Die Städtische Galerie Villingen-Schwenningen (Wendelin Renn)

Von Joseph Beuys und Otto Dix bis Paul Revellio: (fast) 70 Jahre ein Ort für die Kunst

„Wenn Sie in Rente gehen, dann schließen ’sie‘ die Städtische Galerie“, höre ich in letzter Zeit immer häufiger. Aber tapfer und zugleich mit oberschwäbischer Sturheit halte ich dagegen: das will und darf ich gar nicht glauben! Die Städtische Galerie aufgeben? Diesen Ort der Kunst zerstören und damit eine nicht unbedeutende Linie der Freiheit künstlerischen Denkens kappen? Die ‚Schule des Sehens‘, diese wichtige Bildungseinrichtung für alle Kunstinteressierten, die seit 67 Jahren durch die Präsenz von Positionen aktuellen Kunstschaffens den gesellschaftlichen Diskurs in dieser Stadt und der gesamten Region mit vorangebracht hat, schließen? Das wäre bloße Barbarei!

Doch die sorgenvollen Stimmen wollen nicht verstummen und ihre Befürchtungen um die Existenz der Städtischen Galerie werden von einem Phänomen genährt, das in allen Bereichen kulturellen Schaffens vermehrt um sich greift: die geringer werdende Wertschätzung künstlerischer Leistungen in der Musik, beim Tanz, im Theater, in der Literatur und auch in der Bildenden Kunst. Als eine Folge dieses ‚Werteverlustes‘ sind die Multiplikatoren der von der öffentlichen Hand getragenen kulturellen Arbeit, die Intendanten und Konzertveranstalter, die Museumsleiter wie auch die Vermittler und ‚Ermöglicher‘ von Bildender Kunst vermehrt zu Rechtfertigungsstrategien ihrer Arbeit gezwungen. Dabei sind ihre permanenten Verteidigungsanstrengungen um die öffentlichen Budgets im oft widersinnigen Auf- und Gegen- rechnen kommunaler Pflichten für Straßenbau, Schulen, Kindergärten oder anderer Notwendigkeiten gefangen, auch wenn die Landesverfassung in Baden-Württemberg „das kulturelle Leben und den Sport unter Wahrung der Autonomie der Träger“1 als Teil der ‚Daseinsvorsorge‘ gebietet. In all diesen monetären Konflikten erinnern sich wenige der politisch Verantwortlichen an die eindrückliche Mahnung von Hilmar Hoffmann, ehemals Kulturdezernent von Frankfurt, der pointiert formulierte: „Jeder weiß, was die Kultur kostet, und kaum einer, was sie wert ist.“

Um den ‚Wert‘ kultureller Arbeit einschätzen zu können, genauer, um die kulturellen Leistungen, die mit dem ‚Ort der Kunst‘ untrennbar verbunden sind aufzuzeigen, ist der Blick in die Vergangenheit der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen ein Mittel zum Verständnis: Die Geschichte der modernen Kunst in unserer Stadt nimmt ihren Anfang mit dem Ende des II. Welt- krieges. Der „Franzosenlouis“, wie die lokale Bevölkerung etwas respektlos den kunstsinnigen und frankophilen Arzt Dr. Franz Georg Ludwig (Lovis) Gremliza nannte, dieser „Franzosenlouis“ wurde 1945/46 von Generalgouverneur Guillaume Widmer, Chef der französischen Militärregierung in Württemberg-Hohenzollern, zum Leiter des ‚Centre d’Information‘ berufen. ‚Re-éducation‘ war die Aufgabe dieser Institutionen, die in allen Städten der französisch besetzten Zone eingerichtet wurden.

 

Abb. 1: Gertraud Rostosky: ‚Porträt Dr. Lovis Gremliza (Mann mit Pfeife)‘

 

Die Deutschen sollten durch Zugang zu freier Literatur, Musik und Kunst nach den Terror-Jahren des nationalsozialistischen Regimes ‚umerzogen‘ werden, sollten demokratische Strukturen und Freiheit im Denken und Handeln wieder erlernen. Im Ladenlokal des Friseurs Reimann in der Schwenninger Harzerstraße 19 wurden dafür Tageszeitungen, Bücher mit klassischer und moderner französischer Literatur oder Kunstzeitschriften ausgelegt und kleine Ausstellungen mit Reproduktionen impressionistischer Meister organisiert. Es folgten Ausstellungen mit originalen Kunstwerken der Würzburger Malerin Gertraud Rostosky (Juni 1947) (Abb. 1) oder des berühmten ‚Brücke‘-Künstlers Erich Heckel (April 1948) (Abb. 2).

Und auch wenn sich anfangs „nur wenige Menschen, zwei, drei Lehrer und ein paar wenige Neugierige für unsere Lesungen und Führungen interessierten“ 2, erinnerte sich Gremliza später, wuchs das Interesse für die Ausstellungstätigkeit an diesem Ort. Die Zahl der Kunstinteressierten steigerte sich in dem Moment, als das ‚Centre d’Information‘ in die städtische Verwaltung integriert wurde und das kulturelle Angebot fortan unter dem Namen ‚Städtische Ausstellungen Schwenningen am Neckar – Centre d’Information‘ firmierte.

Zu der Ausstellungstätigkeit mit Werken ehemals von den Nazis verfemter Künstler, die trotz Papiermangel mit kleinen Katalogen begleitet wurden, gründete Gremliza auf Anregung von Wilhelm Schnarrenberger, dem Künstler der Neuen Sachlichkeit, die ‚Lovis-Presse‘. So konnte Druckgrafik von Curt Georg Becker, Otto Dix, Werner Gothein, Erich Heckel, Walter Herzger, Gertraud Rostosky und Wilhelm Schnarrenberger verlegt und verkauft werden. Damit hatten die Künstler der ‚Lovis- Presse‘ zum ersten Mal wieder Gelegenheit, mit ihrer Kunst selbst zu ihrem Lebensunterhalt in den schwierigen Jahren der unmittelbaren Nachkriegszeit beizutragen.

 

Abb. 2: Erich Heckel: ‚Bildnis von Otto Dix‘

 

Einer der frühen kunstsinnigen Besucher im ‚Centre d’Information‘ war der 27-jährige Felix Schlenker. 3 Aus dem Krieg zurückgekehrt hatte er am Reutlinger Pädagogischen Institut die erste Dienstprüfung zum Schuldienst bestanden und war ab Oktober 1947 Lehrer in der Dorfschule Fluorn. Schlenker träumte von einem Studium der Kunst, bewarb sich an der Kunstakademie in Stuttgart, wurde aber am 9. März 1948 abgelehnt. In seinem Tagebuch schrieb er über die Zurückweisung: „Ich kam natürlich nicht an. …Kein Genietraum mehr. Aber mein Weg ist bestimmt und ich muß froh sein, wenn ich mich allein durchbringe“ 4. Schlenker freundete sich mit Künstlern an, mit Werner Gothein (Abb. 3) und Walter Herzger, schulte sich im Privatunterricht bei Wilhelm Graf von Hardenberg und bei dem malenden Villinger Postboten Guido Schreiber, besuchte regelmäßig die Ausstellungen von Gremliza in Schwenningen, später mit dem jungen Robert Kudielka 5 Ausstellungen in Basel, Baden-Baden, Karlsruhe oder Zürich. Aus dieser intensiven Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst entwickelte sich bei ihm die Idee, selbst Ausstellungsmacher zu werden. Zusammen mit dem Architekten Karl Heinichen, der nach seinem Studium in Stuttgart in Schwenningen ein Architekturbüro eröffnet hatte, gründeten die beiden Enthusiasten der Kunst die heute legendäre ‚kleine galerie‘ (Abb. 4).

 

Abb. 3: Werner Gothein beim Zeichnen.

Ein erster Ausstellungsversuch in der Neckar-Stadt 1959 mit eigenen Werken und mit Arbeiten von Rolf Baumann und Horst Eidel führte ab 1961 zu einer konsequenten Ausstellungstätigkeit aktuellen Kunstschaffens, die bis 1964 im Treppenhaus des Architekturbüros von Heinichen in der Herdstraße und von 1965 bis 1967 im Untergeschoß des alten Zollamtes in der Güterstraße zeitgenössische Kunst in dem protestantisch-roten Schwenningen präsentierte.

Zu sehen waren Werke der jungen Künstlerfreunde Franz Bucher, Emil Kiess (beide 1961) und Romuald Hengstler (1964), aber auch von Gerlinde Beck (1964), Bernd Berner, Mavignier (beide 1962), Gerson Fehrenbach (1966), Gotthard Graubner (1963), HAP Grieshaber (1961), Georg-Karl Pfahler (1963), Lothar Quinte (1965), Raimund Girke (1966) oder Peter Roehr (1967) 6. Künstler, die heute renommierte Positionen in der Kunstgeschichte einnehmen.

 

Abb. 4 : ‚kleine galerie‘

 

Im Auftrag von Dr. Gerhard Gebauer, der seit 1972 Oberbürgermeister der jungen Stadt Villingen-Schwenningen war, inspirierte Schlenker von 1974 bis 1990 die Ausstellungsarbeit der jetzt in kommunaler Verantwortung getragenen ‚Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen‘ und führte konsequent seine Vorstellungen der Präsentation aktueller Kunst weiter. Im Zusammenwirken mit den Mitarbeitern der Verwaltung wurden zunächst auf Stellwänden im Theater am Ring, dann an den Mauern im renovierten Kulturzentrum Franziskaner Ausstellungen mit vornehmlich abstrakten oder konkreten Positionen in der Kunst präsentiert.

Das frühe Wirken im Ausstellungswesen von Karl Heinichen und Felix Schlenker wurde von Dr. Hans Willmann, Rektor der Kaufmännischen Berufsschule in Schwenningen, aufmerksam beobachtet.

 

Abb. 5: Dr. Hans Willmann führt bei der Eröffnung der Ausstellung ‚Ernst Barlach und Käthe Kollwitz – Plastik, Handzeichnungen, Graphik‘ Ehrengäste durch die Ausstellung im Schwenninger Beethovenhaus.

 

Willmann war nicht nur regelmäßiger Gast in den Ausstellungen der ‚kleinen galerie‘, sondern er kommentierte auch immer wieder in Leserbriefen die für ihn oft unverständliche Kunst dieser jungen Generation. So empfahl er den Machern der ‚kleinen galerie‘ für ihre Programmauswahl „… etwas weniger Avantgarde, sondern ein verständnisvolles Hinführen zur Moderne“ 7. Sein Ansinnen blieb – verständlicher Weise – ohne Erfolg. Kurz entschloßen gründete Willmann mit Unterstützung der noch selbständigen Stadt Schwenningen eine zweite Ausstellungsreihe, die von 1961 bis 1985 – seine Frau Margarete verantwortete diese Reihe nach seinem Tod 1973 – Meisterwerke der Klassischen Moderne einem kunstinteressierten Publikum vorstellte. Diese Ausstellungsreihe präsentierte unter dem Label ‚Städtische Kunstausstellungen Schwenningen am Neckar‘ zunächst in den Räumen der Berufsschule und später im Beethoven-Haus Werke von Marc Chagall (1962), Erich Heckel und Otto Dix (1964), Pablo Picasso (1967), Max Beckmann (1968), Ida Kerkovius und Oskar Schlemmer (1969), Karl Schmidt- Rottluff (1970), Ernst Barlach und Käthe Kollwitz (1971) (Abb. 5) Alexei Jawlensky (1972), Paul Klee (1973), Emil Nolde (1974), Ernst Ludwig Kirchner (1979), Karl Hubbuch (1984) oder Gerhard Marcks (1985). In Kooperation mit der Münchner Galerie Gunzenhauser oder der Stuttgarter Galerie Valentien, mit Hilfe privater Sammler und öffent- lichen Museen, aber auch im direkten Kontakt zu den Künstlern selbst oder deren Erben wie Felix Klee oder Andreas Jawlensky, konnten in Ergänzung zur ‚kleinen galerie‘ museal abgesicherte Positionen der Kunst des 20. Jahrhunderts gezeigt werden. Mehr noch, der Pädagoge Willmann präsentierte Kunstwerke, die wenige Jahre vorher „brutal verdrängt“ worden waren und es gelang dem Ehepaar mit seinen Ausstellungen eine zentrale Botschaft der Kunst zu vermitteln: „Lernen an und mit der Vergangenheit, Sinngebung mit Hilfe der Kunst“ 8.

Mitte der 80er Jahre hatte sich Villingen- Schwenningen – getragen von einem vielfältigen und hochwertigen Kulturangebot in den Bereichen Musik, Theater und Bildender Kunst als junges Oberzentrum der Region und mit großer Unterstützung von Verwaltung, vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern im Ehrenamt und der lokalen Politik – erfolgreich um die Ausführung der 9. Landeskunstwochen Baden-Württemberg beworben. Dr. Walter Eichner als Leiter des Kulturamtes verantwortete die Gesamtkonzeption und unter dem Thema ‚Deutsche Kultur und Kunst in Ost – West‘ fanden 1988 – ohne daß die revolutionären Ereignisse ein Jahr später, die zum Fall der Mauer im geteilten Deutschland führen sollten, auch nur zu ahnen waren – Künstlerinnen und Künstler aus der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland bei ihren Auftritten im Theaterspiel, beim Jazz, in der Kleinkunst, im Film und bei Autorenlesungen ein interessiertes Publikum 9.

Auch die Bildende Kunst trug zum Erfolg dieser Landeskunstwochen mit der beeindruckenden Ausstellung ‚Imago‘ des Kunstvereins Villingen- Schwenningen in der Villinger Benediktinerkirche, mit Schülerarbeiten in der Schwenninger Volks- bank, der Schau ‚Figuren, Kästen, Zeichnungen‘ von Jochen Winkler in der Galerie Keller, der Ausstellung ‚Grafik-DDR‘ in der Villinger Volksbank, der ‚Kunstsammlung Felix Schlenker‘ in der Stadtbibliothek Schwenningen, der Präsentation ‚Vor Ort‘ mit Arbeiten der Mitglieder des Kunstvereins Villingen-Schwenningen im Münsterzentrum und der Ausstellung ‚Grafische Arbeiten‘ von Günter Grass in der Stadtbibliothek Schwenningen bei. Performative Auftritte wie die Kunstaktion ‚Großes Chamäleon‘ von Jürgen Schiertz, Bild und Klang von Paul Klemens und Ulrich Dalm mit dem Titel ‚Zum Raum wird hier die Zeit‘ oder die Installation’Klangwände‘ von Peter Vogelergänzten dieses Angebot.

Die zentrale Ausstellung bildete das von Dr. Ehrenfried Kluckert und Daniela Donzelli- Kluckert im Verbund mit vielen kunstsinnigen Akteurenaus der Stadterarbeitete Projekt’Quellen– Mündungen‘. Zu sehen waren im zweiten Stockwerk der ehemaligen Uhrenfabrik Kienzle 10 Kunstwerke der Klassischen Moderne bis zur Avantgarde. In den Themenfeldern, zwischen Abstraktion und Konkretion ‚Anknüpfungen‘, ‚Konstruktive Tendenzen‘, ‚Die Lovis-Presse‘, ‚Fortbildungen‘, ‚Kreuzwege‘, ‚Gegenläufe‘ und ‚Postmoderne Architektur‘ konnte die Entwicklung der Kunst von Adolf Hölzel, Willi Baumeister oder Ida Kerkovius, über Herbert Kitzel, Dieter Krieg, Hans Baschang oder dem Dauchinger Künstler Axel Heil, den Konkreten Vertretern Heinz Ludwig Pistol, Robert Schad oder Anton Stankowski bis zu den Vertretern jungen Kunstschaffens wie Eberhard Eckerle, Gerhard Langenfeld oder Camill Leberer aus baden-württembergischer Perspektive anschaulich verfolgt werden.

Mit der Organisation dieses Großprojektes ‚Quellen – Mündungen‘ wurde ich im Februar 1988 beauftragt. Zudem hatte ich die vom Galeriebeirat unter Vorschlag von Felix Schlenker vereinbarten Ausstellungen der Städtischen Galerie zu realisieren und dem Gemeinderat eine Konzeption für eine kommunale Galeriearbeit unter hauptamtlicher Leitung zu entwickeln 11.

In meinem Thesenpapier hatte ich vorgeschlagen, auf die jahrzehntelange und bemerkenswerte Ausstellungsgeschichte der Stadt aufzubauen, den Schwerpunkt auf Ausstellungen mit aktuellen Fragestellungen zeitgenössischen Kunstschaffens zu legen und mit Präsentationen von Werken der Klassischen Moderne zu ergänzen. Dabei sollte aktuelle Kunst mit figurativer Thematik einerseits, andererseits im Raster ‚Kunst und Natur; Kunstraum – Naturraum‘ reflektiert werden. Ausstellungen mit Werken der Klassischen Moderne sollten – zu Beginn im Spiegel der Künstler der ‚Lovis-Presse‘ – mit spezifischen Fragestellungen erarbeitet werden, die in den großen Museen so nicht fokussiert wurden.

Die Retrospektive zum Werk von Walter Herzger (1988) und Werner Gothein (1989) waren die ersten von mir verantworteten Ausstellungen mit Künstlern der ‚Lovis-Presse‘.

 

Abb. 6: Eröffnung der Ausstellung ‚Richard Haizmann – Bilder und Skulpturen‘ am 9. November 2013

 

Es folgten ‚6 x Bilder vom Menschen‘ (1989) mit Arbeiten von Jürgen Brodwolf, Joachim Hämmerle, Julius Kaesdorf, Romane Holderried-Kaesdorf, Max Peter Näher und Hermann Schenkel und ‚Zeichnungen und Objekte‘ von Karl Heger 12 (1989), welche die Themenspektren ‚Figur‘ und ‚Kunst und Natur‘ widerspiegelten.

Bis heute konnte ich dank vieler Mitstreiter, Förderer und Sponsoren 30 Ausstellungen zur Klassischen Moderne zum Werk von Joseph Beuys, Marc Chagall, Otto Dix, Richard Haizmann (Abb. 6), Erich Heckel, Waldemar Flaig, Lucio Fontana, Francisco de Goya, Gustav Klimt, Pablo Picasso, Georges Rouault, Wilhelm Schnarrenber- ger oder Heinrich Zille realisieren.

Mit über 100 Positionen zeitgenössischen Kunstschaffens, die den aktuellen Diskurs zur Kunst unserer Zeit weitertragen, wurden Arbeiten von Kirstin Arndt, Claus van Bebber, Karolin und Daniel Bräg, Thomas Deyle, Manfred Erjautz, Wang Fu, Friedemann Hahn, Horst W Kurschat, Wendelin Matt, Jürgen Palmtag, Paul Revellio, Bridget Riley, Elfi schmidt, Brigitte Schwacke, Pablo Wendel, Martin Willing oder Andrea Zaumseil im ‚Lovis-Kabinett‘, im Franziskanermuseum, in der Reihe ‚Kunst im Klinikum‘ oder bei Projekten in den Museen der Partnerstädte im französischen Pontarlier oder im russischen Tula gezeigt. Zu diesen Einzelausstellungen waren zahlreiche Grup- penausstellungen mit Arbeiten von Studierenden der Kunsthochschulen in Stuttgart, Karlsruhe, Mainz, München oder Duisburg-Essen und auch Themen-Ausstellungen wie ‚Schirm-Herrschaft Video Kunst‘, ‚Kunst und Erinnerung‘, ‚Zeitgenössische Fotokunst aus der Schweiz‘, ‚we love to entertain you – Projekt Silbermann-Orgel‘ oder ‚Arkadien‘ mit aktuellem Kunstschaffen zu sehen. In Kooperation mit vielen kompetenten Partnern wurden Überblicks-Ausstellungen realisiert, so zum Beispiel ‚Südwestdeutsche Kunst zwischen Tradition und Moderne‘ 13, ‚Frauen im Aufbruch? Künstlerinnen im deutschen Südwesten 1800 – 1945‘ 14 oder ‚Von Renoir bis Feininger – Werke der klassischen Moderne aus dem Karl Ernst Osthaus Museum Hagen‘ 15. Aktuelle Kunst im öffentlichen Raum war zur 1.000 Jahr-Feier 16 mit den Bildhauerklassen von Cristina Iglesias und Res Ingold unter dem Titel ›’fest-feiern‘ KünstlerInnen der Akademie München ‚feiern-fest’‹ 1999 und zur Landesgartenschau 2010 mit Arbeiten der Bildhauerklasse Prof. Udo Koch von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart mit dem Titel ‚Die Natur verbindet‘ zu erleben.

 

Abb. 7: Mit der Installation ‚Geostationäre Raumfahrt‘ von Oliver (Olsen) Wolf in der Ausstellung ‚HAGULANE‘ im Sommer 2014 war die Städtische Galerie direkt mit der NASA verbunden

 

Mit all diesen Ausstellungen und Projekten entwickelte sich die Städtische Galerie dank vielfältiger Unterstützung in der Verwaltung der Stadt Villingen-Schwenningen, der intensiven Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern, der Hilfe von Kolleginnen und Kollegen von kommunalen Galerien und Museen in Deutschland, in Frankreich, Italien oder Österreich, in der Schweiz, den USA oder der Russischen Föderation, zu einer auch überregional beachteten Institution, als ein besonderer ‚Ort der Kunst‘. Und heute schon werden Ausstellungen der nächsten Jahre vorbereitet, so zum Beispiel zwei große Projekte zu den 1.200 Jahr-Feiern der Ersterwähnung von Villingen, Schwenningen und Tannheim im Jahr 2017.

Diesen ‚Ort der Kunst‘ gilt es auch darüber hinaus zu erhalten. Und wenn die Mitglieder des Gemeinderates von Villingen-Schwenningen ihren Eid „die Rechte der Stadt gewissenhaft zu wahren und ihr Wohl und das ihrer Einwohner nach Kräften zu fördern“ ernst nehmen und sich des Gebots aus der Landesverfassung besinnen, dann hat die Städtische Galerie als ‚Schule des Sehens‘ auch künftig für die Menschen in der Stadt und der Region Zukunft.

Abbildungen

Abb. 1 Gertraud Rostosky: ‚Porträt Dr. Lovis Gremliza (Mann mit Pfeife)‘, Lithografie auf braunweißem Papier, 30,8 x 43,9 cm, Sammlung Städtische Galerie, LP VII/20

Abb. 2 Erich Heckel: ‚Bildnis von Otto Dix‘, Lithografie auf Maschinenpapier, 41,6 x 35, 8 cm, Sammlung Städtische Galerie, LP IV/1

Abb. 3 Werner Gothein beim Zeichnen

Abb. 4 Werke von Almir da Silva Mavignier wurden vom 30. April bis 27. Mai 1962 in der ‚kleine galerie‘ in der Herdstraße 24 gezeigt. Abb. Stadtarchiv, aus: 1.42.83 Nr.4

Abb. 5 Dr. Hans Willmann führt bei der Eröffnung der Ausstellung ‚Ernst Barlach und Käthe Kollwitz – Plastik, Handzeichnungen, Graphik‘ Ehrengäste durch die Ausstellung im Schwenninger Beethovenhaus. Abb. Stadtarchiv, aus: 5. 22, S alt 967

Abb. 6 Eröffnung der Ausstellung ‚Richard Haizmann – Bilder und Skulpturen‘ am 9. November 2013. Am Rednerpult: Dr. Uwe Haupenthal, Richard Haizmann Museum, Niebüll

Abb. 7 In der Ausstellung ‚HAGULANE‘ wurden Werke von Carolin Jörg, Jörg Obergfell, Natalie Obert, Oliver (Olsen) Wolf, Thomas Straub und Thorsten Strohmeier gezeigt

Verweise

1 „Der Staat und die Gemeinden fördern das kulturelle Leben und den Sport unter Wahrung der Autonomie der Träger“. In: Verfassung des Landes Baden-Württemberg, I. Mensch und Staat, Artikel 3 c, Abs. 1

2 In einem Gespräch mit dem Autor am 29. Oktober 1992

3 vergl.: Felix Schlenker; „Fluorn“ Dorfzeit 1947-1948, ‚Bilder, Tagebücher‘, Probst Verlag, Dauchingen, 1994, S. 63

4 ebda: S. 71

5 Robert Kurt Kudielka studierte später Philosophie, Klassische Philologie, Germanistik und Kunstgeschichte. Er promovierte mit einer Studie zu Kants ‚Kritik der Urteilskraft‘ und war von 1978 bis 2010 Professor am Lehrstuhl für Ästhetik und Theorie der Kunst an der Universität der Künste Berlin. Seit 1997 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg

6 Vollständige Ausstellungsliste in: ‚Sensation und Skandal; Die kleine galerie in Schwenningen‘, Verlag der Stadt Villingen- Schwenningen, 2006, S.29. Zusammengestellt von Anja Rudolf

7 vgl. Uwe Conradt ‚Nicht die Flinte ins Korn geworfen; Kunst nach 1945 in der Provinz‘; in: 1939/1945 Fünfzig Jahre Kriegsausbruch, Vierzig Jahre Bundesrepublik Deutschland, Hrg. Stadt Villingen-Schwenningen, 1989, S. 106

8 ebda: S. 106

9 vgl.: Landeskunstwochen ’88 Villingen-Schwenningen, Programm, 4. bis 26. Juni; Hrg. Stadt Villingen-Schwenningen, 1988

10 Das ursprünglich für die Ausstellung vorgesehene erste Stockwerk mußte kurzfristig wegen zu starker radioaktiver Emission durch Radon, welches für die ‚leuchtenden‘ Zifferblätter in der Uhrenproduktion Verwendung fand, geräumt werden.

11 In vielen Städten wirkten bereits ehemals ehrenamtlich geführte kommunale Galerien unter hauptamtlicher Leitung und auch im Oberzentrum war eine Professionalisierung gewünscht. Dies entsprach dem Trend der Zeit, denn man erkannte in Kunst und Kultur verstärkt das Potential der ‚weichen Standortfaktoren‘, die sich im wirtschaftlichen Wettbewerb positiv auswirken konnten. Lothar Späth als Ministerpräsident von Baden- Württemberg war einer der profiliertesten Fürsprecher dieser erweiterten Möglichkeiten im kulturellen Bereich. Er erkannte zudem als einer der ersten die kreative Parallelität von Innovation in der Kunst und in der Wirtschaft. Infolge des authentischen Wirkens von Lothar Späth als Förderer aktueller Kunst und erster Wirtschaftsförderer im Land stieg Kunst und Kultur als wichtiger gesellschaftlicher Faktor in der öffentlichen Wertschätzung.

12 Diese Ausstellung entstand im Zusammenwirken mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums am Deutenberg und ihrem Kunsterzieher Axel Heil

13 Kunstmuseum Hohenkarpfen und Staatliche Kunstsammlungen Dresden Albertinum 1993

14 Städtische Galerie Karlsruhe 1995

15 u.a. Paula Modersohn-Becker Museum Bremen, Museum im Kulturspeicher Würzburg, Staatliches Museum Schwerin 2006

16 Anläßlich der Verleihung der Privilegien ‚Markt-, Münz- und Zollrechte‘ durch Kaiser Otto III. im Jahr 999.