Fasnet Mändig Morge (Barbara Stern)

Scho am Morge um viere ich bin im Bett no g’läge

sind die Glonkis mit de Trummle duch d“ Schtadt zoge zum Wecke.

Früher hond viel Kinder au no ä Schellepartie g’macht

no war’s vorbei mit de Rue vo de Nacht.

Min erschte Gedanke der isch g’si

wie wurd am’end hit au ’s Wetter wohl sii?

Ich han d“ Vorhäng uf’zoge und ’s Fenschter ufg’macht

drusse war’s klar, klirrend kalt und no halbe Nacht.

Über’m Bicketor hät mer scho die erschte Sunnestrahle g’säe

’s war ä Traumwetter wie’s des sunscht nu im Bilderbuech ka gäe.

Deno wurd z’erscht emol ä Mählsuppe kocht

die wurd dick und heiß zum rmorgeesse brocht.

Noch dere Mehlsuppe do isch mer dann so richtig fit

sie macht satt und stopft aber guet isch si nit.

No zieht mer sich a des duret sii Ziit

weil’s bi me Narro halt gar viil zum a’lege giit.

Z’erscht duesch d‘ Finke rab ziehsch 2 Paar Socke a und schlupfsch i d‘ Bodine drinii

die sind schwarz und suber butzt so wie’n es mueß sii.

En dicke Mantel isch ’s näscht des giit ä imposante Figur

no hät de Narro die richtig Poschtur.

Hos, Kittel und Kappe also ’s Häs wie mer ‚z Villinge sait

isch us weißem Drill oder Grobem Leine und liit scho bereit.

Jetzt schlupfsch i d‘ Hos und stohsch abwartend na,

daß der ’s Mäschgerle die Hosebein innwändig binde ka.

Uf den Augeblick häsch g’wartet und di d’ruf g’freut scho ä ganze Ziit

schächlesch hälinge uf sie nab, wenn sie vor der uf de Knie danne liit.

De untere Abschluß isch’es griene vo de Narrohos

en rechte Villinger des natürlich woeß.

De Dschobe wurd a’glait der isch wie d‘ Hos handbemolt

oder muesch z’erscht nomol uf de Abtritt weil seil später nimme goht.

Ä rot Halsduech bind’sch der um d‘ Gurgel rum,

daß nint riibt oder druckt des isch nit dumm.

Deno kummet d‘ Rolle us Bronze mit 23 kilo G’wicht

4 Rieme überkreuz langsam kriegsch ä rot G’sicht.

Z’erscht die mit de große dann die mit de kleine Rolle dra

grad so wie ’s zu Großvaters Ziite au scho war.

Du machsch en Hopser, denn die Rolle mon ganz genau stimme

mer zelt 2 4 4 vorne und 2 2 4 hinne.

So dond si bim Narrosprung au richtig klinge,

 

wenn d‘ Liit a de Stroß zum Narromarsch ’s Burgerlied singet.

Mit de Bändel vom Kittel bind‘ mer si a d‘ Schultere na,

daß au jo kon Rieme me verrutsche ka.

Des isch ä Arbet jetzt fangsch scho a schwitze

zwischenie trinksch ä Viertele duesch zum Gruebe ä wäng sitze.

Wo isch denn d‘ Zipfelkappe die häsch doch grad no g’het?

Die mueß her sunsch isch de Narro nit komplett.

Endlich häsch si g’funde und es ka wiitergau

vo so ebbis derf mer sich nit hinderefir mache lau.

links a d‘ Rolle kunnt ’s Fulla ä scheen’s Siideduech zur Zier

„mach ä Doppelschleif na, daß i’s au jo nit verlier“.

Fulla und Masch sind wichtig, daß di ’s Mäschgerle kennt

und bim Umzug nit us Versehe mit ä me andere rennt.

Jetzt d‘ Kappe mit Fuchschwanz und de Scheme us Lindeholz

die isch handg’schnitzt und im Narro sin gröschte Stolz.

Ä Sackduech zwischenii, daß de Hoke vo de Kappe nit druckt

so ebbis kasch nit bruche do wursch sunscht verrruckt.

En Zipfel devo kunnt nochher no unne    Scheme drinii

zum de Schweiß ufsuuge des isch wichtig und mueß so sii.

De g’stärkt und g’fältlet Krage us 12 Meter Leinestoff

bindet dir ’s Mäschgerle um de Hals und macht en feschte Knopf.

„Stell mer nit d‘ Luft ab!“ saisch doch sie duet nu hintergründig gnitze

und mont „der Krage mueß jo schließlich au recht sitze“.

Deno zieht sie mit Deufelsg’walt i ällere Seelerue den Knopf a dem Krage nomol so richtig zue.

Zum Schluß d‘ Masch dra’bunde jetzt kasch bald gau

die schwarze Glassehändsche no und loß jo de Säbel nit schtau.

’s Mäschgerle zupft a der rum mit geübtem griff

so kunsch ohne Probleme durch de Narro-TÜV

Sie sait „Maschgere jetz bisch en scheene — so han is welle

Ich hoff es schtond recht viil Liit a de Schroß da’mer au kinnet schträhle“.

Du lachsch, duesch d‘ Scheme nab und denksch so häsch es welle hau,

denn schträhle ka mer im eigene Mäschgerle jo schließli au.

Du monsch „los emol pack au nu g’nueg Schnupfede i’s Grättli nii

nit daß de am Märtplatz scho nint me häsch wie’nes im letschte Johr isch g’si“.

No gosch d‘ Schtäge nab und wartesch vor em Hus

weil sich ’s Mäschgerle jo au erscht no richte mueß.

Du denksch so im Stille wie guet es doch isch,

daß de z’Villinge sii kasch und nit woandersch bisch.

Vergesse häsch äll‘ dinne Alltagssorge

a so e me schene Fasnet-Mändig-Morge.

Du machsch en Hopser und freusch dich uf den Tag

vo de Münsteruhr hersch grad de Halbenieneschlag.

Du gucksch an Turm nuf de Himmel isch blau und wolkelos

d‘ Sunne schint und du denksch wo bliibt denn mi Mäschgerle bloß.

Sie rieft vo obe rab „ich kumm jetzt go glii!“

 

und hängt sich scho bald druf’na bi dir ii.

Jetzt muesch goddig mache ’s isch scho ällerhöchste Ziit,

wenn de no rechtzeitig zum Ufschtelle a’s G’fängnis kumme wit.

„Mäschgerle bind mer d‘ Scheme — glii goht’es los“

d‘ Stadtmusik spielt de Narromarsch und die Freud isch groß!

Des isch hald oafach ä schönes G’fühl

do schtoht doch kon rechte Villinger schtill.

Die Maschgere schüttlet d’Rolle und juchz’get ganz lut,

denn d‘ Villinger Fasnet die liit iis im Bluet.

Ohne sie dät ebbis fehle und mir wäret nit froh

d’rum riefet mir au ’s näscht Johr wieder „Narri Narro!“

„Mitternächtlicher Spuk am Marktbrunnen“— 1924 gemalt von Richard Ackermann.