Dankbare Erinnerung an Dr. Wilhelm Binder (Hermann Colli)

Gründungs- und Ehrenmitglied des GHV Er starb kurz nach seinem 90. Geburtstag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er war nie ein lauter Mensch. Er hielt nichts von großen Worten sondern schätzte die ruhige und sachliche Sprache. In den letzten Jahren war es um ihn, der ein beachtliches Stück des gesellschaftlichen, lokalpolitischen und kulturellen Lebens seiner Heimatstadt Villingen mitgeprägt hat, noch stiller geworden. Jetzt ist er, kurz nach seinem 90. Geburtstag, in die ewige Ruhe eingetreten: Dr. Wilhelm Binder.

Die Stadt Villingen-Schwenningen, zu der er sich immer bekannte und an deren „Geburt“ er als FDP-Stadtrat maßgeblich mitgewirkt hat, verliert mit ihm einen noblen, verantwortungsbewussten, schöpferischen, kunstsinnigen und großzügigen Bürger. Für seine Verdienste erhielt er 1985 die Bürgermedaille. Dr. Binder war ein mutiger und aufrichtiger Mann, der seine Meinung konsequent, überzeugend und mit großem Durchsetzungsvermögen vertrat. Das bekam OB Dr. Gerhard Gebauer im Dezember 1974 zu spüren, als Wilhelm Binder, nach einer heftigen Diskussion mit ihm im Gemeinderat, das Gremium verließ und nie wieder an den Ratstisch zurückkehrte.

Ehrungen hat der vielseitig engagierte Villinger, der nicht gern im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand, viele erfahren. Er wurde mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet, mit dem Bundesverdienstkreuz und mit zahlreichen anderen Auszeichnungen auf überregionaler Ebene. Dr. Binders beruflicher Werdegang und seine Verdienste als Erfinder, Entdecker, Unternehmer und langjähriger Chef der weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Firma Binder Magnete GmbH ist im Laufe der Jahre vielfach gewürdigt und in zahlreichen Beiträgen veröffentlicht worden. In einem Buch, das zum 75. Geburtstag seiner Firma erschienen ist, steht ein Satz, der das berufliche Lebenswerk Binders eindrucksvoll charakterisiert: „Die Produktion des Hauses ist die umgesetzte geistige Unruhe eines geschätzten Entdeckers und Wissenschaftlers.“

Auch der Geschichts- und Heimatverein Villingen hat ihm in zahlreichen Beiträgen die gebührende Anerkennung gezollt. Und das mit Recht und großem Respekt vor seiner Leistung. Dr. Binder war im GHV ein Mann der ersten Stunde. Er gehörte zu den Gründern des Vereins, der in ihm ein interessiertes, kreatives und spendenfreudiges Mitglied hatte. Nicht nur der Verein, sondern auch die Stadt verdankt ihm zahlreiche literarische Werke und profitiert von seiner Förderung historischer Projekte. Erinnert sei an die Nachprägungen des Villinger Denars und des Zunftsiegels, seine Förderung bei den Hallstatt-Ausgrabungen am Magdalenberg, die Herausgabe einer ganzen Reihe von Büchern und Schriften zur Geschichte seiner Heimatstadt. Viele davon stehen in jedem Bücherschrank geschichtsbewußter Villinger. Dazu gehören unter anderem: „Luftaufnahmen von Villingen“ (1962), „Kunstschätze aus Villingen“ (1969), „Die Ratsverfassung der Stadt Villingen“ (1972), „Textilkunst aus fünf Jahrhunderten“ (1988). Die mit Dr. Ulrich Rodenwaldt herausgegebenen Bände über die Ratsprotokolle des 17. bis 19. Jahrhunderts „Das Leben im alten Villingen“ (1976 und 1990) fanden großes Interesse und gehören auch heute noch zu den wichtigsten Quellen Villinger Geschichtsforschung. Der GHV hat den zweiten Band der Ratsprotokolle 1990 als XV. Jahrbuch herausgegeben. Für sein enormes Engagement bei der Förderung und Erhaltung der Heimatgeschichte wurde Dr. Binder 1988 zum Ehrenmitglied des GHV ernannt.

Stadt und Bürgerschaft, besonders aber auch der Geschichts- und Heimatverein, nimmt in dankbarer Erinnerung Abschied von einem großzügigen Gönner und Förderer des heimischen kulturellen Lebens. Sein Bild wird in den Köpfen und Herzen der Villinger weiterleben. Es bleibt sogar sichtbar in einem Kunstwerk inmitten der Stadt. An den Münsterportalen hat Klaus Ringwald das Portrait Wilhelm Binders verewigt. Im Bild von der Berufung des Evangelisten Johannes ist er am südlichen Doppelportal des Münsters in Bronze gegossen zu finden.

 

Dr. Wilhelm Binder, in Bronze gegossen an den Villinger Münsterportalen von Professor Klaus Ringwald.