche (nach 1735).37)

In St. Peter baute Peter Thumb aus Vorarlberg die Klosterkirche ( 1724 — 1727). Damals war Ulrich Bürgi aus Villingen Abt ( 1719 — 1739). Möglich ist, daß dort ein Schupp gewirkt hat. Im Kapitelsaal des heutigen Priesterseminars steht ein Heilig-Kreuz-Altar aus dem Jahre 1718, der Josef oder seinem Bruder Johann II zugeschrieben wird.38)

Im benachbarten St. Märgen gibt es einen Hinweis: „Am 11. 10. 1730 kam ein Bildhauer aus Villingen nach St. Märgen, um die Altäre abzuzeichnen.“ Vermutlich war es Joh. Ignatius Schupp, das Projekt wurde aber nicht verwirklicht.39)

In Bleibach bei Emmendingen wurde 1878 das große Altarwerk abgebrochen. Folgende Inschrift wurde festgehalten: JSB — LSB — SH in Villingen 1697. Auflösung : Johann Schupp Bildhauer, Ludwig Schupp Bildhauer, Schreiner Hörmann, Villingen.40)

Kehren wir wieder nach Villingen zurück : J. N. Häßler hält in seinem Buch über die Lorettokapelle (1952) die Kreuzigungsgruppe für ein Werk des Josef, die Kapelle wohl zwischen 1706 und 1709 erbaut.

Im ehemaligen Franziskanerkloster vermutete Josef Fuchs in der Kapelle, vor den Renovierungen, Schupp-Figuren, worauf die Sonnenblumen hinweisen. Seit 1978 bilden das Kloster und die übrigen Räume einen Konzertsaal und ein Museum, wo einige Plastiken —vermutlich von A. J. Schupp — aufgestellt sind.41)

Wir wenden uns nun seinem Sohn Johann Ignatius Schupp zu, Enkel des Johann I. Geboren wurde er 1692 in Villingen, verstorben ist er hier 1748. Verheiratet war er mit Margarete Münch. Sie hatten neben anderen Kindern eine Tochter Viktoria, die 1763 den Maler Sebastian Schilling heiratete ( 1722 —1773 ) . 42) Von dem Schaffen des Ignatius wissen wir nur wenig. Er half seinem Vater Josef beim Fertigen des ersten Hochaltars der Benediktinerkirche in Villingen und schuf dort auch die Kanzel, die, wie der Altar, nicht mehr vorhanden ist.

In der Nachbarstadt Schwenningen schuf er 1705 ein Steingrabmal für den evangelischen Pfarrer Kreuser, das an der Westwand des Schiffes der evangelischen Stadtkirche, ein Bau des 18. Jahrhunderts, angebracht ist.43)

In der Pfarrkirche Marbach zu Villingen wurden am 3. Februar 1729 der rechte und der linke Seitenaltar „aufgeruchtet (von) Ignatius Schupp, Bildhauer“ mit den typischen Schupp -Sonnenblumen.44)

Das war in kurzen Zügen das Schaffen von Vater, Sohn und Enkel Schupp.

Ein Bruder des Ignatius war Joh. Baptist ( 1703 —1735), Bildhauer. Nichts ist bis jetzt über ihn bekannt. Ein weiterer Bruder war Josef Pelagius aus 2. Ehe (1713 — 1748), ebenfalls Bildhauer. Er war elf Jahre auf Wanderschaft. Verheiratet war er mit Katharina Schilling, Tochter des Malers Georg Emanuel Schilling. Josef Pelagius starb 1748, und die Witwe verehelichte sich mit einem Josef Anton Hops, der 1749 um Bürgerrecht und Ehekonsens bat. Dies wurde ihm vom Rat gewährt, „weil dermalen kein Bürgersohn in dieser Kunst erfahren sei „.45)

Was kann man nun Johann II, dem Bruder des Josef, zuschreiben? Gewiß die Statue des hl. Nepomuk an der Außenseite des Chores von St. Stefan in Konstanz. Das war im Jahre 1710, wo er in einem Ratsprotokoll Ilgenwirt genannt wird. Auftraggeber war ein Graf von Trautmannsdorf (1661 — 1719), österreichischer Gesandter in der Schweiz. Neben dem Münster war St. Stefan die zweitälteste Pfarrkirche, ehemals Stiftskirche, in Konstanz.

Im selben Jahr hören wir von einer Villinger Statue des hl. Nepomuk: Es ist derselbe Auftraggeber und derselbe Künstler! Die Figur sollte an die Rettung der Stadt aus Wassernot bei der Belagerung im Dreißigjährigen Krieg (1634) erinnern und etwa vierzig Schritt südlich des Marktbrunnens in der Niederen Straße aufgestellt werden, weil bis dahin das Wasser (vom Schwedendamm her aufgestaut) gedrungen sein soll und St. Nepomuk, der Brückenheilige und Retter aus Wassersnot, ihm hier Halt geboten habe. Der Rat beschloß, „ein höfliches Dankschreiben an Ihre Exzellenz abzulassen“. Im nächsten Jahr (1711) wird Johann II daran erinnert, die bestellte Statue des hl. Nepomuk zu fertigen. „Johannes Schupp kommt darum nach, ihm einen Nachtrag wegen aufgerichteter Statue zu bewilligen. 50 Silbergroschen wurden ihm bewilligt“. Heute steht das Denkmal — mit dem Traut-mannsdorfer Wappen geziert — beim Sägewerk Beha in der Nepomukstraße, wo es schon zweimal durch die Familie Beha restauriert worden ist.46)

In Breitnau/Hochschwarzwald stehen in der 1752 —1754 erbauten Kirche im Chor eine Figur des hl. Nepomuk und eine Figur des hl. Franz Xaver, die Pfarrer Hermann Johann II zuschreibt. Diese Plastiken kamen erst 1905 von Villingen nach Breitnau. Der hl. Nepomuk ist eine spiegelverkehrte Ausführung jener Figur vom Sägewerk Beha.47)

In der 1704 erbauten Dorfkirche St. Mauritius zu Hausach/Kinzigtal vermutet Krausbeck folgende Schupp-Werke: Am Allerseelenaltar Engel und Jesuskind; am Hochaltar die Figuren des hl. Rochus und des hl. Nikolaus und das große Kreuz.48) Johann II (1674 — 1713) verheiratete sich 1699 mit Anna Maria Schuh. Aus der Ehe gingen unter anderem hervor: Josef Anton, 1700 geboren in Villingen. Er ist wohl identisch mit „Josef Anton Schupp, Goldschmiedge-sell von Füllingen“, der in Straßburg in die Werkstatt des Goldschmiedemeisters Bär eintrat. Von seinem künstlerischen Schaffen ist bis jetzt nichts bekannt; ebenso wenig sein Todesdatum.49)

Bleibt noch übrig die Betrachtung Johann III. Was ist von ihm bekannt? Geboren wurde er 1699 in Villingen als Sohn des schon erwähnten Johann Ludwig und seiner Frau Elisabeth Kögler und starb daselbst 1735. Im Kontrakt-Protokoll vom 4. 7. 1735 lesen wir von Maria Agatha Humlerin, Witwe des „ehrenwerten und kunsterfahrenen Johann Schupp, gewesenen (verstorbenen) Bildhauers …“. Was hat Johann III in seinem kurzen Leben geschaffen?

Ein Bruder von ihm ist der 1697 in Villingen geborene Zacharias Schupp, verstorben 1762. Er trat 1718 als „Malergesell von Füllingen“ in das Atelier des Kunstmalers Johann Baptist Huber in Straßburg ein. 50) 1721 heiratete er Elisabeth Ganser, eine Tochter des Bürgermeisters Johann Ganser. Er wird auch Silberschmied genannt. Nach 1737 faßte er den Tabernakel am Hochaltar der Benediktinerkirche in Villingen neu. 1750 arbeitete er zusammen mit seinem Sohn Ludwig in der Franziskanerkirche in Villingen, wo er die Altarbilder neu malte. Sechs Jahre später lesen wir von der Vergoldung der Turmziffern an der Benediktinerkirche seiner Heimatstadt. Von obigem Johann Ludwig sind nur folgende Daten bekannt: Geboren in Villingen 1722, heiratete 1750 eine Maria Lucia Hassler. Er starb 1767 in Villingen. Nachzutragen ist, daß sein Vater Zacharias in den Jahren 1757 — 1759 zu den schärfsten Kämpfern für die Wiederherstellung der alten Ratsverfassung gehörte. Zur Strafe für sein „rebellisches“ Auftreten mußte er zweimal 24 Stunden in das Bürgergefängnis.51)

Zeugnisse Schuppscher Kunst von Vater, Sohn und Enkel und anderer Mitglieder der Sippe zwischen 1650 und 1770 werden noch an manchen Orten der Baar und der weiteren Umgebung vermutet. Der Verfasser eines Artikels im „Barock in Baden-Württemger „, 1981, spricht von einer Bildhauerschule Schupp. Künftige Nachforschungen, Fotoaufnahmen und Stilvergleiche werden noch einiges klären können, zumal einige Archive noch nicht erschlossen sind. Es ist erstaunlich, wie viele Künstler neben den Schupps wirkten. So z. B. die Malersippe Schilling, die Maler Glicker, Josef Meinrad und H. K. Dober, der Ältere und der Jüngere, Bildhauer Hops, die Goldschmiede Otto, alles Künstler, von denen wir zum Teil bis jetzt noch wenig wissen. Sie wirkten alle in einer Zeit der Kriege, Belagerungen und Besatzungen der Stadt Villingen.

Wenn wir weiter in der Famliengeschichte gehen, so stoßen wir auf Johann Martin, Sohn des Johann Ludwig (Maler) (Stammesträger IV). Martin wurde 1700 geboren, verheiratete sich in erster Ehe mit Anna Maria Grüninger, die aus einer alten Glockengießer-familie stammte, in zweiter Ehe mit Anna Maria Hummel. Er war Ochsenwirt und Ratsherr (1760) und starb 1780. 1763 wird er als Holzherr beim Holzamt genannt, das die Verwertung des Holzes hatte.52) Sein Sohn Johann Simon Thaddeus Schupp ist der weitere Stammesträger V. Er wurde 1752 in Villingen geboren und starb hier 1815. Auch er war Ochsenwirt und Ratsherr (1806), verheiratet mit Maria Agatha Hauser. 1776 wird er Protokollführer der Wirtezunft genannt, 1796 als Brunnenaufseher beim Brunnen in der Gerbergasse.53)

Kunstführer und Werksachverständige schreiben den Altar von Duchtlingen (Kreis Konstanz) Anton Josef Schupp für die Zeit um 1700 zu.

 

Die beiden Seitenaltäre in der Dorfkirche von Marbach bei Villingen wurden 1729 vom Sohn des Anton Josef Schupp und Enkel von Johann I, nunmehr in der 3. Generation, Johann Ignaz — oder kurz Ignaz Schupp aufgerichtet. Der rechte Seitenaltar (siehe unten rechts) trägt auf der Rückseite folgende Inschrift: Verschaffet auf U. L. F. Münster pfleg der Zeith Jova Jacob Riegger Rector u. Decanus Oberpfleger Cyprianus Winterhalter ambtsbürgermeister mitpfleger Jo. Baptist Ganser altbürgermeister Josef Franziseg Kettenackher (? Stadt Syndikus aufgerichtet, de 3. Febr. 1729 Ignatius Schupp Bildhauer

 

 

 

Simons Bruder Hieronimus, der Lilienwirt, (Lilie und Ilge sind dasselbe) wurde bekannt als Deputierter der Villinger Zünfte. Zusammen mit Josef Eisele ging er 1781 nach Wien, um den Kaiser zu Wiedereinführung der alten Zunftprivilegien zu bewegen, was aber abgelehnt wurde. Simon und Hieronimus wurden mit anderen Männern zusammen von allen Wahlen zu den Stadtämtern ausgeschlossen, mußten die Prozeßkosten im Prozeß gegen den Magistrat tragen und Abbitte leisten.54)

Simons Sohn als Stammesträger VI hieß Johann Jakob (1800 — 1859). Er war Handelsmann. In der 1848er Revolution stand er als Ratschreiber auf Seiten der großherzoglichen Regierung und wurde für kurze Zeit zusammen mit Bürgermeister Stern abgesetzt. Verheiratet war Jakob mit Magdalena Wittmer.55)

Sein Sohn Julius, geb. 1824, gestorben 1898 war von 1868 — 1883 Bürgermeister von Villingen, dessen Sohn Adolf Regierungsrat in Karlsruhe, geboren 1881 in Villingen, gestorben 1944 in Karlsruhe, war der Vater des Verfassers dieses Aufsatzes, Oberstudienrat Ottmar Schupp, in Karlsruhe. Der jüngste Namensträger aus dieser Linie, Jonas Schupp, wurde 1984 geboren.

Sohn Wilhelm Schupp war Bärenwirt, geboren 1828, gestorben 1900, heiratete in zweiter Ehe Sophie Mayer, Tochter des Christian Mayer, Uhrenfabrikant (Schützen-Mayer). Die älteste Tochter Sophie aus dieser Ehe heiratete Joseph Riegger aus der Kutmühle, den späteren Bärenwirt und Bierbrauer. Von deren Kinder leben heute noch Sr. M. Gerburga (Kloster Siessen) und Albert Riegger, Gärtnermeister in Villingen. Zu den Enkelkindern zählt auch Eugen Bode in Villingen. Die zweite Tochter Pauline heiratete Joseph Bär, Seifensieder. Deren Nachkommen sind die Familien Mörgenröther, Bär, Zehnder und Hock in Villingen.

Sohn Gustav gründete mit seinem Bruder Julius eine Watte-Fabrik und war Kontrolleur der damaligen Vorschußbank, die heutige Villinger Volksbank. Er war mit Stephanie Kohler aus Neustadt verheiratet. Aus dieser Ehe stammt Gustav Adolf, Kaufmann, verheiratet mit Frieda Butta. Er wanderte in die Schweiz aus, wo heute noch Nachkommen leben.

Tochter Anna Maria heiratete Gustav Butta, Drogist, Sohn des Karl Butta, Gründer der Drogerie Butta.

Literatur und Anmerkungen:

1. H. J. Wollasch, Inventar Villingen, 2 Bde., 1970, Nr. 878 und 1011

2. J. Fuchs, Pfründearchiv Nr. 469, 3a

3. J. Honold, Südkurier vom 4. 1. 1957 und 12. 1. 1957

4. H. J. Wollasch, Inventar Nr. 1767 und 2402; P. Revellio Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, 1964; J. Wohleb, in ZGO 102/1954 ( Dober

5. Bad. GLA Karlsruhe Nr. 229

6. H. Meier, Flurnamen der Stadt Villingen, 1962

7. Pfarrarchiv Untermettingen /Waldshut; über Beer : Lieb-Dieth : die Vorarlberger Barockbaumeister. Die Tochter aus dieser Ehe heiratete 1731 Johann III Schupp

8. Über Ketterer : H. Brommer, in Annuaire de la Societe Historique et Litteraire de Colmar, 1972, S. 55/56. Ferner mündl. Mitteilung von K. Sutter, Waldshut

9. P. Revellio, Beiträge; Nachrichtenblatt für Denkmalpflege, 1959/60, Jg. 2/4

10) Mitteilung des Pfarramtes Heilig-Kreuz, Rottweil vom 3. 1. 1973; Dr. Hecht vom Stadtarchiv Rottweil 6. 12. 1972; U. Rodenwaldt, das Leben im alten Villingen, 1976; KI. Kunstführer (Schnell und Steiner, München) Nr. 438 Brüstle, Villingen, Zunftordnung betr. S. 146

11) P. Revellio, Beiträge; Zt. Ortenau 1914, S. 110, Kunstdenkmäler Baden, Bd. Villingen; KI. Kunstführer Triberg

12) KI. Kunstführer Nr. 438

13) KI. Kunstführer Nr. 909, Wohleb in ZGO, Bd. 102/1954

14) 0. Göller, In Zt. Ortenau, Bd, 20/1933 und 26/1939

15) J. Ruch, die Gottesackerkapelle in Waldshut, 1954; H. Ginter, im Nachrichtenblatt für Kultus und Heimatpflege 4/1953; Lacroix -Niester, Kunstwanderungen in Baden, 1959

16) P. Revellio, Beiträge und P. Revellio, das Benediktinerstift, 1954; Konradsblatt vom 22. 8. 1971; Südkurier vom 6. 4. 1974 und 11. 5. 1974

17) P. Revellio, Beiträge

18) J. Krausbeck, St. Jakob bei Wolfach, 1959, Krausbeck, die Schloßkapelle Wolfach, 1967; Kirchenführer St. Jakob, 1980, hg. kath. Pfarramt Wolfach

19) Pfr. E. Schmitt, KI. Kunstführer Schapbach, 1968

20) KI. Kunstführer Villingen Nr. 549; Dr. Fuchs, Pfründe-archiv Nr. 495; Bildband Villingen 1970 betr. Barnabas. Das Jahresheft des Geschichtsvereins Villingen l/1973 schreibt den Ölberg Ignatius zu

21) P. Revellio, Beiträge und P. Revellio, Benediktinerstift, 1954; Dr. Altgraf zu Salm in Zt. Baar, Bd. 19/1972; Wohleb in Zt. Schau-ins-Land, Bd. 74/1956

22) Chronik des Paulinerklösterchens Grünwald im FF Archiv Donaueschingen nach Mittl. von Pfr. Hermann, Ebringen /Freiburg

23) P. Revellio, Beiträge; Fr. Huber, Stadtverw. Bräunlingen vom 9.12.1982; Pfr. Hermann an den Verfasser 124.2.81)

24) Brüstle-Fuchs, Villingen, 1971

25) Katalog Barock in Baden-Württemberg, Bd. 1, 1981

26) Brüstle- Fuchs, Villingen 1971 Rothenhäusler in Zt. Alemannia Bd. 31/1903, H. Fietz, Baugeschichte der Klosterkirche Rheinau, 1932; Kunstführer für die Schweiz, 1972; Schweizer Kunstführer: Rheinau, 1960; Kunstdenkmäler der Schweiz, Bd. 7 Kanton Zürich, hg. H. Fietz, 1938. Schreibweise der Namen in den Verträgen teils Schupp, teils Tschupp.

27) J. Büche, im Südkurier vom 28. 8. 1955: die Kunstwerke der Pfarrkirche in Bühl (Klettgau)

28) Studienfahrt der Herren Brommer und Sutter im Herbst 1976

29) Restaurator Panowski /Gernsbach an den Verfasser 18.9. 75); M. Tschacher/Duchtlingen in Briefen an den Verfasser (Nov., Dez. 76 und Jan. 77); Thöne, vom Bodensee zum Rheinfall, 1975

30) Martin Münzer /Villingen, die Geschichte des Dorfes Hondingen, 1979

31) Lat. Inschrift auf einer Holztafel. Siehe Anmerkung 30 (Münzer )

32) Fr. Huber, Stadtverw. Bräunlingen an den Verfasser ( 1. 9. 82 u. 8. 9. 82)

33) Tuttlinger Heimatblätter 4/1925; Senn, Renchtalzeitung vom 6. 9. 73

34) Sutter in Bad. Zeitung vom 15. 12. 80; Heidegger -Ott, St. Blasien, 1984

35) KI. Kunstführer Nr. 403; Opitz-Klug, die Wallfahrtskirche Maria in der Tann, o. J.; Reclams Kunstführer, Bd. 2, 1957; Lacroix-Niester, Kunstwanderungen in Baden, 1959; Revellio in Zt. Baar 16/1926; Senn in der Renchtalzeitung, Osterbeilage 1975, Krausbeck in einer Zusammenstellung, 1970; Dr. Hitzfeld in einem Brief an den Verfasser; Dehio, Baden-Württemberg; Brommer im Annuaire, siehe Anmerk. Nr. 8

36) Begleiter durch die Schätze des Triberger Heimatmuseums, 1973: dort Namen und Daten verwechselt

37) Museumsführer Waldkirch; H. Altrogge in Bd. 4 der Beiträge zur Geschichte der Stadt Waldkirch; Herr Rambach an den Verfasser am 1. 12. 73; Rambach, die Stiftskirche St. Margaretha in Waldkirch, 1959; Nachrichtenblatt für Kunst u. Heimatpflege Südbaden, 11 und 12/ 1953

38) Hinweise Brommer u. Dr. Fuchs; St. Peter, hg. H. 0. Mühlein, 1977

39) M. Hermann, die Klosterkirche zu St. Märgen in der Festschrift 850 Jahre St. Märgen 1968

40) Mittl. Pfr. Hermann und H. Rambach an den Verfasser

41) Kurzinformationen der Stadt Villingen-Schwenningen

42) Über die Schilling-Maler; siehe Brüstle-Fuchs, Villingen

43) R. Ströbel, im Heimatblättle Schwenningen 1 — 4 /1960

44) Mittl. Paul Schupp, 1973 u. H. Brüstle, 1975

45) Brüstle-Fuchs, Villingen, u. Mittl. Pfr. Hermann

46) Zu Konstanz: Th. Humpert, das Chorstift St. Stefan, Konstanz, 1957; Ratsprotokolle, Sitzung vom 12. 8. 1709. Zu Villingen: Wollasch Nr. 2402; Revellio, Beiträge; Südkurier vom 16. 11. 74; Rodenwaldt, das Leben im alten Villingen

47) KI. Kunstführer Breitnau Nr. 1146, hg. v. Pfr. Hermann

48) Mittl. Krausbeck /Wolfach

49) Mittl. Brommer /Merdingen /Freiburg; Revellio Beiträge

50) Siehe 49)

51) Revellio, Beiträge; A. Fischer, aus Villingens Vergangenheit, 1914

52) Rodenwaldt, das Leben im alten Villingen, Rodenwaldt, der Wald einer alten Stadt, 1977

53) Siehe 52)

54) Fischer, Villingen, 1914

55) Revellio, die Revolution von 1848, erschienen 1950

Orte mit möglichen Schupp-Werken:

Ortenberg, Haslach, Berghaupten /Kinzigtal. Im ehemal. Kreis Donaueschingen: Bad Dürrheim, Zimmern, Hüfingen, Gütenbach, Öfingen. Schenkenberg-Kapelle bei Emmingen /Tuttlingen, Schramberg- Lautenbach, Sulgen, Schenkenzell, Reinerzau, Wittichen. Biederbach und Elzach im Kreis Emmen-dingen. Kr. Villingen: Hl.-Kreuz-Kapelle bei Geisingen, Dau-hingen, Immendingen, Pfaffenweiler, Oberwolfach-Renkach. Stetten bei Rottweil. Tiengen /Waldshut, Heuweiler/Freiburg. Nach Frau Dr. Huber, Donaueschingen, im Almanach 1985 des Schwarzwald-Baar-Kreises: Heidenhofen, Riedböhringen, Kirchdorf, Esslingen, Schwenningen (St. Franziskus).

Anmerkung der Redaktion zur Bildauswahl:

Die erforderliche Beschränkung hat uns veranlaßt, nur außerhalb Villingens befindliche Schuppwerke aufzunehmen, weil diese dem Kunstinteressierten weniger leicht zugänglich sind.