Aus dem Vereinsgeschehen: Der Mundartlyriker Hans Hauser wurde Ehrenmitglied des Geschichts- und Heimatvereins

 

In einem Festakt wurde am 11. Juni ds. Js. dem Dichter unserer Heimat und Mitglied des Vorstandsbeirats des Geschichts- und Heimatvereins, Hans Hauser, aus Anlaß der Vollendung seines 75. Lebensjahres die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Im vollbesetzten kleinen Saal des Theaters am Ring herrschte eine festliche Atmosphäre. Neben zahlreichen Ehrengästen aus Kultur, Schule, Wirtschaft und Politik waren der Oberbürgermeister Dr. Gebauer und der Erste Bürgermeister Dr. Lindner als Vertreter der Heimatstadt des Jubilars erschienen. Ehrengast war auch der Hebelpreisträger Gerhard Jung aus Lörrach. Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Lothar Späth, der Fraktionsvorsitzende der Christlich Demokratischen Union Deutschlands im Landtag, Erwin Teufel, gleichzeitig Wahlkreisabgeordneter sowie der Bundestagsabgeordnete Dr. Hansjörg Häfele hatten Gruß- und Glückwunschbotschaften geschickt. Den musikalischen Rahmen gestaltete ein Quartett des Kammerorchesters Villingen – Schwenningen mit Musik von Wolfgang Amadäus Mozart.

Das Vorstandsmitglied Werner Huger würdigte in einer Laudatio den Jubilar. Er führte u. a. aus:

— In einer Zeit, wo man glauben müßte, durch die literarischen Vorgaben der Jahrhunderte seien alle Worte bis zur völligen Entseeltheit abgenutzt, alle Gefühle hundertmal verbraucht, wo man glauben müßte, es gäbe keine Wortgefüge mehr, in denen die Sprache wieder neu und ausdrucksstark wird, wo ein Rilke die lyrische Aussage bis an eine äußerste Grenze geführt hat, ein Gottfried Benn noch einmal Zugang zu den unbetretenen Welten der Tiefe und zugleich der letzten Vergeistigung im Zerebralen fand, in einer solchen Zeit findet Hans Hauser noch einmal, und zwar in der Muttersprache, zu sprachlicher Geschlossenheit, zur Einheit von Inhalt und Form. — Die Gestaltung seelischer Vorgänge und Erlebnisse durch Hans Hauser gehört der Art nach zu dem was wir Erlebnislyrik nennen. Er ist damit einer seit Goethe vorgegebenen Tradition gefolgt. Seine Sprache bleibt dabei gegenständlich, natur- und wirklichkeitsgesättigt. Es wäre falsch zu glauben, daß er den leichteren Weg gewählt hätte. Im Gegenteil, nirgends ist die Übersetzung des unmittelbar erlebten Gefühls in die Sprache schwieriger, verlangt sie mehr Ehrlichkeit, als hier.

Hans Hauser nach der Überreichung der Ehrenurkunde; rechts Vorstandsmitglied Rechtsanwalt Wolfgang Blessing.

 

Die Möglichkeit der Kritik am Wesensgehalt der Sprache wird hier griffiger, die Sprache unterliegt leichter der Überprüfung auf Wahrhaftigkeit. Hans Hauser verliert sich nicht im nebulosen Schein von Wortchiffren und abstrakten Konstruktionen, bei denen man oft Zweifel haben muß, ob es sich wirklich um das Werk eines Dichters oder das Gestammel eines Neurotikers handelt. Es gehört zum ureigensten Wesen des Hans Hausers, in der Muttersprache zu schreiben. Liegt seine Überhöhung als Dichter einerseits in der inhaltlichen Gestaltung des Werks, so liegt andererseits seine Beschränkung in der Form der Mundart. Wie vielen — oder besser: wie-wenigen — ist es, leider, heute noch möglich, das archaische Idiom der Mundart zu verstehen, das sich in den zwanziger und dreißiger Jahren langsam verabschiedet und mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wohl endgültig verschwunden ist. Wie viele kann Hans Hauser noch bei der Hand nehmen und ihnen Geborgenheit und Trost in der Mundart geben?

Wir müssen uns bei einer Würdigung des Werks von Hans Hauser fragen, was das Spezifische, aus der übrigen Mundartliteratur Herausragende, ist. Ich sage es zunächst damit, daß ich darstelle, was sein Werk nicht ist. Sehr häufig ist nämlich Mundartliteratur gekennzeichnet durch eine herzliche Einfalt und beseelte Schlichtheit, ist Volksdichtung im guten Sinne. Dort aber, wo es gelingt, in einem lyrisch eigenen, unverwechselbaren Ton die alte Kluft von Bildungs- und Volksdichtung zu überwinden, die Herzen der Hohen wie der Geringen in gleichem Maße zu ergreifen und im Schlicht-Menschlichen zu verbinden, hat Hans Hauser seinen Platz. Seine Mundart ist nicht heimattümelndes Stilmittel schlichten, boden – und stammesverwurzelten Menschentums. Nein, bei Hans Hauser erhebt sich über die Mundart die Dichtung auf die Ebene großer Lyrik der Hochsprache. Aber sie bleibt Dienerin einer Naturpoesie, die aus einem ungebrochenen, starken und naturnahen Seelentum fließt, zeitlos gültig. — Insofern ist Hans Hausers Schaffen „naive Dichtung“ im besten Sinne der Schillerschen Abhandlung „Über naive und sentimentalische Dichtung „, und sie trifft sich hier mit dem Stil der Griechen aber auch Goethes.

In die Reihe der Gratulanten stellte sich als erster der Oberbürgermeister. Im Anschluß an seine Ansprache überreichte er Hans Hauser das Stadtsiegel. Der Erste Zunftmeister der Narrozunft Villingen,Christian Huonker, erfreute den Jubilar mit einer Nachbildung der Narro -Vater -Scheme. Mit einfühlsamer, künstlerischer Gestaltung würdigte in der Sprache der Poesie Hebelpreisträger Gerhard Jung den Jubilar und sein Wirken für die Heimat durch die Sprache der Mundart. Einen besonderen Akzent setzte er mit seiner Betrachtung über das Wesen und den Sinn von Heimat in der heutigen Zeit. Er sagte unter anderem, die Heimatvertriebenen von heute, seien die in den Betonburgen Alleingelassenen. Auch dürfe Heimat nicht einfach als Heimattümelei gar für den Fremdenverkehr verstanden werden, sondern müsse im Wandel der Zeit angemessene Ausdrucksform finden.

 

Ehrenmitglied Hans Hauser bei seiner Dankansprache.

 

Als Gratulant der Narrozunft überreicht der Erste Zunftmeister Christian Huonker dem Mundartlyriker die Nachbildung einer Narro -Vater -Scheme.