Stumme blau-weiße Stadtführer erzählen ein Stück Geschichte (Redaktion)

Informationstafeln an historischen Gebäuden in Villingen haben sich bewährt

 

 

 

 

Die Villinger Altstadt hat — trotz mancher bedauerlicher Bausünden — ihr historisches Aussehen im wesentlichen bewahrt. Das bestätigen auch die zahlreichen Besucher, die sie alljährlich unter die Lupe nehmen. Die Stadtführerinnen und Stadtführer, die sich in großer Zahl um die Gäste bemühen, „verkaufen ihre Stadt“ und deren Geschichte mit großem Engagement. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung geschichtsbewusster Bürger und auch des Geschichts- und Heimatvereins Villingen. Dieser hat sich vor zehn Jahren Gedanken gemacht, wie Besuchern der Stadt, die sich für die Historie interessieren und nicht nur die Fassaden der Häuser bewundern wollen, ein Stück Stadtgeschichte vermittelt werden kann. Der Arbeitskreis Innenstadt des GHV hatte eine gute Idee, die inzwischen verwirklicht wurde. Blaue Tafeln mit weißer Schrift an wichtigen historischen Gebäuden erzählen kurz und knapp was sich hinter den Mauern dieses Hauses verbirgt. Es sind kleine stumme Stadtführer, die nicht nur den Fremden ein Stück Stadtgeschichte vermitteln, sondern auch bei den Einheimischen Heimatkunde etwas auffrischen. Sie sind akzeptiert und haben sich gut bewährt.

Unser ehemaliger Vorsitzender und heutiges Beiratsmitglied Hubert Waldkircher erinnert sich noch gut an Planung und Durchführung des GHV-Projektes „Beschilderung historischer Gebäude“:

In dieser Ausgabe beginnen wir mit der Veröffentlichung der „stummen Stadtführer“. Wir werden diese Dokumentation in den Folgeheften fortsetzen.

Beschilderung historischer Gebäude

Der Arbeitskreis Innenstadt im Geschichts- und Heimatverein Villingen (AKI), beschäftigte sich seit 1994 mit der Idee der Erarbeitung eines „Historischen Leitsystems“ in Villingen.

 

 

Gedacht war an eine einheitliche Beschilderung der Straßen, Gebäude, Hinweisschilder usw. Ferner sollten alle Eingangspforten zur historischen Altstadt entlang der Ringmauer (Tore, Zugangsstraßen und Gassen) mit einer Tafel des Planes der historischen Innenstadt ausgestattet werden. Es war vorgesehen, alle wichtigen und sehenswerten Objekte der Innenstadt nach einem einfachen Konzept in diesem Plan zu markieren und zu benennen, ebenso den jeweiligen Standort des Planes als Ausgangspunkt.

Diese Orientierungspläne sollten ferner an allen wichtigen historischen Stätten in Villingen aufgestellt werden. Der Besucher hätte dann die Möglichkeit gehabt, die ihn interessierenden Objekte ohne Führer auf dem kürzesten Weg zu finden.

Bestandteil dieses Projektplanes war auch, die Anbringung von Hinweistafeln an historischen Gebäuden mit der Information wichtiger Daten, die sich auf das Gebäude und seine Bedeutung beziehen.

Viele Versuche, die Bauverwaltung und -planung sowie Politiker unserer Stadt für die Verwirklichung dieser Idee zu interessieren, waren sehr mühsam. Erst im Februar 1996, anlässlich der Vorstellung der Beiträge des AKI zum „1000-jährigen Jubiläum Villingen“ wurde diesem Projekt im Arbeitskreis Stadtmarketing erstmals von offizieller Seite Interesse geschenkt. Es folgten viele Projektgespräche mit der Bauverwaltung. Letztlich wurdelediglich die Beschilderung der historischen Gebäude in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung umgesetzt. Das vom AKI erdachte Leitsystem wurde von der Verwaltung ohne dessen Beteiligung geplant und entschieden und für teures Geld sehr eingeschränkt realisiert. Das Ergebnis kennen wir, es ist mehr als bescheiden.

Nach langen Beratungen genehmigte am 15.10.1998 der Technische Ausschuss des Gemeinderates die historischen Hinweisschilder.

Der AKI hatte sich in anderen Städten mit historischen Gebäuden entsprechende Beschilderungen angesehen. Anhand der verschiedenen Muster fiel im Arbeitskreis die Entscheidung, neben einem Kurztext eine Zeichnung des Objekts zu setzen. Die Umsetzung der Objektbeschilderung war schließlich, wie gesagt, eine Gemeinschaftsarbeit der Stadtverwaltung, vertreten durch Ute Schulze vom Stadtarchiv und Hansjörg Fehrenbach vom Hochbauamt sowie den Mitgliedern des AKI, Dieter Ehnes, Elmar Fuhrer (t), Paul Naegele (alle Freie Architekten), Hubert Waldkircher (Beiratsmitglied).

 

 

Es wurden die entsprechenden Objekte ausgesucht, Kurztexte formuliert und Feinzeichnungen der einzelnen Gebäude als Mustervorlagen für die Herstellung der Schilder gefertigt. Die Bauzeichnungen der einzelnen Objekte wurden von den Architekten Ehnes, Fuhrer (+) und Naegele für eine minimale Aufwandsentschädigung gefertigt. Für die Texte war Ute Schulze verantwortlich. Gleichzeitig, d.h. im Oktober 1998 erschien von ihr hierzu ein kleiner Stadtführer „Häuser und ihre Geschichte, Wegweiser zu historischen Stätten in Villingen-Schwenningen“.

Die Tafeln sind 35 x 35 cm groß, massiv aus Aluminium, lackiert und im Siebdruckverfahren beschriftet. Die Grundfläche ist saphirblau mit rotem Beistrich, die Schrift ist papyrus-weiß, alles Farben aus dem historischen Villinger Wappen. Die Eigentümer der zur Anbringung von Schildern vorgesehenen Gebäude wurden von Anfang an in die Aktion eingebunden und umfangreich informiert. Sämtliche Änderungswünsche wurden berücksichtigt.