150 Jahre Engagement (Stefan Preuß)

Sparkasse Villingen-Schwenningen feiert im Jahr 2004 das 150jährige Bestehen

 

Wenn die Sparkasse Villingen-Schwenningen am 1. Februar 2004 auf 150 Jahre des Bestehens zurückblickt, sind trotz immensen Wachstums, mehrfach geänderter politischer Rahmenbedingungen, starken gesellschaftlichen Umwälzungen und mannigfaltigen Neuerungen auf dem Gebiet der Technik die Wurzeln klar erkennbar: Am 1. Februar 1854 nahm die Spar-, Waisen- und Leihkasse für den Amtsbezirk Villingen den Geschäftsbetrieb auf. Und noch heute ist die Sparkasse VS das Institut aus der Region, in der Region, für die Region.

Bertolt Brecht formulierte einst überspitzt, dass es vom moralisch-ethischen Standpunkt aus keinen Unterschied mache, ob man eine Bank eröffne oder überfalle. Beides sei gleich verwerflich. Wie bei den meisten Bonmots ist die Kernaussage so natürlich nicht haltbar, aber mehr als ein Körnchen Wahrheit findet sich doch. Denn die Sparkassen allgemein und eben auch die in Villingen sowie die gleich alte in Triberg sind eben aus sozialen Erwägungen heraus gegründet worden. Im heutigen Sprachgebrauch würde man sagen, dass die damals bestehenden Bankhäuser, für Baden waren jene in Basel und Frankfurt maßgeblich, die Marktchancen des Retail-Geschäftes nicht erkannt hatten. Auf alle Fälle waren sie ihrer gesellschaftlichen und sozialen Verpflichtung, so wie man heute Unternehmen in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext einbindet, nicht gerecht geworden.

Gründung als Spar-, Waisen- und Leihkasse

 

 

 

 

 

 

Der Gründung der Kasse in Villingen im Jahr 1854 ging eine Anregung der damaligen badischen Regierung aus dem Jahr 1827 voraus. In einigen Städten hatten sich Sparkassengründungen als nützlich und erfolgreich erwiesen, und so wurden Städte und Gemeinden aufgefordert, ebenfalls über eigene Sparkassen nachzudenken. Es dauerte allerdings volle 27 Jahre, bis sich Bürgerausschuss und Stadtrat auf eine Satzung geeinigt hatten. Dabei bedurfte es zudem des Drucks der Regierung des damals zuständigen Seekreises Konstanz, die deutlich machte, ein zwischenzeitlich erwogenes Leihhaus nicht zu genehmigen.

Am 1. Februar 1854 nahm die Spar-, Waisen- und Leihkasse Villingen den Betrieb auf. Den ersten Verwaltungsrat bildeten Joh. Nep. Schöneker (Fabrikant); Christoph Salzer (Apotheker), Franz Jos. Dold (Gemeinderat), Jakob Zech (Spitalverwalter) und J. B. Dold (Gastwirt zur Blume). Dies ist die eine Wurzel der heutigen Sparkasse VS. Und wie der Name schon andeutet: Es war von Anbeginn die Kasse auch und besonders des „kleinen“ Mannes, auch in der Tradition etwa jener Waisenkassen, wie sie ab 1749 und 1766 in den Klöstern Salem und Sankt Blasien eingerichtet worden waren.

Eine andere Wurzel reicht nach Triberg. Die dortige Sparkasse erhielt am 17. Oktober 1854 die Genehmigung des Großherzoglichen Ministeriums, als Spargesellschaft zu fungieren. Dies wird als eigentlicher Gründungstag angesehen, wenngleich es bereits 1851 eine Vorläufergesellschaft gegeben hatte, und zwar die „Sparkasse für den uhrenmachenden Schwarzwald.“ Am 1. Januar 1972 vereinigten sich die beiden Bezirkssparkassen Villingen-Schwenningen und Triberg zu einem Institut.

Älteste Wurzel führt nach Schönenbach

Wenn man so will, verfügt die Sparkasse in der heutigen Form über eine noch ältere Wurzel, denn die am 1. Januar 2003 vollzogene Fusion mit der Sparkasse Furtwangen lässt die ohnehin ehrwürdige Kasse gleichsam nochmals altern: Das Gründungsdatum der „Schwarzwälder Sparcassa Gesellschaft“ in Furtwangen liegt auf dem 7. März 1848. Seinerzeit hatten sich im Schönenbacher Löwen mehr als 100 Personen eingefunden, zumeist Mitglieder des Uhrengewerbevereins. Auch bei dieser Gründung stand neben der Finanzierung dessen, was man heute Mittelstand nennen würde, auch die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Armut der „unteren Stände“ im Mittelpunkt. Der Sparkassengedanke hatte stets etwas mit dem seinerzeit weitverbreiteten Gedanken der Philantropie zu tun: Man wollte den Tagelöhnern das Sparen und Vorsorgen nahe bringen, dieser Klientel mit fairen Konditionen helfen, eine Mindestabsicherung aufzubauen.

Der Start der Kasse in Villingen verlief indes schleppend. Erst 1859 wurde der erste Überschuss erwirtschaftet. Dies war möglich, weil der Villinger Gemeinderat ein Jahr zuvor genehmigt hatte, die Ausleihtätigkeit über den Stadtbezirk hinaus auf den gesamten Amtsbezirk auszudehnen — obwohl die 29 Gemeinden des Bezirkes (bis auf Dauchingen und Schönenbach) es zunächst abgelehnt hatten, der Haftungsgemeinschaft beizutreten.

Noch immer wurde das Geschäft von den handelnden Personen nebenberuflich getätigt, wahrscheinlich hatte es bis 1883 oder kurz davor gedauert, bevor festangestellte Kräfte zum Zuge kamen. Bis dahin lag das Geld in Händen von Kassier Paul Dold, der in seinem Haus in der Bickenstraße aber einen eigenen Raum für die Sparkasse reservierte. In seine Amtszeit fiel 1867 die Gründung der „Konkurrenz“, des „Vorschuß-Vereins Villingen“, aus dem die Volksbank Villingen eG hervorgehen sollte. Schon immer waren die Beziehungen zu den Genossen offenbar gut, denn 1872 erhielt der Vorschuß-Verein von der Sparkasse ein Darlehen über 10.000 Gulden zu 4 Prozent Zins, um mit dem Geld Kreditwünsche der Genossenschaftsmitglieder zu befriedigen.

Auch mit der Stadt Schwenningen und deren Bürgern machte die Sparkasse Villingen zunächst gute Geschäfte. 1873 wurden der Gemeinde Schwenningen 6000 Gulden geliehen — und in Ermangelung einer eigenen Kasse legten auch viele Schwenninger ihr Geld in Villingen an. Das änderte sich erst am 2. April 1903, denn zu diesem Tag wurde auf Betreiben der Gewerbe- und Handels-treibenden in Schwenningen die Gemeindesparkasse gegründet.

Überschüsse fließen an Gewährträger-Gemeinden Durch die Reichsgründung 1871 und die fortschreitende Industrialisierung Europas blühte die Wirtschaft in der Folge stark auf — und mit ihr die Sparkassen, die ab 1874 erstmals Wertpapiere auch auf eigene Rechnung erwerben durften und sich ab 1878 bei der Reichsbank refinanzieren konnten, das heisst, nicht mehr nur auf Spareinlagen und Eigenkapital angewiesen waren.

1880 gab es das erste Sparkassengesetz in Baden. Darin wurde unter anderem die Verteilung der Überschüsse geregelt. In Villingen sind bereits ab 1870 regelmäßig Teile des Gewinns abgeführt worden. Bis 1938 summierte sich der Betrag auf 1,853 Millionen Mark.

In Triberg flossen zwischen 1890 und 1905 gut 210.000 Mark an die Stadt. 1906 wandelte sich das Triberger Institut in eine Bezirkssparkasse um. Die Gemeinden Gremmelsbach, Langenschiltach, Niederwasser, Nußbach, Rohrbach, Schönwald sowie Ev. und Kath. Tennenbronn traten in die Haftung ein. Eine Maßnahme, die sich auszahlte, denn bis 1941 flossen an die bürgenden Kommunen 484.000 Mark aus den Überschüssen.

Schon anfangs der 20er Jahre beteiligten sich die Sparkassen in Villingen, Schwenningen, Furt-wangen und Triberg am bargeldlosen Zahlungsverkehr, 1924 wurde das Wechseldiskontgeschäft sowie der Kontokorrentkredit eingeführt. I. Weltkrieg, Inflation und Währungsreformen machten den Sparkassen zwar zu schaffen, doch der Gedanke war zu stark und der Bedarf zu nachhaltig, als dass diese Ereignisse die Institution Sparkasse als solche ernsthaft hätten gefährden können.

Geschichte von Übernahmen und Fusionen

Die Geschichte der Sparkasse Villingen-Schwenningen ist auch eine Geschichte der Übernahmen und Fusionen. Gewissermaßen die erste Übernahme war die Eröffnung einer Zweigstelle in Königsfeld 1930, angelegentlich der Eingliederung der 1917 gegründeten Depositenkasse der Brüderunität. Zum 1. April 1933 erfolgte der Anschluss der 1884 gegründeten Städtischen Sparkasse Vöhrenbach an Villingen, während die Schwen-ninger Sparkasse am 1. Januar 1934 als Hauptzweigstelle der Kreissparkasse Rottweil eingegliedert wurde. Die Sparkasse Schonach, 1894 gegründet, wurde am 1. Januar 1939 auf Anordnung des Badischen Staatsministeriums mit der Bezirkssparkasse Triberg vereinigt.

Nach dem II. Weltkrieg erlebten die Sparkassen rasantes Wachstum. Verwaltungsgebäude wurden gebaut und das Geschäftsstellennetz stark ausgebaut. Als Meilensteine sind die Ausgabe der Volksaktien der Preußag (1959), VW (1961) und VEBA (1965), der Wegfall der Zinsbindung (1967), die Einführung der bargeldlosen Lohn-und Gehaltszahlungen in fast allen Unternehmen (1970-72) sowie der Sparboom durch die vermögenswirksamen Leistungen (1970) zu nennen.

Der Konzentrationsprozess setzt sich am 1. Januar 1972 fort. Zu diesem Datum vereinigen sich die Bezirkssparkassen Triberg und Villingen-Schwenningen. Ein Jahr später wurde die Hauptzweigstelle Schwenningen der Kreissparkasse Rottweil auf die Bezirkssparkasse Villingen-Schwenningen übertragen. Damit trug man dem politischen Willen nach Bildung der gemeinsamen Stadt Rechnung.

 

 

Zum 1. Januar 1977 übernahm die Sparkasse Villingen-Schwenningen (so heißt das Institut seit 1. Januar 1975) aufgrund der kommunalen Gebietsreform die Zweigstellen in Biesingen, Buchenberg, Hochemmingen, Oberbaldingen, Öfingen, Sunthausen, Tannheim, Unterbaldingen und Urach. Zum 1. Januar 1991 erfolgte die Aufnahme der Bezirkssparkasse St. Georgen, zum 1. Januar 2003 schließlich die der Bezirkssparkasse Furt-wangen. Damit verfügt die Sparkasse Villingen-Schwenningen über ein geschlossenes Geschäftsgebiet, das den gesamten nördlichen und westlichen Teil des Schwarzwald-Baar-Kreises umfasst.

Große Herausforderungen harren

Zusammen mit dem Marktbereich Furtwangen startete die Sparkasse Villingen-Schwenningen mit einer Bilanzsumme von 2,2 Milliarden Euro in das Jahr 2003. Dem Kreditvolumen von 1,4 Milliarden Mark stehen Kundeneinlagen in gleicher Höhe gegenüber. In 47 Geschäftsstellen werden 646 Mitarbeiter beschäftigt.

Dergestalt positioniert sieht sich die Sparkasse Villingen-Schwenningen für die kommenden Jahre gut gerüstet, obwohl eine ganze Reihe von Herausforderungen harren: „Die Sparkasse VS ist eine moderne Geschäftsbank mit umfassendem Angebot, zeitgemäßem Erscheinungsbild und fortschrittlicher Technik. Wir bekennen uns auch zu unserer langen Tradition“ formulierte der Vorstand im September 2002 im Unternehmensleitbild.

Der wichtigste Leitsatz der „mission statements“ lautet: „Wir fördern und stärken die heimische Region.“

Das bedeutet,

dass die Sparkasse entsprechend des öffentlichen Auftrages die flächendeckende Versorgung mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen sicherstellt;

der Sparsinn und die Vermögensbildung breiter Bevölkerungskreise sowie die Wirtschaftserziehung der Jugend gefördert wird;

das überlassene Sparkapital vorrangig als Kredit und Darlehen im Geschäftsgebiet verbleibt und so dazu beiträgt, Arbeitsplätze in der Region zu schaffen und zu sichern;

dass Unternehmensgründungen, Existenzsicherungen und Innovationen mittels verschiedener Instrumentarien gezielt gefördert werden;

soziale Einrichtungen, gemeinnützige Vereine, kulturelle Vereinigungen und Kommunen durch Spenden und Sachzuwendungen unterstützt werden sowie

mit einer Vielzahl von Ausstellungen, Vorträgen, Konzerten, Sport- und sonstigen Veranstaltungen die Attraktivität der Heimat gefördert wird.

Diese regionale Verbundenheit erklärt sich aus der Entstehungsgeschichte der Sparkasse. Unmittelbar einsichtig ist aber auch, dass die Sparkasse VS ihren öffentlichen Auftrag nur auf Dauer und in Zukunft erfüllen kann, wenn sie als Wirtschaftsunternehmen erfolgreich ist. Diese Balance zwischen gesellschaftlicher Verpflichtung und betriebswirtschaftlichen Zwängen dürfte in Zukunft nicht leicht zu halten sein.