Joseph Anton Hops

War ebensowenig wie sein Vorgänger Hans Kraut ein gebürtiger Villinger. Er kam aus Mietingen und war Bildschnitzer. 1748 ersuchte er den Rat der Stadt um das Bürgerrecht. Um diese Zeit ist das Rokoko (abgeleitet von rocaille — Muschelwerk) auf dem Höhepunkt. In dieser Epoche des Augen-Menschen erlebt das Kirchen – Rokoko seinen Höhepunkt in Süddeutschland. Was die Kongenialität von Joseph Anton Hops anbetrifft, so zeigt sie verwandte Züge zu dem im Bodenseeraum und darüber hinaus wirkenden Joseph Anton Feuchtmayr ( Feichtmayr), 1696 — 1770, der als der ältere Meister auf ihn eingewirkt haben könnte. Jedenfalls sind beide durch eine ähnliche schöpferische Fantasie ausgezeichnet, wie an den Altären und den figürlichen Plastiken ablesbar ist. Während Feuchtmayr ein langes Arbeitsleben beschieden war, blieben Hops nur insgesamt 41 Lebensjahre.

Tabernakel mit seitlichen Reliquienvitrinen von Joseph Anton Hops, heute in der Pfarrkirche Honstetten im Hegau.

 

Er starb 1761 in Villingen. Als Hops in Villingen tätig wird, kehrt „das Neue, die strengen Formen des Barocks auflockernde malerische Gestaltung des sich entfaltenden Rokokos“ ein, wie Revellio schreibt.

Wir gehen hier bewußt nicht auf die in Villingen noch erhaltenen Kunstwerke ein und verweisen auf die einschlägige im Handel erhältliche Literatur. Vielmehr folgen wir den Spuren dieses Meisters, wo wir sie noch außerhalb der Stadt entdecken können. Da ist z. B. Donaueschingen : In der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptista finden wir neben der Kanzel des Villinger Bürgersohns, dem Kunstschreiner Martin Hermann (1688 — 1 782 ), die 12 Apostel entlang den Wänden des Langhauses. An ihnen hat neben J. M. Winterhalter und F. X. Biecheler J. A. Hops gearbeitet. —In Honstetten im Hegau entdecken wir in der Pfarrkirche „den reich verzierten Tabernakel mit seitlich anschließenden Reliquienvitrinen “ von J. A. Hops aus dem Jahre 1755, die aus der abgebrochenen Kirche des Kapuzinerklosters in Engen kamen; vgl. Abbildung.1)

 

Heilige Anna Selbdritt von J. A. Hops, Erläuterung siehe Seite 34 oben.

 

Der im Wohlstandszeitalter aufgekommene schamlose Kirchenraub hat auch hier nicht halt gemacht. Bei einer Einbruchserie 1981 wurden gleichzeitig die Orte Seelfingen, Winterspüren (Ortsteile von Stockach) und Honstetten heimgesucht. Vom Hops-Altar wurden zwei Putten und zwei Engelsköpfe weggerissen, die zusammen mit dem Korpus eines Kreuzes auf Nimmerwiedersehen verschwanden. (Siehe die leer herausstehenden Metallstifte oben zwischen den Reliquienvitrinen auf der Abbildung.)

Unsere nächsten beiden Bilder führen uns nach Stuttgart ins Württembergische Landesmuseum im Alten Schloß. Die zwei überlebensgroßen Figuren sind Meisterwerke der Schnitzkunst. Die Beschriftung weist sie wie folgt aus: Heilige Anna Selbdritt. Mutter Anna mit der jugendlichen Maria und dem Jesuskind. Anna ist Patronin der Ehe, Helferin für Kindersegen und glückliche Geburt. J. A. Hops 1720 — 61. Villingen 1750 — 1760.

 

Der jüdische Priester Zacharias. Erläuterung Seite 34 oben.

 

Die männliche-Figur ist wie folgt erläutert: Zacharias, jüdischer Priester, Gemahl der Elisabeth und Vater Johannes des Täufers. Auf der Brust den Choschen des Hohen Priesters, ein Brustschild mit 12 Edelsteinen, Sinnbild der 12 Stämme Israels. J. A. Hops 1720 — 61, Villingen 1750 — 60. Die lebhaft bewegten Gestalten mit ihren sprechenden Gebärden sind meisterlicher Ausdruck der aufgelockerten Form des Rokokos.

Über die Herkunft der beiden Figuren konnte vom Württembergischen Landesmuseum Stuttgart keine Auskunft erhalten werden.

1) Friedrich Thöne Vom Bodensee zum Rheinfall, Thorbecke Verlag 1975, S. 55