DER MOND (Hans Brüstle)

O stille Nacht!

Du Friede meiner Einsamkeit

— kein Schlaf, kein Traum!

Ich lieg und wach,

das Herz schlägt laut

und zählt die Zeit.

 

Ein Vogel singt

im Park ein seltsam Lied,

ein seltsam Lied!

 

Und plötzlich quillt

ein dünner Strahl

durchs Fenster hell herein.

Und zitternd bleibt

er auf der weißen Decke stehn

und wandelt weiter dann,

verblassend,

in die dunkle Ecke

und erlischt.

 

O stille Nacht!

Du Friede meiner Einsamkeit

— kein Schlaf, kein Traum!

Ich lieg und wach,

das Herz schlägt laut:

Der Vogel aber schweigt.

 

Hans Brüstle

 

Diese Gedichte stammen aus: Variationen und Variationen II Verlag: Der Karlsruher Bote (Auflage vergriffen)