Daten und Fakten über die Quelle am Hubenloch und über das »Gasthaus zum Bad« an der Rietgasse (Walter K. F. Haas)

I. Quelle

1) Lage

1 Mannsmatt Wies beim sogenannten Schießhaus (am Fuße des Hubenlochs, etwa heutiges Parkhaus). In dieser Wiese befand sich eine Quelle mit Brunnenstube.

Anlieger dieser Wiese waren im Norden: Uhrenfabrikant Christian Maier ( sog. Schützenmaier),Westen: Engelwirt Anton Faller und Ignaz Säger, Süden: Uhrenmacher Josef Zeller

2) Eigentümer der Wiese

Benjamin Groß, verheiratet mit Agatha, geb. Kürner. Die Familie Groß war Eigentümer des heutigen Anwesens Rietstraße 36; schon 1766 wird Jacob Groß, Schlosser, als Eigentümer genannt. Um 1860 ging die Wiese über auf Jacob Groß, Radschlosser. ( Erbfolge)

Jacob Groß verkaufte diese Wiese im Jahre 1872 an den Musikwerkfabrikanten Lukas Paul Schön-stein. Noch im gleichen Jahre erstellte Schönstein auf diesem Grundstück seine Fabrikationsräume. (Später befand sich Schönstein mit seiner Produktion in dem Gebäude Nordecke Herdstraße/Bleichestraße. Dieses wurde aber erst 1910 erbaut.) Später diente das Gebäude u. a. als Gasthof ( Villinger Hof), Landwirtschaftsschule und Landwirtschaftsamt.

Heute steht auf einem Teil der ehemaligen Quellenwiese der Neubau der Industrie- und Handelskammer.

3) Laut Kaufbrief vom 1. 9. 1812 hatte von der Brunnenstube das Bauwerk im Boden die Stadt zu unterhalten, dagegen hatte der jeweilige Eigentümer der Wiese die Unterhaltungspflicht für die Gebäudeteile oberhalb des Erdbodens (Dach und übriges Holzwerk). 1865 wurde nochmals daran erinnert, daß der Besitzer der Badanstalt (im Riet) von der Stadt die Unterhaltung der Brunnenstube vor dem Riettor und der Wasserleitung von derselben bis zum Badbrunnen unentgeltlich zu fordern hat.

II . Gasthaus zum Bad mit Badanstalt

Noch 1827 wird es als Bauleutzunftstube bezeichnet, danach ist meistens vom „Badhaus“ die Rede. Heute die Fahrradhandlung Fleig, Rietgasse 5.

Vor 1840 wurde zur Aktivierung des Badbetriebes die Badgesellschaft gegründet.

Diese Badgesellschaft kann als Vorläufer der heutigen Villinger Kur- und Bad-GmbH betrachtet werden. Neben dem Hauptgebäude stand eine einstöckige Badanstalt. 1841 bestand die Badeinrichtung aus dreizehn Badewannen, einem Schwenkkasten, drei langen Tischen, fünf Spiegel, ein Dutzend Handtücher, zehn Paar kleine Vorhänge. Pächter des Badhauses war Johann Nepomuk Kammerer.

Eigentumsverhältnisse:

1841 Die Badgesellschaft, vertreten durch Adlerwirt Meinrad Hauger und Hechtwirt Paul Dold, verkauft an den Konditor Josef Anton Ziehler. Noch im gleichen Jahr verkauft dieser an den ledigen Metzger Michel Häsler.

1865 Durch Versteigerung geht das Badhaus über auf die Gesellschaft Leute & Comp..

Der Käufer war verpflichtet, fortwährend die Badanstalt bestehen zu lassen und dem Publikum zugänglich zu erhalten, auch zu gestatten, daß diejenigen, welche zum Hausgebrauche Wasser von dem bestehenden Pumpbrunnen abfangen, dieses ungehindert tun können. Dagegen hatte der Besitzer des Badhauses gemäß Erlaß der ehemaligen Regierung des Oberrheins vom 23. 12. 1809 das Recht, vom 1. Mai bis 31. Oktober jeden Jahres Wein und Bier auszuschenken und kalte Speisen abzugeben, auch an kranke Badgäste warme Speisen zu verabfolgen und sie zu beherbergen.

1866 Goldleistenfabrikant Josef Leute, Teilhaber der Firma Leute & Comp. verkauft an seinen Geschäftsgenossen Nikolaus Compost den hälftigen Anteil am Badhaus.

1883 Durch Versteigerung geht das Badhaus über auf die Wirtsgenossenschaft.

1887 Die Wirtsgenossenschaft, bestehend aus Johann Baptist Dold, Altposthalter, Anton Faller, Engelwirt, Johann Hall, Altrabenwirt, Wilhelm Schupp, Bärenwirt, Joh. Bapt. Schilling, Kronenwirt, Fridolin Steinmann, Flaschenwirt, Josef Storz, Schneckenwirt, verkaufen an den Schneckenwirt Josef Storz. 1897 10. August, Privatier Josef Storz stirbt und hinterläßt seine Kinder Marie Höld, geb. Storz, Ernst Gustav Storz, Großherz. Landgerichtsrat, Albertine Zier, geb. Storz, Theresia Storz, ledig.

1897 Albertine Zier, geb. Storz, übernimmt das zweistöckige Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Gasthaus zum Bad, mit zwei Balkenkeller und einstöckiger Badanstalt. In den Einwohnerbüchern von 1900 und 1902 heißt es noch unter „Gastwirthschaften mit Personalrecht“: Zier Albertine, Witwe, zum „Bad“; Pächter: J. B. Schilling, zur „Krone“, Afterpächter : Heinrich Ummenhofer. A. Zier verkauft 1909 an J. B. Schilling, Schilling verkauft 1909 an die Eheleute Friedrich Ummenhofer.

Quelle:

Contraktenbücher der Stadt