Alemannische Mundart

Joh. Peter Hebel (1760-1826)

Der allezeit vergnügte Tabakraucher

Im Frühling

’s Bäumli blüeiht und ’s Brünnli springt.

Potz tausig los, wie ’s Vögeli singt!

Me het si Freud und frohe Mueth,

und ’s Pfifli, nei, wie schmeck es so guet!

Im Sommer

Volli Aehri, wo me goht,

Bäum voll Äpfel, wo me stoht!

Und es isch e Hitz und Glueth.

Eineweg schmeckt ’s Pfifli guet.

Im Herbst

Chönnt denn &Welt no besser si?

Mit si’m Trübel, mit si` m Wi stärkt de

Herbscht mit lustig Bluet, und

mi Pfifli schmeckt so guet.

Im Winter

Winterszit, schöni Zit!

Schnee uf alle Berge lit,

uffem Dach und uffem Huet.

Justement schmeckt `s Pfifli guet.

 

August Ganther (1862-1932)

E Pfiffikus

Im Husgang stoht e Küweli

Voll mit Johannistrüwili.

`s verfresse Fritzli danzt drum rum:

»Gell, Mueder, i bikumm?«

»Jetz,« rüeft z`letscht d’Mueder, »han i ’s dick!

Gang, nimm e Hampfl, Galgestrick!«

»Gi du in’r«, sait    klei Trabant, »du hesch e größ’ri Hand.«

 

Hermann Burte (1879-1960 )

Gefehltes Wort

E Kandidat chunnt an der Wahl

Uf Haltige, in Hirzesaal.

D‘ Frau Wirti frogt, im schönste G’staat:

Was nemme der Herr Langgrichtsrat? —

Er b’sinnt si lang, was will er ächt?

Me sicht, es isch em gängellächt.

E Portion Tee! — Des Wort isch g`fehlt!

Sie hännen ämmel nümme ewählt.

Jä, hätt er gsait: E Schoppe Wy!

Se wurd er wieder worde sy.

Form der Welt

D’Welt isch en Aai,
D’Sunne der Dotter.

Verschlach’s nit, mai:
D’Mueter wott der!

 

Richard Gäng (1899)

Im Herbstlaub

Wa ruschet s Laub um mini Schueh?

Im Tod isch Rueh;

mir hän is d Luft und d Sunne gno;

jetz sin mr alli fridli do.

Wa ruschet s Laub um mini Schueh?

Wer sterbe mue,

de luegt uf üs. So Lich bi Lich

sin mir inander alli glich.

Wa ruschet s Laub um mini Schueh? Lauf numme zue,

es chunnt de Tag, wo au so bisch

und welch am füechte Bode lisch!

Wa ruschet s Laub um mini Schueh?

Häsch di vertue,

so sorg, und s sei din ganze Wuntsch,

daß goldig bisch, wenn z sterbe chunntsch.

 

Hermann Burte (1879-1960)

Frühlingswille

Waiht e Luft im Öschedolder,

Schlacht e Amsle dief im Holder,

Schießt e Bach durs aiche Densch:

Früehlig isch im Ländli, Früehlig,

Wuslig, wüchsig, wiif und wüehlig:

Nimm es Byspiel, liebe Mensch!

 

Gottfried Schafbuch (1898)

Mini Gedechtli

Wa ech euch bring, ischt Burebrot,

weng herb, doch gsund im Mage;

Subaunemeahl isch koas do drin,

s ka neamerd sech beklage.

Ech ha paar Sprädli Salz dri tau,

au Kimmig tuescht drin finde,

und s Bleaßholz ha ech gsparet nit,

sell merkscht scho a de Rinde.

E Knisli hanget allbot dra,

s ischt krospilig, s tuet krache.

Wer mont, es sei im Fall weng hert,

ka Tinkli jo drus mache.

Fer d Kinder, wo erst zahnet hond,

git s Ankebutter-Dinne;

woascht, seller Gu blibt ewig om,

s ischt Hoamweh schier dri inne.

E Schearelaibli ischt debei,

ech gib s de alte Lutli;

bedächtig kiflet di do dra.

Gseng s Gott; und esset s zitli.

So isch mi Brot, wo ech vertoal;

ech ka s nit seibert bhalte;

ech will noh heble reacht vil

Johr und d Mulde suber halte.

 

Hans Hauser (1907)

Früehling

Jetzt quillt us elle Kiime

de Früehling uf de Boor

und triibt. Au mich helts nimme,

jetz, Maidli, bind di Hoor,

en Luft weiht über d`Felder,

iiskalt und nimmt om fast,

doh i de stille Wälder

blüeht rot de Seidelbast.

 

Nebenand

Ebbe het sich de erst vürwitzig Sunnestrahl

dur mi Lädemli zwängt. Halbe im Schloof nah kunnt

mer en Iifall und nimmt mi

gfange, musget sich zum Gedicht.

Scho füegt Woert sich a Woert,

Ziile a Ziilete, bis en grusige Luut ruh i

mi Troome feilt und de Zauber verschiicht:

Ell Morge säget min Nochber Holz.

 

Spruch

Jedes Ding
het si Gwicht.
Jeder Mensch
het sie Gschicht.

Und wie liicht
isch mer gricht!