Die Passionsstele am Stationenweg (Kurt Müller)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Initiiert vom Geschichts- und

 

 

 

 

Heimatverein Villingen e.V. und finanziert durch Spenden seiner Mitglieder, konnte am 6. Oktober 2002 an gut geeigneter Stelle, am Ende des Stationenweges, in der Nachbarschaft des Friedhofes, eine 220 cm. hohe Stele enthüllt werden. Professor Klaus Ringwald hat die drei Flächen des bronzenen Kunstwerkes mit den Szenen von drei Kreuzweg-stationen gestaltet. Oberbürgermeister Professor Matusza hatte die Überlassung des Grundstücks und die Finanzierung des Fundamentbereichs durch die Stadt Villingen-Schwenningen ermöglicht. Der Künstler stellte sein Werk vor, nannte mit Dank die Mitarbeiter in der Gießerei, die Verantwortlichen des Grünflächenamtes und deutete die Reliefs mit der Schrift auf den drei Seiten der Stele. Dekan Kurt Müller, der die Texte entworfen hatte, sprach ein Segensgebet. Günter Rath, der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, übergab das kostbare Werk der Wertschätzung und der Fürsorge der Öffentlichkeit, die in großer Zahl an der Einweihungsfeier teilgenommen hatte. Von den üblichen, in den meisten katholischen Kirchen zu entdeckenden 14 Kreuzwegstationen wurden drei ausgewählt:

Jesus wird zum Tod verurteilt.

Klein, noch unter der untersten Stufe steht wehrlos der angeklagte, gefesselte Jesus. Fünf Stufen höher, fast auf dem Richterstuhl sitzend wäscht Pilatus nach gefälltem Urteil sich „in Unschuld“ die Hände. Der deutende Satz lautet:

DIE HANDLANGER
DAS UEBEL JEDER
EPOCHE

 

 

 

 

 

 

 

 

Der biblische Inhalt und der Sinn der 14 Kreuzwegstationen ist heute wohl nicht mehr allen Passanten sofort geläufig. Deshalb und auch aus gestalterischen Gründen deckt erklärende Schrift jeweils den unteren Teil der drei Flächen. Zum Todesurteil über Jesus lautet der Text:

MENSCHEN URTEILEN
SIE VERURTEILEN

ZU ALLEN ZEITEN
GAB ES STANDHAFTE
ZEUGEN
DIE VOR DEN
TRIBUNALEN
NICHT ZERBRACHEN

WAHRHEIT
UND WERTE
RUFEN NACH
ZEUGEN
UND
BEKENNERN.

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Stirnseite der Stele, jedem Vorübergehenden direkt zugewandt, erscheint das Geschehen von Golgotha „Es ist vollbracht“. Um den sicheren Tod zu konstatieren, stößt der Soldat (in der Legende Longinus genannt) mit der Lanze in die Seite Jesu. Die beiden Schächer und alle übrigen Zeugen der Hinrichtung sind ausgeblendet. Nur Johannes und Maria Magdalena in sprechender Gebärde verweisen auf den die Welt erlösenden Tod. Der zweiteilige Text lautet:

DAS KREUZ
AM WEG
KREUZT UNSERN
LEBENSWEG

DA STICHT EINER ZU
AUF HOHEM ROSS
AM FUSS DES BALKENS
NAMENLOSE KLAGE
EINER
MIT FRAGENDER GESTE

WER STIRBT
DA FUER WEN
WARUM?
DIE RICHTIGE
ANTWORT
IST WICHTIG.

In kleinerer Schrift nennt der Text unten die Begründung für die Errichtung der Stele:

AM WEG VON DER
BICKENKAPELLE
ZUR ALTSTADT ZUM
FRIEDHOF
BEGEGNETEN UNSERE
VORFAHREN BIS ZUM
BAU DER EISENBAHN
DEN 14 STATIONEN
EINES KREUZWEGS
MIT DIESER STELE.
IM JAHR 2002 VOM
GESCHICHTS UND HEIMAT-
VEREIN ERRICHTET
SOLL DIE ERINNERUNG
AN DIESEN STATIONEN-
WEG LEBENDIG BLEIBEN.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Osten lautet die Station: „Jesus wird ins Grab gelegt“. Da ist das neue Grab in das noch niemand gelegt worden war. Josef von Arimatea und Nikodemus, die wichtigen Akteure, sind aus dem Bild. Kein Leinentuch, keine Spitzereien, nicht hundert Pfund Myrrhe und Aloe. Nur Maria von Magdala sieht wohin man ihn gelegt hat. Die Komposition erinnert an eine Theaterbühne: Schwappt der Vorhang nun endgültig zu und das Spiel ist aus oder ist der dunkle Vorhang der Grabesnacht zurückgezogen und eine Zukunft im Licht beginnt? Der Satz am Grab weist in die rettende Richtung:

TOD WO IST
DEIN SIEG
TOD WO IST
DEIN STACHEL

Die Inschrift verkündet:

EINER WIRD
INS GRAB GELEGT
DAHIN ZIELT ALLER
MENSCHEN
LEBENSWEG

SCHEINBAR HAT
DER TOD GESIEGT
AN OSTERN HATTE

KEINER GEDACHT

DER AUFERSTANDENE
LEBT
IHM NACH FUEHRT
UNSER LEBENSWEG
IN DIE WEITE.

Damit ist dem untergegangenen Stationenweg ein Denkmal gesetzt. Man kann noch ein paar Erinnerungen an diesen, für die Villinger bedeutsamen Weg wachrufen. Über die steinerne Brigachbrücke, vor dem Bickentor, führte der Weg an der Bickenkapelle vorbei zur Altstadtkirche, zum Friedhof. Im Leben oft begangen war das in der Regel der letzte Weg im Leichenzug zum Gottesacker. Die Anzahl der Bildstöcke und ihr Inhalt sind nicht mehr genau rekonstruierbar. Vermutlich stammten die Stationen aus unterschiedlichen Zeiten und waren nicht die jetzt üblichen 14 Stationen des Kreuzwegs. Eine erhaltene Auflistung von 1755 kennt noch zehn Stationen. Zählt man aber die Bickenkapelle, das Nägelinkreuz, die Kreuzabnahme und das Heilige Grab in der Altstadtkirche dazu, dann kommt man wohl auf 14 Stationen. Die wertvollste davon, Gott sei Dank erhalten, ist die Schächergruppe, die 1492 von der Sebastianbruderschaft gestiftet, im Vorzeichen der Altstadtkirche aufgestellt war. Die Kopie davon ziert jetzt den Turm der Friedhofskirche und die Originale sind im Chorraum der Franziskanerkirche geborgen.

Am ehemaligen Gutshof des Klosters St. Ursula hatten sich die beiden letzten Bildstöcke bis zum Neubau des Gymnasiums Am Hoptbühl erhalten, allerdings ohne Bild oder Relief. Der Weg führte damals über freies Feld ohne Strassen, ohne Eisenbahn. Als Stationenweg war er sicher eine Einladung zur Besinnung, zum meditativen Umgang mit Fragen nach Lebensziel und Lebensende. Der Stadtpfarrer Johann Jakob Riegger beschreibt in seinem Nägelinskreuzbüchlein von 1735 welches spirituelle Angebot der Weg für die Villinger bereit hielt: „Kan man in der Still eine kurz- und doch gute Wahlfahrt in die Alt-Statt auff den Gottes-Acker verrichten: als zum Exempel/ man betet im hinauß gehen den ersten/ bei denen Begräbnussen den anderen/ und im wider heimgehen den dritten Rosenkranz/ und gewinnet mit disem Psalter vollkommenen Ablaß/ kan solches denen Abgestorbenen schenken; und verrichtet alles in einer Stund.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Passionsfrömmigkeit in Villingen

Bei Kriegsgefahr, in Krankheit, bei Seuchen und Hunger waren die Menschen viel unmittelbarer mit Sterben und Tod konfrontiert als wir heutigen. Trost und Kraft schöpften sie aus der Betrachtung des Leidens Christi, aus der Bereitschaft zur Nachfolge Jesu auch auf dem Kreuzweg. Beim Bemühen sich in das Leiden Christi zu versenken, sich mit ihm zu identifizieren wird natürlich auch der Wunsch wach, die Schauplätze seines Lebens, Leidens und Sterbens mit eigenen Augen zu sehen, leibhaftig zu erfahren. Das ist der Wurzelgrund der Wallfahrt ins Heilige Land zu den heiligen Stätten, die schon ganz früh begonnen hat, im vierten Jahrhundert. Die Epoche der Kreuzzüge brachte eine enorme Kenntnis des Orients ins Abendland. Die Herrschaft des Islam behinderte die Wallfahrt nicht sehr. Sie erlebte im 15. Jahrhundert eine neue Blüte und bis heute fahren Jahr für Jahr Tausende von Pilgern aus allen Ländern nach Palästina. Einer der ersten Pilgerberichte aus dem heiligen Land stammt von der Pilgerin Eteria aus dem Jahr 393. Sie war wohl eine Nonne aus Südfrankreich und ihr Bericht nennt eine Fülle von heiligen Stätten und liturgischen Gebräuchen im heiligen Land. Der heilige Bischof Konrad von Konstanz ist im zehnten Jahrhundert drei mal ins heilige Land gepilgert. Die Wallfahrt des Franziskanerpaters Stefan Fuchs im letzten viertel des fünften Jahrhundert ist für uns in Villingen wichtig, weil er Beichtvater im Klarissenkloster war, und seine Wallfahrt darin reiche Folgen zeitigte. Auf Ersuchen des Rates der Stadt und auf Vermittlung des Franziskanerprovinzials Heinrich Karrer, kam im Jahr 1480 Ursula Heider aus Valduna in Vorarlberg nach Villingen, um die Frauen in der Sammlung am Bickentor zu einem geschlossenen Klarissenkloster zusammenzuführen. Ihr schenkte oder lieh der Pater Stefan Fuchs sein Pilgerbüchlein, in dem alle bedeutsamen Stätten im heiligen Land und in einem Anhang auch die Hauptkirchen Roms und die wichtigsten Wallfahrtsorte der Christenheit aufgelistet waren. Seit Ursula Heider Äbtisin im Bickenldoster war, galt die strenge Klausur. Die Nonnen durften nie mehr ihr Kloster verlassen. Ursula Heider fasste den Plan, alle heiligen Stätten und Wallfahrtsorte auf kleine Pergamentblätter zu vermerken und diese Pergamentinschriften an zahlreichen Plätzen im Kloster, in der Kapelle und im Kreuzgang anzubringen. Sie lud ihre Schwestern ein beim meditativen Aufsuchen dieser mit Schrift vermerkten Plätze eine „peregrinatio spiritualis“, eine geistliche Pilgerfahrt zu unternehmen. Es ist erstaunlich, dass sie es von Villingen aus wohl durch die Vermittlung von Franziskanern zustande brachte, dass Papst Inozenz XIII. ihr 1491 für alle diese markierten Denkplätze im Klarissenkloster die gleichen Ablässe verlieh, wie beim leibhaftigen Besuch der Schauplätze im fernen Palästina oder in Rom den Pilgern zuteil werden konnten. Aufgrund dieser einmaligen, päpstlichen Privilegien hat Ursula Heider dann 1492 die Pergamenttäfelchen durch steinerne Stationstafeln ersetzt. 70 davon haben sich bis heute an unterschiedlichsten Stätten im Kloster und in der Schule St. Ursula erhalten. 210 waren es ursprünglich gewesen. Die Texte haben sich im Archiv erhalten. Dass es dabei für die Klarissen wirklich um eine geistliche Pilgerfahrt, um ein gesamtmenschliches Miterleben der Heils-ereignisse ging, belegt eine, auf ältere Vorlagen zurückreichende Handschrift in St. Ursula aus dem Jahr 1659. Darin werden für die geistlich fruchtbare Feier der Karwoche detaillierte Anweisungen gegeben, wie und wann die einzelnen Stätten besucht werden sollten und was dabei zu tun, zu bedenken und zu beten sei. Das heiligmässige Leben der Ursula Heider hat nicht nur ihren Konvent geprägt und im Kloster der Verehrung des Leidens Christi den Weg bereitet, ihr Beispiel hat ansteckend gewirkt hinein in die Stadt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es kann sein, dass deshalb im gleichen Jahr 1492 die Sebastiansbruderschaft die Schächergruppe in das Vorzeichen der Altstadtkirche gestiftet hat. Der Text zum Bild „Anas huß ietz gewicht zu er all engel.“ (Haus des Annas jetzt zu Ehren aller Engel geweiht, sieben Jahre Ablass), „die römisch Kijrch und Statio St. Sixt papa et martyris.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielleicht hängt mit der Passionsmystik, die in St. Ursula gepflegt wurde, auch das ikonographische Programm zusammen, das wohl der Rat und der Pfarrer dem Künstler Konrad Rötlin aus Rottweil auftrugen, als sie ihm kurz nach 1500 den Auftrag erteilten, für das Villinger Münster eine steinerne Kanzel zu schaffen. Dieses fast fünf hundert Jahre alte Kunstwerk ist der wertvollste Schmuck im Langhaus des Münsters. Kunstgeschichtlich zwischen

Spätgotik und Renaissance anzusiedeln, zeigt der Kanzelaufstieg und der Kanzelkorb die Passion Jesu in sieben Bildern. Nicht nur im Innern des Münsters begegnet man dem Kreuzweg. Im 16. Jahrhundert wurde das große Fresko von der Kreuzabnahme durch Josef von Arimatäa in das Gewölbe des Oberen Tores gemalt. Stark beschädigt wurde es in einem komplizierten Verfahren auf Anregung von Dr. Josef Fuchs dort abgenommen und ist jetzt im Eingangsbereich des Franziskaner in Sicherheit. Das Riettor zeigt zur Rietstraße hin ein Bild von der Annagelung Christi. Nach einem älteren Vorbild wurde dieses Fresko von Albert Säger (1866-1924) erneuert. Die Platzierung eines solchen Bildes am Stadttor ist vermutlich begründet durch den nebenanliegenden ehemaligen Friedhof der Franziskaner, jetzt Osianderplatz genannt, oder durch die Tatsache, dass der Weg zum Hochgericht durchs Riettor hinausführte. In Zusammenhang mit der Passions-frömmigkeit ist auch eine Villinger Besonderheit zu sehen, die freilich in anderen Städten schon früher im Brauch war. 1585 am Katharinentag, am 25. November wurde angeregt durch die Franziskaner eine Bruderschaft begründet, deren Aufgabe es sein sollte „die Passion in gewissen Jahren ewiglich zuhalten.“ Das bedeutet im bestimmten Rhythmus in Villingen ein Passionspiel aufzuführen. So wurden dann fast zwei hundert Jahre lang die Villinger Passionspiele unter der Leitung der Franziskaner mit der Beteiligung vieler Bürger aufgeführt. Dieses geistliche Spiel dauerte Stunden am Gründonnerstag und am Karfreitag. In der größten Form waren 140 Schauspieler daran beteiligt. Zahlreiche, auch von weit herkommende Zuschauer nahmen jeweils daran Teil. Der Text ist im Fürstlich Fürstenbergischen Archiv in Donau-eschingen erhalten und hat im Verlauf der Zeit manche Veränderungen erfahren. Manchmal wurde nur in der Franziskanerkirche gespielt, dann im Garten auf der Südseite des Klosters. Die Kreuzigung fand manchmal auf dem Marktplatz statt, Prozessionen verbanden die einzelnen Spielorte.

Geistliche und weltliche Obrigkeit sahen das ursprünglich fromme Mysterienspiel sich zunehmend in ein Spektakel verwandeln. Akteure und Zuschauer vergaßen den Ernst der Sache. Passionsspiel wurde von manchen als Possenspiel missverstanden und so kam schließlich nach auf und ab, nach Blütezeit und Krisenphasen am 5. April 1770 das endgültige Verbot des Spiels und der Prozession. Die kirchlichen Behörden in Konstanz hatten dem Verdict der vorderöstereichischen Regierung zugestimmt. Reste der Passions-kulissen erinnern im Chor der Franziskanerkirche an diese Zeit der geistlichen Spiele in Villingen.

Die Kreuzwege in den Villinger Kirchen

Wer sich mit den vorgetragenen Gedanken etwas beschäftigt hat, wird vielleicht mit erneuerter Aufmerksamkeit beim Betreten einer der Villinger Kirchen auf die Kreuzwegsdarstellungen achten. Seit der grundlegenden Renovierung der Benediktinerkirche sind dort als Ersatz für die schlichten, schwarzweißen Drucke des Beuroner Kreuzwegs 15 Stationen eines ländlich-barock gemalten Kreuzwegs angebracht. Dieser Kreuzweg mit stark von den üblichen Stationen abweichenden Bildinhalten stammt aus der Pfarrkirche in Kettenacker in Hohenzollern und wurde uns aus dem Depot des erzbischöflichen Ordinariates geschenkt. Restaurator Rau hat die Bilder gereinigt und neu gerahmt. Sie fügen sich vorzüglich in den Rahmen der übrigen Ausstattungsstücke der Benediktinerkirche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Wiedereinrichtung des Münsters von 1905 bis 1909 wurde in Zusammenhang mit der hölzernen Wandverkleidung im inneren Sockelbereich und mit der Aufstellung der Windfänge auch ein damit verbundener neuer Kreuzweg mit 14 Stationen geplant und bei der aus Südtirol stammenden Offenburger Holzbildhauerwerkstatt Gebrüder Moroder in Auftrag gegeben. Das dunkle Eichenholz der aufwendigen Rahmen bringt die aus hellem Holz in Relief geschnitzten figurenreichen und ausdrucksstarken Stationen gut zur Geltung.

In Zusammenhang einer Renovation der Klosterkirche St. Ursula 1911, hat die Altarbaufirma Marmon aus Sigmaringen (von ihr stammt auch der Hochaltar im Münster) nicht nur die Seitenaltäre umgearbeitet sondern auch den Kreuzweg geschnitzt. Fast freistehend agieren die Personen auf schmalen Konsolen. Auf den kurzen Wandflächen bewirken die nah beieinander stehenden Stationen einen dramatischen Eindruck des Passionsgeschehens.

 

 

 

 

 

 

Die Heilig Kreuz Kirche auf dem Bickeberg verdankt ihren Titel dem Nägelinkreuz. Sie ersetzt gewissermaßen die zerstörte Kapelle vor dem Bickentor. In ihrer Werktagskapelle haben 14 Kreuzwegstationen Aufstellung gefunden, die der bekannte Villinger Maler Richard Ackermann in seinem unverwechselbaren, expressionistischen Stil gemalt hat. Nicht alle Stationen sind ganz durchgearbeitet, weil die Bilder nur Entwürfe waren für inen von Richard Ackermann gewünschten und geplanten, aber nicht zur Ausführung gelangten Kreuzweg von den Kasernen hinauf zur Lorettokapelle. Die eine Hälfte der Bilder war im Archiv des Münsterpfarrhauses und die andere Hälfte war in Besitz von Frida Heinzmann. Sie schenkte die Bilder her mit der Bedingung, dass alle vereint an einem würdigen Platz der Öffentlichkeit zugänglich sein sollen. Das ist in der Heilig Kreuz Kirche verwirklicht.

Für die 1955 erbaute und betont schlicht eingerichtete Pfarrkirche St. Fidelis wurde 1958 bei Anton Kapius am Starnberger See ein Kreuzweg in Auftrag gegeben. Die Lindenholzreliefs sind im nördlichen Seitenschiff in zurückhaltendem Licht angebracht und durch den breiten Gang davor recht eigentlich meditativ begehbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Pfarrkirche St. Bruder Klaus am Goldenbühl hat der in Ravensburg arbeitende Bildhauer Josef Henger 1964 einen Kreuzweg geschaffen. Aus verschiedenen Teilen gegossen aber zusammengefügt zu einem einzigen wuchtigen Akkord in Bronze, schildern die Szenen den Gang Jesu vom Richterstuhl des Pilatus bis zum Ostermorgen. Im Verbund mit dem Altar, dem Tabernakel, dem Altarkreuz, der Marienstatue und einem großen Relief des Hl. Josef hat Hänger damit der Kirche einen prägenden Akzent gesetzt.

Der Kreuzweg in der Hauskirche des Altenheims St. Lioba verdankt seine Existenz besonderen Umständen. Als das neue Villinger Krankenhaus erbaut wurde, taten noch eine erhebliche Anzahl von Ordensfrauen der Vinzentinerinen aus Freiburg Dienst an den Krankenbetten. Für sie und für die Patienten wurde eine verhältnismäßig große Kapelle gebaut, und für die evangelischen Christen gab es damals eine eigene evangelische Krankenhauskapelle. Bei der Aufstockung des Krankenhauses, um Raum zu schaffen für neue Operationssäle, wurde die Kapelle kleiner und verlor an Höhe. Ökumenisch genutzt ist aber nun eine sehr ansprechende, warme und künstlerisch wertvolle Kapelle geschaffen worden. Aber der Kreuzweg von 1966 aus der großen alten Kapelle hatte keinen Platz mehr und mußte weichen. Er hat einen würdigen Platz gefunden in St. Lioba und ist der Beachtung mehr als Wert. Martin Henninger, damals Dozent an der Straßburger Kunstakademie hat die Stationen als Rheinisches Steingut geformt, ganz mit Erdfarben koloriert und gebrannt. Somit ist in St. Lioba der einzige Kreuzweg aus Keramik in Villingen zu bewundern.

 

 

 

 

 

 

 

In der architektonisch am modernsten anmutenden Pfarrkirche Villingens, in St. Konrad ist auch der Kreuzweg in moderner Technik ausgeführt. In den schar-tenartigen, kleinen Fenstern sind in Betonglasskunst die einzelnen Stationen eingelassen. Durch die tiefen Nischen, die in die doppelten Betonschalenwände hinein, sich verjüngend nach Außen führen, kommen die an sich kleinen Stationen groß zum Leuchten. Je nach Sonnenstand ist mal da mal dort in den Stationsfenstern ein Funkeln wie von Edelsteinen zu beobachten, denn das farbige, gebrochene Material ist französisches Kathedralglas. Der freischaffende Künstler Maximilian Bartosz aus Konstanz ist der Schöpfer dieser sakralen Schmuckstücke in St. Konrad.

Damit ist der Rundgang an den Kreuzwegen der Villinger Kirchen vorbei abgeschlossen.

 

Als Schlußgedanken möchte ich erwähnen, dass seit 1993 (also in diesem Jahr zum zehnten mal) Mitglieder des Villinger Geschichts- und Heimatvereins unter Führung von Adolf Schleicher bei der Fußwallfahrt zum Dreifaltigkeitsberg, jeweils am Montag nach dem Dreifltigkeitsfest als letzten Teil ihres in der Nacht begonnenen Pilgermarsches den direkten Steilanstieg zum Dreifaltigkeitsberg bewältigen müssen. Dabei begegnen ihnen in 14 Kapellen am Weg die Kreuzwegstationen. Ich wünsche mir, dass dieser Kreuzweg auch in Zukunft von zahlreichen Fußpilgern gegangen wird und dass auch die übrigen Kreuzwege in Villingen ihre segensreiche, meditative Kraft zum Leben und zum Glauben entfalten können.