Die Zeit der Staufer (Dr. J. Fuchs)

»Die Zeit der Staufer«. Unter diesem Motto standen die Aktivitäten über das Land Baden-Württemberg hinaus, zu dessen 25jährigem Bestehen insbesondere die Stauferausstellung im Landesmuseum Stuttgart beitrug. Für Villingen und für den Geschichts- und Heimatverein Villingen stand am Anfang die Frage, inwieweit man sich hier für die Stauferzeit in unserer Stadtgeschichte engagieren solle, ohne das Stadtgründergeschlecht der Zähringer zu verleugnen. Die Anforderung des Scheibenkreuzes und des »Pilger«-Jakobus der Santiagotradition von Stuttgart sowie die Tatsache, daß die Stadterweiterung nach Süden und die dreifache Befestigung von Villingen von den Staufern nach 1218 erfolgte, ließ keine andere Wahl, als sich in den Stauferchor miteinzugliedern, auch auf die Gefahr hin, Mißverständnissen ausgesetzt zu sein. Aus diesem Grund dürfte es sich rechtfertigen, in diesem Heft einen Beitrag über die frühe Zeit der Stadtgeschichte zu bringen.

Nicht vergessen möchten wir außerdem die Tatsache, daß unser heute aus aktuellem Anlaß vielzitiertes Wappen aus staufischer Zeit stammt und wir unseren, bis heute überlieferten Adler als Reichsadler interpretieren. Darum seien die beiden ältesten Siegel nebenan abgebildet. Als bedeutsam betrachten wir ebenfalls die Tatsache, daß die Villinger Stadtgeschichte einige Stauferurkunden und eine größere Zahl Urkunden aus staufischer Zeit im Stadtarchiv erhalten hat. Darum die Unterstreichung dieser bedeutsamen Tatsache in der Abbildung nebenan. Für den Leser, der sich nicht ausführlich mit der Stadtgeschichte beschäftigen kann, hängen wir hier einige Sätze über die frühe Zeit der Stadtgeschichte an, wie diese in einem viel verbreiteten Büchlein der Stauferstädte im Frühjahr herausgebracht worden war:

Villingen darf als alemannische Dorfgründung angesehen werden und ist erstmals 817 in einer St. Galler Urkunde Ludwigs d. Fr. erwähnt. 999 erhält ein Graf Berthold Markt-, Münz- und Zollrecht und den Marktgerichtsbann »für seinen Ort Filingun«. 1119 ist ( Ende des 15. Jhs.) als Stadtgründungsdatum genannt. 1218 zieht der Hohen-staufe Friedrich II. Villingen als Reichsstadt an sich. Die ersten Nachrichten beginnen für Villingen ( Stadtarchiv ) im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts zu fließen, als der Papst einen Streit zwischen den Klöstern St. Georgen und Tennenbach schlichtet. Villingen, das die Grafen von Urach als Erben der Zähringer beanspruchen, gerät in die Fehden zwischen Reich und Zäh-ringererben, bis Heinrich von Urach-Fürstenberg ab 1253 als starke Persönlichkeit die Stadt unter seinen Einfluß bringt. Die Schaffung des Heilig-Geist-Spitals, Herrufung der Johanniter ( 1253 ) und Franziskaner ( 1268 ), Bau des Münsterchores, Stiftung des Fürstenbergkelches sind Zeichen seiner Defacto-Herrschaft, die er aber de jure 1283 vor seinem Tod ( Jan. 1284) auch nicht gewinnt: Villingen wird nur als »ewiges Reichslehen« vergeben.

 

Erstes Siegel der Stadt Villingen aus reichsstädtischer, staufischer Zeit vom Jahr 1244. Dieses Siegel hat die spitzovale, geistliche Form.

 

Das zweite Villinger Siegel von 1253 zeigt stilistisch denselben »Reichsadler«, der eine Stufe weiter auf das große Villinger Stadtsiegel von 1284 zugeht.