TRAUM (Hans Brüstle)

Wolke, schatte deine Flügel
über mein entblößtes Haupt,
daß ich tiefer schlafe
und, was ich geglaubt,
mir erschein zum zweiten Male,
unbefleckt und ohne Strafe:
Kinderlust in jenem Tale,
Sommerspiel auf grünem Hügel,
entgrenzten Wunsches Zauberland,

Glut und Feuer in der Brust,
ungenügter Liebe Brand.

Traum im Traum zum zweiten Male,

endlich wird es mir bewußt:

schaukelnd gleiten wir auf schmalem Boot

über Wassers Spiegel glatt.

Aber unterirdisch treibt die Quelle

Tropfen, Strom und ewiges Gefälle

und was schon in sich den Tod

und die Auferstehung hat.

 

Hans Brüstle