1985: Abschluß der archäologischen Grabungen auf dem alemannischen Friedhof in Schwenningen (Werner Huger)

Am 20. August 1985 beendeten die Archäologen ihre Grabungen im alemannischen (alamannischen) Friedhof. Über die Zusammenhänge hat der Geschichts- und Heimatverein Villingen in seinem Jahresheft IX, 1984/85, ausführlich berichtet. In der nunmehr abgeschlossenen Kampagne wurden zunächst der nördliche Teil der noch zugänglichen Friedhofsfläche und abschließend, 1985, der westliche Teil zur Sturmbühl -/ Mutzenbühlstraße hin untersucht. Bekanntlich liegt der Friedhof im Gewann „Auf der Lehr“. Seit man 1938 zum erstenmal den Spaten ansetzte, sind nun bis heute 139 Gräber freigelegt worden. Es ist zu vermuten, daß sich der Friedhof noch weiter nach Norden ausbreitet, wo in den Gärten bzw. Grünflächen hinter den Häusern weitere Gräber unberührt liegen könnten. Allerdings ist die Fläche insgesamt durch errichtete Gebäude stark gestört. Nicht untersucht wurde auch der Bereich, auf dem die Bauhütte der Archäologen stand. Entsprechend der Funde im unmittelbaren Umfeld ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß ein möglicherweise wichtiger Fund übergangen wurde. Schon bald wird die Stichstraße zur Spittelstraße über das Gelände laufen. Bei allen Grabungen kam nie mehr ein so reiches Inventar zutage, wie es die um 530 verstorbene Frau besessen hatte. (Vergleiche Jahresheft IX) Die Grabinventare, der aus dem frühen sechsten bis zum späten siebten Jahrhundert stammenden Gräber, sind in ihrer Summe abschließend als durchschnittlich zu bezeichnen. Auch in dieser Kampagne ist die Mehrzahl der untersuchten Grablegen in die Kategorie „ärmlich“ einzustufen. Hervorzuheben sind vier Frauengräber, deren Beigaben die Bestatteten als wohlhabend ausweisen. Man fand einmal ein silbernes Fibelpaar, weitere silberne Einzelfibeln, eine reiche Glasperlenkette, dann zwei Glasgefäße, das eine fränkisch, das andere vermutlich eine norditalienische Importe. Von den wenigen wohlhabenderen Männergräbern sind die zweischneidige Spatha und der Sachs, das einschneidige Hiebschwert, zu vermelden.

Mit weiteren Funden ist auf Jahre hinaus nicht mehr zu rechnen. Abgesehen von der erwähnten nördlichen Zone sind im Süden (gegen den Marktplatz), im Osten (Dauchinger Straße) und im Westen (Mutzenbühl und Sturmbühlstraße) überhaupt keine weiteren Gräber mehr zu erwarten. Entweder ist die Begrenzung der Friedhofsfläche erreicht (Westen) oder sie wurde durch spätere Bebauung gestört. Bliebe abschließend noch zu erwähnen, daß der Friedhof sich in Hanglage befand und die Gräber terrassiert waren.

Mit der Beendigung der Belegung des alemannischen Friedhofs ist, ebensowenig wie in Villingen, die Siedlungskontinuität der Alemann beendet. Es ist aber die allgemeine Erfahrung, daß gegen Ende des siebten Jahrhunderts mit einer Toleranz von +/— 20 Jahre die Belegung alemannischer Friedhöfe abbricht, weil im Zuge des Christianisierungsprozesses mit den Dorfkirchen auch die sie umgebenden Friedhöfe entstehen, die eine veränderte Instituionalisierung der Bestattungssitten deutlich machen.

Neben der Ergebnissen aus dem Gräberfeld konnten die Archäologen weitere Erkenntnisse gewinnen : Zwischen dem westlichen Ende des Friedhofs und der Sturmbühl-/Mutzenbühlstraße verlief ein vermutlich mittelalterlicher Nordsüdweg, und zwar vom Marktplatz in nördlicher Richtung den Berg hoch. Deutlich sichtbar waren Spurrillen, aus denen sich die Achsbreiten der Wagen bzw. Karren ablesen ließen.

Auch die Schichten „Auf der Lehr“ gaben wertvolle Hinweise. Die Bodenschichten bestehen zunächst aus Humus, dann folgt ein Lehmbereich von etwa 1m Dicke. Dieser wurde vermutlich ebenfalls mittelalterlich abgeräumt, um an den darunterliegenden Lettenkeuper zu gelangen. In diesem befinden sich nämlich Toneinschlüsse unterschiedlichen Volumens, von wenigen Kubikzentimetern bis mehreren Kubikmetern. Dieses Material liefert einen vorzüglichen Ton zur Herstellung von Keramikware. Bei der Ausbeutung der Vorkommen wurde in die Substanz des älteren alemannischen Friedhofs eingegriffen, wobei mehrfach Gräber gestört wurden. Ihr Inhalt wurde aus dem Verbund gerissen und zerstört, so daß man in dem später wieder aufgeschütteten, dem Keuper aufliegenden Mergelmaterial, anläßlich der Ausgrabungen, verstreut Knochen und Beigaben fand.

Ergänzende Literatur zum Gräberfeld Schwenningen: Gerhard Fingerlin, Ein Gräberfeld der Merowingerzeit aus Schwenningen, Stadt Villingen-Schwenningen, Schwarzwald-Baar-Kreis in: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg, 1984, Seite 177 ff..

Wir bedanken uns an dieser Stelle für die mündlichen Mitteilungen, die uns der zuständige Grabungsleiter, Herr Klaus Hietkamp, an Ort und Stelle freundlicherweise gegeben hat.