Valentin Schertle – ein bedeutender Lithograph und Zeichner des 19. Jahrhunderts (Hans Hauser)

Geboren 1809 in Villingen, gestorben 1885 in Frankfurt

Über die Lehre in der Herderschen Kunstanstalt zu Freiburg führte sein Weg 1830 nach München auf die Akademie. “ Ende der dreißiger Jahre geht er nach Rußland, bereist die Krim, besucht Odessa und Riga,    um dann in Petersburg und Warschau eine mehrjährige, überaus fruchtbare Tätigkeit zu entfalten. In diesen russischen Aufenthalt fallen eine große Anzahl von originellen Porträtaufnahmen in Blei, Kreide und Tuschmanier, die meistens in private Hände übergingen. Groß ist auch die Zahl der Blätter, die er nach Gemälden berühmter oder bekannter Maler zu Veröffentlichung auf Stein zeichnete. Zu den bekanntesten dieser Zeit gehören wohl die Blätter mit der Heiligen Familie von Raffael und des Johannes von Domenichino in der Eremitage. Mit einem großen Blatt der Kaiserin von Rußland in ganzer Figur nach einem Gemälde von Madame Robertson eroberte er sich auch den Zutritt zum kaiserlichen Hofe. — Im Jahre1845 kehrte Schertle Rußland den Rücken, um, reich an Erfolgen und Ehren, in Deutschland seinen bleibenden Aufenthalt zu finden. Nach verschiedenen Reisen, die ihn auch in seine engere Heimat brachten, läßt er sich zunächst in Berlin, bald darauf aber in Frankfurt am Main nieder, das sein ständiger Wohnsitz und Arbeitsfeld bleiben sollte bis an sein Ende.“

Aus der Petersburger Zeit ist folgende Anekdote überliefert: Nachdem Valentin Schertle das Gemälde der russischen Kaiserin Alexandra Feodorowna zum Zwecke der Vervielfältigung so meisterlich auf Stein gezeichnet hatte, war er bei Hofe ein gerngesehener Gast. Um dem Künstler sein Wohlgefallen zu zeigen, schenkte ihm der Kaiser eines Tages ein Buch in schönem Einband. Als Schertle es öffnete, stellte er mit Überraschung fest, daß das scheinbare Buch gar keine Blätter zum Lesen enthielt, dafür aber ein Bündel Blätter Hundert-Rubel-Noten. Als sich der Monarch und Schertle wenig später begegneten, fragte der Kaiser schmunzelnd den Künstler, wie ihm denn das Buch gefallen habe. Nicht minder schalkhaft erwiderte unser Landsmann: „Sehr gut, doch wenn Eure Majestät erlauben, würde ich auch gerne den zweiten Band davon lesen.“ Kaum vergingen ein paar Tage, da erhielt er tatsächlich ein neues Buch. Er öffnete es, und entgegen schauten ihm wieder die kostbaren „Blätter „; doch ein Zettel lag daneben, auf dem stand:

Zweiter und letzter Band!

Nicolaus I

Hans Hauser

Quelle:

Mein Heimatland, 17. Jahrgang, Heft 6/7, 1930, — Badische Blätter für Volkskunde … Freiburg