Von Hexen, Zauberern und dem Prozeß zu Villingen (Werner Huger)

Unser Beiratsmitglied, Dipl. Hdl. Werner Huger, hat im Januar ds. Js. einen von den Zuhörern beifällig aufgenommenen Vortrag über das obige Thema gehalten. Aufgrund mehrerer Bitten veröffentlicht die Redaktion des Jahresheftes nachstehend den Vortrag auszugsweise.

Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts war es die herrschende Auffassung der römischen Kirche, daß der mit einer kirchlichen Buße zu belegen sei, der in seinem Aberglauben Hexen, Wetter— oder Liebeszauber und dergleichen als real ansah.

Man ging also davon aus, daß man nicht die Hexen selbst bestrafen könne, da sie die ihnen nachgesagten Fähigkeiten in Wirklichkeit gar nicht ausüben könnten.

Von 1183 an aber begann sich eine vollständige Kehrtwendung abzuzeichnen. (Sie ist im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen die südfranzösischen Ketzer zu sehen). Es wurde nicht mehr wie bisher der Glaube an die Hexenmacher unter Strafe gestellt, sondern von nun an ging man gegen Ketzer, Zauberer, Hexen und Taufelsbündner selbst vor.

In erster Linie verfolgt die Kirche zunächst die Ketzer — das waren solche, die dem herrschenden Glauben abtrünnig geworden waren oder doch für Abtrünnige angesehen wurden. Sie bediente sich dazu eines Glaubensgerichts, das man Inquisition nennt.

1232 wurden die Dominikaner mit der Wahrnehmung der Inquisition betraut. Jede Verleugnung der päpstlichen Autorität, eine sei es noch so geringe Abweichung von der offiziellen Kirchenlehre war als Abfall von der Kirche, als Abfall von Gott zu betrachten. Einzig denkbare Strafe konnte in der Regel nur die Todesstrafe sein, vollzogen durch das Feuer.

Ketzerei galt künftig als Sonderverbrechen wie Majestätsbeleidigung.

Im Rahmen der Neuordnung des Prozeßrechts wurden die Verfahrensgrundsätze von Öffentlichkeit und Mündlichkeit eines Prozesses abgeschafft.

Der Prozeßablauf war fortan schriftlich und geheim. Die wichtigsten Beweismittel, das freie Geständnis des Schuldigen, der Reinigungseid des Unschuldigen, das Gottesurteil und schließlich auch die Zeugenaussagen zu Gunsten des Beschuldigten, hatten fast ausnahmslos ihre ursprünglich entscheidende Wirkung verloren. Die Anwendung der Folter, bisher nur bei der Aufklärung einiger Sonderverbrechen zulässig, wurde allgemein als neues Beweissystem eingeführt. Der Verzicht auf eine ordnungsgemäße Anklage und das abgefolterte Geständnis kennzeichnen den Inquisitionsprozeß. Papst Innozenz VIII. ist als engagierter Ketzerjäger bekannt. Am 5. Dezember 1484 unterzeichnet er eine Bulle, die sich gegen den Widerstand richtet, der „seinen geliebten Söhnen Heinrich Institoris und Jakob Sprenger“ in Deutschland entgegengebracht wurde. Die Namen, die entscheidenden Namen, die für die künftigen Hexenverfolgungen stehen, sind gefallen. Die finsteren Jahrhunderte des Mittelalters brechen an. Dämonische Gewalten werden in den Menschen entzündet: eine giftige, fantastische Erotik flammt auf, Habgier und Neid suchen nach Opfern.

Institoris und Sprenger waren die vom Papst bestimmten Inquisitoren für Deutschland.

Taktisch klug überbrachten Institoris und Sprenger dem Papst Schauermeldungen über das Hexenwesen in Deutschland, die der Kirchenfürst kritiklos entgegennahm. So beklagt die päpstliche Bulle, „summis desiderantis“ wird sie genannt, nicht nur den gemeldeten Glaubensabfall, die Ketzerei, sie bringt auch eine nahezu vollständige Aufzählung aller den Hexen vorgeworfenen Verbrechen.

Man nennt sie deshalb die „Hexenbulle“.

„Nicht ohne übergroße Kümmernis“, so der Papst, „kam uns neulich zu Ohren, daß in einigen Teilen Oberdeutschlands und ebenso in den Diözesen und Provinzen von Mainz, Köln, Trier, Salzburg und Bremen, eine große Anzahl von Personen beiderlei Geschlechts des eigenen Heiles uneingedenk und vom Katholischen Glauben abfallend, mit dem Teufel Unzucht treiben, und mit ihren Zaubersprüchen und Beschwörungen und anderen abscheulichen Hexenkünsten, also durch Verbrechen und Frevel, die Kinder der Menschen, wie die Jungen der Tiere töten, die Saaten der Felder, die Trauben der Weinberge und die Früchte der Bäume zugrunde richten, Mensch und Tier mit entsetzlichen inneren und äußeren Qualen peinigen und das eheliche Zusammensein der Männer und Frauen sowie die Empfängnis verhindern“ . Die Ausführungen der päpstlichen Bulle waren Institoris und Sprenger noch nicht genug. Ein erster Erfolg: zwischen 1481 und 1486 hatten die beiden Inquisitoren in Konstanz bereits 47 Hexenverbrennungen durchgesetzt. Sie scheiterten zunächst aber in Tirol. Nachdem sie jedoch den Widerstand römischer Kirchenrechtler überwunden hatten, wird in dem von ihnen als Anleitungsbuch zur Hexenverfolgung verfaßten „Malleus maleficarum “ (1487), dem „Hexenhammer“, die Vorstellung vom Flug der Hexen zum Teufelssabbat verbreitet. Mit ungeheurem Fanatismus gingen Institoris und Sprenger daran, die hinter der Bulle stehende päpstliche Autorität im Sinne ihrer eigenen Vorstellungen auszunutzen. Mit drei Schritten erreichten sie dieses Ziel:

1. Von dem späteren Kaiser Maximilian, ein damals noch hochgradig von der Macht des Teufels und der Realität der Hexen überzeugter Herrscher, erreichten sie die Ausfertigung einer Urkunde, die der Bulle Unterstützung und damit den Inquisitoren Schutz verhieß.

2. In der Druckausgabe stellten sie die Bulle dem Text des Hexenhammers voran und erweckten so den Eindruck, als seien die in ihr gemachten Apelle zur Unterstützung der Inquisitoren gleichermaßen auch auf deren Schrift bezogen. Später wurde der „Hexenhammer“, durchsetzt mit Verhöranleitungen und Fallbeschreibungen, der Gebrauchskommentar der Richter.

3. Der Straßburger Bischoff Albert von Bayern erhielt den Auftrag, dieGegner der Hexenverfolgung, „weß Standes sie auch seien“, zunächst mit Kirchenstrafen ( Bann, Suspension, Interdikt) zu belegen und sofern dies nicht ausreiche, die weltlichen Stellen anzurufen.

Diese Schrift des Hexenhammers der Dominikaner Heinrich Institoris und Jakob Sprenger ergänzten, verdichteten und erweiterten die Bulle des Papstes so, daß auf ihr die Grundlagen für das Entstehen eines bis zur Massenhysterie gesteigerten Verfolgungswahnes basierten. Es gibt Schätzungen, sie mögen übertrieben sein, daß bis zu 9.000.000 Menschen zwischen 1480 und 1780 in Europa als Zauberer oder Hexen verbrannt worden sind.

Der Hexenhammer ist in mehrere Bücher eingeteilt.

Dem ersten Buch wurde gleich einem Dogma die These von der Realität der Hexen und — hier einmal in der wörtlichen Bedeutung — die Verketzerung all derjenigen, die das für fragwürdig halten, vorangestellt. Das zweite Buch beschreibt mit vielen Beispielen die Fähigkeit der Hexen, führt aber auch eine Liste allgemeiner, geheimer und kirchlicher Heil— und Gegenmittel auf. Etwa: Du sollst uns unsere Früchte unbeschädigt lan, Im Namen Gottes des Vaters, Gottes Sohnes und Gottes des hl. Geistes. Die Frage, warum die Ausübung des Zaubers verworfen, gleichzeitig aber die Anwendung des Gegenzaubers gefördert wurde, wagte bis ins 18. Jahrhundert niemand zu stellen.

Soweit es die den Hexen nachgesagten Fähigkeiten anging, nahmen Sprenger und Institoris nun die Gelegenheit wahr, all das in den „Hexenhammer“ mitaufzunehmen, was Papst lnnozenz VIII. noch wenige Jahre zuvor als nicht mit den Kirchenrechtsvorschriften vereinbar aus dem Entwurf der Bulle ’summis desideran-tis‘ herausgestrichen hatte: die Hexenfahrten und den Geschlechtsverkehr zwischen Teufel und Mensch.

Von Institoris und Sprenger erfahren wir:

Es gibt unter der Oberheit Luzifer so viele Teufel wie Sand am Meer. Macht sich einer von ihnen an einen Menschen heran, so fabriziert er sich einen irdischen Leib aus Luft, den er „durch Dämpfe verdichtet“. Ist sein Opfer ein Mann, so nimmt der Teufel die Gestalt einer succuba, einer „Darunterliegenden“ an. Er erscheint dann als junges, blendend schönes Mädchen, als engelhafte Unschuld oder als verführerische, erfahrene Frau. Ist sein Opfer ein Weib, so verwandelt er sich in einen incubus, einen „Draufliegenden“.

Im Lateinischen gibt es natürlich Wörter für männlich und weiblich, aber um keinen Preis hätte man sie gegen die obszönen plastischen ’succubus‘ und ‚incubus‘ vertauscht. Ehe der männliche Teufel nun dem Opfer seinen Antrittsbesuch abstattet, was oft in aller Öffentlichkeit geschieht, putzt er sich fein heraus. Meistens erfolgt sein erstes Auftreten in der Gestalt eines fahrenden Studenten, eines Junkers oder Jägers oder auf der Durchreise befindlichen Reitersmann — wobei er offensichtlich schwarze Kleidung bevorzugt.

So ausstaffiert könnte es losgehen, jedoch erhebt sich hier eine Schwierigkeit. Die Kenntnis von dieser Schwierigkeit haben wir nicht aus den Foltergeständnissen, denn das konnten die armen Menschen gar nicht wissen, sondern diese Spezialkenntnis stammt von den Inquisitoren selbst: der Teufel hat kein Sperma!

Die Teufel tun nun folgendes, sie besorgen sich das Sperma. Nicht wie in den USA in der Apotheke (Apotheken gab es damals schon), sondern auf jene Weise, die auch heute noch die vorzüglichste ist, von der Quelle. Sie verführen als succuba einen Mann, verwandeln sich dann, habend, schnell in einen incubus und eilen zu ihrem Opfer. Jetzt ist es soweit. Im sicheren Besitz des Notwendigen verlocken sie das Mädchen oder die Ehefrau zur Hingabe, unersättlich wieder und wieder. Eine „Hexe“ aus Österreich bekannte, daß sie mehr als 800mal zu ihrem Liebsten, dem Teufel gefahren sei.

Nun zum dritten Buch des Hexenhammers.

Es beschreibt das Gerichtsverfahren — eine ausführliche Anleitung, speziell auf die Bedürfnisse der Richter zugeschnitten, auf ihren Umgang mit Advokaten, Zeugen und Hexen. Eindeutig sind die Akzente gesetzt, die Gewichte verteilt: 16 der 35 Kapitel des dritten Buches beschäftigen sich ausschließlich mit dem Urteil, zwei Kapitel befassen sich mit der Verteidigung des Angeklagten, besser gesagt mit deren Beschränkungen, Erschwernissen.

Es gelang den beiden, jegliche Verteidigung soweit wie möglich aus den Prozessen zu verbannen; das wurde erreicht, indem der Hexenprozess in den Status eines Sonderverbrechens wie früher die Ketzerei erhoben wurde. Es gab keine Wahlverteidiger. Daneben unterlagen alle Ausführungen des zugewiesenen Verteidigers aber auch dem Veto des Richters, wenn sie nicht mit dessen Prozeßstrategie übereinstimmten. Letzl ich blieb dem Verteidiger nur die Überwachung einiger unabdingbarer Vorschriften. Eine echte Verteidigung war damit unmöglich geworden.

Halten wir das Wichtigste, das wir bislang dem Hexenhammer entnehmen können, kurz fest:

1. Hexen fliegen zu gemeinsamen Treffpunkten. Sie tun das auf einem Stecken, mittels eines Besens aber auch auf Tieren.

2. Hexen sagen sich von Gott los, verleugnen ihn, die Heiligen und die Jungfrau Maria. Sie entweihen Hostien.

3. Hexen treffen sich auf einem gemeinsamen Tanz zum Hexensabbat an bestimmten Orten, wo sie mit dem Buhl, dem Teufel, zusammentreffen, essen und trinken und Geschlechtsverkehr, nicht zuletzt mit dem Buhlen selbst, ausführen. Abt Gaisser vom Kloster St. Georgen zu Villingen berichtet in seinem Tagebuch unterm 15.Juni 1641: In der auf diesen Tag folgenden Nacht führten unsere Zauberinnen und Hexen im öffentlichen (städtischen) Tanzhaus Tänze auf.

4. Hexen und der Teufel üben überhaupt miteinander den Geschlechtsverkehr aus, die Teufelsbuhlschaft.

5. Neben dem Geschlechtsverkehr zwischen Teufel und Mensch steht der Schadenzauber im Mittelpunkt des Hexenhammers. Nicht der Glaubensabfall allein, sondern in erster Linie die darüber hinausgehende Schadensverursachung sollte bestraft werden, denn der Pakt mit dem Teufel hat das Ziel, ausgestattet mit den übernatürlichen Kräften des Bösen, bei jeder Gelegenheit größtmöglichen Schaden herbeizuführen: Krankheit oder Tod bei Mensch und Tier, Zeugungs— oder Gebärunfähigkeit, als Wetterzauber: Hagelstürme, Gewitter, Donner, BIitz , Regen, Nebel, Reif, Schnee, Frost, Raupen, Käfer und anderes.

Diesen Schadenzauber nennt man „Schwarze Magie“ im Gegensatz zur „Weißen Magie“, der Tätigkeit gelehrter Zauberer, mit ihren halbwissenschaftlichen Experimenten und harmlosen Gaukeleien, wie sie etwa als Taschenspieler oder Gaukler auch „Trixini, der Magier mit dem blauen Stein“, vorführt und die es damals ebenfalls gab, ohne daß sie der besonderen Gefahr verfolgt zu werden ausgesetzt waren.

Mit der Betonung der Schadenszauberei wurde im besonderen Maße die endgültige Ablösung der Ketzerprozesse durch den Hexenprozess geschaffen.

Gleichzeitig sollte das Hauptgewicht der Verhandlungen fortan bei den weltlichen Gerichten liegen. Wir können das auch für die Villinger Hexenprozesse bestätigen. Es gelang, aus der Hexerei schließlich ein Sonderverbrechen („crimen exceptum“) wie das der Ketzerei zu machen und damit auch die Anwendung der Verfahrensgrundsätze des Inquisitionsprozesses einzuführen, nämlich, wie von mir schon erwähnt, geheime, schriftliche Verhandlung, Erschwerung der Verteidigung — und die Folter als Beweismittel.

In der praktischen Anwendung bedeutete dies für den Richter, jedes Mittel ein Geständnis herauszulocken, herauszupressen, war von vornherein gerechtfertigt.

Es galt auch nicht der Grundsatz „in dubio pro reo“ sondern „im Zweifel gegen den Angeklagten“.

Das Urteil konnte nur auf Todesstrafe lauten, und zwar auf „Verbrennen bei lebendigem Leib“.

Wenn der Verbrennung des Körpers aber die Enthauptung vorausging, wie wir dies bei den meisten Hinrichtungen in Villingen feststellen können, so ist darin in erster Linie ein Gnadenerweis zu sehen, nachdem die Deliquentin oder der Deliquent zuvor gebeichtet und bereut hatte. Es berichtet der Benediktinerabt Gaisser in seinem Tagebuch über die 1641 hingerichtete Anna Morgin, sie habe geschrien: „Verbrennt mich nicht lebend, so gebt mir die meinesgleichen zustehende Vergünstigung und nehmt mir vorher den Kopf“, worauf eiligst ein Priester herbeigeschafft wurde, dem sie beichtete und von dem sie den Empfang des heiligen Abendmahls erbat.

Ulrich Rodenwaldt spricht in seinem Buch „Das Leben im alten Villingen“ von „etwa 60“ Frauen und Männern, die als Hexen oder Zauberer in Villingen hingerichtet wurden. In Rottweil (am Neckar) sollen im 16. Jahrhundert 42 und im 17. Jahrhundert 71 Hexen und Zauberer verbrannt worden sein.

In Offenburg und Umland wurden zwischen 1557 und 1630 insgesamt 102 Menschen, darunter einige Männer, als Hexen und Zauberer hingerichtet, davon zwischen 1627 und 1630 allein 74.

Bezeichnenderweise ist die Zahl der Hingerichteten in ganz Deutschland — und das gilt auch für Villingen —während des Dreißigjährigen Krieges besonders hoch. Aus den Villinger Kriminalakten von 1631 bis 1650 über Hexerei habe ich eine repräsentative Zahl der unter der Folter gemachten Geständnisse ausgewählt und will sie nun im folgenden in ihrem Inhalt mit den bisher ausgeführten Feststellungen vergleichen.

Auswahl:

Kriminalakten von 1631 — 1650 über Hexerei

1633 Barbara Neidingerin gesteht:

– der böse Geist kommt im schwarzen Kleid

– sie verleugnet Gott

– beschläft sie

– Tanz beim Warenburger Leiblin, der böse Geist brachte dazu Wein in Schneckenhäusel

– macht Wetter, schlägt Vieh

– statt Geld Hafenscherben

Urteil: Abschlagen des Hauptes, Verbrennen zu Asche.

1634 Mehrmalige starke Folter der Schweisgerberin, die dann schließlich gesteht, daß sie dem bösten Geist zu Willen gewesen sei, aber statt dem versprochenen Geld nur Hafenscherben;

– verleugnet Gott vor dem oberen Thor

– Tanz auf dem Kreuzbühl, zum Tittelbrunnen

– der Buhl gibt ihr ein Häfelein, welches sie umschüttet und es gibt einen Reifen

– macht Hagel

– Tanz zu Rottweil

– Tanz unter der Metzig und auf dem Keferberg

Vom 21. Mai — 6. Juni 1640 finden Inquisitorien statt:

Katharina Haßlerin gibt zu Protokoll : Als sie noch ein junges Kind gewesen : Es kam ein schwarz Büblein, sagte

– es müsse bei ihm Hochzeit halten

– alles Böse tun, die Leute lähmen, Nebel, Reif und Wetter machen.

– fuhr mit ihm mit einem Stecklein nach .?. zur Hochzeit

– Tanz auf dem Kreuzbühl

Zum Folterverfahren

1640 Anna Millerin

22. Mai    — in Güte examiniert, hat in Güete das Geringste nit bekennen wollen. Bei vorgenommener Tortur, an deren sie mehr als eine halbe Stunde gewesen und zum anderen Mal aufgezogen worden

Kein Geständnis.

 

23. Mai    wieder in Güete examiniert, kein Geständnis. wieder torquiert ( = gepeinigt, gefoltert) : erstens hat man sie aufgezogen mehrmals, hat aber nichts verfangen wollen, also hat man ihr auch den rechten Zehen anseilen lassen und wieder aufziehen lassen. So hat man ihr auch den Braunschweigischen Stiffel anlegen und die Zehen mit dem Dymel (?) eysen ( Dümmel = Daumenschrauben) einschraufen lassen.

Kein Geständnis.

Über eine Hinrichtung konnte ich nichts feststellen.

1640    Die im Juli 1640 nach ihrem Geständnis wegen Hexerei durch das Schwert hingerichtete Anna Singerin gesteht unter anderem: Gestern sei ihr Buhl (der Teufel) bei ihr im Gefängnis gewesen, habe ihr Bekenntnis zu leugnen befohlen und sie beschlafen, bei einem Arm genommen und über sich geworfen, sie zweimal ins Gesicht geschlagen, davon ihr das Maul noch weh tue.

Singerin:

Sie habe etliche Male gebeichtet. . . , das hl. Sakrament eingenommen, seie darauf geschwollen und hernach drei-oder viermal wieder gebrochen; habe sie bei ihr gedacht, seie es nit würdig, darüber sie es aufgewischt und in ein fleißig Wasser geworfen.

1640    Die zusammen mit der Anna Singerin hingerichtete Waltpurga Merkhin wird von den sieben Vernehmenden ( Mitglieder des Raths, Zunftmeister, Schultheiß) ebenfalls zunächst in der Güete stark zugesprochen

Kein Geständnis

„zur Tortur gefiert“, die Händ gebunden und aufgezogen worden zu verschiedlichen malen, hat sie schließlich bekannt, daß sie seinem Begehren mit ihm zu schlafen nachgegeben hat, sie gesteht die Verleugnung Gottes daß sie das Vieh geschlagen hat, Reif und Hagel zauberte, daß beim Tanz im Wolfgarten war wohin sie auf der Gabel, so sie gesalbet, gefahren sei !

1641    Beschuldigt, einen Buben zwischen die Schulter geschlagen (verhext) zu haben, der dann starb, ferner zu Mönchweiler mit einer Neyerin durch das Fenster geredet zu haben (also sie verhext zu haben) und diese nach drei Stunden gestorben gesteht nach mehrmaliger Tortur Eva Fleigin von Münchsweyler diesen Schadenzauber an Menschen.

Natürlich gibt auch sie zu: das Schlagen von Vieh, Tanz auf dem Haßler, dabei Wein in Eierschalen, Tanz bei der Ziegelhütte, zum Tanz gefahren, dabey sei der Kraut auch gewesen, mit einer gedantzt, die nicht mehr am Leben. Sie war seit drei Jahren die Magd des Hans Jakob Kraut, dem Sohn des berühmten Hafnermeisters Hans Kraut,der damit gefährlich belastet wird.

Auch er wird verhaftet, mehrmals aufgezogen, gesteht die Verleugnung Gottes, die Teilnahme an verschiedenen Hexentänzen, gesteht auch, er habe Gott und alle Heiligen verleugnet, versucht aber immer wieder, so gut es geht, den Schadenszauber „Leut verdorben und Vieh geschlagen“ abzuleugnen.

Mit dieser Taktik könnte er u. U. erreichen, daß er nur einer kirchlichen Strafe — etwa der Exkommunikation zugeführt würde, statt wegen Schadenzauber zum Tode verurteilt zu werden. Es nützte ihm nichts, die Folter war stärker. Hans Jakob Kraut, wie der Vater Hafner im elterlichen Haus, ist, als man ihn foltert, schon 73 Jahre und als er bittet, man wolle ihn seines hohen Alters wegen verschonen, wolle alles in Güte sagen, da hat man ihn nicht wieder aufgezogen und er gestand alles, was das Richterkollegium von ihm hören wollte, wobei auch er noch andere Personen nennt.

„Wolle gern und willig sterben und muß sein Mißhandlung leiden; bitte Gott, das nur die Stund bald vorhanden seye“.

Er und seine Magd sterben am gleichen Tag, am 22. April 1641, unter dem Schwert des Scharfrichters, die Leiber werden verbrannt.

1641    Hildegard Judenkünigin gesteht, auf einem Hund, ihr Verführer auf einer Gaiß zum Hexentanz gefahren zu sein.

Hat ein Wetter gemacht, das nachließ als man anfing zu läuten.

Heilige Kommunion: der böse Feind sagte; „seye nit der Leib von dem Blut Christi, sondern nur Narrenwerk“, legte die hl. Hostie in den Opferstock, statt sie ihm zu geben, wofür sie „übel von ihm geschlagen worden“, schlägt Vieh.

Sie wird enthauptet und verbrannt.

1641    Lucia Diemin reitet auf einem Stecken zum Keferberg, auf einem Besenstiel zum Kerbach, macht einen Nebel auf der Schwenniger Steig. Sie wird enthauptet und verbrannt.

1641    Dem Jacob Scharenmayer erscheint der böse Geist in der Gestalt der Magd des Junkers Widmann (succubus = Darunterliegende), Tanz beim Bickenkäpelle — dabei die Schwanenwirtin — beim Wolf-garten, Keferberg. Enthauptet und verbrannt.

1641    Eva Grieningerin; Tänze u. a. zu St. German, drückt mehreren klein Kindern das Gehirn ein. Enthauptet und verbrannt.

1641    Margaretha Edelmanin oder „alt Schlenkherin“ fährt auf einem Geißbock zum Tanz nach Freiburg, (für Freiburg war der Kandel als Hexentanzplatz zuständig) in die Gerbergasse, Hafnergasse; hat bei 20 Nebel und 50 Wetter gemacht. Enthauptet und verbrannt.

Alle diese “ Geständnisse “ sind symptomatisch und ließen sich auf unzählige Fälle in Deutschland anwenden. Lassen wir es enden.

Immermehr begann sich die unwiderstehliche Macht der historischen Wahrheit durchzusetzen, für die katholische Seite wohl auch unter dem Eindruck eines von Papst Leo XIII. im Jahre 1883 herausgegebenen Rundbriefes. Zitat: “ Der Historiker soll nicht wagen, die Unwahrheit zu sagen und nicht fürchten die Wahrheit zu offenbaren.“

Nun, die Auseinandersetzung ist über— und ausgestanden — ganz im Gegensatz zum Glauben an die Existenz der Hexen .. .

Wenn Lessing in seinem Nathan den Weisen -seinen Nathan sagen läßt, daß auch der erkannte Aberglaube seine Macht nicht über uns verliert, gilt das heute mehr denn je.

Und nun zitiere ich Ihnen aus einem so unverfänglichen wie liebenswürdigen Buch unseres Vil I inger Freundes Hans-Jörg Kindler, seines Zeichens „Trixini, der Magier mit dem blauen Stein „: Erlebnisse eines Zauberkünstlers, 15. Kapitel: Mit dem Teufel im Bund? Er schreibt: Ein katholischer Dorfpfarrer hatte meine Vorstellung von der Kanzel herunter empfohlen. Der Saal war ausverkauft, aber der Geistliche wurde nachher von Pfarrangehörigen heftig kritisiert: „Wie können sie so etwas in der Kirche empfehlen?! Dieser Trixini hat doch übernatürliche Kräfte und ist sicherlich mit dem Teufel im Bund. Diese Kunststücke bringt doch ein gewöhnlicher Mensch nicht fertig!“ Ein anderes Mal in einer kleineren Stadt: Zauberschau mit Reinerlös für den neuen evangelischen Pfarrsaal. Hinterher bekam der Pastor Briefe von pietistischen Gemeindemitgliedern: Lieber Bruder B. — der katholische Zauberkünstler Trixini im evangelischen Gemeindesaal Sch. Können Sie das verantworten?

Was wir über ihn gelesen und von ihm gesehen haben, ließ uns zu der Überzeugung kommen, daß er mit dem Bösen einen Vertrag haben muß. Er zeigt Dinge, die menschliches Begreifen übersteigen. Haben sie ihn vor Gott gefragt, wie er diese Kunst zustande bringt? —Zeugen Jehovas schrieben mir, so Kindler, nachdem sie Presseberichte über mich bekommen hatten: Wir als Christen wissen, daß Gott das Zaubern verbietet und daß er sogar solche Menschen, die die Werke des Teufels, seines Widersachers vollbringen, ausrotten wird. Siehe 5. Mose 18, 10 — 12 usw.

Eine Frau frug schriftlich bei Trixini an, ob er ihr behilflich sein könnte und mit ihrer verstorbenen Mutter sprechen und sie fragen, wo sie geboren sei, wann und wo sie gestorben sei, denn das wisse sie nicht.

Ein Tankstellenbesitzer vertraute Trixini unter dem Siegel der Verschwiegenheit an, daß er Feinde hätte, die seinen Bankrott und seinen Tod wünschten. Er, Trixini, hätte doch bestimmt ein wirksames Mittel für ihn, das seine Widersacher kaltstellen und für alle Zeiten unschädlich machen könnte.

Es ist bis heute das Vorrecht der Okkultgläubigen geblieben, das Unerklärbare mit dem Übernatürlichen zu verwechseln; einen Trick für eine Manifestation aus einer anderen Welt anzusehen.

Aber das Wissen um den Aberglauben tut der Empfänglichkeit weiter Bevölkerungskreise für Übernatürlich—Magisch—Okkultes keinen Abbruch. Tagtäglich werden Fälle gerichtsaktenkundig, Verhandlungen, die man gut 200 Jahre zuvor noch als Hexenprozesse klassifiziert hätte, Prozesse gegen Hexenbanner, Erdentstrahler, Gesundbeter, Wahrsager, Hellseher, Teufelsbeschwörer, Wünschelrutengänger, Handleser, Teufelsaustreiber — gegen Okkulttäter.

Der Begriff „des Hexens, der Hexe „taucht in den Prozeßakten heute nicht mehr auf. Der Begriff ist tabu. Schon 1782 als man in der schweizerischen Kantonshauptstadt Clarus gegen die Magd Anna Göldi (oder Göldlin) verhandelte, vermieden die Richter die Angeklagte als Hexe zu bezeichnen, was dann andererseits kein Hinderungsgrund war, Anna Göldi wegen „Kunstkraft und Vergiftung“ zum Tode zu verurteilen. Wenn es stimmt, ist in Deutschland die letzte Hexe im Jahre 1856 hingerichtet worden. Richtiger ist aber wohl das Jahr 1775, am 11. 4. in Kempten, Bayern: Anna Maria Schwägelin.

Im Jahre 1956 und im Jahre 1973 hat das Institut für Demoskopie in Allensbach zwei Umfragen gleichen Textes gestartet. Sie lauteten: In früheren Jahrhunderten hat man an Hexen geglaubt. Denken Sie, daß vielleicht doch etwas dran ist — daß es vielleicht Hexen gibt?

Das Gesamtergebnis ist verblüffend, 10% der Bundesbürger glauben nach dieser Repräsentativumfrage uneingeschränkt an die Existenz von Hexen. Im Klartext: Mehr als 5.000.000 Bundesbürger sind fest und mit nur geringen Vorbehalten von der Existenz der Hexen überzeugt — 5.000.000! Und wie war das erst in der „guten alten Zeit „? Gott bewahre die Menschen vor ähnlich guten alten Zeiten!

Werner Huger

Quellennachweis

Manfred Hammes: Hexenwahn und Hexenprozesse Fischer—Verlag, Frankfurt 1977

B. Emil König: Hexenprozesse Verlag Hubert Freistühler, Schwerte Neuausgabe ohne Jahreszahl

Tagebuch des Abt G. M. Gaisser, Band 1

Lexikon für Theologie und Kirche, Herder Verlag, 1933

Kriminalakten von 1631 — 1650 aus Villingen in der Abschrift von Roder (Stadtarchiv Villingen)

Joachim Fernau: Und sie schämten sich nicht, Herbig Verlagsbuchhandlung, München 1971