Vor 96 Jahren (Josef Honold)

Am 28. August 1975 lief von Triberg her die erste Elektrolok im Villinger Bahnhof ein. Damit hatte die fast hundertjährige Zeitspanne der Dampflok ihr Ende gefunden. Es liegt nahe, heute einen Blick zurückzuwerfen auf die Zeit, als Villingen mit der Anbindung an die Schwarzwaldbahnstrecke seine ersten zaghaften Schritte in das Industriezeitalter hineintat. Aus der damaligen Presse ist hierzu folgendes zu entnehmen:

Anfang August (1868) gab das Handelsministerium bekannt, daß mit dem 16. August der regelmäßige Zugverkehr auf der Linie Villingen—Konstanz aufgenommen werden soll. Zur festlichen Gestaltung dieses Ereignisses wurde sofort ein Festkomitee ins Leben gerufen. Am 8. August meldete ein Extrablatt, daß gegen Abend mit dem Eintreffen einer Lokomotive zu rechnen sei. Die Nachricht trieb die Zuschauer in Scharen zum Bahnhof. Böllerschüsse verkündeten die dampfumwölkte Einfahrt des Dampfrosses. Der Eindruck auf die anwesenden Villinger war überwältigend.

Das eigentliche Eröffnungsfest fand am 15. August statt. Hierzu lud der Gemeinderat alle Staats- und Gemeindebeamten zu einer Besichtigungsfahrt Donaueschingen—Villingen ein. Unterwegs hielt der Zug an baulich wichtigen Stellen, und Direktor Bär von der Wasser- und Straßenbaudirektion Karlsruhe gab jeweils die technischen Erläuterungen. Zum Empfang am Bahnhof Villingen war inzwischen ein Festzug anmarschiert, an seiner Spitze das Musikkorps des 5. Infanterieregiments und der Sängerbund Villingen. Unter dem Dröhnen von

Böllerschüssen und mit einem Tusch des Musikkorps fuhr der Zug langsam in den Bahnhof ein. Der Festzug bewegte sich hierauf samt den neu angekommenen Gästen zum Marktplatz, wo Bürgermeister Schupp eine Rede hielt, worin er der Freude Ausdruck verlieh, daß nun nach einer langen Kette von Petitionen, die sogar bis in das Jahr 1842 zurückreichte, der für die Zukunft Villingens so lang ersehnte wichtige Tag gekommen sei. Ein Festessen von hundert Gedecken vereinigte die geladenen Gäste in der Blume Post, wobei auch ein Dankestele-gramm an den Großherzog abgesandt wurde.

Nachmittags vier Uhr fand ein großes Bankett in der festlich geschmückten Güterhalle statt.

Nur acht Tage später wurde auch die Strecke Rottweil—Villingen dem Verkehr übergeben. Am 24. August traf ein Sonderzug mit geladenen Gästen mittags um ein Uhr in Villingen ein, wurde vom Gemeinderat begrüßt und fuhr nach kurzem Aufenthalt nach Schwenningen zurück, wo sich die Hauptfestlichkeiten abspielten.

Für die Weiterführung der Bahnlinie in Richtung Offenburg war St. Georgen festgelegt worden. Die Linie führte von Villingen aus durch das Groppertal (ursprünglich war Mönchweiler vorgesehen). Die erste Haltestelle war der „Hammer“ (Unterkirnacher Bahnhof).

Von Karlsruhe war zu hören, daß nun auch für eine Seitenlinie Villingen—Marbach—Dürrheim die nötigen Etatmittel vorgesehen seien.

Entnommen aus: Villingen 1868-1884 von Josef Honold

 

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