Hans Brüstle – Ein Lebensweg (Hans Hauser)

Diese kurze, stichwortartige und dennoch, wie ich glaube, klare Aufzeichnung seines Lebensweges ist sicher ganz in seinem Sinne. Er würde sie billigen, eher noch einiges streichen. Ich hoffe, daß ich so seinem Wesen gerecht werde.

Hans Brüstle ist nun ein Jahr tot, aber er ist nicht »weg«. Ich sehe ihn vor mir hergehen mit leicht wiegendem Gang, den Körper nach vorne geneigt, mit einem kräftigen Kopf, immer in Gedanken.

Geboren 1907 in Oberkirch im Schwarzwald lebte er mit seinen Eltern seit 1908 in Villingen. Sein Vater war Baumeister, seine Mutter ein hübsches Bauernmädchen aus dem Unterland. Seit 1937 verheiratet. Seine Frau holte er aus dem Bergischen Land in den Schwarzwald. Aus der Ehe sind zwei Söhne und eine Tochter hervorgegangen.

Zunächst mittlere Reife und dann durch den Tod seines Vaters im ersten Weltkrieg Unterbrechung der Schule und Banklehre. Daneben und darnach Weiterbildung zum Volksschullehrer in Lahr, Karlsruhe und Heidelberg.

Zuerst war er Leiter der deutschen Schule in Turin ( Italien ), danach Lehrer in Oberkirnach und Villingen. Gleichzeitig Weiterbildung zum Mittelschullehrer. Zuletzt Leiter der Karl-Brachat-Realschule in Villingen und nach seiner Pensionierung Leiter deren Abendrealschule in Villingen.

Eine der Haupteigenschaften Hans Brüstles war sein ungewöhnlicher Fleiß. Nichts schob er von sich weg, allem war er aufgeschlossen, zu allem aufnahmebereit. Trotzdem war ihm das Auftreten in der Öffentlichkeit ein Greuel, lautes Getue suspekt. Bescheiden und anspruchslos stand er Formalismen verständnislos gegenüber. Er schirmte sich gegen andere ab, er brauchte sie nicht, war aber den andern gegenüber jederzeit hilfsbereit. Nie haben ihn Menschen beeinflußt, immer nur die Bücher. Nie auch suchte er Menschen zu beeinflussen, er erklärte nur seinen Standpunkt. Basta!

Er war skeptisch und in seinem Urteil über andere rasch und eindeutig, zuweilen abrupt —aber leise. Nie hörte man schroffe Unhöflichkeit von ihm, er suchte nie den Konflikt sondern immer den Ausgleich, zum Teil auf eigene Kosten, was nicht heißt, daß er damit seinen Standpunkt aufgab.

Diesem Wesen passend zugeordnet war seine Liebe zum Klavier- und Orgelspiel. Stundenlang konnte er sich diesem Spiel allein und abgeschlossen hingeben.

Seine Arbeit mit der deutschen Sprache schlug sich in der Mitarbeit an vielen Schulbüchern nieder. Hinzu kam die Beschäftigung mit der Geschichte. Seine Liebe zur Heimat Schwarzwald und Baar ließ ihn sich mit der Heimatgeschichte auseinandersetzen. Er war Mitgründer und Vorstand im Geschichts- und Heimatverein Villingen und gleichzeitig im Museumsbeirat. Außerdem war er Mitglied und im Vorstand des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, Donaueschingen.

Bei diesen Tätigkeiten ist eine reiche Ernte heimatkundlicher Schriften aus seiner Feder hervorgegangen:

1960 Villingen und die Baar. Eine Bibliographie.

1964 Heimatkundebuch Baar-Schwarzwald.

( Zusammen mit Herrn Karl Wacker, Verlag Boltze, Allensbach )

1971 Villingen — Aus der Geschichte der Stadt.

( Erste zusammenfassende Stadtgeschichte Villingens. Neckar-Verlag Villingen)

1977 Das wilde Heer. (Eine Sammlung einiger hundert Sagen aus dem Schwarzwald. Verlag Rombach, Freiburg. )

Hinzu kommen unzählige Beiträge in der »Badischen Heimat«, in den Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, in den Jahresheften des Geschichts- und Heimatvereins Villingen und anderen Medien über Siedlungs- und Hausformen der Baar, über alemannische Siedlungsnamen, über alemannische Mundart, über Persönlichkeiten und Künstler dieses Raumes, Fasnachtsbräuche, Masken usw.

Dazwischen liegen (ganz verhehlt) lyrische Versuche in seinen beiden schmalen Bändchen »Variationen I und II« ( Verlag Karlsruher Bote ).

Hans Brüstle wird dem Geschichts- und Heimatverein Villingen unvergeßlich bleiben.