Zur Geschichte der Villinger Johanniterkomture (Winfried Hecht)

Die Antwort auf die Frage, wann welcher Komtur an der Spitze des Johanniterhauses in Villingen stand, hängt naturgemäß von der Nennung der betreffenden Persönlichkeiten in datierten Archi valien ab. Aus diesem Grund weist die Reihe der Villinger Komture bisher zeitliche Lücken auf. Werden neue Nennungen greifbar, so lassen sich solche Lücken eingrenzen oder ganz schließen. Dies gilt auch für das 16. Jahrhundert, aus dem bis 1571 schon folgende Villinger Komture mit ihrer „Regierungszeit“ bekannt gewesen sind 1:

Wilhelm von Remchingen                            1485 – 1513

Gabriel von Breitenlandenberg                   1518

Philipp Schilling von Cannstatt                   1523

Wolfgang von Masmünster                          1523 – 1536

Rudolf von Rüdigheim                                   1539 – 1541

Georg Andreas Kechler von Schwandorf        1546 – 1571

 

Konstanzer Investiturprotokolle als neue Quelle

Seit der Veröffentlichung dieser Namen und Daten im Jahre 2006 sind die Investiturprotokolle der Diözese Konstanz aus dem 16. Jahrhundert veröffentlicht worden 2. Mit diesen Protokollen hat die zentrale Verwaltung des Bistums Konstanz die Investitur von Pfarrern in den zur Diözese gehörigen Pfarreien dokumentiert. Dabei war festzuhalten, zu welchem Zeitpunkt die neuen Pfarrer proklamiert, also bekannt gegeben wurden, wann sie in ihr Amt eingesetzt wurden und wer sie auf Grund des entsprechenden Patronatsrechtes jeweils vorgeschlagen hatte.

Nun besaßen die Villinger Johanniter bekanntlich über kurze oder längere Zeit in einer ganzen Reihe von Pfarreien dieses Recht – in Dürrheim, in Grünigen, in Pfohren, in Lenzkirch, in Neu- hausen, in Au, in Nendingen, in Neuenburg, in Obereschach, in Weigheim und zusammen mit den Rottweiler Johannitern in Betzingen bei Reutlingen 3. Man braucht also lediglich die einschlägigen Protokolle auf die Nennungen der Ordensritter durchzusehen, welche jeweils das geschilderte Recht für die Komturei Villingen wahrgenommen haben, um eine präzisere Reihe der Verantwortlichen des Villinger Ordenshauses im 16. Jahrhundert zu erhalten.

Folgende verbesserte Chronologie für die Villinger Johanniter-Komture dieser Zeit ergibt sich:

Gabriel von Breitenlandenberg    1518 – 1520

Christoph Waldner        1521

1520 übernahm Konrad von Schwalbach als Komtur von Überlingen die Vertretung des Johanniterhauses Villingen bei der Einsetzung eines Pfarrers in Betzingen und erscheint in gleicher Funktion auch Anfang 1521 in Lenzkirch. Im Mai 1532 hat Johann von Hattstein, der deutsche Ordensmeister, bei einer Investitur in Au im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald die Kommende Villingen rechtlich vertreten.

Weitere zusätzliche Fakten

Auch für die Schaffner der Kommende Villingen ergeben sich neue Namen:

Jakob Luttermacher    1522

Fr. Ulrich Gerstner    1531

Michael Hug        1538

Daniel Sartorius        1600

Schaffner Johann Kaspar Metzger – bisher für 1660 gesichert – erscheint noch 1669 in einer Rottweiler Quelle 4. Für Schaffner Johann Hieronymus Schöttlin lässt sich aus bisher übersehenen Nennungen neu eine „Dienstzeit“ von mindestens 1682 bis 1691 feststellen. Schaffner Meinrad Kegel war nicht nur 1719 in Villingen tätig, sondern auch jedenfalls noch 1720.

Beispielsweise für Komtur Wolfgang von Masmünster kann aus den Investiturprotokollen sogar eine „Tabelle“ von Zeiten erstellt werden, zu welchen er nach den Investiturprotokollen seine Amtsgeschäfte in Villingen wahrgenommen hat 5

1524, vor Mai

1526, vor Mitte März

1526, vor Ende Mai

1533, vor Mitte Juni

Komtur Franz von Sonnenberg (Villingen) steht unter dem 24. Mai 1669 mit der Stadt Rottweil im Briefwechsel 6. Der Komtur empfiehlt dabei den Reichstädtern, einen Straffälligen am besten dem venezianischen Residenten in Zürich zu übergeben, damit er „aufs Meer verkauft“ und drei bis vier Jahre auf den Galeeren gehalten werden könne; dem Villinger Komtur war bei diesem Ratschlag allerdings entgangen, dass damals die Vertretung der Serenissima in Zürich gar nicht besetzt war.

Im Dienst des Ordens in der Nachbarkommende

Aus einer weiteren, bisher nicht ausgewerteten Quelle zur Geschichte der Johanniterkommende Rottweil ergibt sich schließlich ein Hinweis auf das Wirken des Villinger Komturs Johann Sigismund von Schassberg (1686-1699) 7. Johann Sigismund von Schassberg war in Villingen der Nachfolger von Komtur Franz von Sonnenberg 8. Nach der neuen Quelle aus Rottweil erhielt der genannte Villinger Komtur vom Großbailli der deutschen Johanniter Karl Philipp von Freytag, der nominell auch Komtur von Schwäbisch Hall und Rottweil war, den Auftrag, das Ordenshaus Rottweil der Johanniter zusammen mit seinem Ordensbruder Heinrich Ferdinand von Stain zu Rechtenstein, der später Komtur von Colmar, Mühhausen und Sulz im Elsass wurde, zu visitieren und eingehend zu überprüfen. Der Bailli hatte die beiden Ordensritter mit einer schriftlichen Vollmacht zu ihrem Auftrag in Rottweil ermächtigt.

Diesen Auftrag erfüllten die beiden Ordensritter vom 21. bis zum 26. Juni 1686 in Rottweil, dessen Johanniterhaus damals vertretungsweise von dem Geistlichen Johann Franz Wild geleitet wurde. Nach einer Heiligen Messe in der heute längst abgebrochenen Rottweiler Johanniterkirche prüften Johann Sigismund von Schassberg und sein Begleiter in Gegenwart eines Notars und eines weiteren Zeugen den baulichen Zustand der Rottweiler Kommende und der leicht baufälligen Ordenskirche, die Finanzen des Ordenshauses, die Praxis der Seelsorge in der Johanniterkirche und deren Ausstattung sowie schwebende Rechtsgeschäfte. Abschließend begab man sich nach Villingendorf, wo der Pfarrsatz einen der wichtigsten Besitztitel der Rottweiler Johanniter ausmachte.

Rein finanziell ergab die Überprüfung der Johanniterkommende Rottweil „unter dem Strich“ einen erfreulichen Überschuss von mehr als 1.548 Gulden. Es liegt nahe, dass Johann Sigismund von Schassberg deshalb von seiner Dienstreise ins benachbarte Rottweil ausgesprochen zufrieden in die eigene Komturei Villingen nach Hause ritt.

Verweise:

1 vgl. W. Hecht, Der Johanniterorden. Ehemalige Ordensnieder- lassungeninBaden-Württemberg.JohanniterkommendeVillingen. Geschichts-und Heimatverein Villingen e.V. Jahresheft XXX Beiträge des Jahres 2006 S.73 ff.

2 Die Investiturprotokolle der Diözese Konstanz aus dem 16. Jahr- hundert Teil I – III bearbeitet von F .Hundsnurscher bzw. D. Krauss Stuttgart 2008 – 2010

3 vgl. W. Hecht, ehemalige Ordensniederlassungen in Baden- Württemberg. Die Johanniterkommende Villingen. In: Der Johanniterorden in Baden-Württemberg 82 S.21

4 vgl. StadtA Rw. II. A. I. Abtl. Lade V Fasz. 23 Nr.1a sqq.

5 vgl. Über diesen Komtur sonst W. Hecht, Der Villinger Johan- niterkomtur Wolfgang von Masmünster. Rundschreiben der Württbg.-Bad. Genossenschaft des Johanniterordens Nr. 42 (1970) S.24 – S.27

6 vgl. StadtA Rw, II. A. I. Abtl. Lade V Fasz. 23 Nr. 1a

7 vgl. W. Hecht, Zur Geschichte der Johanniterkommende Rottweil am Ende des 17. Jahrhunderts

8 vgl. zuletzt W. Steinhart, Der Villinger Komtur Franz von Sonnenberg – und der Johanniterorden. Villingen im Wandel der Zeit, Geschichts- und Heimatverein Villingen e.V. Jg. XXXVII (2014) S. 89 – 98