Stets mit offenen Augen unterwegs (Hermann Colli)

Hobbymaler Rudolf Heck mit 92 Jahren noch immer auf Motivsuche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 1. Juni 2003 setzte er zuversichtlich den Schritt ins 93. Lebensjahr: Rudolf Heck, unser langjähriges Vereinsmitglied. Er ist vielleicht nicht mehr ganz so vital wie in den Jahren, als der passionierte Bergsteiger, Mitglied des Alpenvereins, noch im Hochgebirge unterwegs war und von weit oben auf zerklüftete Berglandschaften oder in idyllische Täler blickte. Aber ein Stubenhocker ist Rudolf Heck nie geworden. Das hat er bei Exkursionen und Besichtigungen des Geschichts- und Heimatvereins immer wieder unter Beweis gestellt. Und wenn’s nicht gar so anstrengend ist, dann ist er auch noch dabei wenn es darum geht, Neues kennen zu lernen oder etwas Vertrautes wieder zu besuchen. Von seinen zahlreichen Touren hat er viele wertvolle Erinnerungen mitgebracht. Eindrücke, die ihn angesprochen und sich ihm besonders eingeprägt haben, wurden auf Papier oder Malkarton „konserviert“. Wer Rudolf Heck einmal zu Hause besucht, glaubt, in eine Gemäldegalerie zu kommen. Die Wände hängen voller Bilder, die der Hausherr selbst gemalt hat. Und in den Schränken befinden sich auch noch einige gefüllte Mappen mit seinen Werken. Wie viele er im Laufe seines langen Lebens geschaffen hat, weiß er selbst nicht so genau. Zahlen sind ihm auch nicht so wichtig. Wichtig ist für Rudolf Heck, seine Zeit sinnvoll und kreativ zu nutzen.

Und das hat der gebürtige Wolfacher, der 1927 nach Villingen kam, getan. Schon als Schüler des Villinger Realgymnasiums, an dem er 1932 das Abitur machte, zeigte sich sein künstlerisches Talent. Das hat er zeitlebens gepflegt und vervollkommnet. Wer seine Bildersammlung anschaut, entdeckt unter der Vielzahl der Motive zwei Schwerpunkte: Das alte Villingen und Höfe im Schwarzwald. Er hat viele vertraute Ecken und Winkel der Zähringerstadt und der Umgebung, die heute längst verschwunden sind, im Bild festgehalten und für die Nachwelt gesichert. Die meisten Ansichten hat er mit Wasserfarben gemalt. Aquarelle beherrschen eindeutig sein Schaffen. Aber auch Ölbilder, Linolschnitte und Zeichnungen mit Bleistift und Kohle zeugen von der Vielseitigkeit des Hobbymalers. Unbekannt ist der ehemalige Industriekaufmann, der seit 1974 im Ruhestand lebt, trotz aller Bescheidenheit nicht. Die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins Villingen, dem Rudolf Heck seit 1972 angehört, haben einige seiner Bilder in den Jahresheften kennen gelernt und auch im Almanach für den Schwarzwald-Baar-Kreis und in den Villinger Tageszeitungen sind seine Arbeiten veröffentlicht worden. So ganz hat der Zweiundneunzigjährige Zeichenstift und Pinsel noch nicht aus der Hand gelegt. Wenn ihm ein reizvolles Motiv begegnet, dann hält er es auch heute noch mit dem Zeichenstift fest. „Aber leider,“ so stellt er mit Bedauern fest, „gibt es nicht mehr so viele hübsche Winkel und die, die es noch gibt, habe ich alle schon gemalt.“

 

 

Rudolf Heck ist ein vielseitiger Maler. Wie hier beim Oberen Tor hat er sich — wie bei den meisten seiner Arbeiten — der Wasserfarben bedient.

 

Das Riettor, das vom Käferberg her stets einen besonderen Reiz auf ihn ausübte, hat er als Linolschnitt geschaffen und später koloriert.

 

Eines seiner ältesten Bilder liebt Rudolf Heck besonders. 1931 hat er es gemalt. Der alte Lokschuppen beim Villinger Bahnhof —es gab zwei davon — weckt Erinnerungen an Schwarzwaldbahnzeiten, als Dampflokomotiven zwischen Offenburg und Konstanz unterwegs waren. In Hecks Aquarellbild bleibt ein Stück Villinger Eisenbahnnostalgie lebendig.

 

 

Als Ölgemälde ziert ein Blick von der Rathausgasse auf das Münster Rudolf Hecks Wohnzimmer, das einer gut bestückten Galerie mit Motiven aus dem alten Villingen gleicht.