Herzog Rudolf IV. von Österreich bewilligt den Bürgern von V. das Besetzungsrecht für die von ihnen gestifteten Altäre und Pfründen daselbst.

 

Baden im Aargau 1861, März 12.

Wir Rudolf der vierd, von gotes gnaden herczog ze Osterrich etc., verjehen und tun kunt offenlich mit disem brief allen den, die in sehent, lesent oder horent lesen: Wan wir gottes dienst und lob durch die ere und wirdikeit, die er an uns gelegt hat, pilleich meren und alle zeit gern furdern, haben wir wol verstanden und ingenomen die andacht der erbaren und weisen unsrer lieben getrewen der purger von Vilingen, die ettleich altar und phrunden in der pharkilchen ze unsrer frowen vor der stat ze Vilingenl 1), die von uns ze lehen ist, und ouch in sand Johans kilchen gottes touffer in der statt ze Vilingen, die zu der egenanten pharkilchen ge-horet, gestiftet und gewidmet habent, die also genant sind: des ersten in der Alten stat ze Vilingen in der pharkilchen unsrer frowen altar, item des heiligen chruczes alter, item sand Erharts altar, item sand Otilien altar, item den altar zu sand Niclas chapell, item den altar zu den veltsiechen vor der stat cze Vilingen; dann in sand Johans kilchen in der stat unsrer frowen

altar, item des heiligen chruczes altar, item sand Marien Magdalenen altar, item sand Lienharts altar, item sand Niclaus altar, item sand Blesin altar, item des heiligen gaistes altar in der armen spital. Davon haben wir den vorgenanten unsern lieben getrewen, dem schultheiss, dem purgermeister, dem rate und den purgern ze Vilingen die gnad getan und tun ouch: swelich under in derselben altar ainen oder mer gestiftet und gewidmet habent, oder von den stiftern darzu erwelet und geornet sind oder furbazz geornet werdent, die sullen und mugen den oder die selben altar und phrund freilich lihen und besetzen, als es her chomen ist, und sol siu der kilchherre, wer ie zu den zeiten ist, daran nicht saumen noch irren in dhainem weg. Mit urchund dicz briefs, besigelten mit unserm insigel, der geben ist ze Paden in Ergow an sand Gregorii tag nach Christes ge-purd 1361, unsers alters in dem zwai und zwainczi-gisten und unsers gewalts in dem dritten jaren. Wir der vorgenant herzog Ruodolf sterken disen prief mit dirr underschrift unser selbs hant.

 

1 Altstadtkirche, jetzige Friedhofskirche

2 Münster

Anmerkung:

Lautzeichen zur Aussprache auf den verschiedenen Wörtern wurden aus technischen Gründen weggelassen.