Zur Topographie, Geologie und zum Klima um Villingen (Hans Brüstle)

Dieser Beitrag unseres verstorbenen langjährigen Vorsitzenden Hans Brüstle wurde entnommen aus:

Hans Brüstle, Villingen — aus der Geschichte der Stadt, Neckar—Verlag Villingen 1971

Villingen mit seiner 6788 ha großen Gemarkung hat teil an zwei gegensätzlichen Landschaften: dem Schwarzwald und der Baar. 58% der Villinger Gemarkung gehören zur östlichen Schwarzwaldabdachung, einer nach Osten leicht geneigten waldbestandenen Buntsandsteinfläche. Der Rest der Gemarkung zählt zur Baar, einer von Ackerfluren und Wiesen durchzogenen Hochfläche auf Muschelkalkuntergrund.

Der höchste Gemarkungspunkt liegt im Schlegelwald (975 m ü.d.M.), der tiefste bei der Ölmühle im Brigachtal (698 m ü.d.M.). Die Gemarkungsfläche ist etwa einem west-östlich gerichteten liegenden Rechteck zu vergleichen mit einer größten Länge und geringsten Breite von rd. 19 km /6,5 km. Die Nordwest-und Westgrenzlinie ist stark gegliedert und eingebuchtet, im Südosten dagegen zipfelartig verlängert.

Der Doppelcharakter der Villinger Landschaft fällt Soweit sich die Daten auf die alte Gemarkung Villingen beziehen, sind diese selbstverständlich in die der inzwischen gebildeten Stadt Villingen -Schwenningen aufgegangen.

schon rein äußerlich ins Auge. Im Westen erhebt sich die fast eintönig wirkende Waldfläche, das Buntsand-steingebiet der Villinger Gemarkung. Sie wird durchflossen vom Hauptfluß Brigach und ihren Nebenflüssen Kirnach, Wieselsbach und zum Teil auch von den Wassern des Krebsgrabens. Ziegelbach und Steppach fließen auf Muschelkalk.

Etwa in der Höhe des Kurgartens wechselt die Brigach aus dem Waldbereich in das Gebiet des Muschelkalks über, dem Auge erkennbar an dem nun breiter und flacher werdenden Gelände.

Nördlich der Stadt schlägt der Fluß einen Bogen und fließt nun an der Ostseite Villingens entlang nach Süden durch eine Landschaft, die in Stufen bis zum Aussichtsturm auf der „Wanne“ ansteigt und dort in eine Hochfläche ausläuft. in einem breiten Band begleitet diese Hochfläche, von Norden nach Süden ziehend, die Brigach über die Gemarkung hinaus.

Der Aufbau und die Bodenarten der Villinger Landschaft sind bedingt durch zwei Gruppen von Gesteinsarten. Es sind erstens die Tiefengesteine Granit und Gneis und zweitens die Schichtengruppen des Buntsandsteins, des Muschelkalks, des Keupers und des Jura. Mit Ausnahme des Jura sind alle Gesteinsgruppen auf Villinger Gemarkung anzutreffen.

Der dem Schwarzwald zugehörige Teil der Gemarkung besteht aus Granit und Gneis. Der Gneis bildet die Grundmasse, ist aber von Granit durchsetzt. Die westöstlich gerichteten Täler unserer Gegend verlaufen teils im Granit, teils im Gneis. Das ist insofern bemerkenswert, als die Formen der Talbildung sich infolge der verschiedenen Verwitterungsweisen des Granit und des Gneis dementsprechend gestaltet haben.

Das Kirnachtal bietet hierfür ein anschauliches Beispiel. Die untere Kirnach fließt durch Granit, der Bach hat sich hier ein enges Tal mit Steilhängen gegraben. Der Mittel – und Oberlauf der Kirnach liegt dagegen im Gneis, und hier ist ein breiteres Tal mit flachen Hängen entstanden.

Auf Villinger Gemarkung wird das Tiefengestein des Schwarzwaldes (Granit und Gneis) von einer mehrere Kilometer breiten Buntsandsteintafel überdeckt. In sie haben sich die Brigach, die Kirnach und der Wiesels-bach tief eingegraben. An ihren Talhängen wird das Urgestein indessen wieder sichtbar. (Uhustein, Schotterwerk im Brigachtal).

Der ganze Villinger Stadtwald steht also auf einer über dem Grundgestein liegenden Buntsandsteinplatte, die ihrerseits nach Osten zu von Muschelkalk überlagert wird.

Die Muschelkalkschichten (unterer, mittlerer, oberer Muschelkalk) gehören dem Mittelalter der Erdgeschichte an, einer Zeit, in der Mitteleuropa zeitweilig von einem Meere überflutet war. Dieses Meer lagerte Stoffe ab, die langsam versteinerten und übereinander mächtige Schichten bildeten. Der Name Muschelkalk rührt von den zahlreichen Versteinerungen her, die nach dem Zurückweichen des Meeres in den Schichten gefunden wurden und heute noch zu finden sind, vor allem Muscheln, Schnecken, Krebse und andere Meerestiere. In dem Steinbruch auf der „Wanne“ können solche Muschelkalkschichten besichtigt werden. Im Südostzipfel unserer Gemarkung ist in einer relativ geringen Ausdehnung Keupergestein anzutreffen. Es gehört wie der Muschelkalk zum Mittelalter der Erdgeschichte.

Die Grenze zwischen Buntsandstein und Muschelkalk teilt unsere Gemarkung in fast zwei gleiche Hälften. Die Schnittlinie verläuft etwa von Runstal über den Friedengrund und den Affenberg nach Vockenhausen (abgegangener Ort). Sie bildet gleichzeitig auch die Scheide zwischen Schwarzwald und Baar.

Im Muschelkalkgebiet erweitern sich die Täler der Brigach, des Warenbaches, des Krebsgrabens zu flachen Auen, die mit Schwemmland der jüngeren Erdzeiten angefüllt sind (Eiszeit, Neuzeit). In einer solchen Mulde, von der Brigach in Jahrtausenden ausgewaschen, dem sogenannten „Villinger Kessel“, liegt die Stadt Villingen.

Die Beschaffenheit der obersten Bodenschicht hängt von ihrem Untergrund ab, aus dem sie durch Verwitterung entstanden ist. Gneis und Granit z. B. unterliegen verschiedenen Verwitterungsbedingungen. Ihre Böden sind daher auch in der Nutzbarkeit nicht gleich. Gneis verwittert zu leichten Böden, die noch Feldanbau gestatten. Granit liefert kalkarme, wenig humose Böden, die für die Landwirtschaft nicht ertragreich sind.

Ähnlich verhält es sich mit dem kalkarmen, sandigen Buntsandsteinboden. Auch er ist für den Ackerbau kaum zu nutzen. Dagegen ist er geeignet für den Waldanbau. Die Villinger Forstwirtschaft hat auf diesem Boden einen Waldbestand (Weißtanne, Fichte, Kiefer) geschaffen, der heute zum zweitgrößten im Lande Baden—Württemberg zählt.

Vor der Waldgrenze gegen die Stadt zu kommen indessen auch für die Landwirtschaft nutzbare Sandböden vor, so im Runstal, Friedengrund, Engelhard, Volkertsweiler und beim Germanswald.

Wie für die Forstwirtschaft ist der Buntsandstein auch für die Wasserversorgung von Bedeutung. Das geringe Neigungsgefälle der Villinger Buntsandsteinplatte und ihre dichte Waldbedeckung haben zur Folge, daß ein Großteil der Niederschläge in den Boden eindringt, über wasserundurchlässigen Schichten (Ton, Grundgestein) sich ansammelt und als ergiebige Waldquelle wieder zutage tritt. Hierzu zählen vor allem die zahlreichen Quellen im Einzugsgebiet des Wieselsbaches, von denen eine große Anzahl in den vergangenen Jahrzehnten dem städtischen Wasserleitungsnetz angeschlossen worden sind. Zusammen mit der Altstadtquelle beim Friedhof (im Muschelkalk) konnte der Wasserbedarf bis in unsere Zeit gedeckt werden; erst die immer rascher steigende Einwohnerzahl machte den Anschluß an das Bodenseewassernetz nötig.

Im Gegensatz zu dem Buntsandsteinboden im Westen der Gemarkung liefert das Villinger Muschelkalkgebiet nährstoffreiche, wasserdurchlässige und für den Anbau von Futterpflanzen und Getreide günstige Böden, insbesondere auf der Hochfläche östlich der „Wanne“.

Das Villinger Klima — abgesehen von der Waldgemarkung — gehört zum Klima der Baar, das eine niedrige mittlere Jahrestemperatur aufzuweisen hat. Sie liegt in Donaueschingen bei 6,2°, in Villingen bei 5,7°. Die Hochflächenlage der Baar begünstigt die Anstauung von kalten Luftmassen. Sehr stark sind nächtliche Wärmeausstrahlungen, so daß hohe Temperaturschwankungen nicht selten sind! Noch im Mai und Juni kann es geschehen, daß Obstblüten und Kartoffeln in freien Feldlagen erfrieren. Auch die Jahreszeiten weisen oft unvermittelte Übergänge auf, so zwischen Winter und Sommer, so daß das Frühjahr häufig kaum in Erscheinung tritt.Das Villinger Klima ist gekennzeichnet durch kurze, sehr oft heiße Sommer und lange, milde Herbste. Die Winter sind in der Regel lang, kalt und schneereich.

Die Niederschlagsmenge im Stadtgebiet beträgt 867 mm, auf der Hochfläche östlich der „Wanne“ nur 800 mm, ist hier also bedeutend niedriger als z. B. im Schlegelwald (1180 mm) oder im Hochschwarzwald (1200 — 1400 mm).