Archäologische Untersuchungen im Münster U. L. F. zu Villingen (Thomas Keilhack)

Im Frühjahr 1977 wurde vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Außenstelle Freiburg, im Villinger Münster eine zeitlich kurz bemessene Sondierungsgrabung durchgeführt 1).

Diese Arbeiten hatten zum Ziel, einen ersten Einblick in die Abfolge von Erdschichten (Stratigraphie) unter dem Fußboden zu erhalten. Dabei zeigte sich, daß in dem Bereich der Sondierungen ein ungestörter Bestand von verschiedenen Schichten erhalten war, aus dessen Beobachtung erste Schlüsse über die Baugeschichte des Villinger Münsters gezogen werden konnten.

Bisher konnte man sich kein genaues Bild von der Baugeschichte des Villinger Münsters machen. Die am heutigen Bau ablesbaren Bauperioden konnten bislang weder eindeutig bestimmt noch in einen gültigen Zusammenhang gebracht werden 2).

 

Abb. 1: Blick von der Kanzel nach Südosten. Im Bild oben (schräg verlaufend) der Einschnitt des Heizkanals vor dem Chor. Westlich davor das durch die Gräber zerstörte Lettnerfundament.

 

Ebenso sind die Fragen nach Vorgängerbauten — die an der Stelle des heutigen Münsters gestanden haben könnten — und nach den Zusammenhängen zwischen der zähringischen Stadtgründung und einem ersten Gründungsbau unbeantwortet. Die schriftlichen Quellen machen zu der ersten Villinger Stadtkirche keine Aussagen. Obwohl bei der letzten umfassenden Restaurierung des Münsters in den Jahren 1906-1911 am aufgehenden Mauerwerk weitreichende Veränderungen und Ergänzungen durchgeführt wurden und auch durch Absenken des Fußbodens — durch Einbau von Warmluft-Heizkanälen bedingt — schwerwiegende Zerstörungen und Eingriffe in den Boden stattfanden, wurde die Möglichkeit nicht ausreichend genutzt, den wichtigsten baugeschichtlichen Fragen nachzugehen. Allerdings wurden damals Reste mittelalterlicher Wandmalereien im Chor freigelegt und in Aquarellkopien und Fotographien festgehalten (die leider verloren sind) 3).

Auf Veranlassung des Erzbischöflichen Bauamtes Freiburg wurden damals die bei den Bauarbeiten im Innern des Münsters zutagegetretenen Grundmauern grob vermessen und in einem Plan festgehalten, der uns erhalten ist 4). Die bei diesen Arbeiten angeschnittenen Grabstätten im westlichen Teil des Chores wurden zwar notiert, aber in ihrer Lage und Ausstattung nicht näher beschrieben. Das mit diesen Befunden aufkommende Interesse an historischen und baugeschichtlichen Fragen über die Geschichte des Villinger Münsters war recht rege, doch konnte oder wollte man aus bautechnischen und finanziellen Gründen den Dingen nicht näher auf den Grund gehen.

Erst 1942 beschrieb Karl Gruber in einem Aufsatz die einzelnen baugeschichtlich interessanten Details, die am heutigen Bau ablesbar sind, und würdigte die kunstgeschichtlich überregionale Bedeutung des Villinger Münsters 5).

Zu Beginn dieses Jahrzehntes wurde die Notwendigkeit einer gründlichen Sanierung und Restaurierung des Bauwerkes deutlich. Schwere Witterungsschäden an den Türmen und den Fassaden, Verunreinigungen und Feuchtigkeitsschäden sowie allgemeine Abnutzung von Wand-und Deckendekoration sowie der Ausstattung, dazu neue liturgische Bedürfnisse der Gemeinde geboten es, ein komplexes Restaurierungskonzept zu erarbeiten, das den Erfordernissen und den besonderen Eigenschaften des Villinger Münsters gerecht werden könnte.

Für das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg war die Aufgabe einer Restaurierung verbunden mit einer möglichst weitgehenden baugeschichtlichen Untersuchung des Bauwerkes, die selbstverständlich eine flächenmäßig groß angelegte archäologische Grabung des Kircheninnern einschließen würde.

Hier würde sich die Gelegenheit bieten, mit genauen wissenschaftlichen Methoden eine möglichst lückenlose Bestandsaufnahme des Bauwerkes sowie eine gründliche Analyse der gewonnenen Befunde durchzuführen. Somit wäre die Forschung in der Lage, ein genaues Bild der Baugeschichte des Münsters zu zeichnen und damit auch einen Beitrag zur Kunstgeschichte Südwestdeutschlands zu schreiben, in der das Villinger Münster einen hervorragenden Platz einnimmt. Darüber hinaus erhielten wir in Villingen die wohl letzte und einmalige Möglichkeit, einen so großen und einheitlichen archäologischen Komplex zusammenhängend zu untersuchen, der nicht nur baugeschichtliche Erkenntnisse liefern wird, sondern aus dem auch — erste Keramikfunde beweisen es — wichtige Bodendokumente zur frühen Stadtgeschichte Villingens an das Tageslicht kommen würden. Die Baugeschichte des Villinger Münsters ist durch die jeweiligen historischen Bedingungen durch Herrschafts- und Rechtsverhältnisse mit der Stadt untrennbar verbunden.

Abb. 2: Blick von Orgelempore im östlichen Mittelschiff und Chor. Deutlich erkennbar die Lage des alten Lettner-Fundaments und der Grabstätten.

 

 

Abb. 3: Lage der Grabstätten westlich und östlich des alten Lettner-Fundamentes. Die östliche Gräberreihe wurde durch den modernen Heizkanal (Hintergrund) angeschnitten.

 

Durch diese Einbeziehung siedlungs- und stadtgeschichtlicher Aspekte — unter genauester Berücksichtigung aller bisher bekannten Quellen, besonders auch der 2. bisher nicht bearbeiteten Bodenfunde aus dem engeren Bereich der alten zähringischen Stadtgründung — können die beabsichtigten Untersuchungen auch Hinweise für die weitere Zähringer-Forschung erbringen. Die Archäologie könnte über die Befunde im Münster eine genauere Einordnung Villingens in die Reihe der zähringischen Stadtgründungen ermöglichen — im Vergleich mit archäologischen Quellen an anderen zähringischen

Die baugeschichtliche Untersuchung — sie wird uns zunächst beschäftigen — wird zuvorderst durch die am bestehenden Bau ablesbaren Probleme bestimmt. Hier seien die wichtigsten grob skizziert:

1. Der von außen erkennbar älteste erhaltene aufgehende 3. Bauteil ist die Westfassade ohne den spätgotischen Giebel und ohne die später angesetzten, erweiterten Seitenschiffe, sowie das im südlichen Seitenschiff wiederverwendete Südportal. Die Westfassade des Mittelschiffes unterscheidet sich deutlich von allen anderen Fassaden des Münsters: Die Quaderung (mit einem sehr hohen Anteil an grünem Sandstein) ist sehr sorgfältig gesetzt; die einzelnen Quader weisen keine Zangenlöcher auf.

Unter den Seitenschiffdächern befinden sich, entlang der Hochschiffwände, ein in weiten Partien gut erhaltenes Wasserschlaggesims (Abb. 7) mit darüber anstehenden älteren Mauerteilen, die in regelmäßigen Abständen zugemauerte Fensteröffnungen erkennen lassen. Das Mittelschiff wurde also um einiges erhöht unter Wiederverwendung der alten Fenstergewände. Zu dieser Bauphase gehören die Wandmalereien an der Innenseite des Westgiebels und der bis heute gut erhaltene Dachstuhl des Mittelschiffes, in den eine nach unten offene Holztonne eingehängt war. Ihr Ansatz ist über der Malerei im Putz des Westgiebels gut erkennbar (Abb. 6).

Die Seitenschiffe wurden im späten Mittelalter verbreitert und auf die Außenfluchten der beiden Türme bezogen — die Baunaht zwischen den Seitenschiffen und dem älteren, spätromanischen Teil der Westfassade ist sehr gut auszumachen; zwischen den Seiten-schiffmauern und den Türmen ist eine deutliche Stoßfuge zu erkennen.

Der Hochgotische Chor und die jeweils beiden untersten Geschosse der Türme scheinen einer einzigen Bauphase zu entstammen. Dafür spricht zunächst ihr enger Verband zueinander, sowie die gemeinsame, zum übrigen Bau abweichende Achse. Die Obergeschosse der Türme sind Ausführungen darauffolgender Bauphasen.

Im Innern des Münsters stützen sich die Arkaden auf mächtige, quadratische Pfeiler; lediglich die beiden vierten Stützen (von Westen her gerechnet) sind monolithische Säulen (wiederverwendet?) auf attischen Basen. Die fünfte Stütze in der südlichen Arkaden-reihe — ein im Verhältnis zu den übrigen Pfeilern schmaler Achteckpfeiler — ruht auf einer abgearbeiteten attischen Basis, während das östliche Pfeilerpaar auf schweren, quadratischen Basen ruht. Von diesem Pfeilerpaar schwingen die beiden östlichsten Arkaden in fast überstrecktem Bogen zu den beiden Chorschultern.

Diese Probleme und Unstimmigkeiten geleiten zu folgenden Fragen:

Wenn in der Westfassade der älteste Teil erhalten ist —welche Teile des Obergadens des Mittelschiffes und der Arkaden können der rom. Westfassade noch zugerechnet werden?

Wie sind die Beobachtungen an den Langhausstützen zu bewerten? Gab es im Mittelschiff mehrere Umbauphasen, außer der Obergadenerhöhung?

Wenn Chor und Türme als hochgotische Bauwerke um 1300 eine einheitliche Bauphase bilden und den Ansatz eines großangelegten Neubaues erkennen lassen — warum folgte dann kein Neubau des Schiffes? Waren die Seitenschifferweiterungen und Mittelschiff-erhöhung billiger und notgedrungener Ersatz?

Wie war die bauliche Gestaltung der romanischen Ostteile, die dem gotischen Chorneubau weichen mußten? Welchen Bauteilen im Schiff können sie zugerechnet werden?

Abb. 4: Blick von der Kanzel nach Süden in das Mittelschiff Links von der Bildmitte ist bereits die Grabgrube von Grab 9 (vgl. Abb. 5) zu erkennen. Zustand nach Abheben des modernen Fußbodens.

 

Das Westportal ist stilistisch um 1220 einzuordnen; ungeklärt aber ist die Frage, ob dieses Portal in ursprünglichem Verband mit der Fassade sitzt oder nachträglich eingebaut wurde. Wenn die rom. Westfassade durch das Portal zu datieren ist — also um 1220 — stellt sich die Frage nach dem ersten Bau aus den Jahren nach der Stadtgründung (um 1120), denn Villingen wird wohl kaum einhundert Jahre ohne größere Stadtkirche für seine Bürger gewesen sein.

Dieser ganze Fragenkomplex ist nur zu lösen, indem sich archäologische Untersuchungen im Boden sowie Beobachtungen am aufgehenden Mauerwerk innen und außen während der Restaurierungsmaßnahmen gegenseitig ergänzen und erklären.

Im Februar 1978 wurde mit den Vorbereitungen für die Ausgrabung begonnen. Das Vorhaben, die stark schmutzende Warmluft-Umwälz-Heizanlage durch eine moderne Fußbodenheizung zu ersetzen — was zunächst eine Abtiefung des Bodenniveaus im gesamten Bau um fast 40 cm nötig macht — bedingte, die dadurch bedrohten Bodendokumente durch eine vorzeitig angesetzte archäologische Untersuchung zu bergen. Nachdem durch den gesamten Bau ein Vermessungsnetz gelegt worden war, das Inventar des Münsters an Ort und Stelle fotografisch und schriftlich dokumentiert worden war und durch Restauratoren ausgebaut oder gesichert war, konnte damit begonnen werden, den modernen Plättchenfußboden und den dazugehörenden Betonunterboden zu entfernen.

Mit den archäologischen Arbeiten wurde am 3. Juli 1978 begonnen. Dem Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Außenstelle Freiburg, war es gelungen, qualifizierte Mitarbeiter von den Universitäten Freiburg, Zürich und Tübingen sowie vom Eidgenössischen Institut für Denkmalpflege, Zürich, zu gewinnen, die die Arbeiten vor Ort ausführen werden. Unterstützt werden sie dabei von Arbeitern aus Villingen und Umgebung.

Erste Befunde: Gräber.

Obwohl die Untersuchungen von A. Zettler ergaben, daß mit einem ausreichenden Bestand gut erhaltener, nicht gestörter Schichten zu rechnen sei, waren doch die ersten Arbeiten von einiger Skepsis begleitet. Man wußte, daß bis zu der Restaurierung von 1906 ff. der Fußboden im Kirchenschiff mindestens 35 cm höher lag (Aufschüttung des 19. Jh.), die Basen der Pfeiler und Säulen also nicht sichtbar waren.

Abb. 5: Villinger Münster, Grab 9, Blick von Westen.

 

Erst die Restaurierung von 1906 ff. senkte den Fußboden wieder auf das spätmittelalterliche Niveau, wobei die Frage war, wieviele von den spätmittelalterlichen bis barocken Schichten bei jenen Arbeiten wegplaniert oder aber respektiert worden waren (Abb. 4).

Nachdem der moderne Betonboden entfernt und die Betondeckel und Ziegelwände der Heizkanäle abgebrochen waren, zeigte sich erst das Ausmaß der Eingriffe und Zerstörungen, die bei der Restaurierung—vor allem durch den Einbau der Heizung — geschehen waren.

Ein Heizkanal war quer durch das ganze Kirchenschiff unmittelbar vor den Stufen zu den Seitenaltären verlegt worden. Nachdem seine Seitenwände abgebrochen waren, konnte man erkennen, wie er eine ganze Reihe von Gräbern, die westlich von ihm angelegt waren, an ihrem Fußende abschnitt, so daß die Skelette von jenen Gräbern oft nur bis zu den Knien erhalten waren. Diese Beobachtungen im Westprofil dieses Heizkanales wurden bestätigt durch den Befund in der Fläche westlich vom Heizkanal im Mittelschiff wie auch in den Seitenschiffen; hier waren in den Erdflächen deutlich die Grabgruben von insgesamt mehr als zwanzig Gräbern auszumachen (Abb. 1 und 2). Unter diesen jüngeren Gräbern wurden im Laufe der Arbeiten mehr als dreißig weitere Bestattungen geborgen, die von jüngeren Gräbern z. T. gestört waren. Außerdem wurden im Lehm die Reste von weiteren Gräbern dokumentiert, so daß sich eine Zahl von 75 erhaltenen Gräbern nachweisen läßt. Zählt man die Reste längst zerwühlter Bestattungen dazu, die in der bis zu einem Meter mächtigen Schicht von Graberde gefunden wurden, so läßt sich die Zahl von weit über einhundert Bestattungen in diesem östlichsten Teil des Kirchenschiffes errechnen. Es wird davon ausgegangen, daß der Erdboden im gesamten Kirchenschiff wie auch im Chor und den Turmkapellen eine noch weit höhere Anzahl von Gräbern birgt.

Jedes einzelne Grab wurde sorgfältig ausgenommen, das Skelett fotografiert, beschrieben und im Maßstab 1 : 20 gezeichnet. Anschließend wurden die Bestattungen geborgen, um zu gegebener Zeit von einem Anthropologen individuell untersucht zu werden.

 

Abb. 6: Erhaltene Wandmalerei an der Innenseite des Westgiebels vom Mittelschiff Die Ornamente folgen der Krümmung der im 18. Jh. entfernten spätgotischen Holztonne (Aufnahme Sept. 1978).

 

Auffallend war, daß bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Bestattungen von menschlicher Hand durchwühlt waren — man mag an Grabräuberei denken. Denkbar ist, daß — abgesehen von den amtlichen Totengräbern — bei Bauarbeiten wie Ausbesserungen oder Neuverlegen von Fußböden die Grabplatten gehoben oder entfernt wurden. In diesem Zusammenhang ist auch bemerkenswert, daß bis jetzt noch keine einzige Grabplatte gefunden worden ist. Sie wurden wahrscheinlich zu Beginn des 19. Jh. entfernt und als Baumaterial verkauft, als man den Fußboden aufschüttete.

Ohne einer endgültigen Auswertung vorgreifen zu wollen, läßt sich jetzt schon sagen, daß alle bisher im Kirchenschiff geborgenen Bestattungen in das späte 17. und 18. Jh. einzuordnen sind. Dies läßt sich einmal durch Grabfunde (Reste von Rosenkränzen, Medaillons, Teile der Bekleidung) wie auch durch die barocken Sargformen bestimmen. Zudem schneiden einige Gräber das ergrabene Fundament des Lettners oder durchschlagen es geradezu — ein Umstand, der rekonstruieren läßt, daß der Lettner in seiner mittelalterlichen Form bei der Anlage der Grabstätten nicht mehr vorhanden war. Der Grabungsbefund läßt zudem auch kein einziges Grab älter als der Lettner bestimmen. In der Regel wurden die mittelalterlichen Lettner im frühen 18. Jh. durch dekorative Chorgitter ersetzt, was wiederum auf den oben angegebenen Zeitraum hinweist (vgl. Abb. 3).

Die Frage nach den Personen, die an diesem Ort bestattet waren, läßt sich erst nach der anthropologischen Untersuchung und der Auswertung der schriftlichen Quellen (Jahrtagsbücher, Totenbücher) schlüssig beantworten. Es wurden Geistliche aus der Priesterschaft des Münsters an diesem bevorzugten Ort in der Nähe des Altares („ad Sanctos“) beigesetzt. Priester wurden — im Unterschied zu den Laien — mit Blick nach Westen zum Kirchenportal hin beigesetzt; die Laien blickten zum Altar, die Fußenden ihrer Särge zeigten folglich nach Osten. Das bislang besterhaltene Priestergrab war Grab 9 (Abb. 5), dessen Skelett nicht durchwühlt war. Der Geistliche hielt ein gut erhaltenes Andachts-Kruzifix aus Bronze in der Armbeuge. Außerdem wurden in diesem Grab — wie in anderen Gräbern von Priestern — Reste der Nachbildung eines Meßkelches gefunden, der dem Geistlichen als Symbol seiner ewigen Priesterschaft mit ins Grab gegeben wurde 7).

Allerdings konnten auch begüterte oder angesehene Bürger der Stadt einen Platz für ihr Grab im Münster erwerben, wenn sie sich zudem z. B. durch eine Altarstiftung besonders hervorgetan hatten — Männer wie Frauen. Sogar Kinder wie auch Säuglinge wurden beigesetzt, obwohl dies vom Rat der Stadt ausdrücklich verboten worden war.

Spätestens nach den Verordnungen Kaiser Joseph II. wurden im Villinger Münster keine Gräber mehr eingebracht; die weitgehende Umgestaltung des Innenraumes des Münsters in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit ihrer Fußbodenerhöhung ließ die alten Gräber überschütten, einplanieren und vergessen — bis in unsere Tage.

Thomas Keilhack

Abb. 7: Dachboden südliches Seitenschiff Älteres Dachgesims, darunter in der Wand verkohlter Balkenstumpf eines älteren Dachgebälkes. Aufnahmen: LDA Freiburg.

 

Abb. 8: Steinmetzzeichen am Südturm, Ost-Seite; ca. 3 cm hoch, gut sichtbar.

 

Anmerkungen

1) Herrn A. Zettler und seinen Mitarbeitern sei an dieser Stelle für wertvolle Hinweise gedankt.

2) Literatur zum Villinger Münster: Franz X. Kraus: Die Kunstdenkmäler des Kreises Villingen. Freiburg 1890, S. 108-127. Karl Gruber: Zur Baugeschichte des Villinger Münsters. In: Mein Heimatland 29. 1942, S. 6-12. Paul Revellio: Beiträge zur Geschichte der Stadt Villingen. Schriftenreihe der Stadt Villingen 1964, S. 103-107 und 343 ff. Hugo Schnell: Villingen, Kleiner Kunstführer 3. Auflage der Nr. 549 von 1951, München 1968. Dr. Josef Fuchs: Das Villinger Pfarrmünster. Baugeschichtliche Daten und Probleme. Ein Beitrag zur Restaurierung. In: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, Heft 29, 1972, S. 62-75.

3) Diese Untersuchungen wurden von Dr. Max Wingenroth, dem damaligen Assistenten bei den Großherzoglichen Sammlungen in Karlsruhe, angeregt.

4) Original im Erzbischöflichen Archiv Freiburg, Bauakten Villinger Münster.

5) Gruber a. a. 0., Anm. 2).

6) Hierzu vgl. besonders den Aufsatz von Wolfgang Erdmann: Die Ergebnisse der Rettungsgrabung 1969 im Münster unserer Lieben Frau zu Freiburg im Breisgau. In: Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Heft 1, 13. Jhg. 1970, S. 2-24.

7) Das Material, aus dem die Kelchkopien gefertigt sind, ist uns noch unbekannt. Die sonst üblichen Materialien wie Blei, Zinn, Holz oder Wachs scheiden aus.