Hans Kraut wurde im Thieme-Becker, Lexikon der bildenden Künstler ein ausführlicher Beitrag gewidmet.

Die neueste Forschung, besonders von Dr. Konrad Strauß, München, ist in diesem abgedruckten Artikel noch nicht berücksichtigt! (ohne Literaturhinweise!)

H. K., Kunsttöpfer in Villingen, geb. 1532 in Spaichingen, einem östlich von Villingen gelegenen Flecken, + 1592 in Villingen; erwarb 1585 daselbst das Bügerrecht und wurde, vermutlich im selben Jahr, auch Ratsmitglied. Am 2. 10. 1590 verlieh ihm der Erzherzog Ferdinand von Osterreich, vielleicht für die Herstellung eines Prachtofens für eine hochgestellte Persönlichkeit, ein Wappen.‘ K. war ein schöpferischer Künstler und Handwerker, als Plastiker bedeutender wie als Zeichner. Seine Reliefs zeichnen sich durch die Schärfe der Formen aus, die Farbwirkung ist trotz der gewählten kräftigen Töne harmonisch. Bei seinen Entwürfen benutzte er bisweilen auch fremde Vorlagen. So finden sich in seinen Arbeiten Anlehnungen an holbeinische und raffaelische Ornamente. Seine im Renaissancestil gehaltenen Arbeiten zeigen Einflüsse sowohl der Nürnberger und Winterthurer als der Tiroler Hafnerei und der Majolikakunst von Faenza. Es herrschen die hellen Farben und zwar Gelb, Grün, Blau und weiß vor; bunt glasierte Reliefkacheln dieser Art wechseln mit andern in blauer figuraler Schraffeurmalerei verzierten ab. Als Grundfarbe kehrt meistens Grün wieder. — Erhaltene Arbeiten: Ofenkacheln (Altertümer-sammlung in Villingen Nr 192, 224, 321, 492, 864, 865, 924, 986, 1417); Pfeilerkacheln im Berliner Schloßmuseum; 4 grüne Reliefkacheln mit Motiven nach H. S. Beham im Landesgewerbemuseum Stuttgart; 2 Ofenkacheln mit Brustbildern in Zeittracht in der archäol. und ethnograph. Sammlung in Offenburg; Ofenaufsätze (Altertümersammlung in Villingen Nr 291-316), Ofenstücke (ebenda Nr. 945); ferner eine Majolika mit Wappen des Kaisers Maximilian II., des Erzherzogs Ferdinand von Osterreich und der Stadt Villingen, aus Anlaß der 1530 durch Ferdinand I. erfolgten Verleihung eines „Hauptpaniers, Stadtzeichen und Schildes“ an die damals österr. Stadt Villingen geschaffen und früher auf der Südseite des ehemal. städt. Kaufhauses am Marktplatz in Villingen eingemauert (Altertümersammlung Villingen Nr. 7); ein anderes Relief (ebenda Nr. 1977) mit Darstell. der Seeschlacht von Rhodos (1523) und 3 Schlachtschiffen der Johanniter und zweien der Türken, zur Erinnerung an den Johanniterkomtur Wolfgang von Maßmünster, Mitkämpfer dieser Schlacht, geschaffen; außerdem einzelne Fragmente in der Samml. Demmin-Wiesbaden, einige ihm zugeschriebene Ofenkacheln in der Sammlung des Grafen Wilczek (+) auf Schloß Kreuzenstein und Prachtöfen im Viktoria und Albert Mus., London (1577), früher in dem Hause des Ratschreibers Dorn in Engen, mit Dar-stell. aus dem Buche Esther, im Schloßmus. Karlsruhe, früher in dem ehemal. Benediktinerkloster, jetzigen Priesterseminar, in St. Peter im Schwarzwald, 1587 als Geschenk des Abtes Blasius Schönlin zu St. Georgen an Gallus Vögelin, Abt zu St. Peter, gefertigt, mit Darstell. der Wappen beider KLöster, der Apostel, Kirchenväter und mit gemalten Szenen aus dem N. Testament, vorwiegend in Gelb, Grün und Blau glasiert und mit eingebautem Sitz. Der in der Literatur mehrfach erwähnte, in Gold glasierte Kachelofen in der Wiener Hofburg ist heute dort nicht mehr nachweisbar. Im Pfarrmünster in Villingen befindet sich eine mit K.s Initialien bez. u. ihm zugeschriebene bronzene Gedenktafel auf den Amtmann Hieronymus Boldt aus St. Georgen mit Wappen und Inschrift in gotischen Minuskeln. K. zugeschrieben wird ein Ofen mit Darstell. des Rütlischwurs und weiterer Szenen aus der Tell- und Landenberggesch. im Schweiz. Landesmuseum, Zürich. — Von K.s 4 Söhnen übten Georg, geb. 1576 (von ihm wahrscheinlich eine medaillenförmige, den hl. Georg darstellende Modellierstudie im Mus. Villingen), und Hans Jakob, geb. 1568, das Töpferhandwerk aus. Der letztere war mit Anna Armbroster verheiratet, erwarb 1618 das Bürgerrecht, wurde 1641 Mitglied des Rats und Richterkollegiums und im selben Jahre in einen Hexenprozeß verwickelt und zum Tode verurteilt. Von seinen Arbeiten sind ein Ofen aus dem Jahre 1593 für den Grafen Heinrich von Fürstenberg und 12 grün glasierte Ofenkacheln mit allegor. Darstell. von 1598 (Altertümersammlung Villingen) bekannt. Noch einige weitere Nachkommen des Hans K. übten das Töpferhandwerk aus. Die Familie starb in der 2. Hälfte des 18. Jahrh. aus.

Zu umseitigem Bild: Wappenkachel von Hans Kraut im Mainfränkischen Museum Würzburg, Feste Marienburg. Farbglasur. Abb. ca. 2/3 Original-Größe. Eine der bestgelungenen Arbeiten von Hans Kraut, besonders hinsichtlich der Komposition und plastischen Durchgestaltung.