Urkundentexte der Münsterturmkapseln (Dr. J. Fuchs)

Die beiden Turmkapseln der Türme des Pfarrmünsters UNSERER LIEBEN FRAU zu Villingen wurden im Rahmen der Münsterrenovation am 22. 12. 76 und 10. 9. 77 heruntergenommen und geöffnet. Nicht, wie es im Bericht heißt, bei Abfeuerung zweier Pistolenschüsse, sondern aufgrund der Notwendigkeit der Reparatur. So wandeln sich Gefühle und Zeiten.

Wir bringen nachfolgend die Texte beider Kapseln in chronologischer Reihenfolge mit wenigen Streichungen. Der älteste Text von 1739 sagt aus, daß »Creitz«, Knopf und »Hannen« wiederum renoviert wurden, d. h. die alte Turmbekrönung wurde verwendet. Erstaunlich vielleicht am meisten, daß auf der südlichen Kugel vom Jahr 1486 die Rede und eine Aufschrift von 1610 noch immer sichtbar ist. Die zweite Urkunde, diesmal im Südturm, sagt, daß Helm und Turm neu gemacht wurden mit Kupfer, da die 12 Jahre zuvor mit Bley gemachte geplatzt war.

Die dritte Urkunde ist von 1839. Sie spricht vom Tod von 210 Russen, die am Nervenfieber hier gestorben sind und wahrscheinlich bei den Franziskanern begraben wurden. Sodann wird das berühmte Hungerjahr 1816 sowie das neue Badische Gemeindegesetz von 1831 ins Gedächtnis gebracht. Lediglich die Gründung der Höheren Bürger- und Gewerbeschule im Jahr der Aufzeichnung schien noch erwähnenswert.

Die umfangreichste Aufzeichnung ist von 1881 in die Nordturmkugel gebracht worden. Förderer und Roder waren die Autoren. Ihre Auswahl ist bereits vielschichtig. Sie lautet in Kürze:

1832 Dauchinger Madonna aus Villingen entfernt 1847-51 Niedertorabriß, dafür Amtsgericht

1848 Waisen- und Leihkassengründung im Revolutionsjahr

1852 »Vorzeichen« am Münster abgerissen

1854 Altstadtkirche abgerissen

1852 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr

1857 Mädchenschule gegründet

1863 Ende des Viehaustriebes

1865-78 Neue Kanäle

1865 Aufhören der Hochwacht auf dem südlichen Münsterturm

1872 Brunnenschalen aufgestellt

1874 Gasbeleuchtung

1873-78 Brigachkorrektion — 3 Bahnlinien

1876 Altertümersammlung gegründet

1880 Neue Münsterorgel

1881 Katastervermessung

1881 Das Heilig-Geist-Spital beherbergt 65 Erwachsene und 40 Kinder

Zuvor war berichtet worden, daß 1837 das Kornhaus in der Oberen Straße abgerissen wurde und ins Spital zog, letzteres im selben Jahr im Franziskanerkloster sich einrichtete.

(Urkunde vom 23. Wonnemonath 1739ten Jahrs ) No. 3

Jhm Jahr Jeßu Christ Am Daußendsibenhundert dreyßig undt Neun Jahr zue Zeiten der regierenten Ihro löblichen Hayligkeit Clementz der 12te eoden Jhro Remischen Kayserl. Mayastet Carolus der 6te. Jn der regierung Jst dißes Creitz undt auch knopf undt der hannen wüdterumb renoviert wordten. Auch zue gleich der Helm wid. ter mit lauther neyen Ziegel gedeckt worden. Sindt ahn Ziegel 3800 stuckh. Jeder vor 4 Kreitzer undt 400 Grennen auch Jeder vor 9 Creitzer bezahlt worden. Zue dißer Zeit regiert alhier Jn dem hochlöbl. gotts hauß Sant gergen Abbt undt brelat Jronimus Schuech alhier ge bürdtig. Ihre Hochwürdten Herr Jacob Benedict Schuech alß Statt . . . , H. Johann Evangelist Ungerer, Herr Joseph Vorschitz, Herr Christoph Wütumb, Herr Joseph Bayer alle für Caplan und Helfer. Herr Johann Xavier Doldt Dagmesser. Diß wahren die Herren Geistl. Jn unser lieben frowen . . . Münster. Weldtlich obrigkeit regierent damahlen die Ehren vösten fürßüchtigen hoch gelehrten für Nemben und wohl weißen Herren Johannes Berger Neyen — Undt Herrn Cyprian Winterhalter Alten Burger Meister, Herrn Frantz Glickher Ambts schultheiß. Der mahl manglet ein Schuldtheiß. Herr Joseph Andoni Demel Stattschreiber. Jhm löbl. Statt gericht sindt dermahlen Herr Frantz Grieninger, H. Andres Bertch, H. Jodocus Bähr, H. Johannes Feurstein, H. Philipp Jacob Umenhofer, H. Abraham Nutz, H Johannes Bayer. H. Conradt Schlenkher, H. Benedict Meyer, H. Hans Georg Kreitzner. Herren Ambts Zunft Meister sindt dermahlen H. Johann Baptist Witumb Obrist Zunft Meister, H. Phillipp Votzeler, H. Mölchior Schumpp, H. Mathieß Holl, H. Longinuß Haußer, H Benedict Berger, H. Josef Umenhofer, H. Andoni Schleicher, H. Johanneß Frech. Alt Zunft Meister sind der mahlen Herr Johanneß Eißellin Obrist Zunft Meister H. Johannes Zihler, H. Joseph Schilling, H. Zachariaß Steidtinger, H. Johannes Handtmann, H. Bernharth Handtman, H. Andoni Stortz, H. Johaneß Bichweiler, H. Andoni Mayer. Jn dießer Zeit hat Jhro Remische Kayserl. Mayastet mit den Dürken Jn Ungarn Krieg gefiehret schon drey Völdtzug sindt aber kayerseits sehr unglucklich gewesen undt Jn dißen drey Jahren Eine Armee von den schönsten leithen über 50 000 Mann verlohren undt Jhm Herbstmonat 1739 gezwungen mit den Dürken früdt zu machen undt hat der kayßer Jhme Dürken schöne und berümbte Festung Belgrat sambt ganz Servien und Banat überlaßen mißen welche Festung Eine Vormauer der gantzen Christenheit geweßen über welches süch die gantz Christenheit höchstenß bestürtzet hat. Diß wahre Ein uhnglicklicher Krieg gewesen. Jn dißem 1739 Jahr haben mir gahr ein Naßes Jahr gehabt undt den gantzen Somer über 5 Wochen nit schön Wed-ter gehabt lauter Regen undt Sturm Wündt die Winter frücht sindt dorch zimlich geradt, auch gueth Ein ge-heimßet worden aber die Somer frücht sind schlecht undt gar übel Ein gebracht worden auch Einige Jhm Völdt verdorben und den 28ten Wonnemonat noch Einiges Jhm Völst gestandt. Vor der Erndt Zeit hat daß Viertel Kernen 28 Groschen goldt, rog 24 Groschen, Gerste 24 Groschen, Bohnen 26 Groschen, Haber daß Viertel 24 biß auf 30 Creitzer, der beste Schaffhauser . . . rothen Wein hat vor der Erndt 30 fl. kostet, der Küntziger thal Wein der ahm beste 6 fl. Margrefler auch 6 fl. Ellßeßer 6 fl. Breißgauer der . . . 16, 17, 18 fl. Jn dießem Jahr Ist aber der Wein Jn allen landten ja wohl gerath, daß kaum Ein man Einen reichlich Herbst hat denken megen ob aber diß gueth werdt kan ich der mahlen nit melt, weillen der Wein umb diße Zeit noch nit zue schatzen geweßen man hat Jhm Breißgauer der ohm umb 1 fl. kaufen können undter Werth auch gleich nach dem Herbst dieß ist der Neye. Die Maß Ellßeßer, Margrefler, Kinzinger thal auch Schaffhauser. Der beste hat 14 Critzer goldten der alte.

Der Allmächtige Ewige Gott wolle durch sein göttlich gnadt auch die Himelßkönigin Muther Gottes Maria Einen Ehrsamen Raath undt gesambt gemeinen Weßen und Bürger auch Jnwohnerschaft ihn anherigen früdtlich Standt und gueth gehorsam zue mahl fortahn gnedtiglich und vätterlich Erhalten undt bewahren. Ker Knopf halthet Jhm Maß 41/2 Viertel Haber Maß. Actum Villingen den 23ten Wonnemonat 1739ten Jahrs.

Johanneß Berger

Ambts Burger Meister

Inhalt der Kupferkapsel südl. Münsterturm ( erhalten von Herrn Flaschner Heine am 7. 9. 77 )

Abschrift ( angefertigt am 14. 9. 77 )

J. N. D. N. Ch.

Es zaiget die beyliegende Schrift, daß Anno 1739 der Helm auf dießem Thurm ganz neu gemacht und mit Bley gedeckt worden, man hat aber damahls für besser finden wollen, wan die bleyern blathen bei denen Fugen nicht wie bey dem alten Helm gefalzet, sondern gelöt worden, es hat sich aber mittler dießer Zeit gezaiget, daß weils bey Unwetter, da das Holzwerk verschwollen, das gelöte Bley nichtnachgeben könne, die blatte ent-zwey gesprung, dergestalten, daß weg vielen öffnungen daß Wasser biß zu dem Hochwächter eingetrung umb weils allgemach das Holzwerk angegriffen worden, warr es die Unumbgänglich noth, diesen Helm wieder frisch zu decken, worüber ein löbl. Magistrat aus genugsamer überlegung für das aller nutzlichste ermessen diesen Helm mit Kupfer zu decken, womit auch heut als den 5ten Juny 1751 der anfang im Namen des allerhöchsten gemacht worden: Zu dieser Zeit Regierte als Römischer Kayser Franziscus Primus von dem Haus Lothringen vermählet mit Maria Theresia Regierenden Erz Herzogin zu Österreich, Königin in Ungarn und Böhmenb, Unsere allergnädigste Landesfürstin. Unterderen glorwürdigster Regierung warr von anno 17 her, als zuu Achen in Niederland der Frieden geschlossen worden, in Europa ein allgemeiner Frid. Zu dieser Zeit waar in dem löbl. Gottshaus St. Jörgen Abbt und Prälat, Hieronymus Schueh von hier gebürtig, Stadtpfarrer war Hr. Benedict Schueh, Capläne in dem pfarrmünster Hr Johann Ungerer, Hr Joseph Vorschütz, Hr Christoh Wittumb, Hr Joseph Schmid, Hr Benedict Häßler, Tagmesser. Der Magistrat war besezt, wie nachfolgt: Hr Zacharias Xaverius Kegel Ambtsbürgermeister, Hr Johannes Berger Alt Bürgermeister, Hr Franz Grüninger ambtsschultheiß, Hr Dr Philipp Jacob Umenhofer alt Schultheiß. Franziscus Gregorius Haußer ( der dießes geschrieben) Rathschreiber. Richter Hr. Benedict Mayer, Hr Abraham Niz, Hr Conrad Schlenker, Hr Johamm Eyßelin, Hr Jos. Antoni Handtmann, Hr Johan Baptist Wittumb, Hr Joseph Schilling, Hr Benedict Berger Ambtszunftsmeister, Hr Zacharias Neidinger, Hr Bernhard Hantmann, Hr Antony Mayer, Hr Nikolaus Schleicher, Hr Anthony Zinkh, Hr Johann Knoll, Hr Domi-nicus Walz. Altzunftmeister Hr David Fleig, Hr Melchior Schump, Hr Mathis Holl, Hr Johann Bichweiler, Hr Johann Schmid, Hr Thomas Berger, Hr. Joseph Mayer, Hr Franz Kammerer, Hr Antony Schertle. Die Direktion umb hatten Hr Altbürgermeister Berger und Hr Baumeister Hantmann. Die Kupferschmiedte den Helm zu decken übernohmen waaren Michael Umenhofer, Johannes Walz und Johannes Umenhofer dery Bürger von hier welchen man die Arbeit überhaubts Umb 3500 fl. Reichswehrung peraecord Verdung, Martin Hermann und Mathis Vozeler, beide Schreinermeister gaben besonders Vernünftige anschläge wie man daß werkh am allerdauerhaftigsten machen könnte. Der ganze kosten beläuft sich nach vorläufig Ungefährer berechnung auf 1500 fl. Reichsgelt.

Diß jahr waar ein überaus nass und schädlicher Frühling, es regnete von dem mittleren Merzen biß zu End März gleichsamb Unaufhörlich, so daß die Feldfrüchten besonders in wärmerer Gegend wo es einen früheren trieb hatte, sehr übelsaussehen haben. Man konnte wegen anhaltendem Unwetter die Sommerfrüchten allerdings nicht in den Boden bringen. An dem Futter war dieß Frühjahr ein solcher mangel, daß man das heu auch Umb die baare bezahlung nicht leicht haben könne. Es hat auch die Frucht, welche im anfang des Frühlings wohl feyl waar, bey immer anhaltendem regen stark aufgeschlagen und gilt nunmehr das Viertel Kernen 54,57 Kreuzer, auch 1 fl., Kockhen 44,45 Kreuzer ger-ten 45,49 Kreuzer, bohnen 49,51 Kreuzer Erbßen 45,49 Kreuzer Mühlfrucht 36,39 Kreuzer haaber 21, 22, 24, 26, 29 Kreuzer. Die geringere maaß wein kostet 14, die besser 16, der beste auch 20 Kr.: ausser Anno 1746 war von Vielen jahren her kein gutes weinjahr mehr und scheint es auch dießes Jahr einen gering herbst zu geben, weilen die traub durch das arg Regenwetter und kälte an dem trieb Verhindert und zum theil von dem so genandten Brenner oder Schwärze angegriffen worden. Das gelt cursiert in einem hohen preiß. Der mehrste curs in golt Sorten ist in französischen Schilt Douplonen vom Ludovico dem 15ten jez regierender König in Frankreich à f. 45,50 auch 55 Kr., Spanische Douplone ä 7 f. 40,45 Kr., Holländische Ducaten à 4 f. 15 Kr. sie kopfgewichtig 4 f. 20 Kr. Kroon- oder französische Federn-thaler ä 2 f 24/26 Kr. französische von dem Ludovico dem 14ten geschlagene gulden stückh ä 1 f. 40 Kr. Dießes war gleichsamb die einzig cursierende grobe silbers münz. Andr Münz besteht mehrenteils in zürcher und St. galler 30 Kr. und 15 Kr. stückh. Unterwälder und Pfälzer 18 Kr. stückh, was die Scheibmünz ist, besteht die selbe in zerschiedentlichen 2 Kr., 1 Kr. f. 1/2 Kr. stückh, worunter Unterpfälzische und Monthortley.

Von der Zeit an als der Helm wie oben gemeldt Anno 1731 et 39 New gemacht ward seynd in Europa sonders grosse änderung beschehen. auf absterben Karls des fiten Römischer Kayser, mit welchem die männliche Lienie abgestorben, und die Preußen darauf in Schlesien eingefallen, Bayern aber auf die österreichische Erbland die an Vord. macht, da erhuben sich aller End und orthen Krieg in Europa, Bayern machte mit Frankreich ein

Bündniß und diese beiden fielen alls Kayserliches Erbland feintlich an und der Herr Churfürst aus Bayern brachte es mit Beyhülf des Königs in Frankreich dahin, daß er Kayser wurde. Anno 1744 ruckten die Franzosen in diese Vorderösterreichischen streiten alls Hülfs Völker von Bayern ein, und außer den Trouppen, welche in der Vöstung Freyburg lagen, waar kein Mann österreichischer Trouppen in dem land, weßwegen sich auch alle Umbliegenden orth außer Freyburg, ohne allen Widerstand ergeben mußten. und bei dießen misslichen Zeiten und Umbständen mußte allhießige Statt, welche bis dahin Niemahl in den feind Hand gekommen, sich ebener massen notgedrung ergeben.

Es haben solche Elends zeiten auch das allhiesige gemeint weeßen also verarmen gemacht, daß es Ehrhin Niemahls so wahr. Die Franzosen, welche den ganzen Winter dahier verblieben, nahmen bey ihrem Abmarsch alle Stückh, Munition und Kriegsgeräthschaft, so immer zu transportieren wahr mit sich und was nicht bequemlich sich transportieren liesse, wurde in den Zeughaus-garten verbracht, oder dem gemeinen Mann preisgegeben. Der löbl. Magistrat gab sich alle müh die Stückh und Munition bey dem Friedensschluß und auch hienach zu requirieren, es war aber Umbsonst die Vöstung Freyburg wurde zu der Zeit auß dem grund demoliert und in die Luft gesprengt.

Gott der Allmächtige erhalte sambtliches geringer weeßen in Fried und ruhe, und wende von uns und unsseren Nachkümlingen, so mißliche Zeit läuft, Mild väterlich ab. Dießer Brief ist geschrieben und in dem Helmknopf eingelegt word im Jahr Nach Christigeburt im taussend und sieben hundert ein und fünzig, den 5ten tag, Juny. Übertragen: v. W. Rapp, städt. Verw. Assistent.

Urk. v. 22. Okt. 1839 aus einer Kupferkapsel 35,5 x 14,2 x 8,5 cm des nödl. Turmknaufs

 

 

 

Unter den Gemeinderaths Mitgliedern Bürgermeister Paul Wittum Jurist, Gemeinderath Melchior Hartmann Beck, Baptist Konstanzer Kaufmann, Martin Kienzler Weinhändler Johann Schmid Eßigsieder, Anton Weber Schreiner und Jakob Schupp Kaufmann u. Rathschreiber Joseph Görlacher und zugleich Kirchenpfleger Stadtrechner Gottlieb Ott, — Dann Dom. Stiftungsvorstand Oberamtmann Karl Blattmann Regierungs Comißär, Bürgermeister Karl Wittum Jurist, Dekan und Stadtpfarrer Anton Schmid, Franz Josef Dold Althechtwirt, Michel Ummenhofer Lilienwirth, Lukas Ummenhofer Kaufmann, Martin Kienzler Weinhändler, Martin Hummel praktischer Arzt, und Actuar Josef Flaig wurden im heurigen Jahr EINTAUSEND ACHTHUNDERT DREISSIG u. NEUN die beiden Thürme der Pfarrmünster-Kirche von den Gebrüdern Straub Mahler und Gregor Straub Maurer — Bürger von hier neu verkittet. — Bei diesem Anlaße hat der Mahler Johann Straub unterm heutigen den Hahn auf dem einen Thurme eingeschmiert und den Knopf geöfnet und gegenwärtige Urkunde hineingelegt, worauf er zwey Pistolenschüße abfeuerte. Im nämlichen Jahr wurden die neuen Läden bei den Glocken von den hiesigen Schreiner Meistern Anton Körner und Josef Fleig angebracht. Ferner wurde die Pfarrmünster-Uhr in diesem Jahr von Uhrmacher Mathias Stocker dahier renoviert und bereits neu hergestellt, und das Zifferblatt vom Mahler Johann Straub erneuert. Weiter wurde in diesem Jahr die Pfarrmünster-Orgel von Orgelbauer Matias Heino von Kappel unter dem Chorregent Fidel Dürr repariert, und von den Maklern Benedikt Flaig und Barnabas Säger angestrichen und vergoldet. — In den Jahren 1830 und 1831 wurde die Pfarrmünster-Kirche von den überhäuften Heiligen Bildern erleichtert, geweiselt, der Boden um zwey badische Fuß aus der Erde erhöht, die Stühle wurden von den Schreinermeister Anton Weber dahier neu hergestellt, und der Steinplattenbelag vom Maurermeister Andreas Staiger von hier neu eingelegt. In den Jahren 1830, 1831, 1832 wurden die Felder der Pfarrmünsterpflege unter dem Kirchenpfleger Josef Görlacher durch den Geometer Xaver Grüninger vermessen, und durch den Gemeinde-rath Josef Zeller umsteint; solche betragen neu badisches Maas 142 Jauchert Acker- und 61/4 Jauchert oder 41/2 Mansmatt Wiesfeld — und sind das erstemal auf bestimmte Zeit/: 18 Jahre:/ verpachtet worden; der Pachtertrag beläuft sich auf fl. 763.36 x. Der Anschlag der Liegenschaften ist fl. 16180; der Kirchenparamenten fl. 32776; — Das Gesamtvermögen fl. 80000. — Das schöne liegenschaftliche Gut der hiesigen Stadt an Acker, Wiesen, Allmend, insbesondere aber der große Stadtwald wurden in den Jahren 1837 u. 1838 durch Geometer Anton Wehrle vermeßen, den herrschaftlichen Forsttaxator Bernhard abgeschätzt und durch den städtischen Bezirksförster Friedrich Hubbauer und Steinsetzer Georg Anton Stern umsteint, nachdem zuvor das so-solange und hart drückend auf der Stadtwaldung gelastete Waidrecht der Unterkürnacher Bürger mittelst ihnen abgetretenen Waldparzellen und Geldentschädigung im Gesamtbetrag von fl. 48520 glücklich abgelöst worden war. — Die Stadt Villingen besitzt neu badisches Maas Acker und Wiesen und Allmend 3413. Jauchert, Waldung 9100. Jauchert. Der Anschlag aller Liegenschaften beträgt fl. 210900. Das Gefäll Kapital fl. 26300. u. die Schulden fl. 118208. — Die jährliche Einnahme fl. 24000. — Im Walde können in den nächsten 20 Jahren Forstculturplan gemäß nach der neuesten Schätzung 7000 Maße-Klafter 4 schütziges Holz/: statt bisher 3000. und früher 4000 Klafter:/ geschlagen werden. Im Jahr 1827 wurde die in der Hauptstraße beim Marktbrunnen und vor der Post gestandene Fruchthalle abgebrochen, und in das ehemalige Spitalgebäude in der Riethstraße bei der Pfarrmünsterkirche verlegt. Die Fruchthausverwalter sind Mathä Willmann schon 40 Jahre, Karl Stern 15 Jahre. — Im nämlichen Jahr wurde der Waisenspital in das vormalige Minoritten-Kloster an der Ringmauer oestlich der Stadt, und die Knabenschulen wurden in das vormalige Benediktiner Kloster transferirt. — Im Jahr 1834 wurde der hiesige Waisenspital unter dem Spitalverwalter Jakob Zech und Spital-meister Lorenz Weishaar frisch organisirt, namentlich die Selbstadministration der Güter bis auf einen geringen Theil, welcher beibehalten wurde, mit gutem Erfolg abgeschaft. — Auf dem Landtage 1833 kam ein Gesez über die Ablösung der Zehnden in unserm Grosherzogthum Baden zu Stande; die Zehnden der hiesigen Stadt werden im nächsten Jahr 1840 zur Ablösung kommen. Das muthmasliche Ablösungskapital wird. fl. 120.000 betragen. Der bisherige jährliche Ertrag derselben hat nach einem 20 jährigen Durchschnitt fl. 7100. abgeworfen. — Im Jahr 1831 erhielten die Gemeinden in unserm Grosherzogthum Baden unter dem bürgerfreundlichen Regenten Leopold die Selbständigkeit in einem Gemeindegesez. — Im Jahr 1814 sind in Folge des Kaiserlich Rußischen Feldspitals No. XV. welcher dahier gelegen, 210 Personen am Nervenfieber gestorben; darauf tratt im nämlichen Jahr die Viehseuche in einem heftigen Grade dahier ein. — Im Jahr 1814 war dahier und bereits allgemein in Folge des naßen 1816er Jahrgangs eine außerordentliche Theuerung der Lebensmittel, es kostete der alt Villinger Sester Kernen fl. 8 x — Gersten fl. 6 15 x — Mischelfrucht fl. 4 48 x — Haber fl. 7 — oder das neu badische Viertele Kernen fl. 6 46 x — Gersten fl. 4 10 x — Mischelfrucht fl. 3 12 x — Haber fl. 2.

Nas neu badische Pfund Ochsenfleisch 14 x, Kalbfleisch 13 x, Schaaffleisch 13 x, gerauchten Speck 32 x, Rindschmalz 38 x, Schweineschmalz 40 x, das rauhe Villinger Viertel Erdäpfel fl. 1 20 x. Der gegenwärtige Preis der Lebensmittel ist folgender:

Das neu badische Pfund Ochsenfleisch 14 x, Kalbfleisch fl. 1 4 x, Mischelfrucht 52 x, Haber 24 x; Das neu badische Pfund Ochsenfleisch 10 x, Kalbfleisch 7 x, Schaaf-fleisch 9 x, gerauchten Speck 20 x, Rindschmalz 26 x, Schweineschmalz 24 x. Das neue badische Viertel Erdäpfel 20 x. Im Jahr 1814 galt die neu badische Mark. Wein . . fl. 1 = 12 x — fl. 1 = 20 x — fl. 1 = 24x Bier 16 x. Gegenwärtig der Wein 24 x — 32 x — 40 x 48 x. Das einfache Bier 6 x, das Doppel Bier 8 x, das Braun oder Lagerbier 10 x, das Ulmer = Bier 12 x. —Zur Zeit bestehen dahier eine Knaben Elementar Schule mit 3 Klaßen, 1 höhere Bürgerschule mit 3 Klaßen und 4 Jahrkursen und 1 Gewerbschule mit 3 Jahrskursen, sowie eine Zeichnungs- und Musik Schule. — Ein weibliches Lehrinstitut ertheilt den Mädchen in 4 Klaßen unter der Frau Vorsteherin Theresia Unsöld den Unterricht in den Elementargegenständen, und in der Idustrieschule werden sie im nähen und im stricken unterrichtet; alles unentgeldlich. Die Gewerbsschule und die höhere Bürgerschule sind erst in den Jahren 1838 und 1839 gehörig ins Leben getretten. — Gegenwärtig beträgt die Zahl der hiesigen Bürger 753 und der Seelen 3820.

Villingen, den 22. Oktober 1839.

Der Gemeinderath

Wittum Bürgermeister et Josef Görlacher

Rathschreiber

Inhalt der Kupferkapsel südl. Münstertum ( erhalten v. Herrn Flaschner Heine am 7. 9. 77 )

Abschrift ( angefertigt am 14. 9. 77 )

Am 29ten Juli 1907 Vormittags haben wir die Kugel samt Zubehör ( Sonne und Stiefel) abgenommen. Es waren hiebei zugegen Ignatz Görlacher, Schlossermeister und Landtagsabgeordneter, als Mitglied des Stiftungsrath: Karl Kaiser Zimmermeister und Gemeinderath, Andreas Mayer Bauführer, Friedolin Beyerle von Weil der Stadt ( Württemberg) Blechnergeselle und Karl Biessinger Lehrling und der Unterzeichnete. In der Kugel befand sich eine Bleikapsel, enthielt eine Urkunde aus dem Jahre 1750, ein Fläschchen mit hl. Oel, ein kleines Holzkreuz, ein Blatt mit einem sogenannten Muttergottesle und 2 Spielkarten Schippen- und Ecksteinsechser. Diese Kapsel übergab Herr Görlacher dem H. H. Stadtpfarrer Scherer. Die Urkunde wurde in den Lokalblättern veröffentlicht und wird im Stadtarchiv aufbewahrt. Abschrift hievon kommt wieder in den Knopf. Auf dem Stiefel zwischen Knopf und Sonne ist folgendes eingraviert: Anno 1739 ist dieser Helm von Neuem gemacht, Aufgerichtet und Gedeckt worden. Der Zeit wäre Herr Cyprion Winterhalter Amtsbürgermeister, Herr Johann Berger Amtsschultheiß, Herr Franz Glückher Altschultheiß, Herr Joh. Anton Dehml Stadtschreiber, Herr Johann Eiselin Oberamts-Zunftmeister. Damahlen habe ich, Zacharias Neidinger, Gürtler des Raths und Zunftmeister den Knopf und Zugehör wiederumb ausgebessert und vergoldet. Gott sei Ehr in Ewigkeit. Der Thurm war früher mit Blei gedeckt, derselbe hat sich jedoch nicht gut gehalten und wurde der Thurm also im Jahre 1739 mit Kupfer gedeckt um die Bauschsumme von 350 Gulden, nach dem jetzigen Geld etwa 600 Mark. Auf einem Blatt an der Sonne ist eingravirt der Name Hans Wittum Baumeister 1610, die Buchstaben M.S.B. und ein österreichischer Adler. Auf der Kugel selbst sind verschiedene Aufzeichnungen eingekratzt, jedoch findet man daraus keinen Zusammenhang, verschiedene Jahreszahlen 1517, 1530; Eines ließ sich unter anderem entziffern: ich Jakob Ber saß auf dem Knopf. Da man zählt 1489, war alt 74 Jahr. Die sämtlichen Gegenstände am Thurm z. B. die Sonne, der Stiefel zwischen Kugel und Sonne auf den sogenannten Wimpporgeln sind sehr schadhaft und erforden neu Ersatzungen. Die Kugel für sich ist noch gut erhalten und stark von Kupfer, hat einen Durchmesser von 65 c/m, eine Höhe von 45 c/m, Gewicht 10 kg. Die Sonne für sich 35 c/m Durchm. samt Strahlen 1,10 mtr. und 8 kg. Gewicht. Sämtliche hier angeführten Theile wurden theils neue ersetzt und von Goldschmiedt Julius Bannholzer in Rottweil im Feuer vergoldet und am 7. September 1907 von mir und meinen Gehelfen wieder befestigt. Erwähnen will ich noch einen Fall, der mit einer früheren Ausbesserung und Veränderung des Münsters und mir selbst in Zusammenhang steht. An der südlichen Seite des Seitenschiffes bei der Doppelthür befand sich ein sogenanntes Vorzeichen ( Vorbau im gothischen Styl) (Das ganze Modell des Münsters befindet sich in der städtischen Alterthümersammlung im alten Rathhause) Dieses Vorzeichen wurde im Jahre 1853 abgebrochen und die Dachrinnen am Seitenschiff durchgeführt; hiebei verunglückte mein lb. Vater, der damalige Flaschnermeister Johann Nepomuk Oberle, stürzte von der Leiter und starb 3 Tage nach dem Unfall an inneren Verletzungen erst 29 Jahre alt. Meine Mutter war Agathe geb. Werner, gest. 1864. Geboren bin ich am 8. März 1854, lernte nach meiner Schulentlassung 1868 das Blechnerhandwerk und gründete 1879 mein Geschäft. Verheirathete mich am 12. April 1880 mit Theresia geb. Fischer (Fischerbecks ) geb. am 8. Oktober 1858. Kinder: 1. Anna Oberle geb. 10. Juli 1882, verh. mit Heinrich Häberle Schlossermeister, Hugo Oberle, geb. 24. März 1885 gelernter Blechner und z. Zeit beim Militär, Lina Oberle geb. 12. Dezember 1886.

Wolle der allmächtige Gott und Vater unserer Pfarrgemeinde und der ganzen Vaterstadt ein gnädiger Beschützer sein.

Villingen den 7ten September 1907.

Johann Nepomuk Oberle,

Blechnermeister und Gemeinderath.

Villingen am Tage Allerheiligen 1881.

Der Gemeinderath der hiesigen Kreisstadt

Jul. Schupp Bürgermeister.

Schon seit Jahrzehnten bemerkte man an diesem Thurme auf der südlichen Seite der Gallerie ein Auseinandergehen des Mauerwerks, ein Umstand, der immer bedenklicher, ja gefährlich zu werden drohte. Eine genaue Untersuchung durch das Erzbisch. Bauamt und andere Bauverständige führte zu der Nothwendigkeit, die schadhafte Stelle rings um den Thurm auf 25-35 Fuß von der Gallerie an abzubrechen und neu herzustellen. Aehnliches geschah mit dem Dachstuhl. Die Zimmerarbeit sammt Gerüst übernahm Xaver Rebholz u. Comp. von Bettenhausen (Würtbg.), die Maurer- und Steinhauer-arbeiten Werkmeister Mall von Donaueschingen. Anfangs April 1881 wurde der Neubau begonnen, und Ende Oktober zum Abschluß gebracht. Die 1739 aufgesetzten Hafner-Ziegel, einzelne ergänzt, zieren abermals den Helm des Thurmes. Beim Abbruch des alten Dachstuhls fanden sich vielfach in den Sparren Eisensplitter vor, herrührend aus der Zeit der Belagerungen von 1633 und 1704. Da auch der andere Thurm, sowie die Münster-kirche selbst einer größern Baureparatur bedürfen, so wurden sämmtliche Baukosten zu der Summe c. 33.000 Mk. veranschlagt, welche von der Einwohnerschaft in mehreren Jahren durch Umlagen zu decken sind. Eine umfassendere Restauration der Kirche, hauptsächlich des Chors, hat im Jahr 1862 stattgefunden. Der große im Rococostil erbaute Hochaltar wurde entfernt und durch einen gothischen, in Holz geschnitzten ersetzt, auch die vier Nebenaltäre neu hergestellt. Das Altarblatt des einen (Christus segnet die Kinder) ist gemalt von Hofmaler W. Dürr aus Freiburg, einem geborenen Villinger, das des andern (der verl. Sohn) von Maler Heinemann in Hüfingen. Die drei Hauptfenster des Chors zieren sinnige Glasmalereien, die Hauptfeste des Kirchenjahres darstellend. Die Entwürfe hiezu sind von den genannten Künstlern, die Fenster selbst von dem Glastechniker Heimle in Freiburg angefertigt. Im Jahr 1852 wurde das sog. Vorzeichen, das am Portal der südl. Langseite des Münsters angebaut war, abgebrochen. Dasselbe stand auf 5 Säulen, wovon 2 gemauert und 3 stark massiv aus Stein gehauen waren, und hatte ein gewölbtes Plafond von Holz, nebst einer Bedachung von Kupfer. Die auf dem südl. Thurme seit Jahrhunderten befindliche Hochwacht kam 1866 in Abgang, weshalb das Nachschlagen der Stunden auf der großen Glocke von dieser Zeit an unterbleiben muß. Auch die Orgel wurde 1880 und 1881 einer größern Reparatur unterworfen mit einem Kostenaufwand von nahezu 3200 Mk, bestritten aus den Ueberschüssen des Loretto- und Bickenkapellenfonds. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß die schöne große Marienstatue ( Steinbild ), die erste Zierde des frühesten Hauptaltars in U. L. Fr. Münster in Folge mehrmaliger Bauveränderungen mit Zerstörung alter Grabmonumente zu Anfang der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts als herrenloses Gut in Privatbesitz kam und nun die Pfarrkirche in Dauchingen schmückt. Als im Sept. d. J. zur Feier der silbernen Hochzeit unseres erlauchten Fürstenpaares Friedrich und Luise, sowie der gleichzeitigen Vermählung der Prinzessin Victoria mit dem Kronprinzen Gustav von Schweden in Karlsruhe unter Theilnahme des ganzen badischen Landes glänzende Festlichkeiten und namentlich auch eine Ausstellung kunstgewerblicher Gegenstände des Alterthums veranstaltet wurden, beschickte auch der hiesige Münsterschatz die letztere mit mehreren Werthsachen, darunter die beiden Monstranzen, das silberne Vortragkreuz, der goldene, mit Edelsteinen besetzte Fürsten-berger Kelch (13. Jhdt. ). Bei dieser Veranlassung machte ein Kunsthändler auf das genannte Kreuz ein Kaufgebot von 10.000 Mk. und auf den Kelch ein solches von 5000 Mk.

Leider kam im Jahr 1854 die Altstadtkirche zum Abbruch, an deren Stelle wurde eine kleinere Kapelle erbaut. Diese Kirche, dem Stadtpatron Barnabas geweiht, blieb bis zum 15. Jhdt. immer noch die eigentliche Pfarrkirche. Sie war frühgotisch, geräumig und mit dem Thurm eines der ältesten Baudenkmale der ganzen Gegend; nur letzterer blieb vom Abbruche verschont. Seit 1839 mußte der Gottesacker in Folge der Bevölkerungszunahme schon 3 mal vergrößert werden. — Am 6. August 1848 zerstörte eine große Feuersbrunst in der Riet-straße 7 Wohn- und 5 Oekonomiegebäude, darunter die schon in alter Zeit bekannten Gasthäuser zur Flasche und zum Mohren.

 

Die Bewegungsjahre 1848 und 1849 mit nachgefolgter Reaktionszeit gingen auch für Villingen nicht spurlos vorüber und brachten in viele Familien Unglück. Mehrere Jahre hindurch war die Bürgerschaft mit vieler Einquartierung belastet, wobei das Knabenschulhaus ( ehemal. Benediktinerabtei ), sowie das frühere Gymnasiumsgebäude zur Kasernierung von Truppen dienten. Nachdem unsere Stadt an den Folgen schon vorausgegangener langer Kriegszeit durch Seuchen, Hun-gersnoth und Elend aller Art in den Zwanziger Jahren zu leiden gehabt hatte, so daß ihre Seelenzahl unter 3000 herabsank und in einzelnen Gassen das Gras fußhoch wuchs, so hat in den letzten fünf Decennien ein Aufschwung zum Bessern unverkennbar stattgefunden. Die Stadtmauern, die einer Ruine glichen, wurden abgebrochen, die Gräben aufgefüllt und Spazierwege mit Bäumen und Gesträuch in ganzer Rundung der Stadt darauf angelegt, ebenso der Niederthor- und der Zinserthurm, sowie die Erkel an den 4 Thoren abgetragen ( 1841-75 ). Auf der Stelle des Niederthores un der angebauten Häuser steht jetzt das Großh. Amtsgerichtsgebäude und Gefängniß; die Grundsteinlegung fand im Jahr 1847 statt. Auch das alte Gebäude der ehemal. Vetter-Sammlung bei der Klosterfrauen-Schanz ist niedergerissen und daselbst das Mädchenschulhaus von Grund aus neu erbaut worden (1859 ).

Mit einem Kostenaufwand von mindestens 250.000 Mk. hat die Stadt eines der großartigsten Unternehmen, die Trockenlegung und Entsumpfung, ausgeführt. In sämmtlichen Straßen und Gassen wurden die offenen Kanäle und Rinnen tiefer gelegt und gedohlt, wodurch die Anlage zu früher periodisch auftretenden Krankheiten beseitigt ist und die untern Theile der Häuser für Wohnungen und Keller hergerichtet werden konnten ( 1865-78 ).

Im Jahr 1874 führte dahier ein Stuttgarter Geschäft die Gasbeleuchtung ein; sämmtliche Straßen und Gassen, auch die öffentlichen und viele Privatgebäude erhalten gegen eine Taxe ihr Licht von dem vor dem niedern Thor bei dem Gutleuthaus erbauten Gaswerk. — Zur Gewinnung eines bessern Trinkwassers wurden die Quellen in den Walddistrikten des Wieselbaches gesammelt in Reservoirs und aus diesen in eiserne Röhren in die Stadt geleitet ( 1872 ). 36 Brunnenschalen aus Granit zieren jetzt die öffentlichen Brunnen, deren es —mit den Privatbrunnen — gegenwärtig 45 sind. Der auf dem Marktplatz in der Straßenkreuzung seit Jahrhunderten gestandene 4-Röhrenbrunnen mußte 1872 wegen Hinderung des Straßenverkehrs entfernt werden.

Ein anderes größeres Unternehmen wurde von 1875-78 ausgeführt — die Correction der Brigach. Vom Käsbach bis zur Niederthorbrücke erhielt dieselbe ein anderes Bett, in Folge dessen 2 Mühlen vor dem Bicken- und niedern Thor angekauft und entfernt werden mußten, Die große steinerne Brücke mit 4 gewölbten Bogen vor dem Bickenthor, an deren granitenen Mauern seit Jahr. hunderten so manche Sturmfluth und mancher Eisgang abgeprallt, wurde abgebrochen und durch eine eiserne ersetzt. Da, wo ehedem der Lindenwasen und Krautgärten sich befanden, ist durch Auffüllung eine Straße vom Bicken- zum niedern Thor angelegt; längs derselben erheben sich Neubauten ( d. östliche Vorstadt ), die nun die Brigachstraße bilden. Die beim Gasthaus Paradies durchbrochene Stadtmauer ermöglichte es, aus der Stadt durch die Anlagen und mittelst eines eisernen Fußsteges über die Brigach bequem nach dem Bahnhof zu gelangen. In Folge dieser Flußcorrection ist etwas früher auch die Herstellung einer Eisenbrücke vor dem obern Thor nöthig geworden, die der Staat auf seine Kosten übernahm. — Eine gänzliche Umwälzung und Neugestaltung so mancher territorialen und ökonomischen Verhältnisse hat der Bau der Schwarzwaldbahn herbeigeführt. Seit 1841 wurde die Agitation für eine Kinzigthal-Bodenseebahn energisch hier betrieben, und es darf nicht verschwiegen bleiben, daß die erste Anregung zu einer Versammlung aller Interessenten von Offenburg bis zum See von hier ausgegangen ist. Diese Versammlung hat am 24. Febr. 1844 in Villingen stattgefunden, welcher Tag mit Recht als Anfangspunkt einer erfolgreichen Bewerbung um diesen Schienenweg angesehen werden darf. Die Strecken im Kinzigthal und am See wurden zuerst in Angriff genommen und beendet, und wir hatten die freudige Genugthuung, daß durch rastlosen Fortgang des Bahnbaues die Strecke Donaueschingen-Villingen am 15. Aug. 1869, jene des Schwarzwaldes-Hausach-Villingen am 10. November 1873 eröffnet werden konnte, daß also mit letzterm Tage das Ganze den Abschluß erhielt. Die Bahnlinie Rottweil-Villingen ( Oberneckarbahn ) wurde schon am 26. August 1869 dem Verkehr übergeben. Das Planum oder die Bodenfläche des zum hiesigen Bahnbetriebswerk hergerichteten Gebäudes ( circa 43 Morgen) soll die Bauverwaltung mit Feldankauf, Auffüllung, Dohlen- und Wegbauten . . . läufig 300.000 fl. zu stehen gekommen sein.

Tief einschneidend in landwirtschaftlicher Beziehung war für die hiesige Gemeinde die Abschaffung des Viehaustriebes und dadurch die Einführung der Stallfütterung ( 1863 ). Seit unfürdenklichen Zeiten bestanden hier drei sog. Hirten- oder Herdgemeinden, der obere-, niedere- und der Riedstrich, die das Nutzvieh (Kühe, Kalbinnen) jeweils im Sommer auf der noch ungetheilten Allmend weiden ließen. Da nach Gesetz und Recht die Gesammtbürgerschaft, nicht die Viehbesitzer allein, auf den Bürgergenuß Anspruch hat, so mußte diese Almendnutzung auch gleich vertheilt werden; in Folge dessen bildeten sich zur Bewirtschaftung drei Gesellschaften: eine Beurbarungs- und zwei Almendtheilungsgesellschaften. Gegenwärtig findet auf hiesiger Gemarkung die Katastervermessung, Feldbereinigung und Neuanlage der Feldwege statt. Die Kosten sind auf 100.000 Mk. veranschlagt, werden aber diese Summe muthmaßlich übersteigen.

Das Armen- und Waisenspital zum hl. Geist beherbergt gegenwärtig 65 erwachsene Personen und 40 Kinder. Die Administration desselben ist den barmherzigen Schwestern übertragen. Ein sog. Fremden-, Gesellen- oder Dienstbotenspital, 1848 errichtet, sichert jedem Theilnehmer in Krankheitsfällen gegen ein Monatsgeld für 8 Wochen freie Verpflegung zu.

Die freiwillige Feuerwehr, die drittälteste im Land, wurde 1852 gegründet und zählt dermalen c. 300 Mitglieder (Hauptmann H. Osiander ). — Unter Garantie der Stadtgemeinde wurde 1848 dahier eine Waisen-, Spar-und Leihkasse errichtet, konnte aber in Folge der damaligen Bewegung eigentlich erst 1853 in Wirksamkeit treten. Der Jahresumsatz ist gegenwärtig zwischen 4 bis 5 Millionen Mark. Die Ueberschüsse oder der Reingewinn werden von der Stadt zu gemeinnützigen Zwekken verwendet. — Der Vorschußverein besonders für Gewerbe und Landwirtschaft ist 1867 ganz auf Grund genossenschaftlicher Satzungen errichtet worden. Derselbe zählt 524 Mitglieder und hat einen Jahresumsatz von ca. 3 Millionen Mk. Eines der ältesten, für die gewerblichen und socialen Verhältnisse unserer Stadt wichtigen Institute ist der Gewerbeverein. Der Anfang desselben datiert schon in das Jahr 1840, sein Bestand wurde jedoch in den Bewegungsjahren von 1848/49 unterbrochen, so daß er sich erst 1857 wieder neu constituieren konnte. Die Zahl der Theilnehmer hat sich gegenwärtig auf 270 vermehrt. Aus seiner Mitte kam die Anregung und Ausführung der beiden, 1858 und 1876 dahier abgehaltenen Schwarzwälder Industrie-Ausstellungen, die während ihrer 4 wöchentlichen Dauer von Fremden, selbst aus entfernten Gegenden massenhaft besucht wurden. Die erste füllte die Säle des ehemal. Benediktiner-Klosters durch alle 4 Stockwerke, für die andere wurde dortige Kirche — Parterre und Gallerie —nebst Hofraum entsprechend hergerichtet. — Daß aber auch die Gewerbthätigkeit der hiesigen Einwohnerschaft in Zunehmen begriffen ist, darf hier gleichfalls consta-tiert werden. Hauptsächlich ist es die Uhrenmacherei, darunter größere Fabriken, nebst allen Nebenzweigen, die viele hundert Hände beschäftigt, so daß Villingen jetzt zu den Hauptorten der Schwarzwälder Uhrenindustrie gezählt wird.

Die Musikwerk-( Orchestrion) Fabrikation zählt z. Zeit 5 Etablissements. Ferner befinden sich hier: eine Tuchfabrik nebst Spinnerei (Dold ), 7 Mahl- und 2 Kunstmühlen, 3 Sägemühlen mit Schnittwaarenhandel, 1Kleinhammer, mehrere mechanische Werkstätten, 1 Glockengiesserei (Grüninger ), 1 Metalltuchweberei, mehrere Bierbrauereien und Weinhandlungen, c. 48 Gasthäuser, Wirtschaften und Restaurants. Die alte, schon durch Hans Kraut ( 1570 ) berühmt gewordene Villinger Hafnerei wird seit neuerer Zeit in geschmackvoll modellierten Arbeiten der Majolicafabrikation (nach Vorlagen) mit Erfolg betrieben ( J. Glatz ). Das erste in Villingen erschienene Wochenblatt (Der Schwarzwälder) wurde am 25. Oktober 1839 ausgegeben, die Errichtung der ersten Buchdruckerei zu Villingen geschah im März 1848, beides durch Ferd. Förderer. Das Kriegerdenkmal vor dem Bickenthor wurde von der Stadt errichtet (Bildhauer Ummenhofer ) und feierlichst eingeweiht am 2. September 1875, am Jahrestage der Schlacht von Sedan, den Nachkommen zur Erinnerung an die glorreichen Thaten des deutschen Kriegsheeres 1870/71, das welschen Uebermuth gezüchtigt und Deutschlands Einheit, Macht und Größe geschaffen hat. 125 hiesige Bürger und Bürgersöhne, eingereiht in die verschiedenen badischen Regimenter, hatten die Schlachten, Belagerungen und Gefechte im Elsaß, in den Vogesen und viele auch die 3 tägige Schlacht an der Lisaine mitgemacht, sind auf dem Feld der Ehre gefallen, mehrere andere in Folge von Verwundung und Strapazen seither gestorben.

Im Jahr 1876 gründete der Gemeinderath eine Alterthümersammlung aus hier noch vorhandenen antiquarischen Gegenständen; dieselbe ist im alten Rathause untergebracht und zählt nach dem aufgestellten Repertorium schon über 1000 Nummern. Herrn Stadtrath Förderer gehört d. Verdienst, durch die Anlage und sorgsame Pflege dieser Sammlung das Interesse für Villingens große Vergangenheit wieder neu belebt zu haben. Möge der durch Professor Chr. Roder gegenwärtig vorgenommenen Neuordnung des Stadtarchivs in nicht gar langer Zeit d. Geschichte d. Stadt nachfolgen!

Wenn in Folge der Gewerbefreiheit der Besuch d. städtischen Kaufhauses sich auch etwas vermindert hat, so verbleibt doch immer noch, je nach Ausfall der Ernte, ein jährlicher Umsatz zwischen 60-70.000 Ltr. oder 6-700.000 Mk. Im Frühjahre 1847 standen hier die Fruchtpreise wie seither nicht wieder in der Höhe. Damals galt in der hiesigen Fruchthalle der badische Sester Kernen 3 fl. 18 Xer, Roggen 2 fl. 30 Xer, Gerste 2 fl. 8 Xer, Haber 57 Xer, Mischelfrucht 2 fl. 12 Xer; ein Pfd. Weißbrod kostete 12 Xer, 2 Pfd. Schwarzbrod 14 Xer.

Nach der letzten 1880 geschehenen Zählung beträgt die Gesammteinwohnerzahl Villingens 6000, worunter 650 Evang. und 15 Israelit. Das Steuercapital beziffertsich 1881 auf: Grund- und Häusersteuer 7.173.000 Mk, Erwerbsteuer 5.398.000 Mk. Kapitalrentensteuer 3.181.440 Mk; Gesamtsumme 15.752.440 Mk. Viehstand: 191 Pferde und Fohlen, 1219 Stück Hornvieh, 460 Schweine, 200 Ziegen. Die Volksschule besteht für Knaben und Mädchen aus 7 Klassen sammt der Fortbildungsschule. Außerdem besitzt Villingen ein 6 klassiges Realgymnasium, sowie eine Gewerbschule mit 3 Jahreskursen ( dabei Modellier- und Zeichnungsunterricht). An der Mädchenschule wird der Unterricht von den Lehrfrauen des hiesigen Ursulineninstituts ertheilt; dasselbe erhält Zöglinge nicht blos aus Baden, sondern auch aus Würtemberg, Baiern, Oesterreich, Elsaß, d. Schweiz, Frankreich.

Für die Pastoration der hiesigen Katholiken bestehen neben der Stadtpfarrei 4 Kaplaneien, von denen nur 2 besetzt sind; Stadtpfarrer ist Jos. Amann aus Pfullendorf. Die Evang. haben 1858 die frühere Johanniterkirche nebst Anbau käuflich erworben und zu ihrem Gottesdienst herrichten lassen; die Seelsorge geschieht durch den Pfarrer von Mönchweiler. Bei der neuen Gerichts- und Verwaltungsorganisation des badischen Landes 1866 wurde Villingen zu einer der 11 Kreishauptstädte des Großherzogthums erhoben. Hier ist der Sitz des Großh. Bezirksamts, Amtsgerichts, die Domänenverwaltung und Obereinnehmerei, Bezirksforstei, eines Bezirksarztes, zweier * . . , eines Steuercommissärs und Steuereinnehmers, ferner verschiedener Bahnbeamtungen, eines kais. Postamts und einer Telegraphenanstalt. Die Gemeindeverwaltung wird besorgt durch 1 Bürgermeister, 8 Gemeinderäthe, 2 Rathschreiber, 1 Stadtrechner, 1 Oberförster, 1 Baumeister nebst anderem Dienstpersonal. Zur Controle des Ganzen besteht ein Bürgerausschuß von gegenwärtig 48 Mitgliedern. Das Gemeinderatscollegium ist z. Zeit aus folgenden Mitgliedern zusammengesetzt: Jul. Schupp, Bürgermeiste‘ seit 1868; Ferd. Förderer, Gemeinderath 1848/49 und abermals seit 1857; Ferd. Stocker seit 1867; Ferd. Weiß haar seit 1871; Joh. Ev. Schleicher seit 1877; H. Osian der seit 1878, H. Utz seit 1877; Jos. Meder seit 1880: Joh. Storz seit 1880. Wir schließen mit dem Wunsche es möge das, was unsere Zeit geschaffen, auch unsern Nachkommen zum Heil und Segen gereichen. Möge sie Gemeinsinn und verständige Thatkraft immerdar durch dringen und unsere theure Vaterstadt bis in die fernsten Zeiten vor Unheil bewahrt bleiben. Das walte Gott!

Compos. Förderer

supplev. et scrips. Roder

 

* Wort fehlt wegen Durchschuß mit einer Kugel.

Folgende Schriftstücke enthielt die Kassette des Nordturmes Münster, gefunden am 22.12.76:

»Der Schwarzwälder« vom 4. Oktober 1881.

Geschichten und Bilder aus Baden v. 20. September 1881. Die Romeius-Sage zu Villingen.

Katalog über die vom 22. August bis 26. September 1858 zu Villingen abgehaltene Industrie-Ausstellung des badischen Schwarzwaldes (Druck v. Ferd. Förderer 1858 ). Dreizehnter Jahresbericht über die landwirtschaftliche Kreis-Winterschule Villingen für 1881. Als Einladung zu der am 31. März stattfindenden öffentlichen Schlußprüfung.

Übersicht der Fruchtmarktpreise von 1869-1880.

Aufruf »An unsere Mitbürger« vom 28. Mai 1876. Katalog der Schwarzwälder Industrie-Ausstellung zu Villingen vom 15. August bis 20. September 1876. (Druck von M. Linsemann 1876 )

Verzeichnis der Gegenstände, welche in der Alterthümer-Sammlung der Stadt Villingen z. Z. sich befinden. ( Druck von M. Lindemann 1876 )

Gedenkbüchlein oder Congress der alten Benediktiner-Studenten zu Villingen am Barnabastage den 11. Juni 1840.

Satzungen für die von der Stadtgemeinde Villingen garantierte Spar- und Waisenkasse ( Druck von C. Görlacher 1881).

Julius Schupp, Bürgermeister seit 16. Dezember 1868. Baden in den Jahren 1852 bis 1877. Festschrift zum fünfundzwanzigjährigen Regierungs – Jubiläum Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich. Verlag von A. Bielefeld’s Hofbuchhandlung.

»Der Schwarzwälder«, Sonntag 4. April 1875.

Echo vom Wald, Triberg, Dienstag, den 2. August 1881. Realgymnasium Villingen, Jahresbericht für das Schuljahr 1880/1881. Zugleich Einladung zu der am 29. und 30. Juli stattfindenden Prüfung. ( Buchdruckerei von C. Görlacher. 181.)

Zugleich Einladung zu der am 29. und 30. Juli stattfindenden Prüfung. ( Buchdruckerei von C. Görlacher. 1881.)

Satzungen der Kranken-Anstalt Villingen zu Verpflegung von Dienstboten, Fabrik- und Handarbeitern, Gewerbsgehilfen und Lehrlingen in der Kreishauptstadt Villingen (Druck von C. Görlacher. 1881.)

Abschrift der Urkunde vom südlichen Münsterturm Urkunde.

Nachdem schon seit einiger Zeit der baufällige Zustand des südlichen Turmes unseres lieb: Frauen Münsters besorgniserregend geworden war, wurde der katholische Stiftungsrat dahier auf Wunsch der Einwohnerschaft beim kath. Oberstiftungsrat in Karlsruhe vorstellig, der dann sowohl zur Neuerrichtung des Turmes, wie auch zu einer durchgreifenden Restauration des ganzen Gotteshauses seine Zustimmung erteilte. So begann man im Juli 1905 mit den Arbeiten: Der ganze mittlere Teil des südlichen Turmes wurde bis zum Helm abgetragen und wieder neu aufgebaut, wobei in dem, zwecks Neuvergoldung herabgenommenen Knopfe und Sterne des Helmes sich eine Urkunde aus dem Jahre 1751 fand, von der eine Abschrift angefertigt und dieser Urkunde beigelegt wurde, während das Original in dem städtischen Archiv Aufnahme fand; ferner wurde die ganze innere Ausstattung einer gründlichen Renovierung unterzogen, deren Einzelheiten aus folgenden Kostenvoranschlag ersichtlich sind: Südlicher Turm 76 000 Mark, Münster-kirche 131 547 Mk., Empore 490 Mk., Innere Einrichtung 62 400 Mk., Gerüst 29 000 Mk., Heizung und elektrische Beleuchtung 10 000 Mk., Verschiedenes: 11 152 Mk., zusammen 325 000 Mark. Die Kosten der inneren Einrichtung mit 62 400 Mk. verteilen sich wie folgt: Apostel-Kreuzweg 9 100 Mk., Hochaltar 20 000 Mk., Kommunionbank 1 000 M., Seitenaltäre 16 000 Mk., Kanzeldeckel 1 500 M., Chorstühle 2 000 Mk., Zwölf Apostel-Leuchter 600 M., Taufstein 500 M., Orgel 10 300 M., Komuniongitter: 1 400 M. Von der im Voranschlag angesetzten Gesamtsumme von 325 000 Mk. wurden circa 70 000 Mk. durch Stiftungen, Geschenke und Sammlungen aufgebracht, während der Restbetrag durch die Kirchensteuer zu decken ist. Die Bauleitung lag in den Händen des Erzbischöflichen Bauinspektors Herr Raimund Jeblinger und August Hesse, Architekt, in Freiburg. Bauführer war Herr Andreas Maier. Die Arbeiten wurden an folgende Meister vergeben: Gerüstherstellung u. Zimmerarbeit: Karl Kaiser, Engeßer u. Flöß und Wilhelm Singer; Maurer- und Stein-hauerarbeit: Faulhaber, Baugeschäft in Rottweil a. /N., Bildhauerarbeit: Joseph Ummenhofer, Gypserarbeit:

Johann Kistenfeger, Blechnerarbeit: Joh. Nepomuk Oberle und Friedrich Zapff, Dachdeckerarbeit: Paul Zimmermann. Die innere Ausmalung besorgte Herr Kunstmaler Schilling u. Sohn in Freiburg. Der Hochaltar wurde von Gebrüder Metzger in Überlingen gemacht, die Seitenaltäre, Stationen u.s.w. von Gebrüder Moroder ( Franz Simmler’s Nachfolger) in Offenburg; die Glasgemälde von Merzweiler in Freiburg, die Orgel von Wilhelm Schwarz in Überlingen und die Glocken von Benjamin Grüninger Söhne dahier.