Die Ehrenwache der Lorettokapelle (Kurt Müller)

Die Lorettokapelle auf der Hammerhalde, die aus Dankbarkeit er die Errettung aus der Tallard’schen Belagerung 1704, also vor 300 Jahren, gebaut wurde, muss dringend saniert werden. Der Geschichts- und Heimatverein wird dieses Vorhaben unterstützen.

 

Im Jahr 2004 sind 300 Jahre vergangen nach der Tallard’schen Belagerung, die vom 16. bis 22. Juli 1704 die Stadt Villingen in höchste Gefahr brachte, aus der sich die Villinger gerettet sahen, durch die Fürbitten der Gottesmutter Maria und durch den Schutz des Nägelinkreuzes. Beim diesjährigen Bittamt vor der Lorettokapelle, zu dem sich zahlreiche Gläubige aus allen Pfarrgemeinden versammelt hatten, hielt Dekan Müller eine Predigt, in der er auf das kommende Jubiläum und auf die historische Bedeutung der Kapelle einging. Er nannte es einen klugen und weitsichtigen Gedanken, dass die Stadtväter bei der Festlegung des Bebauungsplanes für die Hammerhalde, der nun die einst einsam gelegene Kapelle ganz in die Wohnbebauung einschließt, mit der Benennung der Straßen die Kapelle gleichsam mit einer Ehrenwache umgeben hätten. Wegen des nahen Waldes hätte man Tannenstrasse wählen können, Steinpilzallee oder Heidelbeerweg. Es kam anders und besser. Er führte aus: Die Waffen ruhen, der Spanische Erbfolgekrieg ist längst vorbei aber der einstigen Kombattanten begegnen uns auf den Straßenschildern und in der Postanschrift unserer Zeitgenossen:

Leopoldstraße, gemeint ist Kaiser Leopold I.

(1640-1705), der mit Ludwig XIV. jahrelang um das Spanische Thronerbe Krieg führte in Deutschland, in den Niederlanden und in Italien, nachdem im Jahr 1700 König Karl II. von Spanien gestorben war. Leopold war eigentlich der Herr der Vorderösterreichischen Festungsstadt Villingen.

Türkenlouisstraße, dahinter verbirgt sich der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (16551707). Er war als kaiserlicher Feldmarschall und Oberkommandierender der kaiserlichen Truppen am Oberrhein mit den Vorgängen um Villingen direkt befasst.

Tallardstraße, Marschall Graf Camille de Tallard, Herzog von Hostun ist seit 1703 Marschall von Frankreich und der Kommandant der Belagerer von Villingen 1704. Er starb 1728.

Willstorfstraße, Freiherr von Willstorf ist 1703 von Markgraf Ludwig zum Festungskommandant in Villingen ernannt worden. Unter seiner Führung hat die Österreichische Besatzung im Verein mit den Bürgern der Belagerungsarmee solange getrotzt bis Tallard zum Abzug genötigt war.

Johann-Jakob-Riegger-Straße, er lebte von 1668 bis 1737. Er war 38 Jahre lang Münsterpfarrer in seiner Heimatstadt. Er war der geistliche Gegenspieler der Belagerer. Mut aus der Kraft des Glaubens sprach er den Belagerten zu. Er regte beim Rat der Stadt das Gelübde an, dass man beim günstigen Ausgang der Fatalität eine Lorettokapelle zum Dank vor der Stadt erbauen würde. Dies Gelübde haben die Bewohner erfüllt und aus „gemeiner Stadtmittel“ die Kapelle erbaut an der Stelle, an der man Tallards‘ Feldherrnzelt vermutet hatte.

Bürgerwehrstraße, dieser Name läßt an die 900 bewaffneten, nach Zünften gegliederten Bürger denken, die bei der Verteidigung auf den Türmen und auf den Mauern Dienst taten. Das Andenken an die tapferen Frauen und Kinder darf nicht vergessen werden, die Tag und Nacht beim Brände löschen, Verwundete versorgen, Proviant beschaffen, ihren Männern und Vätern beistanden.

Schanzenweg, ringförmig ist der Schanzenweg ein Gedächtnis an die großen Schanzen, die der Markgraf über die Höhen des ganzen Schwarzwaldes bauen ließ. Aber auch an die Approchen, Laufgräben und Fauchinen mit denen die Belagerer unter ständigem Beschuss von den Türmen der Stadt zur Leibe rücken wollten.

Im Verlauf des Spanischen Erbfolgekriegs spielte natürlich auch Prinz Eugen von Savoyen (16631736) eine wichtige Rolle. Sein Besuch nach der Belagerung ehrte die Stadt. Wenn nicht schon ein bescheidenes Sträßchen in der Nähe des Eisweihers seinen Namen getragen hätte, dann hätten die Stadtväter vielleicht den Hausnummern am Affenberg den Namen Prinz Eugen gegeben, was den Bewohnern sicher lieb gewesen wäre. Diese Reminiszenzen gelten nicht der Verklärung einer Vergangenheit, deren kriegerische Ereignisse wir ganz und gar nicht mehr zurück wünschen. Die Erinnerung an bewegte, gefahrvolle Zeiten und ihre Überwindung befördert die Dankbarkeit über den Frieden, den wir seit bald 60 Jahren genießen und lässt den Erhalt oder Erwerb des Friedens auch für andere Völker erhoffen und erbitten.

Der Schlussgedanke gilt der Straßenbezeichnung „An der Kapelle“. Das ist ein zutreffender Name, denn die Kapelle steht unmittelbar daneben. Mein Wunsch ist nun, dass dies auch in ferner Zukunft so bleiben möge, und dass es nicht eines Tages heißen muss „An der Kapelle“, weil da einmal eine Kapelle stand. Denn Straßennamen, durch die nur Vergangenes benannt wird, haben wir etliche in der Stadt. Die Warenburgstraße gibt es noch, aber kaum sichtbar nur Ruinen der Warenburg. Die Vockenhauser- und Runstalstraße erinnern an längst untergegangene Siedlungen und Weiler vor der Stadt. In der German- und Waldhauserstraße, sowie „An der Klosterhalde“ leben nur, aber wenigstens dem Namen nach, zwei kleine und gänzlich verschwundene Klöster fort. Um solch ein Schicksal für die Kapelle zu wehren, werden wir sie im Jahr 2004 renovieren und ich erhoffe mir dazu Unterstützung in der Öffentlichkeit.