Aus der Arbeit des Stadtarchivs (Ute Schulze)

Unter diesem Titel wollen wir Sie künftig über unsere Arbeit informieren. Zunächst möchte ich jedoch kurz unsere Aufgaben umreißen.

„Das Stadtarchiv ist Gewissen, Gedächtnis und Gehilfe der städtischen Verwaltung. Es bewahrt und betreut die Überlieferung zur Geschichte der Stadt Villingen-Schwenningen, der Städte Villingen und Schwenningen“. Fachlich sind uns auch die Archive der kleineren Stadtbezirke unterstellt. Diese werden aber mit Ausnahme von Mühlhausen in den jeweiligen Rathäusern verwahrt.

Die Binnengliederung des Stadtarchivs weist 5 Abteilungen auf, in die die einzelnen Bestände eingereiht sind. Ein Bestand wird aus der gesamten Überlieferung einer abgebenden Stelle gebildet. Dies können u. a. Akten, Urkunden, Datenträger sein. Die Abteilung 1 birgt alles Material ab 1972 (Stadt Villingen-Schwenningen), in Abteilung 2 sind die Unterlagen von Villingen bis Ende 1971 zu finden und in Abteilung 3 diejenigen Schwenningens bis zu diesem Zeitpunkt. Abteilung 4, „fremde Provenienzen“, umfasst Archivgut von Registraturbildnern außerhalb der Stadtverwaltung (z. B. Bezirksamt Villingen, Verband der deutschen Uhrenindustrie usw.). In Abteilung 5 findet man die Sammlungen (z. B. Karten und Pläne, Plakate, Postkarten, Fotos etc.). Ein besonders häufig benutzter Bestand hier ist die „Stadtchronik“, eine zeitgeschichtliche Sammlung zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Sie wird fortlaufend ergänzt und ist besonders für Schüler und diejenigen geeignet, die erstmals in das Archiv „hinein-schnuppern“ möchten.

Abbildung 1: Außenansicht des Stadtarchivs von der Lantwattenstraße aus gesehen (Foto: Stadtarchiv)

 

Neben den historischen Beständen bildet das moderne Ämterschriftgut den Schwerpunkt der Gesamtmenge an Archivalien. Diese Unterlagen werden uns von den Dienststellen angeboten und von uns bewertet. Alles, was archivwürdig ist, wird dann auf Dauer aufbewahrt. Um die einzelnen Akten, Bände oder Urkunden wieder auffinden zu können, fertigen wir Repertorien (Findbücher) an, die alle Stücke des jeweiligen Bestandes nachweisen. Neben den klassischen Aufgaben der Verwahrung, Erhaltung und Erschließung sind im Laufe der letzten Jahre auch neue Bereiche dazugekommen. Die Öffentlichkeitsarbeit hat an Bedeutung gewonnen. Hierzu gehören Veranstaltungen wie Tagungen, Ausstellungen, Vorträge, Publikationen. Verstärkt hat sich hier auch die Zusammenarbeit mit Lehrern, die das Stadtarchiv als außerschulischen Lernort in ihren Unterricht integrieren.

Natürlich stehen wir auch allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern bei Fragen zu Orts-, Familien-, Heimatgeschichte und vielem mehr mit Rat und Tat zur Seite. Die Benutzung von Archivalien wird von Menschen aus Stadt und Region, aber auch von weit her in Anspruch genommen. Neben persönlichem Interesse sind Schüler- oder wissenschaftliche Arbeiten Schwerpunkte der Einsichtnahme.

Wer uns nicht persönlich aufsuchen kann, wendet sich telefonisch, schriftlich oder ganz modern per Email an uns.

 

Verwaltungsintern sind wir in Registratur- und Ordnungsfragen anderen Ämtern und Dienststellen behilflich.

Abbildung 2: Rom, 1286 April 15. Ablassbrief von 14 römischen Bischöfen für das Heilig-Geist-Spital mit den Siegeln der Aussteller (SAUS Best. 2.3 Nr. 2309).

 

Die Erhaltung der Archivalien spielt eine große Rolle. Neben den Restaurierungen, die wir extern von Fachleuten durchführen lassen, ist die ebenfalls extern vergebene Mikroverfilmung die zweite große Sparte in diesem Aufgabenspektrum. Diese Konservierungsform hat mehrere Vorteile. Erstens können alle Archivalien, auch mittelalterliche Pergamenturkunden so einem breiten Kreis zugänglich gemacht werden. Zweitens werden die Originale geschont. Drittens ist es auch möglich Papierkopien am Readerprinter zu erstellen. Auch die Lokalteile der Zeitungen werden jährlich mikroverfilmt.

Im letzten Jahr konnte in Zusammenarbeit mit dem Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V., Dortmund, durch Finanzierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft der „Südkurier“ von 1945 bis 1989 komplett verfilmt werden, ohne dass der Stadt Kosten entstanden.

Von einigen ausgewählten großformatigen farbigen Urkunden haben wir im Jahre 2002 erstmals farbige Makrofiches anfertigen lassen, die sich als Vorlagen für den Druck hervorragend eignen (s. Abb. 2).

Wir bemühen uns auch darum, bereits länger im Archiv befindliche Unterlagen nach und nach modernen Benutzungswünschen zugänglich zu machen. So wurde z. B. der Bestand des Heilig-Geist-Spitals und der anderen Stiftungen Villingens im Jahr 2000 mit unserem Datenbankprogramm AUGIAS-Archiv digital verzeichnet. Neben dem alten Bestand Heilig-Geist-Spital, für den ein handgeschriebenes Repertorium aus dem 17. Jahrhundert vorliegt, befanden sich auch in anderen Beständen des Stadtarchivs Unterlagen dieser Provenienz und anderer Stiftungen wie der Elendjahrzeitpflege, des Gutleuthauses u. a. Einrichtungen. Ein großer Teil davon war noch gar nicht erfasst. Der Gesamtkorpus wurde so geordnet, dass der Zusammenhang der jeweiligen Einzelinstitution gewahrt blieb. Der zeitliche Rahmen reicht vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. Der Umfang, den die Archivare immer in laufenden Metern Archivgut angeben, beträgt 58,5 lfd. m. Darunter sind 589 Urkunden. Insgesamt wurden 2575 Titelaufnahmen6 angefertigt. Durch je einen Orts-, Personen- und Sachindex können Informationen zu bestimmten Fragestellungen zügig gefunden werden. Im Literaturverzeichnis findet der Leser weiterführendes Schrifttum. Glossar, Abkürzungsverzeichnis und eine Liste der Vorstände der Vereinigten Spital- und Armenstiftungen seit 1. Juni 1854 runden das 467 Seiten starke Repertorium ab. Darüber hinaus erstellte Konkordanzen (von 44 und 61 Seiten) verknüpfen die alten historischen Signaturen mit den neuen, so dass bereits in der Literatur zitierte Stücke im neuen Repertorium schnell ausgemacht werden können. Neben der eigentlichen Verzeichnung wurde der Gesamtbestand auch mechanisch bearbeitet. D.h. alles Metall wurde entfernt, kleinere Reinigungsarbeiten durchgeführt und die Akten in säurefreies Papier, die Urkunden in spezielle Taschen umgelagert und in Archivkartons ins Magazin verbracht. Inhaltlich bietet der Bestand viele Möglichkeiten zu Forschungen. Man erfährt etwas über die Schenkungen und Stiftungen, über Besitz und Ausstattung der einzelnen Institute und das Engagement privater Stifter für das Allgemeinwohl. Sozialgeschichtliche Aspekte scheinen ebenso auf wie die verwaltungsgeschichtliche Entwicklung der karitativen Stiftungen.