OBERESCHACH – einst ein Dorf der Johanniter- Kommende zu Villingen. Zwei Höfe von geschichtlicher Bedeutung wiederentdeckt und vor dem Vergessen bewahrt (Werner Huger)

WIE WAR DAS AUF DEM LANDE?

Luftbild Seite 29: 1 Fläche der ehemaligen Burg („Burgstall „), 2 ehemalige johannitische Zehntscheuer, 3 „Harzerhof “ des einstigen St. Georgerhofs (vgl. Urkunde von 13391, 4 Haus des Widum-Bauern (Jockelbuerhof, vgl. Urkunde von 13541

 

Rund 6 km nördlich Villingens liegt Obereschach. „Ezza“, “ Eschach“, „Äschach“ u. a., die Schreibweisen wechselten, bezeichnet als Name ganz allgemein die Lage einer Siedlung im Bereich eines fließenden Wassers = „ach“. „Äsch “ oder „Asche“ meint einen Flußfisch. „Asche“, „Äsche“ gehört der mittelhochdeutschen Sprachperiode — etwa 2. Hälfte 11. bis 2. Hälfte 14. Jahrhundert — an.1)

Das ist ein Indiz für den frühesten Zeitpunkt der Entstehung des Namens. Gleichzeitig erkennen wir aus dem Namen keinen Hinweis auf ein Sippen- oder Adelshaupt, das für die Gründung und Entwicklung der Siedlung verantwortlich bzw. rechtlich zuständig wäre. Dennoch ist schon früh, wie wir später noch sehen werden, ein Adelssitz im Dorfbereich anzunehmen. Auch aus schriftlichen Quellen ist über die Geschichte des Ortes vor dem Hohen Mittelalter nichts bekannt geworden. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahre 1269 und nicht, wie gelegentlich fehlerhaft dargestellt, von 1260. In ihr beurkundet der Bischof Eberhard II. von Konstanz die letztwillige Verfügung eines Mannes. In der Umschrift heißt es “ … de obr. ezza“.2)

Das Vorhandensein von Dorf und Kirche belegt eine Urkunde von 1275, wonach der Pfarrer von Mönch-weiler auch Pfarrer von Obereschach ist und von beiden Kirchen eine Rente bezieht.3)

Wir übergehen den Inhalt der meisten schriftlichen Quellen der nächsten Jahrzehnte, die sich in der rechtlichen Ausdeutung nur dem wirklichen Fachmann ganz erschließen. Sie sind für den raschen Leser auch ohne Bedeutung. Erwähnt sei nur, daß in der Geschlechterfolge während über 100 Jahre immer wieder der Familienname „Lecheler“ in modifizierter Schreibweise, mehrmals in Verbindung mit Patronatsrechten und Grundstücksangelegenheiten, vorkommt. Nach unserer Feststellung taucht der Name 1275 erstmals in einer Urkunde auf. (Stadtarchiv Villingen, (M 8)17) : „Walther der Lecheler — der Alte — Burger zu Villingen“. 1311 ist „Walther der junge Laecheler burgermaister“ von Villingen (Stadtarchiv Villingen (P 1) 46). 1321 ist er „schulthaize“ und Cunrat von Tanhein „burgermaister“ (Stadtarchiv Villingen (P 1)46 und (M 12)58.

Anmerkung an Stelle eines Vorworts :

Es ist deutlich geworden, daß die Quellenlage insgesamt zwar nicht geschlossen aber immerhin doch so umfangreich ist, daß eine repräsentative Darstellung der Geschichte des Dorfes Obereschach, wie sie geplant war, nicht nur vom zeitlichen Aufwand her, den möglichen Rahmen sprengen würde. Wir beschränken uns deshalb auf einige Schwerpunkte, die wir nicht ohne Absicht auswählen. Dabei legen wir Wert auf die Analyse, wie sie sich aus den wichtigsten Quellen und der Literatur hinsichtlich der allgemeinen Rechtsverhältnisse ergibt. Hierbei stehen die Beziehungen der Johanniterkommende und des Klosters St. Georgen zu Villingen zu den Dorfgenossen und der Dorfgemeinde in grundherrlicher Hinsicht im Vordergrund. Als Lehrmeister hat sich einmal mehr Herr Universitätsprofessor em., Generalstaatsanwalt a. D., Dr. Karl Siegfried Bader, Zürich, ein Freund des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, erwiesen. Ihm möchte ich diesen Beitrag widmen, in der Hoffnung, seine wohlwollende Zustimmung zu erfahren.

Eine lobende Erwähnung gebührt dem derzeitigen Ortsvorsteher Herrn Hermann Beha, der in seltener Verbundenheit zu seinem Heimatdorf die erste systematische und im Ergebnis beachtliche Quellenforschung veranlaßt hat, auch wenn sie zwangsläufig nicht vollständig ist. Ich danke ihm hier für wertvolle Hinweise und Hilfe. Nächst ihm gilt mein Dank Herrn Ratschreiber Lorenz Schütz, Herrn Pfarrer Zimmermann von Neuhausen, den Herren Albin und Ludwig Kammerer vom Jockelbuer-Hof, – meinem alten Kindheitsfreund Willibald Klausmann, dem Sonnenwirt, und allen ungenannten freundlichen Bürgern Obereschachs, die mir geholfen haben.

Verwandtschaftliche und grundherrliche Beziehungen bestehen also seitens städtischer Geschlechter ins Dorf hinaus.

Einige wenige schriftliche Nachrichten des 14. Jahrhunderts wollen wir uns etwas näher ansehen. Dabei zeigen wir ansatzweise, welche Schlüsse sie zulassen und wie umfangreich die Arbeit für den Forscher würde, wenn er daran ginge, etwa 300 schriftliche Nachrichten, zum Teil größeren Umfangs, auszuwerten. Für die Erschließung des Schwarzwaldes ist das Benediktiner-Kloster St. Georgen auf dem Schwarzwald bedeutsam. Aus Kopien von Urkunden über den St. Georger-Hof in Obereschach berichten zwei Urkunden.4) 1339 Juli 25 — 31 Rottweil : Schultheiß, Bürgermeister und Richter von „Rottweill“ schlichten einen Streit zwischen „Ullrich von Truchtelfingen, probst des closters zu sant Geörgen“ und „Johannßen dem Hecheler von Oberäschach, unserm burger“ um den „hoff zu Oberäschach, den man nennet der Münchmeyerinnhoff.

Was läßt sich daraus erkennen?

1. In den Streit verstrickt sind ein Bürger der Stadt Rottweil, der durch das Bürgerrecht, das man durch Bürgereid und Eintrittsgeld gewährt erhielt, von einem gewöhnlichen Landbewohner scharf abzugrenzen ist sowie ein Probst als Verwalter des Klosters St. Georgen auf dem Schwarzwald — das damals seinen Standort noch nicht in die feste Stadt Villingen verlegt hatte — als Grundherrschaft, der für die Niedergerichtsbarkeit in diesem Falle die Zuständigkeit des Rottweiler Gerichts anerkennt. Diese lag also nicht beim Kloster, nicht bei einem adligen Territorial- oder Ortsherren und nicht bei einer möglicherweise vorhandenen Ettergerichts-barkeit des Dorfes selbst.

Das Niedergericht war im allgemeinen zuständig für Kriminalfälle, die mit leichteren Geldstrafen bedroht waren, vor allem aber für Zivilstreitigkeiten und grundstücksrechtliche Materien. Im Gegensatz dazu stand das Hochgericht, auch Blutgericht genannt, bei dem es sehr oft um Leib und Leben ging 5)

2. Der Rottweiler Bürger seinerseits könnte seine Rechte auf eine Grundherrschaft besonders Tips gegründet haben, die sich als Rentenherrschaft begreifen läßt, aber auch auf Lehensrecht, wenn man unterstellt, daß es sich bei dem Bewirtschafter des „Münchmeyerinn hoff“ um einen „Pachthof“ handelt.6)

Wir gehen der Rechtsspähre, in die der Hof eingebettet ist, jedoch hier nicht nach. Entscheidend ist jedenfalls, daß es sich um einen grundherrlichen Streit handelt, bei dem die eine Partei für die Rechtsprechung das Gericht ihrer Stadt, nämlich Rottweil, in der sie „burger“ ist, anruft oder anzurufen hat, wobei die andere Partei, das Kloster, sich fügt.

Mit dem St. Georger-Hof werden wir uns später noch einmal beschäftigen.

Zwei Jahre später, 1341, streitet sich schon wieder „Ulrich von Truchtolf ingen, probste zu sant Geörgen“ um den Hof der „Münchmaierin zu Obereschach“, diesmal mit „Johans, Walter und Hainrich, Walters des Lächelers sune, burger zu Villingen“. Den Streit schlichtet „Berchtold von Thanheim, schuldhaiße zu Villingen“ unter Mitwirkung der Richter „Uelin von Wighaim der alt burgermaister und Hainrich der Hainburg“. Man beachte : Jetzt liegt die Ausübung der Niedergerichtsbarkeit beim Gericht in Villingen. Eine örtliche Kompetenz, etwa ein Ortsadeliger oder ein Dorfgericht, ist wiederum nicht zuständig.

Die Städte Rottweil und Villingen beanspruchen bei Grundstücksstreitigkeiten ihrer Bürger außerhalb des Stadtraums (d. h. außerhalb „der stat und in den ettern ze Villingen“7)) die Zuständigkeit beim Niedergericht, d. h., diese Bürger waren ihnen gerichtspflichtig. Vielleicht läßt sich für Villingen dieses Verlangen aus dem „allgemeinen Friedkreis, der sich auf die große Villinger Stadtmark und teilweise auch auf die Landschaftsorte erstreckte“, ableiten.8)

Eine weitere ausgewählte Urkunde berichtet unter dem 25. Februar 1354, daß die „Gebrüder Johans und Berthold Seng von Villingen dem Johanniterhause daselbst ihre zwei Höfe mit Kirchensaz und Zehenten zu Ober -Eschach“ verkaufen.9)

In zwei anderen Urkunden des gleichen Jahres werden kurz zuvor jeweils ein Hof übertragen, die beide in der Sekundarquelle mit dem wichtigen Hinweis“‚ Kammergut“ bezeichnet sind 9a) , wobei es sich um diese Höfe handeln muß.

Im Text der Urkunde vom 25. Februar 1354 liest sich das alles aufschlußreicher: „Allen den die disen brief ansehent oder hörent lesen, tun wir Johans Senge burger ze Vilingen und Berhtolt seng gebrüder Berchtold sengen seligen sun kunt … daz wir … haben verköffet und ze köffende gegeben . . . hern walthern von Rehperg dem Commentur und den brüdern gemainlich dez huses ze Vilingen sant Johans ordens dez spittals von Jerusalem, unsern hoff gelegen ze ober-äscha, den Haintz Junten buwet, stoßet ainhalb an die kilchmur anderhalb an den gaishoff den ulrich closen buwet, und unsern hoff in laim grub, den bilger buwete, stoßet ainhalb an stoiffen hoff und ze den zwain sitten an die almaind, in die höff och der kilchensatz der kilchen ze oberäscha höret. Ihnen und allen iren nachkomen des vorgenanten hus ze Vilingen, die vor-genanten höff mit allen rehten und nutzen, mit dem kilchensatz der kilchen ze Oberäscha, mit widmen, mit großem zehenden und mit cleinen, mit acker mit wisen mit holtz mit veld und gemainlich mit aller ir zugehörde und Ehafti“.

Zunächst zur räumlichen Lagebestimmung der Höfe. Zum Zeitpunkt der Abfassung der Urkunde ist ihr Standort eindeutig, d. h. für jedermann bestimmbar:

„stoßet einhalb an die kilchmur    …“. Es heißt, „schon
für das Jahr 1275 bezeugt der „Liber decimationis“ das Vorhandensein einer Kirche am Ort, die lange zum Kapitel Kirnach oder Sulz später Rottweil gehörte“.10) (Wir haben schon in anderem Quellenzusammenhang weiter oben darauf hingewiesen.)

Die heutige Obereschacher Kirche wurde 1821 fertiggestellt, nachdem die alte Kirche, „die an derselben Stelle wie die heutige stand“, wegen Baufälligkeit 1820 abgerissen worden war. 11) Wenn die „alte Kirche“ die Kirche von 1354 war,12) dann ist die Lage des einen Hofes zu dem einen Nachbar, „Kilchmur“, geklärt. Wo aber der „gaishoff“ lag, beschreibt kein Urbar und kein Katasterplan.

Wie manchesmal ein scheinbar unbedeutendes, dem Laien nicht verständliches Wort wenigstens teilweise Licht ins Dunkel bringt, werden wir später zeigen.

Der zweite Hof liegt „in laimgrub“. Wir würden uns freuen, für das Dorf hier einen Ort wirtschaftsgeschichtlicher Bedeutung lokalisieren zu können, wenn wir nachstehende Hypothesen vortragen, für die gute Gründe sprechen.

Zunächst heißt „laim grub“, mittelhochdeutsch “ leimgruobe „13) , Lehmgrube. „Kalkhaltiger Ton oder Lehm heißt Mergel …“.14) Schon zur Karolingerzeit waren Fronfuhren von Mergel bekannt, den man zur Bodenverbesserung (Melioration) auf die Felder und Wiesen streute. Die Gemarkung Obereschach wird geologisch in zwei Hälften getrennt. Vor allem in der westlichen Hälfte und im Norden tritt der Buntsandstein zutage, der für die östliche Schwarzwaldabdachung typisch ist. In der östlichen Gemarkungshälfte wird die nach Osten einfallende Buntsandsteinschicht vorwiegend, bis in die Höhe von einigen Metern, vom Unteren Muschelkalk überlagert, der u. a. einen sehr guten Mergel liefert. Die Grenzlinie der geologischen Schichten bildet als Groborientierung die Straße von Villingen durch Obereschach nach Hintervillingen. Westlich der Straße liegt der Buntsandstein, östlich der Muschelkalk. — Wenige hundert Meter südöstlich des Dorfkerns, Richtung Villingen, heißt ein Gewann „Bei der Mergelgrube“. Dort gibt es noch die stillgelegte „Mergelgrube“15) unmittelbar neben der Straße gelegen, etwa 60 Ar groß, mit Bäumen und Hecken bestanden. Auffallend ist die steile Böschung am südlichen Grundstücksrand, die vom Kalkabbau herrührt. In den 1930er Jahren bis zu seinem Tode 1939, hat der Großvater des Verfassers hier noch in begrenztem Umfang eine Mergelmühle betrieben. Der abgegrabene, zerkleinerte und getrocknete Kalkstein wurde in einer Steinmühle gemahlen und als Mergel-mehl in 50 kg-Säcken an die Bauern im näheren und weiteren Gebiet des Buntsandsteins verkauft. Ohne Zweifel wurde das Mergelvorkommen an dieser Stelle seit undenklichen Zeiten von den Bauern abgebaut. Heute ist der Vorgang bereits dem Vergessen anheim gegeben. Auch ist heute keine Hofstatt in der Nähe, die die Namensgebung in der Urkunde rechtfertigen würde.

Im Nordwesten des Dorfes gibt es ebenfalls eine Überlagerung des Buntsandsteins durch Muschelkalk. Auch hier, im Birkwald, an der Gemarkungsgrenze zu Neuhausen, gab es, mündlicher Mitteilung zufolge, eine Mergelgrube, in der später, bis vor wenigen Jahren, die Schinderhütte stand. Die Stelle ist heute verfüllt. Hier teilten sich mehrere Gemeinden in die Abbaurechte. Allerdings weist keine Gewannbezeichnung auf das ehemalige Abbaufeld hin. Außerdem liegt es doppelt so weit vom Dorf entfernt, wie die „Mergel-grube“. Obwohl es dort in der Nähe einmal einen kleinen Weiher gegeben haben soll, ist von einem Hof nichts bekannt.16) Mit den Höfen verbunden, ist, laut unserer Urkunde, der „kilchensatz der ki Ichen ze oberäscha“ sowie „mit widmen“ und „großem zehenden und mit kleinem . .. und Ehafti“. Mehr kann inhaltlich in einem vergleichbaren Kaufvertrag jener Zeit an Sachen und Rechten, die verkauft werden, fast nicht mehr enthalten sein. Der „kilchensatz“ (=Kirchensatz) bedeutet das Patronat über eine Kirche. Da es hier mit dem Besitz und nicht mit einer bestimmten Person verbunden ist, stellt es ein dingliches, ein ius patronatus reale, ein Realpatronat dar. Das Patronat bezeichnet ein Rechtsverhältnis eines Stifters (Patron oder seines Rechtsnachfolgers zu einer Kirche oder einem kirchlichen Benefizium, etwa einem Kirchen-lehen. Dazu gehörten z. B. das Vorschlagsrecht bei der kirchlichen Stellenbesetzung (Präsentationsrecht), das Recht auf Teilnahme an der Verwaltung des Kirchenguts u. a., andererseits die Pflicht, den Geistlichen und die Kirche zu unterhalten, d. h. auch sie auszustatten und, als eine Hauptpflicht, die Baulast zu tragen u. a..17) Die hiervon berührten Personen sind in unserem Falle zunächst Laien und Stadtbürger.

„Widmen“ (mittelhochdeutsch: widem, wideme, wi-den, schließlich auch widum, Wittum u. ä.) bedeutet, „in der kirchlichen Rechtsgeschichte die Ausstattung einer Kirche, besonders mit Grundstücken und dazu gehörigen Gebäuden, daher auch Widemhof = Pfarrhof „.18)

Es handelt sich also um Dotalgut für die Oberescha-cher Kirche in der üblichen Form von Grundstücken oder Gebäuden, etwa und besonders dem Pfarrhof.19) „Pfarrhof“ ist hier als Pfarrpfründe primär zur Versorgung des Pfarrers zu sehen. Das muß nicht bedeuten, daß der Pfarrer oder Kaplan hier, wenn überhaupt im Ort, gewohnt hat; es muß nicht auch Pfarrhaus gewesen sein. Die „Präsentation“ wechselte im Laufe der Jahrhunderte. Es kann als Kirchengut ein Lehenshof sein mit einem „Pächter“, wie man heute sagen würde. (Vergl. die Urkunde von 1666 weiter unten.)

Der Begriff „Zehnte“ ist sehr komplex. Die zahlreichen Arten bzw. Formen der Abgabe, der Zehntbezug, die Differenziertheit der Zehntrechte, sind eine so vielschichtige Materie, daß in dieser Arbeit nicht näher darauf eingegangen werden kann. Ganz allgemein ist der Zehnte über lange Zeit eine regelmäßige Abgabe vom Ertrag eines Grundbesitzes, die als Reallast auf dem Grundstück ruht. Der Großzehnt umfaßt die Halmfrüchte also Getreide, Wein, Obst, Öl und als Blut- oder Viehzehnt Groß- und Kleinvieh. Der Kleinzehnt zielt auf die übrigen Fruchtarten, besonders die Gartenerzeugnisse wie Kraut, Hanf und Flachs, die Produkte von Tieren wie Eier, Milch und Butter. „Welche Früchte im einzelnen zum großen oder kleinen Zehnten zählten, war örtlich verschieden und meist strittig“.20)

In unserem Falle floß der Zehnte fraglos der Kirche zu, die zahlreiche Aufgaben der allgemeinen Verwaltung und Fürsorge wahrnahm, etwa die Betreuung fahrenden Volkes, von Bettlern und Landstreichern21) sowie die wichtige Armenfürsorge. Diese Zehntrechte galten gegenüber den Zehntpflichtigen, die im Dorf begütert waren. 22) Zehntherr aber waren die Eigentümer der genannten zwei Höfe. Ein weiteres wichtiges Recht erschließt uns das Wort „Ehafti“. Danach besaß der Grundherr der Höfe Zuständigkeit im Zwing und Bann, d. h. die Befehls- und Strafgewalt, die Gewalt der Niedergerichtsbarkeit und die Gerichtsbarkeit gegenüber den „Ehalten“ (= Dienstboten) oder besser gesagt, über die auf den Höfen tätigen Personen. 23)

Die gebündelten Rechte aus der Urkunde von 1354, die mit diesen „Höfen“ oder besser, da sie jetzt vereint sind, mit diesem grundherrlichen „Hof“24) verbunden sind, zeigen uns die Sonderstellung gegenüber der Dorfgemeinde oder dem „Dorf“ als rechtliches Gebilde. Dennoch erlauben diese Privilegien nicht den Schluß, daß es sich um einen Fron-, Frei-, Sal-, Meier-, Ding- oder Kelnhof der jetzigen Grund- und späteren Dorfherren, den Johannitern, gehandelt habe. Im Gegenteil: 1666 wird das „Wiedumb-Gut“ in einer Urkunde des Johanniter-Komturs Franz von Sonnenberg als Lehen erkennbar, wie wir noch sehen werden.

Wie angedeutet, ist diese Rechtsbündelung nicht gleichzusetzen mit der Dorfherrschaft. Dorfherr waren die Fürstenberger, wie wir aus der Urkunde von 1390 noch erkennen werden. Daß es das Dorf im siedlungstechnischen Sinne gegeben hat, beweist die Erwähnung der angrenzenden „almaind“ in der Urkunde.

Almaind = Allmende belegt ein gemeinsames Nutzungsrecht der Dorfgemeinschaft, der Dorfgenossen, in vielfältiger Form. Irgendwann entstanden, haben sich Namen von Allmendteilen in Obereschach in Gewannbezeichnungen bis auf den heutigen Tag in den Katasterplänen erhalten, so z. B. Sauwasen, Käl-berwiesen, Kälberweid und Vor der Allmend.25)

Der „Harzerhof “ ist der wichtigste und flächenmäßig größte Teil des ehemaligen, in Vergessenheit geratenen Grundbesitzes „St. Georger Hof „, der dem Benediktiner-Kloster St. Georgen auf dem Schwarzwald gehörte. (Inzwischen verlassen, steht das Haus auf der Hofstatt kurz vor seiner Erneuerung.) — Am Haus rechts vorbei, führt der Weg nach hinten in Richtung Kirche, wo eine uralte, denkmalwürdige Steinbrücke über die Eschach zu dem als johannitische Zehntscheuer bezeichneten Gebäude mit Johanniterkreuz führt.

 

 

Kehren wir aus guten Gründen noch einmal zu unserem zuvor erwähnten „widmen“ oder „Widum -Gut“ zurück: Im Bewußtsein der Bevölkerung hat sich der Begriff „Widum“ erhalten, und der Verfasser wurde auch schon nach dem Wesen gefragt. Die Bezeichnung läßt sich nach der Leute Meinung zunächst im heutigen Jockelsbuer-Hof des Ludwig Kammerer, Kirchberg 2, lokalisieren. Tatsächlich konnte uns Kamme-rer eine originale Urkunde aus dem Jahre 1666 vorlegen. 26)

Die Urkunde muß nicht aus diesem Hause stammen, aber sie hat sich hier, soweit die Erinnerung reicht, überliefert. In ihr bestätigt Franz von Sonnenberg, Ritterlichen Johanniterordens Prior aus Ungarn Korn-mendator ( = Komtur) zu Villingen, dem Christian Weiß aus Obereschach den durch Einheirat und Erbfolge entstandenen und zeitweilig abhanden gekommenen Besitz des Wiedumb-Hofes. Gleichzeitig wird Weiß verpflichtet, jährlich auf Sankt Martin dem bestellten „Vikari oder Pfarre Neuhausen und des Filials zu Oberescha“ einen „Wiedumb-Zins“ zu entrichten. Die Bestätigung des Komturs erfolgt kraft seiner Eigenschaft als Obrigkeit, Pfarrherr und Collator ( = der, der das Recht hat, den Genuß irgendwelcher Einkünfte, einer Pfründe, zu übertragen). Christian Weiß hatte sich um die verlassenen „ungebauten“ Güter und die Aufrichtung von Haus und Scheune verdient gemacht. (Vermutlich hängt das mit dem Dorfbrand von 1633 und den weiteren Folgen des Dreißigjährigen Krieges, siehe am Schluß der Arbeit, zusammen.)

Gerade an dieser Urkunde wird deutlich, wie sehr man sich hüten muß, nur das herauszulesen, was man will und den Wunsch zum Vater des Gedankens zu machen. So heißt es nämlich “ . . . , neben Aufrichtung Haus und Scheune so alles an der Eschach gelegen.“ Direkt an der Eschach liegt unser Haus nun nicht. Dennoch darf man die Lagebezeichnung „alles an der Eschach gelegen“ nicht zu eng sehen, wie wir uns durch die Diskussion mit Pfarrer Zimmermann, Neuhausen, überzeugen ließen. Unmittelbar in der Fallinie liegt unterhalb der Kirche an der Eschach die ehemalige johannitische Zehntscheuer, die von der Dorfbevölkerung als solche bezeichnet wird. Erst vor wenigen Jahren wurde das Gebäude völlig um- und angebaut, doch hat man über der Toreinfahrt den alten Schlußstein mit dem Johanniterkreuz und der Jahreszahl 1751 wieder eingesetzt. Von hier aus, bachab-wärts, liegt der Jockelbuer-Hof, rund 80 Meter nordöstlich wenige Meter oberhalb am Hang. Wie der Versuch zeigte, kann man von dort einen Stein bis in den Bach werfen. Zwischen dem Jockelbuer-Hof und dem Bach liegt, etwas versetzt in der Niederung, das alte Gasthaus Linde. Es hat eine rückwärtige Anbindung zum Hang mit einem früheren Zugang zum oberen Saal gegenüber der uralten Dorflinde auf dem Grundstück des Jockelbuer-Hofs. Die Lage zum Bach und der ehemaligen Scheuer sowie die Zuordnung zur Dorfmitte sind noch kein Beweis für die Behauptung, der Jockelbuer-Hof sei das wichtige Widum-Gut.

Johanniterkreuz im Schlußstein über dem ehemaligen Scheuertor in dem als johannitische Zehntscheuer bezeichneten Gebäude. (Nach Umbau neu eingesetzt.) Im Zentrum des Kreuzesein Wappenschild mit kleinem Kreis in der Mitte.

 

Die Spannung, ist der Jockelbuer-Hof das Johanniter-Lehen Widumgut oder nicht, erhöhte sich. Noch einmal ließ sich für die Jahre 1810 und 1811, also bereits während der Zeit der Säkularisation, d. h. der Zeit der Überführung von Kirchengut in die weltliche Hand, im Dorfarchiv eine letzte späte Quelle mit dem Hinweis auf das „Widumgut“ entdecken. Inhaber des Gutes ist der „Widdumbauer Johann Flaig“.27) Bei seinem Namen setzten wir an und lenkten die Fährte in Richtung Kirchenbücher. Aber leider gab es sie nicht mehr, und niemand weiß, wo sie hingekommen sind.

Der Weg zur Diözese war zu umständlich. Da kamen uns Pfarrer Zimmermann von Neuhausen, der Inhaber des Jockelbuer-Hofs, Ludwig Kammerer, und die Urbaden der Johanniter zur Hilfe. Die Brücke aber schlug das „Verzeichnis der Geburten, Getrauten und Verstorbenen in Neuhausen und Obereschach, 1674 bis 1799, Abteilung Obereschach“, aufbewahrt im Pfarrhaus zu Neuhausen, jetzt Gemeinde Königsfeld. 2ö) Über dieses konnten wir die genealogischen Glieder fixieren und nahtlos vom heutigen Hofinhaber Ludwig Kammerer über den „Widdumbauer Johann Flaig, 1810/11“ bis zu Joseph Weiß, 1763, aneinanderreihen. Vom letzteren aber heißt es in dem Johanniter-Urbar von 1763, daß er „besizt das widum zu Ober-eschach welches guth, welches Anno 1354 (Zahl in Buchstaben) Burkhard Seng burger zu Rottweyl herr Walter zu Rechberg Commenthur zu Villingen samt dem Kirchensatz, groß und kleinen Zehenden verkauft . . „.29) (1666 ist der Widumbauer, wie weiter oben erwähnt, Christian Weiß. Die genealogische Verbindung zu Josef Weiß wurde nicht geprüft, weil sie für den Beweis nicht mehr von Bedeutung ist.) Der Widumhof des Joseph Weiß besitzt als reines Lehen nach dem „Bericht . . . „, a. a. 0., an Wiesen und vor allem Äckern ziemlich genau ( Rechenfehler in der Originalhandschrift) 87 Jauchert, 3 Fiirling (Vierling) und 30 Ruthen. Nimmt man den Jauchert mit 36 a an, dann sind das umgerechnet rund 31 ha, eine für damals riesige Fläche. 30) Nach dieser Quelle wird der Besitz noch durch Eigengut erweitert („aiigen thumlichen Güether“), und zwar 2 Jauchert, 1 Fiirling „aiigen äckher“, ferner für die „aiigen hof-stadt und garthen“ 3 Fiirling, also noch einmal rund ein ha. „Hofstadt“ muß nicht, wie wir in Fußnote 65) ausgeführt haben, gleich „Haus“ bedeuten. Im johannitischen Urbar von 1763, Stadtarchiv Villingen, AAA h 9, a. a. 0., finden wir allerdings ein entsprechendes Lehen, das wie folgt ausgewiesen ist : … item ein hofstatt, darauf das hauß steht und ein graßgarthen … . Dieses müßte demnach das Haus des Widumgutes sein.

Stellen wir abschließend fest: Zu den größten und geschichtlich bedeutendsten Höfen Obereschachs gehörte als johannitisches Lehen jahrhundertelang das Widumgut, das uns erstmals 1354 in einer Urkunde begegnet. Es ist mit dem heutigen Jockelbuer-Hof zweifelsfrei identifiert.

Wer waren nun diese Johanniter? Sie wurden als Orden nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer ab 1099 gegründet und erstmals 1113 bestätigt. Nach ihrer Vertreibung setzten sie sich 1310 zunächst auf der Insel Rhodos fest und verlegten ab 1530 ihren Sitz nach Malta. Jetzt nannten sie sich auch Malteser, wovon heute noch Organisation und Name des Malteser-Hilfsdienstes kündet. Die Angehörigen waren ritterlichen Standes. Die Ordensregel verband das Geistliche mit dem adligen Wesen, so daß wir von einem halbweltlichen Orden sprechen können. An der Spitze stand der Großmeister. Er wurde von acht Großwürdenträgern beraten. Die Heimatorganisationen waren in Priorate und Balleien, diese in Kommenden unterteilt, an deren Spitze ein Komtur stand.31) 1254, schon 4 Jahre nach dem Tode des großen Stau-fers Kaiser Friedrich II., der noch durch den Mauerbau Villingen zum vollausgebildeten städtischen Gemeinwesen gemacht hatte (um 1225), sprach Graf Heinrich von Fürstenberg von den „Bürgern unserer Stadt Villingen“. 1257 bezeichnen die Bürger selbst den Grafen als ihren Herren. Seit der Zeit des Interregnums hatte er als kluger und weitschauender Mann, verdient um König und Reich, der Stadt seine besondere Fürsorge angedeihen lassen, und er wollte sie offenbar zum Mittelpunkt seines Territoriums machen. Er war es, der 1257 die Johanniter nach Villingen berief. 32)

 

 

Das Haus des alten Widum-Hofes (= Pfarrhof I, Eigentum der Johanniterkommende Villingen seit 1354 und später ausgegebenes reiches Lehen, ist der heutige Jockelburehof am Kirchberg. Das Haus hat die alte Form des „alles unter einem Dach „. Vgl. Seite 33 ff..

 

Ihre Niederlassung war in dem Viertel zwischen Bikkenstraße, Gerberstraße, Schaffneigasse, östlich begrenzt durch die Ringmauer. Die ehemalige Johanni-terkirche ist die in diesem Jahr vorzüglich restaurierte Johanneskirche der evangelischen Gemeinde an der Gerberstraße. Die Johanniter wurden zu einem wirtschaftlichen und politischen Machtfaktor inner- und außerhalb der Stadt.

Im Zusammenhang mit Obereschach werden die Johanniter für uns noch vor dem oben abgehandelten Vertrag von 1354 faßbar. Die früheste Urkunde, die wir ermitteln konnten, stammt vom 21. April 1315. Es ist ein Tauschvertrag mit Burkart Hemerlin, Bürger von Villingen, in dem die Johanniter zwei Güter zu Obereschach abgeben. 33)

Das unverwechselbare heraldische Abzeichen sind die acht Spitzen des heute sogenannten Malteserkreuzes, das wir im neuen Wappen Obereschachs neben dem Fisch wiederfinden. Die acht Spitzen deutet man auf die acht Seligkeiten. 34) (Wir treffen das Kreuz selbstverständlich in Villingen sowie in Bad Dürrheim, Weigheim und Neuhausen (Gemeinde Königsfeld) an, wo die Johanniter ebenfalls die Dorfherren waren.)

Am 1. Mai 1386 verkaufen „Voltz und Cunrat von witingen ritter gebrüder “ und weitere Teilgenossen deren „aigen Burgstal ze Oberäscha gelegen bi der kilchen und den Bongarten dar inne“ mit „zugehörde, nutzen und rehten “ an die Johanniter- Kommende zu Villingen.35)

1981 ist, postkartengroß, ein nicht autorisierter Privatdruck über die “ Geschichte des Johanniterhofs Obereschach “ erschienen. 36)

Darauf wird zurückzukommen sein. Der anonyme Verfasser behauptet, „1361/Am 1. Mai erwirbt der Johanniterorden Burg- und Stallanlagen des Grafen von Urach in Obereschach. Diese werden fortan landwirtschaftlich genutzt.“ Diese Behauptung ist nach unserer Quellenkenntnis, wie gezeigt, hinsichtlich Jahreszahl, Person des Verkäufers und Verwendungszweck als Folgewirkung unrichtig. Vor allem gilt das für die Angabe “ Burg und Stallanlagen „. Der Verfasser kennt den Begriffsinhalt “ Burgstall “ nicht. Zwar verbindet sich mit diesem Wort der Bezug zu einem Ritter- oder Adelssitz, es wird jedoch damit gleichzeitig deutlich gemacht, daß eine ehemalige Burg entweder nur noch als Ruine oder überhaupt nicht mehr vorhanden ist. (— stall = Stelle) 37 )

Für uns ist es der bedeutsame Hinweis, daß ein ritterlicher Burg- und vielleicht Dorfherr einmal vorhanden war, wahrscheinlich bei der Gründung des Dorfes, dessen Herrschaft aber im 14. Jahrhundert zeitlich schon soweit abhanden gekommen war, daß das Bewußtsein an ihn sich noch nicht einmal in der Urkunde von 1386 erhalten hat. 38)

Die Johanniter sind über die Jahrhunderte hinweg in Obereschach reich begütert an Hofstätten, Wiesen, Felder, Äcker, Gärten, Wald und damit an zahlreichen Höfen. Sie sind Grundherren, die das jeweilige Eigentum verschiedenartig als Lehen an Bauern ausgeben gegen differenzierten Lehenzins. Wir betonen wiederholt, daß ein Fronhof der Johanniter als selbstbetriebene Hofstatt 39) mit Flur unter einem Meier (oder Schaffner, was das gleiche sein kann), quellenmäßig nicht belegbar ist. Nichtsdestoweniger gibt es priviligiertes Bauerngut, das als johannitisches Eigentum, wie dargelegt, aus dem 14. Jahrhundert stammt und als jahrhundertelanges Lehen ausgegeben ist. Dafür finden wir den Sitz des Johanniterschaffners nach späteren Quellenangaben des 16. und 17. Jahrhunderts in Villingen selbst. (Die Schaffneigasse in Villingen erinnert noch daran.) 40)

Schaffner ist eben auch der Verwalter, Notar, Steuer-einzieher, Gerichtsbeamte usw. einer solchen klösterlichen Institution.

Am 26. April 1390 tritt das Ereignis ein, das für 415 Jahre den Johannitern über den Grundherrenstatus hinaus die Dorfherrschaft bringt.

„Walther der Lächler, Heinrich des Lächlers, seligen Sohn von Villingen, schenkt bei seinem Eintritt in den Johanniterorden dem Grafen Frydrich von Zolrre als Comthur des Ordenshauses zu Villingen sein Dorf Oberäschach mit Zustimmung des Grafen Heinrich vom Fürstenberg als Lehensherren und mit Willen seines Bruders Cunrats des Lächlers. 41)

In einer gesonderten Urkunde vom 20. Mai 1390, also drei Wochen später, bestätigt Hainrich von Fürstemberg nochmals ausdrücklich, daß er auf Wunsch seines “ ohan (Oheim) von Zolrr“ diesem und dem Johanniterhaus zu Villingen das Dorf Obereschach, das zuvor noch Lehen des Lächlers war zu „aigen “ gibt, und zwar „mit allen sinen rehten, nutzen und zugehörden “ usw…. 42)

Aus der Lehensvergabe an den Lächler wurde nun eine Schenkung an die Johanniter, die selbstverständlich neue Rechtsverhältnisse schuf. Dorfherrschaft im allgemeinen bedeutet grundsätzlich Zwing und Bann, d. h. Befehls- und Strafgewalt, Gebot und Verbot und nicht zuletzt die Niedergerichtsbarkeit. Es ist sicher, daß wir diesen Rechtszustand im Wandel der Jahrhunderte für Obereschach nicht zu idealtypisch sehen dürfen. Die Dorfgemeinschaft hatte, ab wann und in welchem Umfang auch immer, durch ihre Ettergerichtsbarkeit daran Anteil und ebenso die Stadt Villingen, wie exemplarisch aus späteren Urkunden zu schließen ist. 43)

Auch Rottweil hat über sein königliches Hofgericht immer wieder nach Obereschach hineingewirkt, wenn auch in anderer Eigenschaft. 44)

Dasselbe gilt für die Fürstenberger.

Wie die Zuständigkeiten der Johanniter kurz vor Ende ihrer Dorfherrschaft beschaffen waren, erfahren wir u. a. 1793 aus dem “ Lagerbuch über die der Johanniter-Ordenskommende Villingen in Obereschach zuständigen Rechte, Gerechtigkeiten, Gefälle, Güter, Frohnden, Zinsen und Zehnten „.45)

 

Ausschnitt einer Abschrift des Schenkungsbriefes aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe, mit dem Hainrich der Lächler 1390 sein Dorf Obereschach den Johannitern überträgt. ( Siehe hierzu auch die vorangehende Textseite)

 

Die Aufzählung deutet schon an, wo es Zuständigkeiten der Johanniter gab. In dem „Flecken“ Obereschach besitzen sie die Gerichtsbarkeit aber „ohne Criminalgerichtsbarkeit und Malefiz“, d. h. der Hochgerichtsbarkeit (siehe weiter oben), die anscheinend seit 1595 beim Stadtgericht zu Villingen liegt. 46 )

Dorfherrschaft heißt nicht auch Territorialherrschaft bzw. Landeshoheit. Während für die nahe Stadt Villingen seit 1326 der Landesherr die Habsburger sind und Villingen damit eine vorderösterreichische Stadt ist, vermögen wir nicht zu sagen, in wessen Hoheit das Gebiet nördlich Villingen gehört; es gibt nur zwei Möglichkeiten: Die Baar-Grafschaft Fürstenberg oder Habsburg. Man könnte indirekt schließen, daß durch die Zuständigkeit der Stadt Villingen bei der Hochgerichtsbarkeit die Landesherrlichkeit bei Österreich liegt. Andererseits gibt es einen aufschlußreichen Hinweis von 1483 vor dem Gericht der Johanniterkommende Villingen : Der Anwalt des Grafen von Fürstenberg als Landrichter klagt gegen Vogt, Richter und Gemeinde zu Neuhausen und Obereschach, welche die Kompetenz des Landgerichts in der Baar nicht anerkennen. Die von zehn Personen erhobene Kundschaft bestätigt die Kompetenz des Landsgerichts.47) Hier bleiben Fragen offen. —

Dorfherrschaft heißt ebenfalls nicht, daß damit den Johannitern alle Häuser, Hofstätten und aller Grund und Boden gehört hätte. Sie besaßen zwar die meisten ausgegebenen Einzellehen, besaßen auch die größte Fläche offener Flur und die meisten Hofstätten, aber sie waren aufgrund der geringeren Größe der Waldflächen noch nicht einmal der größte Grundherr, soweit es die Urkunden von 1763, 1766 — 69, a. a. 0., für das 18. Jahrhundert belegen. In diesen Jahren beträgt die gesamte johannitische Lehensfläche um 433 Jauchert = rd. 156 ha an Wald und Flur bzw. Hofstätten. Den größten Grundherr werden wir noch nennen. Im Jahre 1553 sind es etwa neun unterschiedliche Lehen im „Flecken“ Obereschach, 1763 registrieren wir im Urbar, a. a. 0., 18 Namen, deren Träger die unterschiedlichsten johannitischen Lehen inne haben. Einmal besitzt der jeweilige Lehensnehmer eine Hofstatt oder gleich zwei bzw. drei, mit Äckern, Feldern, Wiesen, Baumgarten, Krautgarten, Wald u. a., ein andermal ein Haus — oder eine Teilauswahl der Genannten. Ein Kapitel für sich ist in diesem Zusammenhang die personale Rechtsstellung des Lehensnehmers und überhaupt der Menschen im Dorf. Sicherlich wäre es wünschenswert, etwas über die persönlichen Abhängigkeiten, insbesondere die Leibeigenschaft, die selbstverständlich mehrfach belegt ist (s. Quellenheft a. a. 0.), mitzuteilen. Diese Materie ist allerdings so komplex, daß wir ihr hier ebenfalls nicht nachgehen können. Wir verweisen lediglich auf das nachfolgend erwähnte “ Fastnachts-Huhn“, nach dem Fälligkeitstermin so genannt, eine Kopfsteuer, die ein personal bindendes Verhältnis belegt. Die Inhaber von Lehen haben, je nach der Art des empfangenen Gutes, ohne Zweifel differenzierte personalrechtliche Bindungen an den Lehens- und Dorfherren. Es können Hörige, Halbhörige oder freie Bauern sein; aber wie angedeutet, interessiert uns hier nur das Lehen als ein vom Grundherrn ausgegebenes dingliches Nutzungsrecht gegen Zahlung von Abgaben.

Neben den johannitischen Lehen gibt es solche der Klöster St. Georgen, St. Blasien und Berau, nördlich Waldshut, ganz abgesehen von sonstigen, im Laufe der Jahrhunderte wechselnden Grundherren, etwa dem Münster zu Villingen, Stadtbürgern von Villingen und Rottweil u. a.. Unübersehbar ist auch das wiederholte Vorkommen von „aigen guth“ (Eigengut), d. h. von sogenanntem Allodium oder auch Freigut, das im Gegensatz zum Lehen entweder ganz oder wie auch im Falle Obereschachs zwar unmittelbar frei von Abgaben war, aber über die „gmeind zu Ober Eschach“ als solche den Johannitern mit Kleinzehnten pflichtig war. 48 )

Ein Lehen der Johanniter oder anderer Grundherren kann im übrigen — ebenso wie ein Eigengut — von einem als „Meier“ bezeichneten Inhaber besetzt sein, ohne daß es sich deshalb um einen Fronhof handelt. 49)

Neben des immer wieder umstrittenen Umfangs und der Zuständigkeit bei der Gerichtsbarkeit, ist der Zehnte mit das vornehmste Recht des Dorfherrn. Als Zehnten fordern die Johanniter den „Großen Zehend, Heu-Zehend, Blut- und Kleinzehend. Von gewissen Bauern und vermutlich Grundgärtner (die Handschrift war im Generallandesarchiv Karlsruhe nicht zu entziffern) „in- und außerhalb Etters“ wurde der Heu-Zehend gefordert, soweit sich das Dorfes Obereschach Markung, Zwing und Bann erstreckt …“; beim Kleinzehend: „von allen Gattungen Obst, Kraut, Rieben, Zwiebeln, Erdäpfel ( ! ), Bohnen, Hanf, Flachs. Obligatorisch ist auch die Lieferung des „Faßtnacht-Huhns“, ein Bagatellzins, der nur zur Anerkennung des bestehenden, persönlich verpflichtenden Rechtsverhältnisses gezahlt wird. Die „Halbhöfler und Taglöhner bezahlen solche in Geld .

Der Bach, die Äschach, war herrschaftliches Fischwasser, das verpachtet wurde und worüber es Akten aus der Zeit von 1586 bis 1835 gibt.51)

Ein wiederum anderer Bereich ist die „Gemeinde Obereschach“. Grundsätzliche Ausführungen hat K. S. Bader in seinen umfangreichen Abhandlungen über „Dorfgenossenschaft und Dorfgemeinde“ sowie „Das mittelalterliche Dorf als Friedens- und Rechtsbereich“ gemacht. 52)

Es ist einmal mehr die Spitze der Spitze eines Eisberges, was hier im Falle Obereschachs sichtbar wird. Unabhängig von den grund-, dorf – und territorialherrlichen Rechtsverhältnissen gibt es einen Bund der Dorfgenossen, etwa bei der Nutzung gemeinschaftlicher Einrichtungen und Gemeinland, das wir als Allmende für Obereschach bereits mit dem Jahr 1354 (s. weiter oben) nachgewiesen haben. Exakter als eine Urkunde von 1482 53) belegt uns die bereits oben zitierte Quelle von 1483 ( Fußnote Nr. 47) das Vorhandensein von Vogt, Richter und Gemeinde. „Auf keinem Gebiet dörflichen Rechtslebens begegnen wir größerem Durcheinander als auf dem der Gerichtsverfassung“, schreibt K. S. Bader. 54) Wenn er u. a. von Dorfgerichten spricht „deren Funktionen nicht über kleine Gegenstände des dörflichen Alltags hinausreichen“, mit „mehr oder minder schiedsrechtlicher Prägung“ 55), dann ziehen wir diese Formulierung für Obereschach vor, denn tatsächlich dürfte das Dorfgericht gänzlich unter „herrschaftlicher Obhut“ der Johanniter bis zum Ende deren Herrschaft gestanden haben. Die Urbarien der Johanniter nennen uns eingangs stets Zahl und Namen des Vogts und der Richter. 1763 sind es ein Vogt und dann als „Richtere“ ein Untervogt und acht weitere Namen. 56) Der Dorfvogt ist mit der Überwachung der herrschaftlichen Rechte, also der der Johanniter, beauftragt. Dieser Dorfvogt wird wenigstens für den Alltag anstelle der Johanniter selbst tätig. Daß in Obereschach neben den Vogt ein Untervogt tritt, scheint kein Widerspruch zu den Ausführungen von Bader zu sein. Einerseits ist der Vogt Stellvertreter und Vertrauensmann des Herrn, andererseits ist er Treuhänder der Dorfgenossenschaft; ein schwieriges Amt, zumal er, wie Untervogt und Richter, aus dem Kreis der Dorfleute stammt. Wie wir aus der Urkunde von 1483 (s. weiter oben) wissen, tritt auch hier in Obereschach in der Formel „Vogt, Richter und Gemeinde“ die Dorfgemeinde selbst handelnd auf. 57) So wie Lehensnehmer wird vom Dorfherren, den Johannitern, auch, wie erwähnt, die „gmeind zu Ober Eschach“, (Urbar 1763,a. a.0.), also die Abstraktion der Dorfgenossen, auf die ja nicht unbeträchtliche, nämlich lt. „Bericht“ a. a. 0. fast ebensoviele Grundflächen als Eigengut entfallen, mit Naturalzehnten und Geldzins (Gulden) zur Kasse gebeten.

In einer Publikation wie dieser müssen wir es uns versagen, zu ausführlich in die wissenschaftlich breite Erörterung einzutreten, um den Leser nicht über Gebühr zu strapazieren. Andererseits läßt sich eine bestimmte Grenze wissenschaftlichen Anspruchs auch nicht unterschreiten. Wir wollen uns bemühen, in einer abschließenden Betrachtung mit der erforderlichen Sorgfalt ein zweites „Haus“ im Rahmen einer Hofstatt und diese wieder in der Einbindung in einen Hof zu bestimmen, ein Haus, das sich mit politischen und wirtschaftsgeschichtlichen Beziehungen zu den vergangenen Jahrhunderten darbietet.

„Zu bestimmen“ heißt andererseits auch, Behauptungen zu widerlegen, die im Zusammenhang mit der lobenswerten Restaurierung des sogenannten Bruckbuerehofs aufgestellt wurden. Gemeint ist der weiter vorne schon zitierte Privatdruck, „Geschichte des Jo-hanniterhofes Obereschach“.

1.“Den“ Johanniterhof hat es nie gegeben! Alle den Johannitern gehörenden Grundstücke, Hofstätten und Gebäude waren Lehensgüter. Es handelt sich in Obereschach um einen örtlichen Hofverband der Grund- und Dorfherrschaft Johanniterkommende mit Schaffner und Schaffnei in Villingen, neben anderen Grundherren. Dies beweisen uns sämtliche Urbarien oder Berainungen der Johanniter und anderer. Selbst die Hofstatt in der die „Criminalgefängnußen “ (Ortsarrest) untergebracht war und wo „sich ein regierenden Herr Commenthator (= Komtur) öfters in selbigem Hauß aufgehalten“, ist johannitisches Lehen und zumindest zu 50 % nicht zu lokalisieren, denn was dieses Gebäude anbetrifft, so besteht das Lehen u. a. aus zwei „Hoffstat“, davon die eine auf dem Gewann „Steinath“. Lehensnehmer ist 1763 Philipp Widmann für das Haus des „Gefängnisses“. 58) Die Bezeichnung „Der Johanniterhof“ erweckt den Eindruck eines gegenüber anderen Höfen herausgehobenen Hofes, mit dem sich eine besondere Stellung verbindet. Für die mittelalterliche Rechtsgeschichte käme hier nur die Konstruktion eines Meier-, Amts-, Fron-, Saal -, Ding- oder Kelnhofs in Frage. Ein solcher ist für Obereschach nicht nachweisbar und außerdem unwahrscheinlich, nach all unseren Erkenntnissen, insbesondere über die Organisationsstruktur der Johanniter. Wenn schon, dann wäre hier in einem solche Hofe die „Gefängnußen“ und wäre hier der Johanniterkomtur bei seinem Aufenthalt im Dorfe abgestiegen, nicht aber in einem Lehens-hof.

2. Soweit die Daten des Bruckbuerehofs quellenmäßig gesichert sind, reichen sie nicht allzuweit zurück. Die den Grundbucheintragungen zweifellos vorausgehenden Aufzeichnungen des 19. Jahrhunderts sind vor dem Jahr 1864 weder hinlänglich ermittelt noch erforscht. In diesem Jahr stirbt der bisherige Eigentümer, Landwirt Blasius Säckinger, und seine Frau Anastasia erbt den Hof.

3. Die übrigen Angaben des Privatdrucks sind entweder so unrichtig oder ungenau, daß wir uns eine Widerlegung ersparen. Es ist derzeit nur gerechtfertigt, die alte Bezeichnung „Bruckbuerehof“ weiter zu verwenden. — Aufschlußreich ist, daß über die Bezeichnung „Der Johanniterhof“ niemand mehr erstaunt war, als die alte informierte Bevölkerung Obereschachs.

Nicht zu widersprechen ist jedoch der Annahme, daß es sich beim Bruckbuerehof um eines der jo-hannitischen Lehen gehandelt haben könnte, eingedenk dessen, daß auch jede andere Lösung möglich ist. — Soweit zum Thema „Der Johanniterhof „.

Als wir uns zu Beginn unseres Beitrags für das Jahr 1339 mit einem Rechtsstreit um den St. Georger-Hof zu Obereschach beschäftigten, kam es uns nur darauf an, zu zeigen, welches Gericht damals zuständig war.

Mehr zufällig entdeckten wir später annähernd 20 weitere Urkunden, als wir die Ereignisse der nächsten Jahrhunderte sichteten. Allmählich wurde klar, daß es sich um einen der bedeutendsten Höfe des Dorfes handeln muß.

Das Benediktiner-Kloster St. Georgen wurde 1084, während der Ausbauzeit, in der heutigen Stadt St. Georgen im Schwarzwald auf der Fläche im weiteren Bereich der Robert-Gerwig-Schule gegründet. Es erwarb reichen Grundbesitz. Als Folge der Einführung der Reformation im damals württembergischen Territorium wurde es aufgehoben.

„Als durch den Augsburger Religionsfrieden (1555) die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in das alte Kloster St. Georgen immer geringer wurde, ließen sich schließlich Abt und Mönche in dem damaligen Pfleg-hof des Klosters, der später sogenannten Alten Prälatur, in Villingen nieder. Dieser Pfleghof war schon im 15. Jahrhundert gebaut, und es war in ihm bereits am 5. Mai 1487 eine Kapelle geweiht worden.“ 59)

Der Villinger Klosterbereich mit großer barocker Kirche, altem Gymnasium und Konventsgebäuden (heute Realschule), Alte Prälatur und Zehntscheuer ( heute Wohngebäude) füllt die gesamte Nordwestecke der Stadt an der inneren Ringmauer. Wir waren fast sicher, daß ein Begriff wie „St. Georger-Hof“ sich im Bewußtsein der Bevölkerung erhalten haben müßte. Zu unserem Erstaunen fragten wir vergeblich danach, niemand kannte den Namen. Zunächst waren wir entschlossen, einem scheinbar anderen stattlichen Hofgebäude nachzugehen. Im Zentrum des Dorfes, dort wo sich die von Villingen den Berg herunter-führende Landstraße in Richtung Neuhausen und Nie-dereschach gabelt, bildet der Giebel eines alten Bauernhauses den optisch-architektonischen Abschluß. Man bezeichnet dieses Haus in der Bevölkerung als den Harzerhof. Es war auch nicht schwer zu erfahren, daß die früheren Inhaber Erblehenbauer gewesen seien. Früher hätte der Bauer sogar auf eigenem Grund entlang der Eschach zwei Kilometer aufwärts gehen können, um in seinen großen Harzerwald zu kommen, der noch heute so heißt, obwohl er seit rund 140 Jahren Staatsforst ist. Jedoch zurück zu unserem St. Georger-Hof. Wir fanden einen Hinweis, daß sich die Abtei St. Georgen und die Johanniter in Villingen, die ja Dorfherren sind, im Jahre 1525 über eine Gült ( = steuerliche Abgabe, Zins) einigten. 60) Im johannitischen Urbar von 176361) fand sich erneut eine Vereinbarung zwischen St. Georgen und den Johannitern, die auch auf das Jahr 1525 bezug nimmt. Hier wird ein „Desiderius Lauffer Deß Gottes Haußes St. Geörgen auf dem Schwarzwald Lehen-Meyer“ genannt. Als sich dieselbe Konstellation im sogenannten „Bericht …“ der Dorfgemeinde aus der Zeit zwischen 1766 bis 176962) wiederfand und der Verfasser sich dem Ortsvorsteher gegenüber etwas verzweifelt zeigte, klärte sich plötzlich alles auf. Deside-rius Lauffer, so sagte der Ortsvorsteher, gehöre in die Familie seiner Frau und die stamme vom Harzerhof. Seine Schwägerin, Monika Storz, geborene Laufer, war dann in der Lage, uns die Glieder der genealogischen Kette bis hin zu Desiderius Lauffer aufzureihen. 63) Mit dieser nahtlosen Reihenfolge, von den späteren Eigentümern zu den früheren Erblehenbauern, ist der Beweis gelungen, daß der Harzerhof inmitten des Dorfes ein Teil, und zwar der größte, des St. Georger -Lehenshofes ist, den wir 1339 erstmals urkundlich fassen konnten. Tatsächlich besteht das St. Georgische Lehen in Obereschach nach der Quelle von 1766 bis 1769 aus vier Teilen :

So heißt es auf Seite 147: „Johannes Müllheiser besitz ein St. Georgen Löhen und zwar … Hofstadt und garten . . .“. Es umfaßt 16 Jauchert, das sind ungefähr 6 ha. 64) Ein „St. Georgen -Löhen“ findet sich in der genannten Quelle für Bernhardt Rodtler, der einen Lehen-Garten und einen Baumgarten besitzt, jedoch keine „hofstadt“.65) Sein Lehen ist 18 Jau-chert groß = 6,5 ha. Ferner besitzt Sebastian Sternen sel. witib ein St. Georgen und ein Pfarrmünsterlehen . . . . Hier beträgt die Größe des St. Georger Anteils 16 Jauchert, d. h. 6 ha.

 

Die ursprüngliche und typische Konstruktionsweise in der Hausbaulandschaft Schwarzwald – Neckareinzugsbereich ist die Bohlen -Ständerkonstruktion. Das gilt nicht nur für den ländlichen Raum. Man muß sie auch für die Hausbauweise in der Stadt — also z. B. Villingen — für die Zeit des Mittelalters annehmen. Das hier abgebildete Haus des „Harzerhofs“ zeigt nach Abnahme des Verputzes im Sommer 1983 die horizontal liegenden Hölzer der alten Konstruktion, die nach 1633 erstellt wurde. Die Vertikale der Architektur wird durch die sogenannten Ständer markiert. Die Fassade besitzt das originale Aussehen einer „auf Sicht“ gearbeiteten Bauweise. Als Haustyp ist es eine Modifikation des „Gutacher Hauses“ ( nach Schilli ). In einer späteren Phase wurden handgeschnitzte Holznägel in die Bohlen eingeschlagen, um die Außenseite verputzen zu können. Dafür gibt es brand – und wärmetechnische Gründe. ( Siehe hierzu die Abbildungen auf dieser und der nächsten Seite)

 

 

„Harzerhof “ Detail der holzgezimmerten Ständer -Bohlenkonstruktion, wie sie für alle alten Schwarzwaldhäuser typisch ist.

 

Handgeschnitzte und in die Fassade eingeschlagene Holznägel, um dem später aufgebrachten Putz Halt zu geben.

 

Das mit Abstand größte Lehen aber ist als viertes, in dem „Bericht“ als erstes genannt, das des „Desederius Lauffer, der mahlen Under vogt“, wie wir ab Seite 57 des „Berichts . . .“ (a. a. 0.) erfahren. 13 Seiten lang ist der Foliant gefüllt mit Angaben über Wiesen, Äcker, Gärten, Feld und Wald. In Verbindung damit werden zwei „Hofstatt“ genannt. Die kleinere davon liegt „Im altwög“. Das ist zweifellos das heutige Gewann „Am Altweg“ (Auf der Breite), etwa 400 m Luftlinie nordöstlich des Harzerhofes, westlich der Landstraße nach Niedereschach. Die zweite besitzt eine Lagebeschreibung, die wir zwar nicht einordnen können, die aber zweifelsfrei mit dem Standort des Hauses „Harzer hof “ anzunehmen ist. Faßt man das Lehen des Desederius Lauffer, nur auf das Maß der Jauchert bezogen, zusammen, so entfallen auf Feld, Äcker, Wiesen und Gärten 97 Jauchert = 30 ha; dazu kommen 7 Jauchert Eigen, d. h. ihm gehören sie als Eigengut. Die Waldfläche dagegen ist mit 316 Jauchert angegeben, das sind, sage und schreibe, 114 ha! Aufschlußreich ist der Name „Harzerwald“, der in diesem Zusammenhang, also schon 1766 bis 1769, erscheint. 66) Jetzt wird auch verständlich, weshalb sich fast legendenhaft, wie erwähnt, in der Bevölkerung das Wissen gehalten hat, daß der Harzerbuer auf eigenem Grund und Boden entlang des Baches bis in den 2 km entfernten Harzerwald gehen konnte.

Verbindet man diese 4 Lehen, bestehend aus drei Hofstätten, Wald und Flur, zum Rechtsbegriff „Hof „, dann wissen wir jetzt, daß der berühmte „St. Georger – Hof“ um 1766 eine Größe von insgesamt 167 ha umfaßte, davon 114 ha Wald und 53 ha Flurteile. Bezogen auf die damalige Zeit sind das gewaltige Ausmaße.

Zu den erstaunlichen Ergebnissen dieser Arbeit gehört folgende Feststellung: Die Johanniter sind zwar die Dorfherren, mit allen sich daraus ergebenden rechtlichen Konsequenzen, aber das Kloster St. Georgen zu Villingen ist mit seinem Hof, bestehend aus nur vier ausgegebenen Lehen, mit rund 463 Jauchert = 167 ha der größere Grundherr. Unterstellt man, daß St. Blasien, Berau oder sonst ein Grundherr keinen größeren Besitz hatte, und das kann berechtigt angenommen werden, bleibt dem Kloster St. Georgen zu Villingen die Krone des größten Grundherren in Obereschach. Das jetzige alte Haus des Harzerhofes ist ein Denkmal aus der Geschichte des Dorfes Obereschach! Mit ihm verbindet sich außerdem noch ein besonderes Schicksal aus kriegerischer Zeit. Dieses wurde zugleich zum Schicksal des ganzen Dorfes. Im Dreißigjährigen Krieg, in der Nacht des 23. April 1633, überfielen kaiserliche Reiter der Garnison des Obristen Äscher aus Villingen, unter dem Kommando von Hauptmann Störckhlin und Leutnant Simon Tanner, einen Hauptmann mit zwei Fähnlein, der mit den Schweden verbündeten Württemberger, auf dem Weg nach Rottweil, im Dorf Obereschach. Der Feind wurde aufgerieben, wobei er etwa 40 — 50 Tote opferte und ebenso viele Gefangene verlor. Der Benediktinerabt Georg II. Michael zu Villingen berichtet unter dem 24. April 1633, in seinem Tagebuch, aus dem Lateinischen übersetzt, wörtlich: Sobald Oberst Rau (das ist der württembergische Befehlshaber in Rottweil, der Verfasser) von der Schlappe in Ober-Eschach genaueres erfuhr, schäumte er vor Wut über den Verlust seiner Kameraden und entsandte sofort einige Reiter, die den Ort der Schlappe zur Vergeltung niederbrennen sollten. So sahen wir um 10.00 Uhr gewaltigen Rauch aufsteigen und erblickten kurz darauf auch mit großer Betrübnis — was wir vermutet hatten — Bauern, die mit ihren Pferden querfeldein flüchteten, denen dann viele verwundet sogleich folgten. 14 Häuser gingen in Flammen auf, darunter auch der Hof meines Klosters.67) Soweit der Althausbestand in Obereschach noch erhalten ist, dürfte er danach nicht älter sein als nach dem Jahre 1633, zumal die Raumschaft Villingen bis September 1634 nicht frei von feindlichen württembergischen Truppen war. Die Zahl von 14 abgebrannten Häusern deckt sich übrigens mit der Zahl aus den Gebäudeversicherungsakten Obereschachs von 1933, wo 14 Hausbesitzer in Eigenschätzung das Alter ihres Hauses zwischen 200 und 350 Jahren angaben.

Vieles ist uns auf unserem Streifzug durch die Geschichte Obereschachs, einst ein Dorf der Johanniter, begegnet, das sich lohnen würde, wissenschaftlich aufbereitet zu werden. Es ist das Los eines solchen Beitrags, daß er sich, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, im Umfang bescheiden muß. Könnte er jedoch Anstoß sein, für den einen oder anderen Bürger aus Dorf und Stadt, weiter zu forschen, hätte einmal mehr der Geschichts- und Heimatverein Villingen seinen Auftrag erfüllt.

1) Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 21. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin —New York, 1975, Seite 33

2) Quellenheft zur älteren Geschichte des Dorfes Obereschach, Ortsarchiv Obereschach, Auswahl und Bearbeitung Rudolf Janke, Obereschach 1982, Seite 1. Das „Topographische Wörterbuch des Großherzogtums Baden „, bearbeitet von Albert Krieger, 2. Band, Heidelberg 1905, nennt in Spalte 534 den Ort „Obr. Ezza 1260 Cod. Sal. 2.32 (Siegellegende)“. Demgegenüber heißt es im „Codex Diplomaticus Salemitanus“, Urkundenbuch der Cisterzienserabtei Salem, Herausgeber Dr. Friedrich von Weech, zweiter Band, Karlsruhe 1886, Seite 31: „1269. Juni 7. Konstanz. Bischof Eberhard II. von

3) Konstanz beurkundet die letztwillige Verfügung des Plebans von Münchweiler…“. Dieser Hinweis wurde von Herrn Rudolf Janke gegeben, der darüber Auszüge der Textstellen vorlegte. Es scheint, daß die Zahl 1260 aus der zeitlich jüngeren Quelle von 1905 ein Abschreibfehler ist.

4) Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen, bearbeitet von Hans-Josef Wollasch, Ring-Verlag Villingen, 1971, Band I, Urkunden, Seite 20, BB31 92

5) Vgl. u. a. G. Haselier, Geschichte des Hotzenwaldes, Moritz Schaumburg Verlag, Lahr 1973, S. 29

6) Vgl. Rolf Sprandel, Verfassung und Gesellschaft im Mittelalter, Schöningh Verlag, 2. Auflage 1978, S. 194

7) Vgl. K. S. Bader, Das mittelalterliche Dorf als Friedens- und Rechtsbereich, Böhlau Verlag Köln/Wien /1981, S. 259

8) K. S. Bader, Das mittelalterliche Dorf, a. a. 0., S. 260

9) Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Herausgeber L. J. Mone, 8. Band, Karlsruhe 1857, S. 469. Dort heißt es für den Aufbewahrungsort der schriftlichen Quelle „Orig. im Vill. Comm. Arch.“ Diese Urkunde fehlt aber in den Regesten des bereits zitierten „Inventars über die Bestände des Stadtarchivs Villingen“ — sowohl in Band I und II — Urkunde in: GLA /K /BR. 20 /Conv. 123/J. A., zitiert nach Quellenheft, a. a. 0., S. 4, Nr. 1609. Der Textinhalt liegt bei Mone vor.

9a) Eine merkwürdige Konstellation ergibt sich aus den Hinweisen im „Quellenheft . . .“ — künftig nur als „Quellenheft“ bezeichnet — aus dem Ortsarchiv Obereschachs, a. a. 0., Seite 3, Nr. 1607 und 1608: Unter dem 23. Februar 1354 übergeben möglicherweise verwandte oder nicht verwandte Personen einmal vor dem Gericht in Rottweil und einmal vermutlich vor dem in Villingen, je einen Hof, „in den der Kirchensatz gehört „, an die Gebrüder Seng, die diese Höfe dann zwei Tage später an die Johanniter verkauft haben.

10) Maschinenschriftliche Vervielfältigung „St. Ulrich in Obereschach“, Text und Bilder H. Ginter — mit dem erläuternden Hinweis „Nachweis des Herkommens kann nicht erbracht werden, vermutlich handelt es sich hier um „Freiburger Kirchenblatt“ der Diözese Freiburg i. Br. zu Ende der 50er Jahre“. Abschrift: Rudolf Janke, Obereschach 1982, erhältlich über Ortschaftsverwaltung.

11) Zeitungsartikel von Josef Kuner (Pfarrer in Obereschach I „Orkan verhalf Obereschach zu einer neuen Kirche“ — ohne Quellenangabe — in : Badische Zeitung, 29. November 1952 (?)

12) Dafür spricht die Urkunde von 1386 über den Verkauf des Burgstalls „gelegen bi der Kilchen “ an die Johanniter, siehe hierzu weiter unten. — Von Herrn Albin Kammerer, vom Jockelbuer -Hof erhielt ich den Hinweis, daß man bei der Bestattung seiner Großmutter (1930) an der östlichen Kirchhofmauer auf Fundamente gestoßen sei, von denen man vermutete, daß sie zur alten Kirche gehört hätten. Das erlaubt zumindest die naheliegende Vermutung, daß die frühere Kirche geostet war.

13) Matthias Lexers, Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch, 36. Auflage, S. Hirzel Verlag Stuttgart, 1981, S. 421

14) K. V. Bülow, Geologie für jedermann, Franckh ’sche Verlagshandlung, Stuttgart, 9. Auflage, S. 145

15) „Bericht . . . (über Grundstücksangelegenheiten)“ so bezeichnet auf der ersten und zweiten Innenseite eines Folianten mit der Aufschrift „Nr. 2“, einem handschriftlichen Urbarium der Gemeinde Obereschach, von 1766 — 1769, aufbewahrt im Ortsarchiv Obereschach; als künftige Quellenangabe bezeichnet mit: „Bericht . . . „. Hier fand sich auch der der Ausdruck „Mergelgrube“. Eine andere in die Gegenwart reichende Bezeichnung für das Grundstück lautet „Spuntenhütte“. In den 1930er Jahren wurden hier nämlich auch „Knallkorken“ und andere pyrotechnische Artikel hergestellt.

16) Auskunft von Herrn Franz-Karl Storz, Sägewerk, Obereschach, Kapellenweg 13, bestätigt durch Herrn Ortsvorsteher Hermann Beha.

17) Erich Bayer, Wörterbuch zur Geschichte, Kröner Verlag Stuttgart, 4. Auflage, 1980, S. 404 und Haberkern/Wallach, Hilfswörterbuch für Historiker, UTB Francke Verlag München, 1980, 6. Auflage, 2 Bände, S. 474 u. a.

18) Erich Bayer, a. a. 0., S. 550

19) Vgl. auch Lexers, a. a. 0., S. 316 und Haberkern/Wallach, a. a. 0., S. 663 und 612, Stichwort „Temporalia“

20) Haberkern /Wallach, a. a. 0., S. 669, vgl. auch Erich Bayer, a. a. 0., S. 552

21 I Noch heute klopfen unsere „Penn- und Wermutbrüder“ im Pfarrhaus und an der Klosterpforte an.

22) So sehr im Laufe des Mittelalters die Lage der mehr oder minder unfreien Bauern bedrückend und ihre Forderungen berechtigt waren, so sehr wird über den Zehnten als ein „Maß der Ausbeutung“ Unsinniges erzählt. „Die Höhe von 10% erreichte der Zehnten selten, z. T. betrug er nur 1 %“. Ein Zehnt aus Einkommen (Personalzehnt) verschwand schon sehr früh, und es gab im allgemeinen nur den Ertragszehnt aus Grundbesitz. Vgl. hierzu: Haberkern /Wallach, a. a. 0., S. 669

23) Vgl. Erich Mayer, a. a. 0., S. 112 und Haberkern/Wallach, S. 165 sowie Lexers, a. a. 0., S. 36

24) „Hof“ ist im Mittelalter ein umfassender Begriff. Er ist „nicht Siedlungseinheit sondern herrschaftlicher Verband, der grundherrliche Hof „. Er ist Abgabeort, Versammlungsort, Gerichtsort. Dahinter tritt das Dorf als rechtliche Einheit zurück. Vgl. K. S. Bader, Das mittelalterliche Dorf … , a. a. 0., S. 22. Die Hofstatt bzw. -stelle war ein Teil des Hofes. Wir kommen weiter unten noch einmal in einer Fußnote auf den Begriff „Hof“ zurück.

25) Zur Allmende gehören auch der Holzeinschlag, die Weg-, Brücken- und Brunnennutzung u. a.. Es spielt dabei keine Rolle, wenn die Bauern nur nutzungsberechtigt sind, die „Allmende“ aber einem Grund-, Dorf-oder Territorialherren gehört. Vgl. hierzu : Haberkern /Wal lach, a. a. 0., S. 32 f. und Erich Bayer, a. a. 0., S. 17 f..

26) Den Inhalt der Urkunde ließ Kammerer maschinenschriftlich übertragen. Eine Fotokopie davon besitzt der Verfasser.

27) Generallandesarchiv Karlsruhe, künftig: GLA/K, Abt. 229, Nr. 77351 und 77365, zitiert nach Quellenheft, a. a. 0., S. 23 und 24. Es geht in einem Streit zwischen Flaig und der Gemeinde Obereschach um das „Wuchervieh“ bzw. den „Wucherstier“, das ist der Dorffarren. Die Inhaber des Widumguts waren oft zur Haltung des Wucherviehs verpflichtet; siehe hierzu: K. S. Bader, Dorfgenossenschaft und Dorfgemeinde, Böhlau Verlag, 2. Auflage, Wien-Köln-Graz, 1974, S. 211

28) Verzeichnis der Geburten, Getrauten und Verstorbenen in Neuhausen und Obereschach 1674 — 1799, Abteilung Obereschach, aufbewahrt im Pfarrhaus Neuhausen (Gemeinde Königsfeld) :

Joseph Weiß,

Widum- Bauer, und Mechtildis Huger ( ?) haben eine Tochter: Maria, geb. 8. 11. 1740, gestorben 1799 oder 1804. Diese war verheiratet mit : Thomas Fleig, Wittum -Bauer. Dieser wurde am 1. Dezember 1728 geboren und starb am 20. Januar 1779. Anmerkung: Die Schreibweisen Fleig mit „ai “ und „ei“ sind variabel, wie es damals überhaupt keine verbindliche Rechtschreiberegelung gab. Dieser Thomas Fleig und Maria, geb. Weiß, haben einen Sohn :

Johann Fleig,

geb. 7. Mai 1773, gestorben 1855. Anmerkung: Im Quellenheft, a. a. 0., S. 23 und 24 schreibt sich der „Widdumbauer Johann Flaig“ mit „ai „. Im „Feuerversicherungsbuch 1823 — 1835 und Feuerversicherungsbuch 1868“ der Gemeinde Obereschach, aufbewahrt im Ortsarchiv, heißt es 1823/24 unter Nr. 62: Zweistöckiges Wohnhaus nebst Scheuer und Stallung unter einem Dach auf dem Kirchberg. (Die Wertansätze gehören, verglichen mit den anderen Objekten, zu den höchsten.) Dann: Johann Flaig, Bauer, modo 1= Nachfolger) Xaver Flaig, schließlich handschriftlich: Johann Kammerer Jakobsbur. Im Bürgerbuch der Gemeinde Obereschach von 1794 —1966, Abschrift Janke 1981,Ortsarchiv Obereschach, unter Nr. 106: Johann Fleig 1 jetzt mit „ei „1, Bauer, Leibgedinger, gest. 1847 (an anderer Stelle findet sich handschriftlich nachgetragen „1855“, ebenfalls im Verzeichnis oben, Pfarrhaus Neuhausen). Johann Fleig und Maria Ena Willmann, geb. 2. Februar 1772, heiraten am 15. Januar 1801. Sie haben neben anderen Kindern den Sohn :

Franz Xaver Fleig,

geb. 20. November 1806. Anmerkung: Hier setzt bereits das Wissen um diesen „Xaver Fleig“ beim heutigen Hofinhaber, Ludwig Kammerer, ein. Nach Auskunft des Pfarrers von Neuhausen, Zimmermann, trägt ein Pfarrer den Namen „Xaver“ allein nicht in ein Kirchenbuch ein. Er schreibt „Franz Xaver“. Dieser Franz Xaver Fleig war, wie das Pfarrverzeichnis schriftlich und Ludwig Kammerer mündlich bestätigen, dreimal verheiratet. Am 3. Mai 1836 heiratet er Maria Anna Wolf. Aus dieser Ehe stammen zwei Töchter, darunter Berta Fleig, geb. 4. Oktober 1850, gest. 1930. Diese

Berta Fleig

war nicht verheiratet. Sie hatte aber eine ledige Tochter:

Paula Fleig,

geb. Februar 1886; diese heiratete den

Johann Kammerer,

geb. 6. März 1882. Dieser ist der Vater von

Ludwig Kammerer,

dem heutigen Hofinhaber und Albin K., unseren Informanten. Insgesamt hatte er 12 Kinder. Ludwig Kammerer hat wiederum keinen Sohn aber drei Mädchen.

29) GLA/K Abt. 66 Berainsammlung No 9146: Urbar oder Berainung über deß Ritterl. St. Johann Ordens, Commenda Villingen aigenthümlichen ligendten gütteren in der Herrschaft Villingen gelegen, …“ Renovirt Anno 1763; dasselbe in Villingen, Stadtarchiv, AAA h 9 (1763); auch Joseph Wiiß im Dorfarchiv Obereschach im „Bericht …, a. a. 0., Seite 119: „Joseph Weiiß, besiitz ein St. johanniter Löhen …“, Anmerkung: Es fällt auf, daß ein Widerspruch zur eingangs zitierten Urkunde von 1354 zu bestehen scheint; vgl. die zwei Urkunden vom 25. Februar und 3. März 1354, gleiche Nr. im GLA/K /BR. 20 /Conv. 123/J. A., zitiert nach Quellenheft, a. a. 0., S. 4, Nr. 1609 und 1610. Die Abweichungen sind für uns hier sachlich ohne Bedeutung

30) Der Jauchert (Juchart, Juchert) ist ein altes süddeutsches Feldmaß. 1 J. = 36 a, vgl. hierzu Brockhaus Enzyklopädie, Wiesbaden 1970, Stichwort: Juchart, aber auch die Maßvorschriften des Großherzogtums Baden aus dem 19. Jahrhundert. Vier „Fiirling“ ) Vierling) = 1 Juchert, Jauchert 66 „Ruthen“ = 1 „Fiirling“ Als Wiesenmaß kommt auch der Ausdruck „Mannsmatt “ (Mannsmahd u. a.) vor. Diese Einheit besitzt eine größere Fläche. Im Urbar 1763, AAA h 9, a. a. 0., finden sich folgende Hinweise: „So acht manßmatt groß, nach dem Jauchert maß aber 12 Jauchert und fünf Ruthen in sich hat . . “ oder an anderer Stelle: „… item ein Mansmatt, so ein Jauchert ein Vierling und zwanzig vier Ruthen groß . . .“. Einen anderen Maßinhalt nennt uns Dr. Hermann, Universität Hohenheim, agrargeschichtliches Institut: 1 Mannsmahd = 1 Morgen = 47,27 a. Auch hier gibt es demnach regionale Unterschiede. Uns kommt es aber nicht auf immer bis ins Letzte exakt errechneten absoluten Werte sondern mehr auf das relative Maß, d. h. den Vergleich mit anderen Lehensgrößen an.

31) Brockhaus, a. a. 0., 9. Band, Seite 475

32) Paul Revellio, Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, in: Schriftenreihe der Stadt Villingen, Ring Verlag Villingen, 1964, Seiten 70 f. und 110 ff..

33) Otto Benzing, Quellen zur Schwenninger Geschichte von 890 — 1600, in der Reihe „Veröffentlichungen aus Archiv und Chronik der Stadt Villingen -Schwenningen, Verlag Hermann Kuhn, VS -Schwenningen, 1983, Seite 32, Nr. 42

34) Dorothea Forstner OSB, Die Welt der christlichen Symbole, 4. Auflage, Tyrol in -Verlag Innsbruck -Wien • München, 1982, S. 22

35) GLA /K /BR. 20 /Conv. 123/J. A., zitiert nach Quellenheft . . , a. a. 0., S. 4, Nr. 1612; mit Abdruck des Inhalts, ohne Quellenangabe, ohne Seitenzahl zwei Seiten vor Seite 4; hier steht in der Fußnote „Zu Weitingen, im wirtenb. 0. Amt Horb, stund die Burg des Rittergeschlechts v. W….“

36) Der Veranlasser dieser informationsschrift ist das Ehepaar Gisela und Adalbert Briegel, seit etwa 1980 die neuen Eigentümer des Hauses.

37) Vgl. Erich Bayer, a. a. 0., S. 68 und Haberkern Wallach, a. a. 0., S. 540, Stichwort “ Rittersitz “

38) Diese Burg oder das Schloß — diese Ausdrücke werden synonym gebraucht — stand unmittelbar westlich der heutigen Kirch- bzw. Friedhofsmauer auf der jetzigen, mit Obstbäumen bestandenen Wiese. A/bin Kammerer vom Jocke/buer-Hof berichtet, noch vor Jahrzehnten sei im Süden gegen den Abhang und im Westen des Wiesenareals die Vertiefung des heute verfüllten Burggrabens erkennbar gewesen. Bei Abtragungen an der steilen Südböschung seien auch Mauerfundamente zutage gekommen. Bezeichnenderweise gehörte auch dieses Areal seit unbestimmter Zeit bis ins 20. Jahrhundert zum Jockelbuer -Hof , s. Text.

Die auffallende räumliche Nähe von Burg und Kirche erlaubt zumindest die Fragestellung, ob entstehungsgeschichtlich, vielleicht im frühen Mittelalter, die erste Kirche eine EIGENKIRCHE, d. h. eine auf privatem Grund eines adligen Grundherrn und Eigentümers stehende Kirche, war, die diesem und seiner Sippe als Ort religiöser Verrichtung aber auch der Bestattung diente, ehe sich daraus die Dorfkirche entwickelte. Der Schutzpatron der Kirche, St. Ulrich, einst Bischof von Augsburg und Gefährte Otto I. des Großen starb 973 n. Ch. ist aber nicht von anfang an nachgewiesen. Ein Indiz ist, daß sich aus den Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts kirchenrechtliche Beziehungen mit dem einschlägigen Grundbesitz herstellen lassen.

39) „Hofstatt“ als Begriff meint gesonderten Grund und Boden mit dem Haus und Nebengebäuden und meist auch Gartenland. „Die dem Inhaber als Eigen oder Lehen gehörigen Flurteile bilden mit der Hofstatt zusammen den bäuerlichen Hof. Sie sind auswechselbar; die Hofstatt bleibt“. S. K. S. Bader, Das mittelalterliche Dorf … , a. a. 0., S. 56 und Haberkern/ Wallach, a. a. 0., Seite 293; s. auch Fußnote 65).

40) H.-J. Wollasch, Inventar . . . , a. a. 0., Band II, S. 29; 1597: „Daniel Sartorius Johannit (er), 1schaffner, auch: Quellenheft a. a. 0., S. 15, 1617: Johanniterschaffner, S. 16, 1664: Johanniterverwalter und 1697: Villinger Johanniterschaffnei

41) Wortlaut im Quellenheft, a. a. 0., Beilage zwischen den nummerierten Seiten 3 und 4. — Die politische Bedeutung des Vorgangs wird daran deutlich, daß unter anderem Graf Hainrich von Fürstemberg, Cunrat von Tunningen — Bürgermeister zu Villingen — und Conrad Stähellin aus Villingen die Urkunde siegelten.

Die Fotokopie einer Abschrift des Schenkungsbriefes haben wir bei unserem Besuch im Generallandesarchiv Karlsruhe anfertigen lassen und bilden sie hier ab. S. GLA /K Abt. 229/Nr. 77362 und im Quellenheft, a. a. 0., S. 5, Nr. 1616

42) Quellenheft, wie unter Fußnote 41

43) Vgl. Quellenheft, a. a. 0., S. 7, Nr. 1626: Urteil des Villinger Gerichts von 1500 — oder eine späte Quelle: Stadtarchiv Villingen, CC Roder, Seite 1123, 1763: Beschreibung der Johannitergüter im Villinger Zwing und Bann. Im Quellenheft, a. a. 0., und bei Wollasch, a. a. 0., finden sich zahlreiche Hinweise.

44) Vgl. Quellenheft, a. a. 0., S. 12, Nr. 1669, das Jahr 1589, S. 15, Nr. 1689, Jahr 1626

45) GLA/K Akt. 229/Nr. 77359 — Vgl. auch Quellenheft, a. a. 0., S. 24

46) ebenda, Nr. 77359

47) Fürstenberg UB. IV n. 29, zitiert nach K. S. Bader, Dorfgenossenschaft, a. a. 0., S. 420 f., Fußnote 121

48) Urbar oder Berainung . . . , siehe Fußnote 29) — a. a. 0. — Anno 1763. Nach der Einsichtnahme in Karlsruhe fanden wir später eine gleiche handschriftliche Ausfertigung — Zweitexemplar — im Stadtarchiv Villingen. Im übrigen bemerken wir, daß dieses Urbar in der Sache weitgehend mit dem Urbarium von 1660 im Stadtarchiv Villingen, AAA h / 2 übereinstimmt, nur die Namen ändern sich natürlich. Vgl. ferner „Die Johanniterkommende Villingen beziehe zu . . . Obereschach … den Zehnten und andere Einkünfte — 1674 — s. Stadtarchiv Villingen, CC Roder, S. 1119 — 13. — derselbe AAA S. 1803, Urbarien der Johanniterkommende zu Villingen

49) Quellenheft .    , a. a. 0., S. 7, Nr. 1626 und S. 11. Nr. 1655 ; betrifft die Jahre 1 500 und 1563

50) Vgl. Fußnote 45)

51) GLA/K Abt. 229 /Nr. 77336, zitiert nach Quellenheft, a. a. 0., S. 21

52) K. S. Bader, a. a. 0.

53) Quellenheft, a. a. 0., S. 6, Nr. 1623

54) K. S. Bader, Dorfgenossenschaft … , a. a. 0., S. 342

55) derselbe S. 346

56) Urbar oder Berainung. Anno 1763, a. a. 0., vgl. auch Urbarium . . von 1660, Stadtarchiv Villingen, AAA h/2 u. a.. Es ändern sich lediglich die Namen, gelegentlich geringfügig die Zahl der Richter.

57) Vgl. K. S. Bader, Dorfgenossenschaft .. , a. a. 0., S. 98 f.

58) Urbar oder Berainung . . Anno 1763, a. a. 0., und ebenfalls „Urbar oder Berainung über deß Ritters St. Johann Ordens Commende Villingen aigenthümblich ligenden güettern in der Herrschafft Villingen gelegen .. . Renovirt Anno 1719“ im Stadtarchiv Villingen, AAA h 7 a bzw. auch mit b bezeichnet. Hier ist der Lehensnehmer Benedict Widmann.

59) Paul Revellio, Beiträge … , a. a. 0., S. 149

60) GLA/K /BR. 20 /Conv. 122/J. A., zitiert nach Quellenheft    , a. a. 0., S. 9

61) a. a. 0.

62) „Bericht …“, a. a. 0.

63) Kirchenbücher Obereschach, ausgewertet von Vikar Perroth, Obereschach 1936 bis etwa 1940, mitgeteilt von Frau Monika Storz, geb. Laufer, Schwester der Frau des derzeitigen Ortsvorstehers Beha. Die beiden Frauen stammen vom Harzer-hof. Die Bücher sind heute nicht mehr in Obereschach, ihr Verbleib ist unbekannt. 19. 7. 83)

Christian Laufer geb. um 1640 dessen Sohn ist

Martin Laufer geb. 1679 dessen Sohn ist

Desederius Lauffer geb. 23. 5. 1719, gest. 22. 3. 1799 Anm.: Am 8. Juni 1788 verkauft Desiderius Laufer, Untervogt zu Obereschach seinem Sohn Martin Laufer seinen St. Georgischen Lehenhof daselbst um 2500 Gulden; GLA /K /BR. 12/ Conv. 50 /J. A., zitiert nach Quellenheft. a. a. 0., S. 20, Nr. 1019

Martin Laufer geb. 1755 dessen Sohn ist

(s.Anm.)

Andreas Laufer geb. 1790 dessen Söhne sind Johann und Johann Georg:

Johann Laufer geb. 1826, ist zugleich der letzte Hofinhaber, da seine Ehe mit Katharina Fleig, von Sommertshau-sen, kinderlos blieb. Diese wurde Alleinerbin. Sie habe 1897 den Hof an Robert Bauer verkauft, der, von Weilersbach stammend, im hochwassergefährdeten hinteren Teil des Dorfes bereits ein Anwesen hatte. Sein Enkel

Johann Bauer Prof. Dr., Freiburg-Merzhausen, ist der heutige Eigentümer des Hauses, nachdem sein Bruder das alte Haus aufgab und als Landwirt aussiedelte. Die obige Linie des Johann Georg Laufer 1 Bruder des Johann) zweigte vom alten Harzerhof ab. Es folgen sein Sohn Johann, geb. 1874, dann dessen Sohn Hermann Laufer, geb. 1908 ler verunglückte tödlich), dessen Sohn ist Peter Laufer, geb.1952, Steinatstr. 2, neben dem Harzerhof. Vielleicht hat dieses Haus einmal zur Hofstatt des St. Georger Lehen, Teil „Harzerhof „, gehört. Der Beweis war nicht schlüssig möglich.

64) „Bericht …“, a. a. 0.

65) K. S. Bader, Das mittelalterliche Dorf . . , a. a. 0., S. 53 — 56.

Wir kommen mit Bader noch einmal erweiternd auf den Begriff „‚Hofstatt'“ zurück, um die Rechtsstruktur im Zusammen. hang mit dem „St. Georger Hof “ verständlicher zu machen :

„Hofstatt “ ist, ergänzend zu Fußnote 39, ein Begriff mit zahlreichen rechtlichen Inhalten. Die Hofstatt ist vor allem „der Platz, der für das Wohnhaus mit Nebengebäuden bestimmt ist, ferner der Raum zwischen den einzelnen Gebäuden und die zwischen Haus und Straße gelegene Fläche; …“. Es braucht darauf das Haus noch nicht oder nicht mehr zu bestehen. Rechte werden durch die Hofstatt, nicht durch das Haus, vermittelt. Das Haus ist Zubehör der Hofstatt. Zur Hofstatt gehören der umfriedeter Garten, und nicht zuletzt nimmt die auf der Hofstatt liegende Dungstätte am Hofstattrecht teil. („Je größer der Misthaufen, je angesehener der Bauer „) „Mit Haus und Hofstatt sind zahlreiche genossenschaftliche und politische Rechte verknüpft, die das mittelalterliche Dorf zu vergeben hat „, etwa der Allmendgenuß und — so wird man hinzufügen dürfen — die Wählbarkeit als Vogt, Untervogt und Richter. „Die dem Inhaber als Eigen oder Lehen gehörigen Flurteile bilden mit der Hofstatt zusammen den bäuerlichen Hof „.

Im Falle des St. Georger-Hofs waren es demnach sogar drei Hofstätten und die Flurteile.

66) „Harzerwald“ wird er deshalb heißen, weil man hier durch Ritzkerbung der Bäume den Rohstoff Harz zur Herstellung von Terpentin, Firnis, Pech u. a. gewann; ein altgeübtes Handwerk. Um die Borsten geschlachteter Schweine besser entfernen zu können, setzte man beim Brühen Harz zu.

67) Tagebuch des Abt Michael (richtiger : Georg II. Michael, der Verf.) der Benediktinerabtei St. Georg zu Villingen, Band I, 1621 — 1635, maschinenschriftliche Vervielfältigung, gebunden, Stadtarchiv Villingen, 1972, S. 344.

Anmerkung :

Abschließend soll lediglich in einer Fußnote kurz auf einen Begriff eingegangen werden, der bei unseren rechtlichen Betrachtungen nicht übersehen werden durfte, wenngleich wir leider keine neuen Erkenntnisse daraus gewinnen konnten. „Freithof “ ist eine Gewannbezeichnung, die sicherlich dem ehemaligen Etterbereich des Dorfes zuzurechnen ist. Es handelt sich um eine höher gelegene Fläche, 150 Meter süd-südöstlich der Straßengabelung Villingen — Neuhausen — Niedereschach. I Heute gibt es dort die Freithofstraße.) In der Bevölkerung bestehen darüber keine verwertbaren Vorstellungen. Die Bedeutung dieses Ausdrucks kann allein vom Wort her nicht erschlossen werden. Darüber hinaus fehlen für eine sachbezogene Ausdeutung alle Anhaltspunkte. Spekulationen aber erlauben noch nicht einmal Hypothesen. Einen Hinweis fanden wir in einer Quelle von 1719, wo in einer Nachbarschaftsabgrenzung die Rede ist vom “ . . . großen garthen freithoff genannt …“ (Stadtarchiv Villingen, AAA h 7 b; bei Wollasch, a. a. 0., Bd. II, Seite 165, Nr. 3154 als AAA h 7 „a“ bezeichnet).

Im johannitischen Urbar von 1763, GLA, Abt. 66, Berainsammlung, No 9146, s. auch a. a. 0. weiter vorne, Fußnote 29, wird ebenfalls gesprochen vom „. . . grosen garthen, freiidt hof genannt, . . .“. — Folgende Quellen wurden geprüft, ohne daß sie zu einer Klärung beitragen konnten : K. S. Bader, a. a. 0.; Deutsches Rechtswörterbuch, bearbeitet v. Richard Schröder, Weimar 1935 — 38, Bd. 3, Spalten 778, 831, 832, 930; Grimms Deutsches Wörterbuch, Bd. 4, 1. Abtl., 1. Hälfte, Leipzig 1878, Spalte 115 u. 123 sowie alle übrigen in dieser Arbeit verwendeten Literaturen und Quellen.