Auf den Spuren Villinger Künstler

Die Veröffentlichung des HANS KRAUT- Ofens aus dem Badischen Landesmuseum im letzten Heft VI hat zu Anfragen über den Künstler geführt. — Es würde den Rahmen des Jahresheftes sprengen, wollte man Leben und Werk des Hans Kraut umfassend würdigen. Es sei deshalb auf nachstehende Literatur verwiesen, aus der wir ausschnittsweise zitieren:

Paul Revellio, Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen, Ring Verlag Villingen, 1964, vor allem Seite 226 ff. und Hans Brüstle, Villingen — aus der Geschichte der Stadt, Neckar Verlag Villingen, 1971, Seite 144 ff. der Kurzen Kunstgeschichte Villingens von J. Fuchs. — Beide Quellen sind im Buchhandel erhältlich.

HANS KRAUT kam aus Spaichingen oder Aldingen nach Villingen. Sein Geburtsdatum ist hypothetisch, gestorben ist er um 1596. In der langen künstlerischen Tradition der Villinger Hafnerei wird in der Renaissance des 16. Jahrhunderts Hans Kraut zu ihrem bedeutendsten Vertreter. Kenner meinen, so J. Fuchs, er sei der größte Künstler, den Villingen je in seinen Mauern hatte. Nach Revellio ragen seine Leistungen vielfältiger Töpferkunst über die Grenzen unserer eigenen Heimat in die gesamtdeutsche Kunstgeschichte hinein. Er hat die Fayencetechnik nördlich der Alpen eingeführt und sie mit Virtuosität gemeistert.

 

Wortlaut der Hinweistafel auf dem Londoner Hans Kraut-Ofen; Übersetzung im Text nächste Seite, oben rechts.

 

„Selten hat ein Töpfer so ausgezeichnetes technisches Können mit künstlerischer Begabung zu vereinigen gewußt, und selten nahm einer mit so weltoffenem Sinn alle die Anregungen seiner Zeitgenossen in sich auf und verwertete sie “ ( Revellio).

Zu seinen einzigartigen Werken gehört auch der “ Londoner Ofen“ im Victoria- und Albert-Museum in London.

Einer Anregung folgend, stellen wir diesen Prachtofen vor, den wir in London fotografieren ließen. Auf dem Sitzteil des Ofens steht, wie ersichtlich, ein Hinweisschild, dessen englischen Wortlaut wir im fotografischen Bild wiedergeben. Seine Übersetzung lautet:

OFEN glasiert und emailliert, irden (Töpferware), mit Malereien und Reliefs: Im oberen Teil lsaaks Opferung, der Triumpf Mordechais und die Kreuzigung, die Tugenden und die Neun Planeten; im unteren Teil, nach Stichen von Hans Sebald Beham, Patriarchen und ihre Familien. Aus einem Haus und vielleicht vormals im Kloster St. Wolfgang in Engen (Baden).

Gefertigt von Hans Kraut aus Villingen im Schwarzwald.

DEUTSCH, datiert 1578.

 

Hans Kraut „Londoner-Ofen“

 

Dieser Ofen hat aus Villinger Sicht eine bedauerliche Geschichte. In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts ist dieses Schmuckstück aus dem Engener Dominikanerinnenkloster der Gemeindeverwaltung Villingens zum Kauf angeboten worden. Diese war offenbar sehr haushälterisch. Der Ofen sei, schreibt Revellio, bereits im Ratssaal gelagert gewesen, da sei er, als Verhängnis besonderer Art, „durch Konrad Meder für 5000 Mark ins Ausland verschachert “ worden. (Das erklärt die Formulierung auf dem englischen Hinweisschild „Aus einem Haus … .“, die Redakt.) 1868 fand er im Victoria- und Albert-Museum seine bleibende Stätte.

 

Hans Kraut, „Londoner-Ofen“