Zeugnis frommen Bürgersinns

Ringwald-Stele aufgestellt

Erinnerung an den Stationenweg

Der Erntedank-Sonntag des Jahres 2002 war für Dekan und Münsterpfarrer Kurt Müller ein ganz besonderer Tag. Er durfte ein Denkmal segnen, mit dessen Aufstellung für ihn ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung ging. Das Denkmal ist eine 2,25 Meter hohe dreieckige in Bronze gegossene Stele, die an den ehemaligen Stationenweg erinnert, der zwischen der Bickenkapelle und dem Friedhof verlief und auf dem viele Generationen Villinger Bürger ihre Toten zur letzten Ruhe begleiteten.

Geschaffen hat sie der Schonacher Künstler Professor Klaus Ringwald, der damit durch ein weiteres Kunstwerk in der Zähringerstadt vertreten ist.

Es war auch ein besonderer Tag für den Geschichts- und Heimatverein, denn er hat die Stele gespendet und der Stadt zum Geschenk gemacht. Genauer gesagt: Die Mitglieder waren die Spender! Sie, und einige Sponsoren, haben in einer Sonderaktion das Geld für die Anschaffung des Kunstwerkes aufgebracht und damit ein Zeichen dafür gesetzt, dass sie die Geschichte ihrer Heimatstadt „sichtbar und anschaulich“ lebendig halten wollen.

Das brachte auch der GHV-Vorsitzende, Günter Rath, in seiner Ansprache zum Ausdruck. Er erinnerte an die 14 Kreuzwegstationen die einst hier als Zeugnis frommen Bürgersinns standen und zum Stadtbild gehörten. Günter Rath freute sich, dass die im Vorstand geborene Idee eine so breite Zustimmung gefunden hat und jetzt verwirklicht werden konnte. Sein Dank galt allen, die zur Verwirklichung dieses Werkes beigetragen haben.

 

In einer schlichten Feier wurde die Stele, die der Geschichts- und Heimatverein Villingen zur Erinnerung an den einstigen Stationenweg der Stadt gestiftet hat, ihrer Bestimmung übergeben. Auf unserem Bild von links: Oberbürgermeister Manfred Matusza, der sie als Stadtoberhaupt dankbar entgegennahm, Professor Klaus Ringwald, der sie geschaffen hat, Dekan Kurt Müller, auf dessen Anregung die Anschaffung zurückgeht und der GHV-Vorsitzende Günter Rath.

 

Für Münsterpfarrer Dekan Kurt Müller, der dem Beirat des Villinger Geschichts- und Heimatvereins angehört, war es eine besondere Freude, an seinem 65. Geburtstag die Stele am Stationenweg segnen zu dürfen. Neben ihm am neuen Denkmal Oberbürgermeister Manfred Matusza und Professor Klaus Ringwald.

 

 

Begegnung am Rande: Zahlreiche Gäste nahmen an der Einweihung der Stele beim Villinger Friedhof teil und nutzen die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch, wie hier Meinrad Belle in den letzten Tagen seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter (links) mit Dekan Kurt Müller und Klaus Ringwald (rechts).

 

Professor Klaus Ringwald bei der Segnung der Stele

Mein ganzes Bildhauerleben zeigt sich hier in Ihrer Stadt, ob Sie nun drüben in die Altstadtkirche blicken – in die Bickebergkirche – in das Zentrum der Altstadt, immer gaben mir die Villinger die Möglichkeit, meine Werke und mein Bildhauerdenken zu präsentieren und unter die Menschen zu bringen. Wenn dann ab und zu, auch zu meinen Geburtstagen, ganz tiefe und feinfühlige Sätze von Stadtführerinnen bei mir im Wald ankommen, so muss ich sagen, dass wir uns schätzen und lieben gelernt haben – das war nicht immer so. Mit dieser neuen Kreuzwegstele, die drei wichtige Stationen auch unseres eigenen Lebens aufzeigen – das Verurteilen – das Gekreuzigtwerden – und das Hinabgelegtwerden, habe ich versucht, mit diesen gegenständlichen Reliefs, wieder einmal Ablesbares und Verständliches zu hinterlassen. Die Reliefs sind klar komponiert und zeigen Ordnung in einer verworrenen Kunstszene. Denn was machen denn die Villinger Münsterportale aus, dass sie belagert, bestaunt und angenommen sind, weil man von ihnen sieht, was die heutige Geschichte uns zeigt, das heutige Leben gegenwärtig und bildlich wird in jenen Grundthemen der Heilsbotschaft und mit diesen klaren bildhauerischen Mitteln, mit dem Bekenntnis zum „Gesetz der Form“, was der genaue Gegensatz dessen ist, was wir das Formale nennen.

Die Urheberschaft zum Inhalt der Texte hat Münsterpfarrer Kurt Müller.

 

In großer Zahl nahmen die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins an der feierlichen Segnung der Ringwald-Stele teil, die am Erntedank-Sonntag, 6. Oktober 2002, beim Villinger Friedhof aufgestellt wurde. Mit einer persönlichen Spende haben die GHV-Mitglieder dieses Denkmal, das ein Stück Villinger Stadtgeschichte lebendig halten soll, mit finanziert.

 

Es ist immer wieder ein großer Aufwand, auch in der Gießerei, bis so ein Werk letztendlich zusammen ist. Sicher waren es an die 20 Teile, einzeln gegossen, die in mühevollem Aufwand ziseliert,ausgerichtet, zusammengeschweißt und verarbeitet werden mussten.

Bei diesen wesentlichen Dingen bin ich immer tagelang, wochenlang dabei, damit es so wird, wie ich will, dass es wird. Dies kann man den Mithelfern in der Gießerei nicht alleine überlassen, auch nicht die Farbe der Patina.

Ringwald wandte sich dann mit freundlichen Worten an Oberbürgermeister Dr. Manfred Matusza und dankte für eine langjährige gute Zusammenarbeit.

„Ich danke dem Geschichts- und Heimatverein, und Ihnen Herr Rath, und ich freue mich auch für unseren Münsterpfarrer, dass dieses Geburtstagsgeschenk zu seinem 65er dasteht und uns alle teilnehmen lässt.

Ich danke der Stadt, dem Gartenbauamt und den Handwerkern, die die Boden-Situation gestaltet haben, und allen Helfern für das Zupacken beim Aufstellen der Stele.

Ich danke für das Vertrauen, das mir der Geschichts- und Heimatverein gegeben hat, und es würde mich freuen, wenn ich wieder einmal sagen könnte, was ein großer deutscher Geist in einem klaren Satz hinterlassen hat: ,Ich habe euch was gegeben – ihr aber habt es angenommen‘.“