Nachlese zum Zähringerfest (Dr. Josef Fuchs)

Das in der letzten Augustwoche ds. Js. veranstaltete Zähringerfest darf seiner Bedeutung wegen in unserem Heft nicht fehlen. Der tiefere Anlaß für dieses Fest ist das Bedürfnis, des Alters und der Bedeutung der alten Stadt Villingen zu gedenken, obwohl keine eigentliche Gründungsurkunde für die Stadtentstehung überliefert ist. Dafür kann Villingen aber für sich in Anspruch nehmen, die älteste Münz-, Markt-, Zoll- und Gerichtsbannverleihung durch den Kaiser und deutschen König im März des Jahres 999, ausgestellt in Rom, erhalten zu haben. Die Bedeutung dieser Verleihung — soweit man heute weiß, die erste profane Marktrechtsverleihung in deutschsprachigen Landen — ist nach wie vor nicht eigens interpretiert und gewürdigt.

Das Fest sollte zum Zweiten eine Geste der Freundschaft gegenüber den deutschen und schweizerischen Zähringergründungen sein, zumal verschiedene Städte in den letzten zwei Jahrzehnten ihre „Handfesten“ gefeiert hatten und wir die Gastfreundschaft dieser Städte genießen durften. Weiterhin war ein historisches Datum für 1978 gegeben, in dem vor 700 Jahren Kaiser Rudolf von Habsburg der Stadt die Befreiung von auswärtigen Gerichten gewährte. Damit wurde das Villinger Stadtgericht erhöht, und es reihte sich dieses Datum an die großen königlichen Privilegien (Regalien) von 999 an.

 

 

 

 

 

 

Was für die Zwischenzeit zu sagen ist, hat in aller gebotenen Kürze Prof. Bader in seinem Festvortrag, der eingangs abgedruckt ist, getan. Desgleichen sollen die beiden auf dieser Seite abgedruckten Siegel — das früheste in geistlicher Form mit dem Reichsadler von 1244 und das zweitälteste in Schildform von 1253 — auf die Geschehnisse in Villingen während der reichsstädtischen Zeit von 1218 bis etwa 1253 bzw. 1284 besonders hinweisen. Diese Symbole beinhalten eine wesentliche Zeit unserer Stadtgeschichte von deren Ereignissen wir nur Weniges ahnen können. In dieser Zeit liegt auch für das Jahr 1241 die Tatsache der Stadtnennung im Reichssteuerverzeichnis.

Blickt man nun auf das Fest selbst zurück, so ist festzuhalten, daß sich der „Geschichts- und Heimatverein“ für den Ablauf für Stadtführungen und Besucherbetreuung voll engagiert hat, sich aber mit diesem Ereignis identifizierte und dies Fest rückblickend als ein ganzes und sicher wohlgelungenes betrachtet. Es gibt wenig Möglichkeiten, in aller Kürze solche Dinge schriftlich festzuhalten, und von dieser soll hier Gebrauch gemacht werden.

Der Ablauf des Festes mit wissenschaftlichen Vorträgen, musikalischen Veranstaltungen, den erwähnten Stadt- und Museumsführungen, die Präsentation der Zähringerstädte in den Schaufenstern mit dem großen Engagement der hiesigen Geschäftsleute, sodann dem eigentlichen Fest mit dem Festakt, dem Straßenfest und als Höhepunkt mit dem Umzug, dessen Mitte neun historische Szenen mit Wagen bildete. Thema dieses Umzugs war das Gericht, der Gerichtsbann der Marktrechtsur-kunde, das Institut der 24er (Richter), das Gerichtsprivileg Rudolfs, eine Szene „Asylrecht“, eine dem Romäus im Turm gewidmet, eine Szene „Urfehde“, welche einen Mordfall behandelt, die Zünfte und zuletzt die Darstellung des „Staates als Gerichtsherrn“. Wenn das unglaublich schöne Wetter das Seinige dazugetan hat, so darf man feststellen, daß wir kaum nettere Gäste hätten haben können, die auch mit Trachten, Wagen, Musikkapellen und historischen Gruppen dem Fest seinen Höhepunkt verliehen haben. Das Bleibende und der tiefste Eindruck dürfte jedoch sein, daß eine große Zahl von Freundschaften gefestigt und neu geknüpft worden sind.