Auf den Spuren Villinger Künstler. Zweiter Villinger im Victoria- und Albert-Museum in London: Klaus Walz (Werner Huger)

Einiges hat er mit Hans Kraut, dem bedeutenden Vertreter der Renaissance des 16. Jahrhunderts, gemeinsam: Er wurde zwar nicht in Villingen geboren, aber er reifte in der Schwarzwaldstadt zur Meisterschaft; er ist Handwerker wie jener es war, er als Kunstschmied —jener als Kunsttöpfer, beide Künstler von hohem Rang. Natürlich haben beide auch gemeinsam, daß sie mit einem ihrer Werke im ehrwürdigen Londoner Victoria-und Albert-Museum vertreten sind. Eines allerdings hat Klaus Walz dem Meister der Fayencetechnik voraus: Ihm wurde diese hohe Anerkennung zu Lebzeiten zuteil, Hans Kraut gelangte mit seinem Ofen auf Umwegen erst 1868 dort hin. (Vgl. Jahresheft VII, 1982, des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, S. 29 ff.)

Natürlich ist es nicht die erste Anerkennung, die Klaus Walz zuteil wurde, aber diesmal ist sie international. Wer immer künftig „Kunstschmiedearbeiten im Geiste der neuen Zeit“ meint, muß Klaus Walz einbeziehen. Übrigens lautete so auch der Titel einer internationalen Ausstellung, zu der das Londoner Museum die Arbeit des Villingers von der „Internationalen Kunstausstellung in Lindau“ nach England holte. Mit ihren Werken vertreten waren Künstler aus West und Ost, aus den USA, England, Schweden, ltalien, Tschechoslowakei, Japan, um ein paar zu nennen. Schließlich ging’s nach USA, wo das „Gitter“ von Klaus Walz, das wir umseitig abgebildet haben, durch fünf Museen wanderte, bis es am Ende über New York nach London zurückkam. Inzwischen war die Fachwelt aufmerksam geworden. Das Angebot, die Kunstschmiedearbeit zu kaufen, wurde vom Künstler angenommen: Klaus Walz ist nun der zweite Villinger Meister, der mit seinem Werk im großen Victoria- und Albert-Museum in London vertreten ist. — Er besitzt jetzt also weltweit Geltung, muß sich „Künstler“ nennen lassen und fühlt sich doch gar nicht so. Wenn man dem mittelgroßen (Er sagt: „Schreiben Sie „klein“! „), blonden Endfünfziger, Jahrgang 1924, gegenübertritt, ist die erste Empfindung Sympathie.

Aufgeschlossen, jungenhaft, vital-sportlich, scherzhaft plaudernd kommt er einem entgegen. Wo ist da der Künstler, fragt man sich unwillkürlich. Im Werkstattbüro, angefüllt mit Modellen und handwerklicher Kleinkunst, die zwei Schreibtische übervoll bedeckt mit Skizzen und ausgearbeiteten Zeichnungen, kommen wir ins Gespräch. Ein fröhlicher Grundton schwingt durch den Raum. Mein Wahlspruch, sagt Klaus Walz: „Der Geist ist’s, der lebendig macht“. Wahrhaftig. Wir reden über das Wesen der Kunst, über Form und Inhalt, die Beschäftigung mit dem klassischen Altertum, mit Malerei, Musik und Dichtkunst, begreifen miteinander, wie Goethe in seinem Leben und Werk uns Bild und Gleichnis stärkend hinterlassen hat. — Man vergißt, daß man in einem kleinen Raum neben einer Schmiedewerkstatt mit dem rußigen Feuer sitzt.

 

Spiralgitter von Klaus Walz im Londoner Victoria- und Albert-Museum

 

Eine barocke Figur, dieser Klaus Walz, mit seiner fast leidenschaftlichen Intensität des Daseinsgefühls, das Leben und Werk verbindet. — Geboren ist er in Oberkirch im Renchtal. Der Vater, Bankvorstand am Ort, heiratete des „Lindenwirts Töchterlein“ aus dem stattlichen Fachwerkhaus, das heute eine sehr schöne Kunstschmiede-arbeit von Walz ziert. Es ist eine rebselige, von der Sonne südlich-warm ausgeleuchtete Ecke, diese erste Heimat Oberkirch, die ihm viel bedeutet. „Wo Wein ist, ist Kultur“, sagt er und schwärmt von einem edlen Tropfen. 1934 wird der Vater Direktor der späteren Deutschen Bank in Villingen. Die Familie übersiedelt. Walz besucht das Gymnasium, wird nebenbei Deutscher Jugendmeister im Dreikampf der Leichtathletik in Breslau und Badischer Meister im Turnen mit der Mannschaft. Als er im April 1942 das Abitur ablegt, holt ihn noch im gleichen Monat der Krieg. Ausgebildet bei den Fallschirmjägern geht es über Griechenland nach Afrika zu Rommel. Die Entscheidungsschlacht von El Alamein gegen die Engländer bedeutet für ihn nicht nur die Feuertaufe sondern auch das Los jahrelanger Gefangenschaft in Südafrika, USA und England. Um sich körperlich fit zu halten wird er im Lager zum Parterreakrobaten, für den Geist erlernt er in einem Lagerseminar von Theologen Griechisch. Nach dem Kriege, 1947, war man arm geworden. Wer von den beiden Buben sollte studieren? Mag’s der Bruder sein, entschied sich Klaus Walz, und machte den Weg frei für den heutigen Rechtsanwalt Dr. Hansheinrich Walz in Villingen. Er selbst macht eine Lehre als Kunst- und Bauschlosser, feilt Türschlüssel, repariert alte Bettflaschen, kurz „alles was kaputt und aus Metall war“. —Die Wanderjahre verbringt er zunächst bei der damals führenden deutschen Werkstätte in Köln. Dreimal in der Woche besucht er das Theater. Zufall, daß er ausgerechnet in der Oper eine junge Studentin kennenlernt, die später seine Frau und Mutter von drei Kindern wird? In München, an der Meisterschule des Handwerks legt er die Meisterprüfung ab. Daneben belegt er Kurse an der Kunstakademie im Freihand-zeichnen. — Ab 1954 eröffnet er in seiner Stadt Villingen die heutige Kunstschmiede. Die frühen Fünfzigerjahre sind für einen jungen Handwerker, der sich selbständig macht, eine schwere Zeit, die Opfer groß. Doch unaufhaltsam führt sein Weg kraft der unerschütterlichen Zuversicht, die seiner Frohnatur eigen ist, nach oben. Man hat Mühe, das Gespräch mit ihm zu Ende zu bringen. Immer wieder unterbricht das Telefon. Kunden rufen an, ein Handwerker aus Stuttgart will ihn, den Vorsitzenden der Kunstschmiede und Metallgestalter in Baden-Württemberg sprechen, seine Mitarbeiter halten Rückfragen. Wie schafft er es bloß, alle diese Kontakte zu meistern, die ihn ja über und über mit Arbeit eindecken. Seine Antwort ist ebenso lapidar wie verblüffend: „Die Menschen sind mein Hobby“.

„Katzentüre “ von Klaus Walz, als Zwischentüre in einem Privathaus