Aus der Geschichte einer Idee: Der Villinger Verschönerungsverein (Hubert Schieber)

Seit einer Ersteintragung im Handelsregister vom 15. 2. 1937 existiert nach einer Änderungseintragung von 1938 in der Stadt Villingen die Villinger Kur-und Bad-GmbH als unmittelbare Rechtsvorgängerin der heutigen Kur- und Bad-GmbH Villingen -Schwenningen. Der letzteren verdankt der Kur- und Fremdenverkehr-Gedanke in den vergangenen Jahren neue Impulse, da man nach dem Zweiten Weltkrieg seitens der Stadt das Schwergewicht zunächst auf die industrielle Entwicklung gelegt hatte.

Im Jahre 1978 hat die Kur- und Bad-GmbH Villingen-Schwenningen ihre Aufgabenstellung geändert bzw. neu gefaßt. Danach wird die heutige Aufgabenstellung bestimmt durch die „Wiederbelebung des Kurgedankens und die Weiterentwicklung des Fremdenverkehrs „. Interessanterweise wird der Badebetrieb ( Frei-und Hallenbäder) davon nicht berührt. Er läuft über die Regie der Stadt Villingen-Schwenningen als öffentlich-rechtliche Trägerin.

Die Gesellschafter der Kur- und Bad-GmbH Villingen -Schwenningen sind die Stadt Villingen -Schwenningen und die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei KG, Donaueschingen. Alleiniger Geschäftsführer ist der Erste Bürgermeister der Stadt Villingen -Schwenningen, Dr. Volker Lindner. — Soweit das Heute.

Unser Mitglied Hubert Schieber berichtet nachfolgend über eine Vorgängereinrichtung, die vor genau 101 Jahren unter der Bezeichnung „Villinger Verschönerungsverein “ an der Wiege des Kur – und Fremdenverkehr-Gedankens Pate stand. (Ein Vorabdruck erfolgte in einer kleinen Serie auszugsweise im April / Mai 1981 im Südkurier.)

Am 8. Mai 1982 waren es 101 Jahre, daß in Villingen insbesondere auf Betreiben des damaligen städtischen Oberförsters, Hubert Ganter, der Verschönerungsverein gegründet wurde. Die Leistungen dieses Vereines, seines Vorstandes und aller Mitglieder waren für die Stadt, für den Stadtwald und auch für den Kurgedanken von so großer Bedeutung, daß sie der dankbaren Erinnerung wert sind. Die guten Ideen, die im Verein, insbesondere in der Vorstandschaft entwickelt wurden, wurden mit großem Einsatz, aber auch mit vielen Opfern an Zeit und Geld verwirklicht. Ärger und Verdruß gab es auch, denn der Stadtrat hatte für derlei Dinge wenig Verständnis. Bis zum heutigen Tag profitieren die Bürger unserer Stadt von den Einrichtungen, die der Villinger Verschönerungsverein geschaffen hat, und wir müssen diesen Leistungen Dank, Anerkennung und Bewunderung zollen.

Als Zweck des Vereins bezeichneten die Satzungen die Verschönerung der Umgebung Villingens, dieses Ziel sollte auf folgende Weise erreicht werden :

1. Verbindung von Stadt und Stadtwald durch Anlegen schattiger Spazierwege,

2. Anlegen von Spazierwegen durch den Wald zu beliebten Ausflugspunkten,

3. Aufstellung von Sitzbänken und Schutzhütten an geeigneten Ruheplätzen sowie die Fassung von Quellen zu schönen Brunnenanlagen,

4. Anbringung von Wegweisern,

5. Eröffnung von Aussichten und Durchsichten auf schöne Bauwerke, Ruinen und Felspartien usw.,

6. Abdeckung verlassener Steinbrüche, Schutthalden

usw. durch Anpflanzung von Baumgruppen. In der Gründungsversammlung wurde der Vereinsvorstand gewählt, er setzte sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen:

Oberförster Ganter (Vorsitzender) Gemeinderat Weißhaar

Bezirksarzt Dr. v. Würthenau Kunstmühlenbesitzer Ernst Wittum Hotelier Adolf Dold, zur „Blume “ Bahnmeister Kaiser

Kunstmühlenbesitzer Oberle

Bürgerschulrektor Konradi

Privatier Joh. N. Oberle

Gemeinderat Rudolf Kienzler

Rechtsanwalt Jakob

 

Oberförster Hubert Ganter, der erste Vorsitzende des Villinger Verschönerungsvereins.

 

Im ersten Jahr nach der Gründung hatte der Verein bereits 300 Mitglieder, nicht nur Villinger Bürger gehörten dem Verschönerungsverein an, Vereinsmitglieder gab es auch in den umliegenden Gemeinden, sogar in Vöhrenbach und Peterzell. Die erste Jahreseinnahme aus Mitgliederbeiträgen betrug 696 Mark, für die damalige Zeit eine stattliche Summe.

Die erste Aktivität des jungen Vereins war die Anlage eines Spazierweges von der Waldmühle (SABA- Radio an der Rindenmühle vorbei zum Oberen Haus, zu der Gegend also, wo später das erste Villinger Kurhaus, das „Waldhotel „, erstand. Der Weg führte teilweise durch Allmendfeld (die Villinger Schafherden weideten hier) und der Verein mußte an die sog. Beurbarungskommission (auch Allmendteilungsgesellschaft genannt) jährlich eine beachtliche Pachtsumme zahlen. Diese erste Weganlage war dem Akkordanten Alois Bechert übertragen und kostete den Verein 551 Mark. Noch im Jahre der Gründung erklärte sich die Gemeinde Pfaffenweiler bereit, dem Verein über mehrere Jahre einen erheblichen Beitrag zu leisten, wenn ein Spazierweg zwischen Villingen und Pfaffenweiler durch die Jungviehweide gebaut würde. Diesem Vorschlag kam der Verschönerungsverein im nächsten Jahr nach, der heute noch teilweise existierende Weg wurde gebaut, und der Verein hatte dafür 700 Mark aufzuwenden. Durch diesen Weg wurde gleichzeitig eine Verbindung zum südwestlichen Teil des Stadtwaldes hergestellt. Auch hier gab es wieder Schwierigkeiten mit der Beurbarungskommission. Das Verhalten der Gemeinde Pfaffenweiler, im besonderen des damaligen Bürgermeisters Hirt, gaben dem Verein einen guten Anlaß, auch die Villinger Stadtväter um angemessene Zuschüsse anzugehen. Schließlich erklärte sich die Stadt auch bereit, zuerst aus Überschüssen der Städt. Sparkasse später aus der Gemeindekasse den in gemeinnütziger Weise wirkenden Verschönerungsverein zu unterstützen.

Im zweiten Vereinsjahr wurde außer dem Weg nach Pfaffenweiler auch noch ein Spazierweg nach dem Laible -Wald geschaffen. Infolge der Verbauung ist dieser Weg, von schönen Bäumen flankiert, heute nur noch zum Teil erhalten. Der Weg vom Bahnhof Kirnach nach Mönchweiler wurde im gleichen Jahr mit Wegweisern versehen und der „Uhustein “ zugänglich gemacht.

In der Generalversammlung 1883 wurde eine Eingabe an die Stadtverwaltung beschlossen, in der die Stadt aufgefordert wurde, die die Altstadt umschließenden Anlagen zu verbessern und die Wannenhöhe (Aussichtsturm) mit Baumgruppen zu bepflanzen. Die später vom Verschönerungsverein vorgenommene Bepflanzung der Wanne wurde später leider durch unverzeihliche Fehler bei der Flurbereinigung ziemlich entwertet, die Gelegenheit, einen schattigen Spazierweg zwischen der Stadt und der Wanne zu schaffen, wurde vertan.

Der Vorsitzende, Oberförster Ganter, hat sich in diesen Jahren, leider ohne Erfolg, bemüht, einen illustrierten Fremdenführer für Villingen und Umgebung aufzulegen, auch die Kurortfrage hat er bei jeder Gelegenheit zur Diskussion gestellt.

Zur Anlage eines Schlittschuh-Weihers an der Waldstraße (bis dahin eine Schlittschuhwiese) bewilligte der Verschönerungsverein im Jahre 1884 einen Zuschuß von 300 Mark. Dieser dem Schlittschuhclub (Rechtsanwalt Jakob war der erste Vorsitzende) zugesagte Zuschuß kam aber nicht zur Auszahlung, da die Stadt auf ihre Kosten die Umwandlung vornahm. Ebenfalls im Jahre 1884 übernahm der Verein die Aufgabe, den „Stadtpark “ anzulegen (Bau von Spazierwegen, Brücken, Aufstellung von Sitzbänken). Dieser Stadtpark, früher ein viel besuchtes Ausflugsziel, das auch nach einer Bahnfahrt von Villingen zum Bahnhof Kirnach leicht zu erreichen war, liegt am rechten Ufer der Kirnach, zu beiden Seiten des Schweigerweges mit Waldsee und heute dem Brunnen der Romäusquelle.

Es würde zu weit führen, in diesem Rahmen die weiteren Aktivitäten des Villinger Verschönerungsvereins aufzuzählen. Erwähnenswert erscheint jedoch, daß vor der Hauptversammlung 1885 mit dem Schwenninger Verschönerungsverein Kontakt aufgenommen wurde. Der Vorsitzende des Schwenninger Vereins, Fabrikant Christian Mauthe, nahm an dieser Versammlung teil, und man sprach über einen Spazierweg von der Wanne zum Schwenninger Wald ( Hölzlekönig), es sollte ein schattiger Weg werden. Warum es nicht zur Realisierung dieses Planes kam, ist nicht festzustellen.

Oberer Zugangsweg am Uhustein.

 

Der Verein bemühte sich in den folgenden Jahren mit Erfolg um die Bepflanzung der durch die Brigachkorrektion entstandenen Dämme, ferner um die weitere Korrektion von der Stadt bis zum Pulverwehr (Waldmühle — heute SABA). Auch die Aufforstung verschiedener Ödfelder beim Oberen Haus, bei der Rindenmühle, bei der Waldmühle beim Hammerwerk Laun und bei der Breiten Mühle wurde vom Verein angeregt.

Die Entwicklung Villingens zum Luftkurort war weiterhin ein besonderes Anliegen Ganters und des Verschönerungsvereins, zu diesem Thema sind verschiedene Vorträge und Veröffentlichungen bekannt.

Oberförster Ganter gründete in diesen Jahren auch die „Aussichtsturmgenossenschaft „, die dann den Aussichtsturm auch baute. Diesen Turm, den man heute wegen seiner Konstruktion als Baudenkmal ansehen kann, erhielt die Stadt im Jahre 1907 von der Genossenschaft als Geschenk.

Erinnerungsstein für Oberförster Ganter, vom Verschönerungsverein gestiftet. Standort unterhalb des Kapfes am Zusammenfluß von Kirnach und Brigach, beim sogenannten Römerweg.

 

 

Einst: Zuerst Schlittschuhwiese, im Sommer „Schiffleweiher“, im Winter „Schlittschuhweiher“.

 

Heute präsentiert sich der alte „Schiffleweiher“ an der Waldstraße als sommerliche Idylle, im Winter ist er wieder „Schlittschuhweiher“.

 

Der Villinger Aussichtsturm

 

Die Ruine Kirneck wurde damals durch verschiedene Spazierwege „erschlössen „, daneben hatte der Verein für die Erhaltung der von ihm geschaffenen Anlagen erhebliche Mittel aufzuwenden.

Im Jahre 1888 ging der Villinger Verschönerungsverein mit dem über 20 Jahre zuvor in Freiburg gegründeten badischen Schwarzwaldverein eine Interessengemeinschaft ein und wurde korporatives Mitglied, für eine bestimmte Zahl Villinger Vereinsmitglieder wurden Beiträge an den Hauptverein in Freiburg gezahlt. Am 21. Juni 1895 verstarb Oberförster Hubert Ganter, erst 47 Jahre alt, eine segensreiche Tätigkeit für die Stadt Villingen und ihren Wald sowie für die Verwirklichung seiner Ziele fanden ein jähes Ende.

Der Verschönerungsverein errichtete zur immerwährenden Erinnerung und als Zeichen der Anerkennung und des Dankes für die großen Verdienste ihrem langjährigen Vorsitzenden einen Gedenkstein, der im Sommer 1896 bei großer Teilnahme der Bevölkerung eingeweiht wurde.

Die ehemalige Waldmühle, heute Teil der Verwaltungsgebäude von SABA; im Hintergrund oben links ( Pfeil ) das heute noch bestehende ehemalige Waldhotel ( heute Haus Tannenhöhe).

 

Nach dem Tode Ganters führte der einflußreiche Stadtrat Rudolf Kienzler den Verschönerungsverein bis zum Jahre 1899, dann wurde der inzwischen zum städtischen Oberförster gewählte Jakob Neukirch zum Vorsitzenden gewählt. Bürgermeister Osiander und Architekt Bender waren damals Beisitzer, dem Ausschuß gehörten an Kunstmühlenbesitzer Hermann Oberle, Rechtsanwalt Heilmann, Kaufmann Thomas Honold, Brauereibesitzer Albert Schilling, die Buch-druckereibesitzer Adolf Görlacher und Otto Frick sowie Glockengießer Adelbert Grüninger.

Unter der Leitung Neukirchs wurden weitere Spazierwege gebaut, so der Brückleweg zwischen Maria Tann und der Täfeletanne, der Weg vom Waldhotel zum Uhustein, verschiedene Wege an der Rotkäppelehalde und beim Waldsee, Wege durch den Germanswald, der Weg von der Lorettokapelle nach dem Schweigerweg und 1903, erstmals mit der Villinger Sektion des Schwarzwaldvereins zusammen, der Weg vom Wiedentobel über die Gropperhöfe nach dem Forsthaus Sal-vest. Dem Einfluß Neukirchs und seinen Bemühungen war es auch zu verdanken, daß längs der Abteilungslinien bis zur Vöhrenbacher Grenze Wanderwege angelegt wurden, einige dieser Abteilungswege sind heute markierte Wege des Schwarzwaldvereins und auch Wege mit örtlicher Markierung.

Im Jahre 1915 beschloß der Vereinsvorstand, während des Krieges jegliche Tätigkeit auszusetzen, das Vereinsvermögen wurde dem “ Roten Kreuz “ und dem Gartenbauverein (Oberförster Neukirch war auch Vorsitzender dieses Vereins) gespendet. Nach dem Kriege wurde der Verschönerungsverein nicht wiedergegründet. Das hatte verschiedene Gründe, u. a. auch die Existenz einer aktiven Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins, deren Ziele mit denen des Verschönerungsvereins übereinstimmten.

Oberförster Neukirch verstarb nach langer Krankheit am 2. September 1925, nachdem er über 30 Jahre das städtische Forstamt verwaltet und sich dabei große Verdienste erworben hatte. In der Generalversammlung des Villinger Schwarzwaldvereins vom 25.2.1926 erklärte sich die Versammlung damit einverstanden, zum ehrenden Andenken an Neukirch im Villinger Stadtwald eine Hütte zu erstellen, die für immer den Namen „Neukirch -Hütte “ tragen solle.

Neben dem Ganter-Denkmal und der Neukirch -Hütte erinnern noch die „Jakobs-Tanne“ (am Brunnen der Romäusquelle) und die „Würthenaus-Ruhe “ (hinter dem Forsthaus Volkertsweiler) an verdienstvolle Persönlichkeiten des Verschönerungsvereins.

Quellen :

J. Heilmann, Festschrift zur Einweihung der Neukirchhütte, 1927

J. Heilmann, Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Villinger

Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins.

 

Die Neukirch-Hütte