Amtmann Hieronymus Bold (Wilfried Steinhart)

wohnhaft Schulgasse 15

Abb. 1: Wappenschild 1582 der Fam. Bold + Kegel Größe 71 cm x 39 cm.

 

Den wenigsten Villingern ist der Bezug zu dem halbrunden Wappenschild mit der Jahreszahl 1582 in der Schulgasse, links von der Benediktinerkirche, bekannt. Dieses war schon vor dem Neubau des Münsterzentrums am Haus Nr. 15 angebracht. Im Jahre 1970 wurde die ganze Häuserzeile (Nr. 11/13/15/17) abgebrochen.

Das Wappen ist das des Hieronymus Bold d. J. und seiner Frau Luzia, geb. Kegel. Er war, wie schon sein gleichnamiger Vater, Amtmann des Benediktiner-Klosters von St. Georgen.

Am 31. Aug. 1967 wurde im Südkurier ein ausführlicher Bericht über „Das kleine Wappenschild in der Schulgasse“ unter „heimatliche Kostbar- keiten am Rande der Villinger Stadtgeschichte“ veröffentlicht.

 

Abb. 3: Häuser Schulgasse Nr.13, Nr.15 und Nr.17.

 

Die bedeutende Familie Bold wohnte in der Schulgasse Haus 15, es war das niederste dieser 4 Häuser. Das halbrunde Wappenschild war damals über der Haustüre eingemauert. In St. Georgen treffen wir nach 1530 erstmals den Schulmeister Hieronymus Bold. Dieser (d. Ä.) war Amtmann und Schreiber des Klosters St. Georgen, mit der Verlegung desselben kam er nach Villingen. Er starb am 17. 04. 1572 und wurde im Villinger Münster beigesetzt.

In „Kunstdenkmäler des Grossherzogtums Baden 1890“, von Dr. Franz Xaver Kraus, Seite 812 ist die bronzene Gedenktafel für Hieronymus Bold mit der Signatur von H K erwähnt, damals befand sie sich noch in der Sakristei des Villinger Münsters. Text: Bronzene Gedenktafel von zwei Hermen eingefasste Arcade, unter welcher Wappen mit Helmzier, das Wappen zeigt links ein Einhorn, rechts drei Kleeblätter, und links und rechts von dem Wappenschild die Buchstaben H K, ein Monogramm, welches zweifellos Hans Kraut zu lesen ist, in welchem Villinger Künstler wir den Meister dieses schönen Spätrenaissancegusses zu verehren haben. Die Tafel hat unten die von Anfang an am Schluss unvollständige, in gotischer Minuskel gehaltene Inschrift:

De 17 aprilus anno 1572 starb der Erenhafft und from Jeronymus Boldter elter amptmann und shreiber zus. S. Georgen gewesen. d. go

 

Abb. 4: Epitaph von Hieronymus Bold d. älteren. Größe 39cm x 50cm.

 

Dieser Bronzeguss ist jetzt mit einem Holzrahmen versehen im Eingangsbereich des Pfarrhauses der Münstergemeinde aufgehängt. Sein schon erwähnter Sohn Hieronymus (d. J.) war der Nachfolger des Vaters als Amtmann des Klosters unter dem Abt Nicodemus Luitpold, in einer für das Kloster sehr schweren Zeit. Vermutlich schenkte dieser oder sein Nachfolger Blasius Schönlein dem Abt Caspar zu St. Peter den prachtvollen Hans Kraut Ofen, der sich noch heute im Landesmuseum in Karlsruhe befindet.

Wohl als Anerkennung für seine Verdienste und die seines Vaters, erhielt Hieronymus (d. J.) von Erzherzog Ferdinand von Österreich zu Innsbruck am 1. Febr. 1585 eine Wappenbesserung mit Adelsfreiheit. Seine Ehe- frau Luzia, geb. Kegel, ist laut Villinger Taufbücher von 1574 bis 1600 oft als Patin erwähnt.

1530 ist Hieronymus Bold in Sankt Georgen als Schulmeister erwähnt. 1572 starb Hieronymus Bold d. Ä.

 

Abb. 6: Das Benediktiner-Kloster um 1805, Schulgasse 15 (roter Pfeil).

 

1558 Hieronymus Bold d. J. immatr. Univ. Freiburg

1566 – 1585 Abt Nicodemus Luitpold

Hieronymus d. J. war Nachfolger seines Vaters als Amtmann unter diesem Abt.

Die Fam. Bold stand in dieser Zeit in enger Beziehung zu Abt Nicodemus. Der Abt war bei mehreren Kindern Taufpate. Einer der Taufpaten war auch Michael Schwert, der erste industrielle Unternehmer in Villingen.

1585 01. Febr. Wappenbesserung

Laut Wollasch waren Nachkommen von Bold in bedeutenden Positionen eingesetzt z B.:

Einträge vom:

02. Sept. 1656 Johann Jakob Bold, Hofgerichts- Assesor zu Rottweil.

27. Feb. 1773 Stadtschreiber Sebastian Bold von Bräunlingen.

Aber auch Negatives steht dort:

15. Mai 1641: Hinrichtung der nach Geständnis wegen Hexerei zum Tod durch das Schwert verurteilten „Verena Boltin“

13. Juli 1641: Hinrichtung der nach Geständnis wegen Hexerei zum Tod durch das Schwert verurteilten „Annesa Boltin“. Agnes war Kuchimeisterin am sanktblasischen Amtshof.

Bürgerbuch Villingen: 20.Jan. 1584 Hieronymus Bolt Ambtman und Secretar des Gotteshaus Sant Geörgen…, ist burger worden uf seinem haus, … Das Wappen der Fam. Kegel ist auch am einzigen Doppelerker in Villingen, am Honoldschen Haus in der Niederen-Straße neben der Sparkasse angebracht.

 

Abb. 2: Ölbild von Fr. Orloff Schulgasse Nr 11 bis 19.