August Wildi

geb. 1906 in Villingen, gest. am 9. 11. 1974 in Villingen

August Wildi bei einer seiner häufigen Begehungen der Villinger Kreuze, besonders der Feld- und Wegkreuze, hier am Zollhausweg an der Abzweigung zu den „Bertholdshöfen“.

 

In der Brunnenstraße 42 geboren und aufgewachsen, betrieb August Wildi, allseits in Villingen bekannt und 4 Jahre nach seinem Tod unvergessen, seine Landwirtschaft in seinem Geburtshaus im Riet beim „Spittl“, bis zum Bau seines Hofes 1939, im Rahmen der „Erbhöfe“, Bertholdshöfe genannt, auf der erhöhten Ebene im Osten der Stadt. Der „Wildi-Gustl“ hat seine Heimatstadt wohl in allen Dimensionen erlebt, ob in politisch schweren Zeiten — sein Hofbau basierte auch auf den Ideen des 3. Reiches, die ihm jedoch nicht wesensgemäß waren —oder in Zeiten der Not nach dem Krieg, — aber auch ihren Wiederaufbau. Weit mehr jedoch war ihm das, was unter dem Wort „Heimat“ verstanden wird und wurde, angemessen. Alle Details, auch die Fasnet, besonders auch die Utensilien Häs und Schemme, hat er im Bezug auf die jeweiligen Personen gekannt und wußte auf vieles seinen Vers zu machen. Viele Kunstwerke in der Stadt hat er gekannt. Auch in der Umgebung kannte er Dinge, für die er eintrat, daß sie nicht weithin verschleudert wurden. So hat er Maler in Villingen, zuletzt besonders den hier allseits sehr beliebten PaulBär, angeregt, Szenen aus dem alten Villingen zu malen und hat solche Gemälde erworben. —Ein ganz besonderes Kapitel stellte seine Liebe zur Villinger Krippenkunst dar. Unermüdlich hat er vor allem Dias von solchen gesammelt und seine eigene Krippe mit viel Liebe aufgestellt. — Seine größte Sorge galt jedoch den Kreuzen in Villingen, insbesondere den Weg- und Feldkreuzen. Ich hatte über Jahre die Freude, mit August Wildi über dieses Thema zu sprechen und mehrmals die Kreuze in Stadt und Umgebung abzufahren. Bei einer dieser Fahrten entstand die beigegebene Abbildung im Jahr 1972. „Sein Buch“ von den Kreuzen, das noch der Veröffentlichung harrt, hat er unter dem Arm. Nicht unerwähnt darf seine starke Bindung zur Münsterpfarrei bleiben, für die er immer ein Herz hatte; man erinnere sich besonders seiner originellen Vorträge! Das Stadtarchiv hat er oft besucht, und er fehlt uns bis heute, was wir oft untereinander feststellen mußten, dies und vor allem auch im Geschichtsverein. Am lebhaftesten im Gedächtnis blieben mir die Gespräche über „den Spittl“. Viele Einzelheiten, so die Ställe und ihre Anlage in der Kirche konnte ich von August Wildi erfahren, wie von keinem anderen, und es war erstaunlich, von ihm zu hören, daß die Knechtszimmer auch im Kirchenraum hinter den Ställen angeordnet waren. Es hätte ihn ganz besonders interessiert, was sich bei der Münsterrenovation aber auch im alten Franziskanerkloster tut. Der Geschichtsverein und die Villinger denken manchesmal, zumindest wenn sie an den Bertholdshöfen vorbeikommen, an ihren „Wildi-Gustl“, der sich sicher über manche neue Entwicklung seine Gedanken gemacht hätte.