Nachbetrachtungen zu den Münstergrabungen: Altäre (Werner Huger)

Die Erkenntnisse aus den archäologischen Grabungen im voranstehenden Beitrag hinsichtlich der Altäre im Münster sind gering. “ . . . von den Altären fanden sich keine Spuren“, heißt es zum romanischen Bau I. Über den staufisch—romanischen Bau II erfahren wir: „Von den Fußböden und den einst vorhandenen Einbauten hat sich wenig erhalten. Bei den Kirchenrenovierungen des 16. und 17. Jahrhunderts sind immer wieder Eingriffe in die Fußböden erfolgt; …“. Auch über Fundamente von Altären des Baues III sind nur Fragmente bekannt geworden. Keilhack schreibt, daß archäologisch gesichert, Ende des 16. Jahrhunderts ein neuer Steinplattenbelag für den Fußboden eingebracht worden sei und im 17. Jahrhundert der Fußboden im Schiff wesentlich erhöht wurde. (Vgl. vorangehenden Beitrag) Könnten dies Ursachen sein?

Für uns Heutige in diesem Maße nicht mehr vorstellbar, muß es aber im Hohen Mittelalter und den Jahrhunderten danach eine Vielzahl von Altären in der Kirche gegeben haben. Das gesellschaftlich—soziale und wirtschaftliche Leben wurde während des gesamten Mittelalters zur Förderung gemeinsamer Interessen hauptsächlich durch sogenannte Bruderschaften und Zünfte getragen. Beide regeln aber auch besonders die religiösen Belange ihrer Mitglieder; so hält man sich z.B. grundsätzlich in der Kirche einen eigenen Altar. Wenn man bedenkt, daß wir in einem Städtchen von knapp 2.000 Einwohnern, ähnlich den Verhältnissen in Villingen, um das Jahr 1400 allein 76 verschiedene Berufe finden, die zu „genossenschaftlichen“ Zünften zusammengeschlossen waren, läßt sich leicht vorstellen, welche Rolle die Zünfte und Bruderschaften Villingens auch im religiösen Bereich spielten.

Als literarische Ergänzung zu einem Teil der archäologisch nicht mehr nachweisbaren Altäre im Münster drucken wir im nachstehenden Beitrag den Inhalt der Urkunde ab, mit der Herzog Rudolf IV. von Österreich (Villingen gehört ab 1326 zu Vorderösterreich und zum Hause Habsburg) den Bürgern von Villingen das Besetzungsrecht für die von ihnen gestifteten Altäre und Pfründen bewilligt. Wir wollen damit, auf das Jahr 1361 bezogen, nur schlaglichtartig in die Szene leuchten, die sich durch die Jahrhunderte zog.

In dieser Bewilligung ist für “ sand Johans kilchen in der stat“( = Münster) von sieben Altären die Rede. Gleichzeitig wird die Bedeutung der “ pharkilchen vor der stat ze Villingen „, der Altstadt— und heutigen Friedhofskirche, deutlich, auf der jahrhundertelang die Pfarrechte ruhten. Für diese Kirche werden sechs Altäre genannt. (Wir ersparen uns hier die Aufzählung der zahlreichen weiteren Gotteshäuser der alten Stadt, die gestiftete Altäre enthielten). Eine verständlichere Kurzzusammenfassung des Originaltextes der herzoglichen Gewährung aus dem Jahre 1361 findet sich im “ Inventar über die Bestände des Stadtarchivs Villingen „, Band I: Urkunden, bearbeitet von Hans-Josef Wollasch, Seite 30, in: Schriftenreihe der Stadt Villingen, Ringverlag 1970, Villingen—Schwenningen.

Werner Huger