Der Konkurs der Villinger Firma Kaiser-Uhren (Annemarie Conradt-Mach)

 

Abb. 1: Kaiser-Uhren.

 

Vorgeschichte

Am 10. 07. 1974 wurde über das Unternehmen Kaiser-Uhren in Villingen das Konkursverfahren eröffnet. 631 Mitarbeiter erhielten die Kündigung; 1 Dies war der erste spektakuläre Firmenzusammenbruch der Nachkriegszeit in Villingen-Schwenningen. Er kennzeichnete das Ende des Wirtschaftswunders in der gerade gegründeten Doppelstadt Villingen-Schwenningen.

Die Firma Kaiser-Uhren ging aus der ehemaligen Uhrenfabrik Villingen (gegr. 1852) hervor. 1914 erwarb Josef Kaiser aus Niedereschach diesen Betrieb und gründete die Firma „Uhrenfabrik Villingen, Josef Kaiser“. 2 Vor dem Zweiten Weltkrieg produzierte dieses Unternehmen täglich 6.000 Wecker. 3 Der älteste Sohn Josef Kaisers, Franz Kaiser (1901 bis 1962), trat 1920 in das Unternehmen ein und übernahm 1942 nach dem Tod des Vaters zusammen mit seinen Brüdern Oskar und Rudolf die Leitung der Firma. Die Demontageschäden der Nachkriegszeit wurden schnell überwunden, das Unternehmen wurde ausgebaut durch weitere Zweigwerke, wie die Radio- und Fernsehgerätefabrik in Kenzingen und die Radiogehäusefabrik in Haslach. 4 1970 gehörten zur Kaisergruppe vier Betriebe: die Uhrenfabrik J.Kaiser, GmbH Villingen, das Uhrenwerk Schwarzwald GmbH Villingen, die Badischen Uhrenwerke GmbH (BADUF) Furtwangen und die Gebrüder Kaiser Uhren- und Apparatebau OHG Kenzingen. 5

Ende der 60er Jahre geriet Kaiser-Uhren immer mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die trotz Rationalisierungs- und Kooperationsmaßnahmen nicht mehr überwunden werden konnten.

Die Unternehmerfamilie Kaiser – eine angesehene Familie

 

Abb. 2: Fabrikant Franz Kaiser zum 60. Geburtstag „Er war ein Herr!“, SAVS 1.16-1998.

 

Zum 60. Geburtstag von Franz Kaiser, dem ältesten der Kaiser-Brüder, schrieb das Uhrenjournal 1961, der Jubilar würde zu den Pionieren der Schwarzwaldindustrie zählen. Er sei verantwortlich für den erfolgreichen Nachkriegsausbau des Unternehmens gewesen. 6

Zu seinem Tod am 16. April 1965 würdigten die Nachrufe seine Lebensleistung. Als Vorsitzender des Verbandes der badischen Uhrenindustrie, Vorstandsmitglied des Verbandes der deutschen Uhrenindustrie, Beiratsmitglied der Industrie- und Handelskammer, Beirat der deutschen Bank und Vorstandsmitglied des südbadischen Arbeitgeberverbands habe er großen Einfluss auf die Wirtschaft der Region ausgeübt. Der passionierte Reiter, der es liebte sich auf Fotos mit seinem Pferd zu zeigen, sei „nicht nur ein Mensch“ gewesen,“ sondern „er war ein Herr“ kommentierten die Zeitungen. 7 Franz Kaiser habe zur „Garde des Schwarzwälder Unternehmertums“ gehört, mit „weltweitem Blick und traditionsbewusstem Sinn“ sein Unternehmen geführt und sei dabei immer für die „kleinen Nöte und Sorgen“ seiner „unterstellten Belegschaftsmitglieder“ offen gewesen. Hervorgehoben wurde seine „patriarchalische Lebenseinstellung“. 8

Die Unternehmerfamilie war hochgeachtet und in Villingen ins städtische Leben integriert. Die Witwe Franz Kaisers wurde zu ihrem 60. Geburtstag als „Glonkimotter“ geehrt. 9 Über Oskar Kaiser, der nach dem Tode des Vaters 1942 zusammen mit seinen Brüdern Franz und Rudolf die Geschäftsführung übernahm, berichteten die Zeitungen: Er „war an der Aufwärtsentwicklung der Firma von damals 250 Mitarbeitern auf heute 1900 Betriebsangehörige“ maßgeblich beteiligt. „Sein Aufgabenbereich erstreckt sich vornehmlich auf den technischen Bereich.“ Oskar Kaiser engagierte sich seit 1956 „als Mitglied der CDU-Fraktion im Gemeinderat“, er war „in mehreren Ausschüssen zum Wohl der Bürger Villingens tätig“, er war Kurator der Staatlichen Ingenieurschule Furtwangen, Ausschussmitglied im Arbeitgeberverband der Badischen Eisen- und Metallindustrie Freiburg und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie in Stuttgart. „Sein junggebliebenes Herz… gehört (e)… der Jugend und dem Sport“. Seit 1949 war er Präsident des FC 08.“ 10 „Er habe großes Ansehen und einen großen Freundeskreis.“ 11

Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Informationspolitik

Wesentliches über die Lage des Unternehmens erfährt man nur aus der regionalen Presse. Geschäftsberichte oder ähnliches haben sich leider nicht erhalten. Jedes Jahr vor Weihnachten führte das Unternehmen eine Jubilarfeier durch, bei der auch die wirtschaftliche Entwicklung der Kaisergruppe von den Geschäftsführern kommentiert, den Mitarbeitern gedankt und die Sozialleistungen des Betriebs ausführlich gewürdigt wurden.

Seit Mitte der 60er Jahre machte sich die Krise der Uhrenindustrie auch bei Kaiser-Uhren bemerkbar. 1966 berichtete Oskar Kaiser erstmals: „Obwohl das Weihnachtsgeschäft noch als zufriedenstellend zu bezeichnen sei, müsse infolge der verstärkten Importe aus Japan, China und neuerdings aus den Ostblockstaaten mit einem Nachlassen der Expansion gerechnet werden. Die Ausfuhr sei seit 1964 bereits um fünf Prozent zurückgegangen, der Grund hierfür in dem verstärkten Wettbewerb zu suchen, der aber mit den Ostblockländern in Anbetracht der dort üblichen staatlichen Subventionen besonders schwierig und besorgniserregend sei… Um eine ausreichende Beschäftigung sicher zu stellen, werde wohl manches Preiszugeständnis gemacht werden müssen.“ 12 Bedenklich sei, der Uhrenimport in der Bundesrepublik habe um 29 Prozent zugenommen, der Export dagegen sei um 5 Prozent zurückgegangen. Neben den Wettbewerbern aus Asien und dem Ostblock machten den Unternehmen aber auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen Sorgen. „Neben Produktionseinbußen als Folge der auf 40 Wochenstunden verkürzten Arbeitszeit werde die Firma Kaiser im kommenden Jahr eine fünfprozentige Lohnerhöhung zu verkraften haben, die einige hunderttausend Mark ausmache.“ Leider könnten die Preise wegen der Billigkonkurrenz aus Ostasien nicht erhöht werden. Rationalisierung und „Verbilligung der Produktion“ sei der einzige Ausweg. Kaiser- Uhren versuchte als Gegenmaßnahme durch „forcierte Fertigung von elektronischen Batterieuhren und -weckern“ die „Produktionskapazität auszulasten.“ 13

Im Dezember 1967, nach einem Jahr des Konjunktureinbruchs, beklagte Rudolf Kaiser den weiteren Rückgang der Produktion und des Exports, weil „die Konkurrenz aus den Ostblockstaaten und China… ihre Erzeugnisse um 25 bis 30 Prozent billiger anbieten“ könnten. Die Pfundabwertung habe außerdem eine Verteuerung der deutschen Uhren um 17 bis 18 Prozent für den englischen Markt gebracht. Der Export sei für eine Firma wie Kaiser-Uhren überlebensnotwendig. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage habe Kaiser- Uhren nicht mehr so viel wie in den vergangenen Jahren investieren können.

Trotz des schlechten Geschäftsganges hielt das Unternehmen an seinen „bedeutenden freiwilligen sozialen Leistungen“ fest. 14 1968 nahmen an der Weihnachtsfeier alle Familienmitglieder der „Inhaberfamilie“ teil. Rudolf und Oskar Kaiser, Frau Erna Kaiser und Familie Dr. Zimmermann. Die Fernsehgeräteproduktion in Kenzingen und in Furtwangen sei im vergangenen Jahr um 30 Prozent gesteigert worden, der Exportanteil betrage hier nun rund 30 Prozent. Dr. Herbert Zimmermann, der Schwiegersohn des verstorbenen Franz Kaiser erklärte selbstbewußt:

„Ein Betrieb unserer Größenordnung muß sich sowohl in der Fertigung als auch im Vertrieb spezialisieren, dann kann er sich auch in einer Branche behaupten, in der in- und ausländische Elektrokonzerne den Ton angeben.“ Um die „Selbständigkeit zu wahren“, sei der von Kaiser-Uhren beschrittene Weg der richtige. 15 1968 konnte der Umsatz glücklicherweise wieder gesteigert werden. „Es habe sich gezeigt, daß man Krisen beheben könne, wenn alle an einem Strang zögen. Eine Interessenpolitik 16 schade nicht nur der Wirtschaft, sondern auch dem ganzen Volk.“ „Mit neuen modischen Uhrenmodellen“ 17 konnte man im Inland den Absatz steigern.

 

Abb. 3: Blumenuhr – Kaiser-Uhren-Kataloge.

 

 

Abb. 4: bunte Wecker – Kaiser-Uhren-Kataloge.

 

An den gewohnten freiwilligen Sozialleistungen hielt das Unternehmen weiterhin fest. 18 Trotz internationaler Währungskrise und der daraus folgenden Aufwertung der D-Mark blickte man bei Kaiser-Uhren mit Optimismus in die Zukunft. Auch bei gesteigerten Kosten und geschmälerter Ertragslage sei man zuversichtlich. 19 „Eine Gefährdung der Arbeitsplätze habe… auch im wirtschaftlich schlechteren Vorjahr nicht bestanden.“ 20

Im Dezember 1970 sah Oskar Kaiser erstmals für die Uhren-Branche „schwarz“. 21 Er beklagte erneut „dass die ‚Billigpreisländer‘ des Fernen Ostens und des Ostblocks Uhren zu manipulierten Sonderpreisen auf den deutschen Markt brächten. Insbesondere die Uhrenpreise der DDR seien in dieser Hinsicht gesteuert, um Devisen zu bringen“. Die Aufwertung der DM sei zu hoch ausgefallen, deutsche Waren würden immer teurer.

„Besonders die Abwertung in Frankreich habe die Firma betroffen. Kaiser-Uhren seien dort bis zu 20 Prozent teurer geworden. Das bedeute(t) praktisch den Wegfall des Marktes in Frankreich. Auch in den USA würden die Produkte, bedingt durch die starke Rezession, nicht mehr so gut abgesetzt.“

„Der italienische Markt sei wegen der starken politischen Unruhen mit großen Absatzschwierigkeiten belastet. Ebenso sei der Absatz in Chile durch den politischen Umschwung in Mitleidenschaft gezogen worden. All dies wirke sich für die Firma stark aus, da sie einen Exportanteil von 60 Prozent habe.“ Zusätzlich hätten die höheren Löhne und die Materialpreiserhöhungen den Kostendruck der Unternehmen erhöht. Rationalisierung sei nur bedingt möglich, weshalb Kaiser-Uhren jetzt eine Programmbereinigung vornehmen wolle. 22 Unter diesen Voraussetzungen blieb für das Jahr 1971 nur die Hoffnung, „daß die derzeit noch günstige Auftragslage gehalten werden könne. Für die nächsten Monate jedenfalls,… (seien) die Arbeits- plätze der 1.100 in dem Villinger und Kenzinger Werk beschäftigten Mitarbeiter gesichert.“ 23

Die Lage besserte sich 1971 nicht. Es müsse „jede nur denkbare Möglichkeit zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit wahrgenommen werden“, „um Produkte auf den Markt zu bringen, die in ihrem Endpreis wettbewerbsfähig seien. Hier seien in den vergangenen Wochen und Monaten auch erhöhte Anstrengungen erfolgt, die positive Ansätze zeigten. Bei diesem Bemühen wisse er sich, so stellte Oskar Kaiser dankbar fest, von der gesamten Belegschaft verstanden.“ 24

Noch zur Weihnachtsfeier 1973 schien bei Kaiser- Uhren alles in Ordnung zu sein. Man war stolz auf eine „klar verbesserte Produktivität“ bei einer allerdings weiterhin „unbefriedigenden Ertragslage“.

Abb. 5: Anzeige Kaiser Uhren.

 

 

Abb. 6: Fertigungsbild, aus 100 Jahre Kaiser-Uhren

 

Dr. Zimmermann begründete im Hotel Diegner die „über dem Branchendurchschnitt liegenden Umsatz- und Produktuionszahlen“. Sie „seien das Ergebnis der seit etwa einem Jahr eingeleiteten Umstrukturierungs- und Konsolidierungsmaßnahmen mit einem konsequent gestrafften Fertigungsprogramm. Durch die Kooperation mit dem Reisewecker-Hersteller Senden und der verstärkten Zusammenarbeit auf dem elektronischen Sektor mit den badischen Uhrenfabrik Furtwangen… (sei) das Verkaufssortiment trotzdem nicht kleiner geworden“. Der Umsatz bei Kaiser-Uhren konnte 1973 von knapp 35 Millionen DM auf 38 Millionen DM gesteigert werden bei 1000 Beschäftigten der gesamten Kaisergruppe. Die Auftragslage sei Ende 1973 gut. Trotz „ruinöser“ Lohnforderungen“ und „einer noch nicht zu überblickenden Teuerung, bedingt durch die Ölkrise“, sah Dr. Zimmermann „mit gedämpftem Optimismus dem Jahr 1974 entgegen“. „Diesen Optimismus vertrat auch Betriebsratsvorsitzender Peter Weißenrieder, der darauf aufmerksam machte, daß man in den zurückliegenden Jahren Rezession und D-Mark- Aufwertung, wie auch Dollar-Abwertung gleichwohl mit einer Steigerung auf allen Sektoren überwunden habe.“ 25

Der Konkurs der Firma Kaiser

Die Meldung vom Vergleichsantrag der Firma Kaiser-Uhren im Juli 1974 kam für die Öffentlichkeit und vermutlich auch für die Mitarbeiter von Kaiser-Uhren völlig überraschend. 26 Der Südkurier schrieb am 6. Juli 1974 unter der Überschrift: „650 Belegschaftsmitglieder bangen um ihre Arbeitsplätze“. „Das Unternehmen ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten und sieht trotz eines Auftragsbestandes zwischen acht und neun Millionen DM, der die Vollbeschäftigung für die nächsten drei Monate sichern würde, einer ungewissen Zukunft entgegen. Im Anschluß an eine kurzfristig einberufene Betriebsversammlung hat der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Herbert Zimmermann den schweren Gang zum Villinger Amtsgericht angetreten und den Vergleichsantrag gestellt. Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf den Kreditverhandlungen mit der Hausbank, die dem Unternehmen eine faire Behandlung zugesichert hat… Erst in einer weiteren Betriebsversammlung, die voraussichtlich am kommenden Mittwoch stattfinden wird, können die Betriebsangehörigen eine schlüssige Antwort nach der Zukunft des 122 Jahre bestehenden Familienbetriebs erhalten.

Das Eigenkapital der Gesellschafter ist, so Dr. Zimmermann, längst durch die Verluste aufgebraucht. Auch der Versuch, durch das ‚Versilbern anderer Werte‘ (Dr. Zimmermann) das Loch zu stopfen, hat nicht zum Ziel geführt. Bereits 1972, so wurde jetzt bekannt, waren Kaiser-Uhren in die Verlustzone geraten…Die innerbetriebliche Koordination, rationellere Produktionsmethoden und eine zentrale Geschäftsführung für alle vier Betriebe – Uhrenfabrik J.Kaiser, GmbH Villingen, Uhrenwerk Schwarzwald GmbH Villingen, Badische Uhrenwerke GmbH (BADUF) Furtwangen und Gebrüder Kaiser Uhren- und Apparatebau OHG Kenzingen – sollte den Umschwung bringen. Zwar stieg der Umsatz, aber die Expansion musste mit Fremdkapital erkauft werden. Eines Tages drehten die Banken den Geldhahn zu. Es war zu riskant geworden, ein Unternehmen mit weiteren Krediten zu stützen, dessen ‚Eigenkapitaldecke zusammengebrochen war… Die Höhe der Außenstände lässt ihn (Dr. Zimmermann) hoffen, dass die Lohn- und Gehaltsansprüche der Belegschaft ‚mit hoher Wahrscheinlichkeit‘ gesichert werden können. Kaiser-Uhren zahlt nach Angaben von Dr. Zimmermann monatlich rund eine Million DM Löhne und Gehälter.

 

Abb. 7: Fertigungsbild, aus 100 Jahre Kaiser-Uhren.

 

Hinzu käme jetzt kurz vor Beginn der Betriebsferien noch das Urlaubsgeld.“ Dr. Zimmermann versicherte, die Firma hätte Aufträge, sie könne produzieren und liefern, aber sie bräuchte dafür Kapital, um die Löhne und die Lieferanten zu bezahlen .Vom Vergleich betroffen sind Kaiser-Uhren und das Werk in Kenzingen. 27

Da das Geld nicht beschafft werden konnte, musste Kaiser-Uhren, um weitere Substanzverluste zu vermeiden, Konkurs anmelden. Ein vom Betriebsrat und der IG Metall ausgearbeiteter Sozialplan sah Abfindungen zwischen 500 und 9000 Mark für die Mitarbeiter vor. Das Junigehalt sollte ausgezahlt werden. An eine Auszahlung des Urlaubsgelds für die Mitarbeiter war nicht zu denken. Ein durch das Gericht eingesetzter Konkursverwalter sollte dann entscheiden, ob bei Kaiser-Uhren weitergearbeitet werden könne. Die nötigen Informationen würden die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung erhalten.

Die Zusammenhänge und Hintergründe des Kaiser-Konkurses füllten die Blätter der Region. Durch Verluste in den Geschäftsjahren 1969 bis 1972 sei das Stammkapital von 4,5 Millionen DM fast aufgebraucht. Die von der Geschäftsleitung begonnene Sortimentsbereinigung 1973 habe nichts mehr gebracht. Für das Umsatzwachstum von 19 Millionen DM 1969 auf 26 Millionen zum 30. Juni 1974 hätten leider nicht genug eigene finanzielle Mittel zur Verfügung gestanden. Kaiser-Uhren machte keine Gewinne, weshalb die Banken kein Geld mehr zur Verfügung stellten. 28

„Weder die Deutsche Bank noch die Bank für Gemeinwirtschaft noch private Finanziers waren zu einer Kapitalhilfe bereit.“ Dr. Zimmermann bestätigte, „die Auszahlung der Juni-Löhne und Gehälter“ sei „durch die Übernahme einer Ausfallbürgschaft der mit ihrem Privatvermögen haftenden Gesellschafter Oskar und Rudolf Kaiser gesichert. Den Außenständen in Höhe von 3,5 Millionen DM (stünden)… Lieferantenforderungen von rund 4 Millionen DM gegenüber.“ 29 Dr. Herbert Zimmermann gab jetzt unumwunden zu:

„daß der im Oktober 1972 unternommene Versuch, eine auf Koordination und Rationalisierung abzielende Neuorganisation der Firmengruppe unter der Regie einer zentralen Geschäftsführung Kaiser-Uhren aus den ‚roten Zahlen‘ zu bringen, zu spät gekommen (sei)… Trotz expansiver Produktion und steigenden Umsätzen konnten durch eine straffere Führung ‚die Versäumnisse einer falsch gesteuerten Geschäftspolitik früherer Jahre (Dr. Zimmermann) nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Kaiser-Uhren hätte nach einem kapitalkräftigen Partner schon vor Jahren suchen müssen.“ 30

Am 8. Juli 1974 erhielten die 631 Mitarbeiter die fristlose Kündigung. Zwei Tage später, am 10. Juli 1974 wurde das Konkursverfahren eröffnet, die fristlosen Kündigungen wieder zurückgenommen und durch fristgerechte ersetzt. Rund 150 Mitarbeiter konnten durch den am 10. 7. eingesetzten Konkursverwalter weiterbeschäftigt werden. 31 Die Chancen der gekündigten Arbeitnehmer bewertete Arbeitsamtsdirektor Horst Billing unterschiedlich. Facharbeiter, spezialisierte Führungskräfte und Akademiker seien weniger schwierig auf neuen Arbeitsplätzen unterzubringen. Problem seien ungelernte, angelernte und ältere Arbeitnehmer. 32

Am 9. Juli 1974 protestierten nachmittags 2000 Menschen „diszipliniert“ 45 Minuten lang „mit schwarzen Fahnen und vielen Transparenten“ auf dem Benediktinerplatz gegen den Verlust von Arbeitsplätzen durch den Konkurs bei der Firma Kaiser-Uhren und übten Kritik an der Geschäftsführung. Auf den Spruchbändern war zu lesen:

‚Firmenvermögen wurde verschleudert’– ‚Kaiser hat Bankrott gemacht, doch an die Mitarbeiter hat er nicht gedacht‘- ‚Die Banken haben abkassiert, die Arbeiter hat man angeschmiert.‘ – ‚Wo bleibt unser Urlaubsgeld?‘ –‚Die Arbeiter sind die Betrogenen.‘ 33

 

Abb. 8: Ordner – Kaiser-Uhren.

 

In einer ersten Gläubiger-Versammlung am 13. 8. 1974 um 9 Uhr im Theater am Ring erfuhren die anwesenden Gläubiger von Kaiser Uhren GmbH Villingen 34, dass die Firma in den Jahren 1970 bis 1972 Verluste in Millionenhöhe gemacht hatte. Einem Vermögen von 8 Millionen DM standen Schulden in Höhe von über 14 Millionen DM gegenüber. Als Ursachen des Konkurses sahen das Amtsgericht und der gerade ernannte Konkursverwalter Prof. Helmuth Fischer aus Stuttgart ein zu reichhaltiges Sortiment, eine zu große Produktleistung, fehlende Eigenmittel und fehlende Kooperationen, Probleme zwischen den Gesellschaftern und dem Geschäftsführer 35, hohe Fremdzinsen, Ankauf eines unrentablen Patentes für Batteriewerke, Währungsschwankungen und Billigkonkurrenz aus Honkong und Japan. 36

Der Konkursverwalter versuchte in der Folgezeit die vorhandenen Werte der Firma Kaiser-Uhren meistbietend zu verkaufen. Im August 1975 wurde bekannt, dass der amerikanische Konzern General Time sich für Kaiser-Uhren interessierte. Leider scheiterten diese Verhandlungen. 37 Auf ziemliches Unverständnis stieß in Villingen im Oktober 1975 die Meldung, dass der „volkseigene DDR-Uhren- betrieb Ruhla… für eine halbe Million Mark aus der Konkursmasse der Uhrenfabrik Kaiser in Villingen-Schwenningen die Produktionsanlagen für Wecker“ erstanden hatte. „Wie ein Sprecher des Konkursverwalters… mitteilte, konnte sich der DDR-Betrieb gegen das Angebot einer Villinger Uhrenfabrik durchsetzen,… weil die DDR mehr Geld geboten habe und das gesamte Werkzeugpaket übernommen hat. Der Konkursverwalter hatte die Produktionsanlage für Wecker sowie die dazugehörenden Modelle international zum Verkauf ausgeschrieben. Damit ist der DDR-Betrieb auch im Besitz des technischen Know-how für einen kleinen Doppel-Glockenwecker, der gut im Geschäft gelegen haben soll. Vom Verband der deutschen Uhrenindustrie wurde am Mittwoch erklärt, dass das Geschäft mit der DDR rechtlich in Ordnung gehe. Aus der Schwarzwälder Uhrenindustrie war jedoch die Befürchtung zu hören, dass die DDR jetzt noch mehr als bisher auf den deutschen Uhrenmarkt dringe.“ 38 „Unter den Tisch gefallen war das Angebot der Villinger Uhrenfirma Fichter KG, die aus der Konkursmasse die Spezialwerke zur Herstellung des Doppel- glocken-Weckers für 10.000 Mark erwerben wollte. Die Firmeninhaberin: ‚Die Nachfrage nach solchen Weckern war wegen des Ausfallens einer ähnlichen Weckerproduktion bei Kaiser und Blessing infolge von Konkursverfahren sprunghaft angestiegen.‘ Die Uhrenfirma sah deshalb in der neuen Wecker-Produktion eine Chance, ihre 214 Arbeitsplätze langfristig zu sichern… Inhaberin Sigrid Ginter: ‚Da frage ich mich wirklich, wozu wir einen Verband haben. Wo doch jeder weiß, dass die DDR zu Dumping-Preisen die Wecker über die großen Kaufhauskonzerne wieder in der Bundesrepublik absetzt.’… Sigrid Ginter: ‚Erst bei den neuesten Verhandlungen mit Quelle wurde wieder hart um die Preise gerungen. Mit dem Doppelglockenwecker wären wir bei Quelle 39 groß ins Geschäft gekommen. Jetzt macht es die DDR… Die DDR… hat… letztes Jahr 805000 fertige Kleinuhren und 872.000 Werke in die Bundesrepublik geliefert. Die Einfuhr von Ruhla-Erzeugnissen ist damit gegenüber 1973 um 52 Prozent gestiegen.“ 40 Im April 1976 verkaufte der Konkursverwalter Prof. Dr. Hellmuth Fischer den größten Teil des Kaiser-Maschinenparks nach Ghana. 41 1978 warteten die ehemaligen Kaiser-Mitarbeiter immer noch auf Ihre ausstehenden Forderungen. Viele der „damaligen 753 Werksangehörigen 42“ fühlten sich alleingelassen mit ihrem Schicksal.

„Viele Ehepaare wurden brotlos. Arbeiter und Angestellte haben in der Mehrzahl 40 und sogar 50 Jahre treu gedient und somit auch zum größten Teil bei Kaiser-Uhren Geld eingebüßt.… Nach drei Jahren bekamen die Arbeitnehmer 25 Prozent von der anerkannten Summe und zwar erst im Oktober vorigen Jahres.“ 43

Erst Mitte 1980 erhielten die Kaiser-Mitarbeiter den Rest ihrer noch ausstehenden Forderungen. Durch die Wartezeit hätten sich diese inflationär bedingt um 25 Prozent verringert, rechnete ein Betroffener aus. Aber die Wartezeit hatte sich „aus einem anderen Grund gelohnt: Seit das Bundesarbeitsgericht am 13. Dezember 1979 Forderungen aus dem Sozialplan als erstrangig eingestuft hat, brauchen sie wenigstens nicht mehr um den vollen Betrag bangen. Professor Fischer rechnet damit, dass alle nach dem Konkurs entstandenen Kosten, alle Schulden und der Sozialplan zu hundert Prozent ausbezahlt werden und nur die nachrangigen Forderungen der Klasse 6 sich mit rund 25 Prozent begnügen müssen.“ 44

Finanziell gelohnt hatte sich der Konkurs auf jeden Fall für den Konkursverwalter Professor Hellmuth Fischer aus Stuttgart, welcher mit 402.000 Mark vergütet wurde, zuzüglich 6,5 Prozent Mehrwertsteuer. Seine Auslagen betrugen weitere 26 000 Mark. 45 Wegen der aktuellen Änderungen des Konkursrechtes konnten Sozialpläne jetzt endlich bevorrechtigt berücksichtigt werden: Dies bedeutete, dass die „langjährigen Kaiser-Arbeiter und -Arbeiterinnen in den nächsten Tagen bis 9000 Mark“ nachträglich erhalten. 46

Wer ist schuld?

Bereits bei der Protestversammlung auf dem Benediktinerplatz am 9. Juli wurde von dem SPD- Landtagsabgeordnetem Adam Berberich die Frage nach den Ursachen und der Schuld am Kaiserkonkurs gestellt. Er „wies auf die Mitbestimmung in den Betrieben hin, die dringender denn je sei“ und stellte die Frage: „Wo ist das Risiko, das die Unternehmer tragen – es wird auf die Arbeiter abgewälzt.“ – Viele hätten 25 bis 30 Jahre in der Firma gearbeitet und müssten nun kurz vor ihrem verdienten Jahresurlaub stempeln gehen.

 

Abb. 9: Demonstration Kaiser-Konkurs.

 

„Die Arbeitnehmer seien die letzten, welche die Hunde beißen“ stellte der IG-Metall-Bevollmächtigte, Erich Mayer, bei der Demonstration fest. Mayer forderte die Zuhörer dazu auf, gemeinsam mit der Gewerkschaft alles zu tun, „um die Grenzen dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu erkennen und zu ändern, wozu es höchste Zeit sei.“ 47

Bereits am 7. Juli 1974, bei einer Funktionärsversammlung im Beethoven-Haus in Schwenningen, erhob der Bevollmächtigte der IG-Metall schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank und die Unternehmerfamilie Kaiser. „Die Deutsche Bank habe jahrelang mit Kaiser-Uhren glänzende Geschäfte gemacht und drehe jetzt, wo es zu Schwierigkeiten gekommen sei, abrupt den Geldhahn zu.“…

„Die Finanzlage der Firma… sei weitaus prekärer als allgemein angenommen. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Kapitaleigner in jüngster Zeit großzügige Vermögensumschichtungen vorgenommen hätten.“ Mayer fordert die Umsetzung des Uhrenprogramms der Landesregierung aus dem Jahr 197248 und Unterstützung durch den Staat für die kleineren Firmen, damit sie die Umstellung auf die Quarzuhr bewältigen können. 49

In einer weiteren Funktionärsversammlung am 17. 8. 1974 in der Tonhalle in Villingen kritisierte Erich Mayer den „unhaltbaren Zustand“, dass bei Kaiser-Uhren nur in zwei der zur Kaiser-Gruppe gehörenden Betrieben ein Betriebsrat eingesetzt sei. Das sei eine grobe Missachtung des Betriebsverfassungsgesetzes von 1952. Was leider auch auf Versäumnisse und Fehleinschätzungen der Betriebsräte bei Kaiser-Uhren hindeute. „Mayer warf dem Betriebsrat (bei Kaiseruhren) vor, weitgehend untätig geblieben zu sein und sich von falsch verstandener Loyalität gegenüber der Arbeitgeberseite leiten gelassen zu haben.“ Die Geschäftsführung von Kaiseruhren habe „die Informationspflicht als unnötig angesehen.“ Bei Kaiser-Uhren hätte ein Aufsichtsrat gebildet werden müssen, „dazu sei es aufgrund der ablehnenden Haltung der Geschäftsleitung nicht gekommen.“

Der ebenfalls anwesende Bezirksleiter der IG- Metall Baden Württembergs, Franz Steinkühler, erklärte, dass die durch das Uhrenprogramm von 1972 in Aussicht gestellten Mittel, die vor allem Unternehmenskooperationen unterstützen sollten, von der Uhrenindustrie nicht angenommen worden seien. Ein solches Unternehmensselbstverständnis, bei dem die einzelnen Unternehmen „um eines scharfen Konkurrenzkampfes willen, der letztlich nur auf Kosten von Arbeitsplätzen ausgetragen werde, auf diese bereitstehenden Mittel“ 50 verzichte, sei für ihn fragwürdig.

In einer Stellungnahme 51 in der Presse widersprach Herbert Zimmermann den Vorwürfen des IG-Metall- Bevollmächtigten. Das Unternehmen habe seiner Informationspflicht genügt, die IG Metall habe seit 1972 Bescheid gewusst. Er, Zimmermann, habe die Bildung eines Aufsichtsrats und eines Wirtschaftsausschusses gewünscht, sehe dies aber nicht als Aufgabe der Geschäftsführung an, weshalb es diese Gremien bei Kaiser-Uhren nicht gab. Am 25. Juni 1974 seien noch Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium in Sachen Kaiser-Uhren geführt worden. Das Ergebnis war negativ, da bei Kaiser-Uhren die Voraussetzungen für eine Liquiditätshilfe nicht gegeben waren. Nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums hätte es sich bei dem Villinger Unternehmen um einen Sanierungsfall gehandelt, für solche Fälle hätte es keine staatlichen Hilfen gegeben. Daraufhin lehnten die Banken die Kredite am 2. 7. ab. Der Vergleichsantrag folgte am 5. 7. der Konkursantrag am 8. 7.

Der Verband der deutschen Uhrenindustrie sah in der Uhrenkrise vor allem eine Kostenkrise, „die von den Faktoren Materialpreiserhöhung, Steigerung der Energiekosten, Hochzinspolitik und vor allem von der Personalkostenentwicklung her- bei geführt worden ist.“ Die Lohnforderung der IGMetall nehme „keine Rücksicht auf das wirtschaftlich Mögliche“. Sie gefährde „damit letztlich die Arbeitsplätze.“ 52 Dass die Industrie „zu wenig Eigenkapital“ habe, sei richtig. Ursache sei: „Wenn die Kosten steigen und die Erträge sinken, muss der Ausfall aus dem Eigenkapital bezahlt werden und bedroht die Liquidität der Firmen.“ Wer eine neue Maschine für 100.000.- DM kaufen möchte, dem nützten schließlich 10% Staatszuschuss wenig, wenn er die restlichen 90.000,-DM wegen der angespannten Liquiditätslage nicht zur Verfügung habe. Deshalb sei die 7,5 prozentige Investitionsprämie des Bundes für mittelständische Betriebe sinnlos. 53

„Ist der Kaiser-Konkurs der Anfang einer Krisenreihe?“ Das fragte sich die Industrie- und Handelskammer. Man war sich einig, dass der Anteil der Löhne an den Gesamtkosten der Uhrenindustrie sinken müsse. Bereits jetzt seien die Löhne in der Schweiz niedriger als in Deutschland. „Zur Frage der Konzentration, der freiwilligen Zusammenschlüsse, wurde festgestellt, dass zwar auf dem Gebiet der Kooperation in der Uhrenindustrie schon viel geschehen sei, dass aber noch zu wenig zusammengearbeitet werde.“ 54 Ein Unternehmer betonte nachdrücklich, „dass die Industrie den Weg der Kooperation selbst finden müsse,… jeglichem staatlichen Eingriff“ wurde „eine klare Absage“ erteilt. 55

Am 17. Juli 1974 fand eine öffentliche politische Versammlung in der Tonhalle vor rund 100 Zuhörern mit Staatssekretär Erwin Teufel statt. Erwin Teufel sah eine wesentliche Ursache der Probleme der Uhrenindustrie darin, „daß die in der Inflation begründeten ‚objektiven Schwierigkeiten‘ die Kraft der Kleinen einfach übersteige und den Mittelstand enorm gefährdeten. Bei Kaiser-Uhren hätten 529 Beschäftigte beim Arbeitsamt Antrag auf Arbeitslosenunterstützung gestellt… Als einziges Rezept aus diesem Dilemma herauszukommen, beschwor der Redner die Bevölkerung, noch einmal wie nach dem Zusammenbruch 1945 die Ärmel hochzukrempeln und mit Fleiß und einer Politik des Augenmaßes die Situation zu meistern.“ 56

Im Oktober 1975 als die Lage durch den Konkurs der Firma Mauthe in Schwenningen noch schwieriger geworden war, äußerte sich Erwin Teufel in einem Leserbrief, dass der Erhalt von Arbeitsplätzen und mittelständischen Existenzen für ihn zur wichtigsten Aufgabe geworden sei. Viele Betriebe seien auf ihn zugekommen mit der Bitte „um Vermittlung einer Liquiditätshilfe, eines Zuschusses aus dem Mittelstandsförderungsprogramm, einer Landesbürgschaft oder eines Kredites der Landeskreditbank… Zahlreichen Betrieben konnte über die Schwierigkeit hinweggeholfen werden. Millionenbeträge sind auf diesem Wege als Kredit… in den Kreis geflossen. Freilich konnte nicht in jedem Einzelfall geholfen werden, weil nicht immer mit einer Sanierung gerechnet werden konnte.“ Nach Bekanntwerden der Probleme bei Kaiser-Uhren habe er sich am 9. Juli 1974 mit Wirtschaftsminister Dr. Eberle in Verbindung gesetzt und um Förderung der Firma Kaiser und der Uhrenindustrie gebeten und nach einem Uhrenprogramm gefragt. 57

Wirtschaftsminister Eberle antwortete darauf, der Vorgänger im Amt habe in einer Presse-Mitteilung vom 7. 4. 1972 ein „sog. Uhrenprogramm“ angekündigt, „bestehend aus einem Analyseteil und einem Maßnahmenkatalog“. Der damalige VDU (Verband der Deutschen Uhrenindustrie)-Vorsitzende und jetzige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Grüner habe die Auffassung vertreten „daß die Veröffentlichung eines Analyse- teils untunlich sei und dahin zielende Überlegungen nicht fortgesetzt werden sollten. Dem habe ich mich angeschlossen (Wirtschaftsminister Eberle). Einer der wesentlichen Gründe hierfür war, daß der Verband Nachteile und eine Erschwerung der Wettbewerbsverhältnisse befürchtete, wenn partielle Schwierigkeiten in der Kleinuhrenindustrie durch Erklärungen des Ministeriums… in die öffentliche Erörterung gerieten. Die Lage der Großuhrenindustrie – und zu ihr gehört auch die Firma Kaiser – wies… demgegenüber kaum spezifische Probleme auf.“ 58

Bewertung

„Wäre die Uhrenfabrik Kaiser zu retten gewesen?“ fragte Manfred Bossert in der Stuttgarter Zeitung am 13. 7. 1974 und antwortete: „Kaiser-Uhren sei das Opfer eines Ausleseprozesses; in der Markt- wirtschaft unterliege nun mal der Schwächere… der größte Hersteller mechanischer Wecker stelle am Tag 25.000 Stück 59 her, Kaiser habe aber mit seiner Serie nur bei 3.000 gelegen.“ 60

Es sei „ein verhängnisvoller Irrtum“ gewesen,

„aus falsch verstandenem Traditionsbewußtsein einem alteingesessenen Familienbetrieb von untadeligem Ruf die Selbständigkeit erhalten zu wollen“, bewertete die Südwest Presse die Situation. 61 Die Mitglieder der Familie Kaiser entsprachen so ganz dem Bild, das man sich in Villingen von einer sozial verantwortungsbewussten Unternehmerfamilie machte. Diese Darstellung wurde erfolgreich in der Presse und bei den jährlichen Weihnachtsfeiern aufrechterhalten. Die Reden der Geschäftsführung gaben den Anschein einer offenen und transparenten Geschäftsführung, man glaubte, dass die Probleme angesprochen würden. Die Uhrenfabrik Kaiser vermittelte ein grundsolides Bild.

Vielleicht hätte man den Weihnachtsreden entnehmen können, dass es nicht zum Besten stand, aber wer wollte eine so schlechte Nachricht schon glauben. Jeder ging davon aus, dass man die Stürme schon irgendwie überstehen würde. Man hatte sie ja bis jetzt immer überstanden. Insoweit war der Konkursantrag der Firma Kaiser-Uhren im 122 Jahr ihrer Geschichte ein Schock. Über 600 gekündigte Arbeitnehmer, das musste erst einmal verarbeitet werden. Der Kaiserkonkurs markierte in Villingen-Schwenningen das Scheitern eines paternalistischen betrieblichen Organisationsmodells.

Schuldige wurden schnell gefunden, je nach politischer Interessenlage. Für die Gewerkschaften waren es die Unternehmer und zu loyale Betriebsräte, sowie eine Rechtslage, die die Rechte der Arbeitnehmer hintanstellte. Durch die Erfahrungen des Strukturellen Wandels wurde das Konkursrecht aus dem Jahr 1877 als Folge der zunehmenden Firmenzusammenbrüche in der Bundesrepublik schließlich geändert.

Die Konfliktparteien nutzten die missliche Lage der Industriearbeiter für den politischen Tageskampf. Die Schwenninger Gewerkschaftsfunktionäre versicherten, zumindest mit einem stärkeren Betriebsrat und einem höheren Organisationsgrad 62 in der Villinger Metallindustrie hätten sie die Lage für die Arbeitnehmer besser gestalten können.

Die Industrie und ihre Vertreter sahen die Schuld bei den Gewerkschaften, die immer höhere Löhne durchgesetzt und damit die Liquiditätsprobleme überhaupt erst ausgelöst hätten.

Der Verband der deutschen Uhrenindustrie versuchte die Misere möglichst lange klein zu halten. Transparenz war nachgerade geschäftsschädigend. Eine offene Analyse der Situation, wie sie von den Gewerkschaften gefordert wurde, konnte aus dieser Sicht eigentlich nur das Vertrauen in die deutschen Unternehmer untergraben.

Manche gaben die Schuld auch der Politik, die mit den DM-Aufwertungen der deutschen Export- industrie geschadet oder aber den notleidenden Firmen zu wenig (finanzielle) Hilfe gewährt hätte. Für die betroffenen Arbeitnehmer, die erst einmal keine berufliche Zukunft mehr hatten, war die Lage völlig unverständlich. Sie mussten sogar noch um ihre Betriebsrenten fürchten. Für diese Gruppe ging es am Schluss nur noch darum, dass bei Konkursende noch genug finanzielle Mittel für sie da waren.

Und der Stadt Villingen-Schwenningen wurde von den betroffenen Arbeitern vorgeworfen, sie hätte eine schnellere und damit für alle günstigere Lösung verhindert, weil sie dem ersten Verkaufsvorschlag des Konkursverwalters für das Kaisergelände nicht zugestimmt hatte. 63

Für alle Beteiligten waren diese Erfahrungen, dass das Wachstum ein Ende hatte, eine völlig neue Erfahrung, die man einfach nicht glauben wollte und die die Akteure zuerst einmal hilflos zurückließ, obwohl seit Mitte der 60er Jahre die Experten vor einer solchen Entwicklung warnten, Untersuchungen angestellt wurden, unter welchen Bedingungen die Uhrenindustrie noch eine Chance hätte unter Berücksichtigung des Wettbewerbs auf dem Weltmarkt. Rezepte gab es viele, teilweise wurden sie auch aufgegriffen, sehr oft zu spät, wie im Fall Kaiser-Uhren.

Verweise

1 Werner Schmid, Lexikon der deutschen Uhrenindustrie 1850 bis 1980. Bd.2 Nürnberg 2012. S. 471. 150 Mitarbeiter konnten im Rahmen des Verfahrens weiterbeschäftigt werden. Am 17.05.1975 wurde die Produktion endgültig eingestellt.

2 a.a.O. S. 471. „Josef Kaiser (*07. 03. 1875, + 01. 10. 1940) wurde in Lenzkirch geboren und hatte bei der Firma Lenzkirch gründliche Kenntnisse in der Uhrenfertigung erworben. Danach war er in verschiedenen weiteren Uhrenfirmen tätig und kam 1914 zur Uhrenfabrik Villingen.“

3 a.a.O.

4 Stadtarchiv Villingen-Schwenningen (SAVS) 4.9-70 Angaben zum Tod von Franz Kaiser.

5 IG Metall Geschäftsbericht 1972-1973-1974. Verwaltungsstelle Villingen-Schwenningen. S. 26

6 SAVS 4.9-70 ohne weitere Angaben.

7 SAVS 4.9-70 ohne weitere Angaben.

8 SAVS 4.9-70

9 SAVS 1.16-1998, Schwarzwälder Bote (Schwabo) 12.9.66

10 SAVS 1.16-1998 . Badische Zeitung (BZ) 17,/18,12.1966 Auch der Chef hat Jubiläum, Südkurier (SK) 25.2.1967 Oskar Kaiser 60 Jahre.

11 SAVS 1.16-1998 Schwabo 28.2.1972

12 SAVS 1.16-1998, Kaiser-Uhren Schwabo 20.12.1966 Bilder, Blumen, Urkunden und Treue zum Betrieb

13 SAVS 1.16-1998 Südkurier (SK) 21.12.1966 Der Preiskampf auf dem Uhrenmarkt wird sich noch verschärfen.

14 SAVS1.16-1998, Schwabo27.12.1967ElektrischeUhrenbestimmen den Weg der Zukunft. Siehe auch Südkurier 27. 12. 1967 Die „Josef-Kaiser-Gefolgschaftshilfe“ mit jetzt 1,3 Millionen DM Kapital, habe 1966 40.000 DM an Unterstützung ausgezahlt worden, 1967 waren es 50.000 DM, an sozialen Leistung im Betrieb wurden 300.000 DM bereitgestellt. BZ 27. 12. 1967 In der BZ stand: Jetzt 1,3 Millionen für Kaiser-Rentner. Franz Kaiser unterstrich die Bedeutung der Rationalisierung im Betrieb. Deshalb habe Kaiser-Uhren auch 1967 mehr investiert als im Vorjahr.“ Es gab Zuschüsse für Ferienaufenthalte, für den Mittagstisch, die Notstandsunterstützung und die Gratifikationen.

15 SAVS1.16-1998.SK20. 12. 1968Kaiser-Werkeschauenoptimistisch indieZukunft.Fernsehgeräte-Produktionum30Prozentgesteigert– Exportanteil erhöht.

16 Vermutlich war mit „Interessenpolitik“ die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen durch die Gewerkschaften gemeint.

17 SAVS 1.16-1998. Südkurier 23.12.1968 Der Uhrenexport wurde durch neue modische Modelle beeinflusst.

18 SAVS 1.16-1998 SK 23. 12. 1968 Der Uhrenexport wurde durch neue modische Modelle beeinflusst. Bei der Jubilarehrung der Firma Kaiser-Uhren sprach Rudolf Kaiser über das vergangene Jahr. Für freiwillige Sozialaufwendungen und Weihnachtsgratifikationen wurden 300.000 DM aufgewendet. „Aus der, Josef-Kaiser-Gefolgschaftshilfe‘ wurden 60.000 DM an Unterstützungen gezahlt. In diesen Summen sind 30 Prozent Urlaubsvergütungen (140.000 DM) nicht enthalten.“

19 a.a.O. „Vor allem die Personalkosten laufen den Uhrenpreisen weit voraus“.

20 a.a.O. Schwabo 23.12.1969 Überaus guter Umsatz gewährleistet die Beschäftigung. Gute Prognose von Fabrikant Kaiser für das neue Jahr./ Nur Exportsteuer bereitet Schwierigkeiten/ Jubilarehrung in der Tonhalle.

21 SAVS 1.16-1998. Schwabo 21.12.70. Oskar Kaiser sieht für die Uhren-Branche ‚schwarz‘ Durch Rezession und Unruhen Absatzschwierigkeiten in Exportländer / Weiterhin Vollbeschäftigung gewährleistet.

22 SAVS 1.16-1998. Schwabo 21. 12. 70

23 SAVS 1.16-1998. Schwabo 21. 12. 1970

24 SAVS 1.16-1998. BZ 27. 12. 1971 Mit den Uhren konkurrenzfähig bleiben.

25 SAVS 1.16-1998. 7652 Kaiser-Uhren, Südkurier 18. 12. 1973

26 SAVS 1.16-1998.SK 11.7.1974. Gestern Vergleichsantrag gestellt – Hilft die Hausbank aus den Zahlungsschwierigkeiten- Beleg- schaft bangt um Arbeitsplätze. Schwabo v. 10. 7. 1974

27 SAVS 1.16-1998. SK 6. 7. 1974 Uhrenfabrik Kaiser GmbH hofft auf Rettung. Das Amtsgericht Villingen wies den Vergleichsantrag zurück „Das Gericht fordert genauere Unterlagen über den Finanzstatus, über die vorgeschlagene Vergleichsquote und deren Sicherung. SK 6 .7. 1974 Kaiser-Uhren in Zahlungsschwierigkeiten. Das Werk in Kenzingen, „ein eng mit dem Villinger Stammhaus verflochtener Montagebetrieb mit seinen 120 Betriebsangehörigen (ist) unmittelbar mitbedroht, wenn ein Konkurs nicht abgewendet werden kann.“

28 SAVS 1.16-1998. Schwabo 9. 7. 1974 Konkurs bei Kaiser- Uhren. Kein Vergleich/ Junilohn wird gezahlt / kein Urlaubsgeld. „Am Kapital der Uhrenfabrik Villingen sind die beiden anderen Geschäftsführer Oskar und Rudolf Kaiser und die Erben- gemeinschaft Franz Kaiser mit je einem Drittel beteiligt.“ Südwest-Presse (SWP) 9. 7. 1974 Uhren-Kaiser stellt Konkurs- antrag“Die Firmenleitunghatdenvom Betriebsratausgearbeiteten Sozialplan übernommen, der für die 720 Beschäftigten im Werk Villingen und im Zweigwerk Kenzingen bei Freiburg Abfindungssummen in Höhe von 500 bis 9.000 DM, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit, vorsieht. Die Löhne für den Monat Juni sind gesichert.“ Die Firma. sei ein Opfer der Konjunkturlage trotz Auftragsbeständen von fast neun Millionen Mark. Stuttgarter Zeitung 6. 7. 1974. Uhrenfabrik Kaiser im Vergleich. Sanierungskurs führte nicht schnell genug in die Gewinnzone. (Kaiser stellt überwiegend mechanische Wecker her.)

29 Als einer der größten Abnehmerinnen von Kaiser-Batteriewerken muß die BADUF jetzt zur Kurzarbeit übergehen

30 SAVS 1.16-1998. SK v. 9. 7. 1974 Keine Rettung für Kaiser- Uhren: Konkurs angemeldet.

31 SAVS 4.9 / 1114 Kaiser/ 11.12.1980 ohne Autor: So Lief der Kaiser-Konkurs ab. Nach 7 Jahren: Akte geschlossen.“ an jedem Tag werden an die 2.500 Uhren hergestellt. Durch diese Maßnahme können rund 2,1 Millionen Mark erwirtschaftet werden, die der Konkursmasse zugeführt werden.… Schließlich erwarb die Villinger Baufirma Seemann das Gelände für vier Millionen Mark. In das Gebäude wird nach einem grundlegenden Umbau im nächsten Jahr das Finanzamt einziehen.“

32 SK 9.7.1974

33 SAVS 1.16-1998. Schwabo 10. 7. 1974. Gestern Nachmittag auf dem Benediktinerplatz: 2.000 protestierten gegen verlorene Arbeitsplätze

34 SAVS 1.16-1998. SK 11. 7. 1974. Mit der Lohntüte kam der blaue Brief. Allen Betriebsangehörigen gekündigt – Konkursverwalter kommt aus Stuttgart -Gläubigerversammlung am 13. August. Am 10. 7. um 11.30 wurde das Konkursverfahren eröffnet. Konkursverwalter ist Hellmuth Fischer aus Stuttgart. Alle Betriebsangehörigen erhielten am 10. Juli ihre Kündigung. Anmeldungstermin für die Konkursforderungen ist der 10. 10. 74. 17 Mill. Verbindlichkeiten stehen 14 Millionen Aktiva Vermögen gegenüber. 13.8. Gläubigerversammlung im Theater am Ring. 8. 11. Prüfung der Forderungen im Amtsgericht. Juni- löhne werden ausgezahlt. Urlaubsgeld muß angemeldet werden.

35 Dr. Zimmermann

36 SAVS 4.9- 1114 Kaiseruhren. Vorlage zur Gläubiger-Versammlung v. 13. 8. 1974.

37 SAVS1.16-1998.SK 8.1.1975AmerikanischerKonzerninteressiert sich für Kaiser-Uhren. Schwabo 8. 1. 1975 Kauft der Onkel aus Amerika Kaiser-Uhren. BZ v. 15. 5. 1975 Muß Kaiser-Uhren nach und nach verkauft werden? Der Interessent war General Time, die drittgrößte Uhrenfabrik Amerikas nach Timex und Bulova. Die Verhandlungen seien offensichtlich gescheitert.

38 SAVS 4.9-1114 Ohne Angaben, vermutlich Oktober 1974. DDR kauft Produktionsanlage aus der Kaiser-Konkursmasse. SWP

29. 10. 1975 DDR war schneller „Allein im vergangenen Jahr steigerte Ruhla-Uhren seine Einfuhr in die Bundesrepublik um 52 Prozent.“

39 Versandhaus Quelle

40 SAVS 4.9-1114. SWP 29. 10. 1975 Dieter Frauenheim: Keiner bot so viel wie VEB Ruhla und prompt war Verkaufsrenner weg. Wecker-Modell wird künftig in der DDR produziert – Schwarzwälder Uhrenfirma hatte mit 10.000-Mark-Angebot gegen Halbe-Million-Offerte das Nachsehen „Die DDR hatte für das gesamte Kaiser-Paket eine halbe Million Mark angeboten und lag damit einsam an der Spitze.“ (gleicher Artikel am 30. 10. 1975 in den Stuttgarter Nachrichten).

41 SAVS 4.9-1114. SWP 27. 4. 1976 Interessent für Werksgelände von Kaiser-Uhren und Mauthe. „Der Konkursverwalter von Kaiser-Uhren, Professor Hellmuth Fischer verkaufte den größten Teil des Kaiser-Maschinenparks nach Ghana. Dort soll unter dem Namen‚ Kaiser-Uhren made in Ghana‘ der renommierte Name der Schwarzwälder Uhrenfirma,… die Produktion wieder aufgenommen werden…. Für die Gläubiger von Kaiser-Uhren sagte der Konkursverwalter… bei noch bestehenden Verbindlichkeiten von elf Millionen DM eine Quote von 50 Prozent voraus.“

42 Diese Zahl bezieht sich vermutlich auf die beiden Villinger Betriebe der Kaisergruppe.

43 SAVS 4.9-1114. Schwabo 18. 3. 1978 Leserbrief Albert Glunz: Um Kaiser-Konkurs ist es still geworden. „Als Gläubiger und Arbeitnehmer mit 37 Jahren Zugehörigkeit und zwei Jahre Angestellter beim Konkursverwalter in der Abwicklung tätig, muss ich heute sagen: Wäre nur die ganze Fabrik damals an die DDR gegangen, dann hätten die Leute wahrscheinlich mehr Geld aus der Konkursmasse bekommen, wie das heute leider der Fall ist…. Und jeden Monat wird das noch jetzt bestehende Vermögen von dem Konkursverwalter und seinem kleinen Mitarbeiterstab monatlich reduziert… Diese Veröffentlichung schreibe ich im Namen vieler Arbeitskollegen, die mich immer wieder fragen, warum sie denn kein Geld bekommen. Damit sind leider auch die alten verdienten Rentner gemeint.“

44 SAVS 4.9-1114. SWP 25. 2. 1980 Mitte 1980 Ende des Kaiser-Konkurses? Sozialplan-Berechtigte haben jetzt 75 Prozent bekommen. 100 Prozent sind sicher. „Mit einer Wartezeit von sechs Jahren haben dann die Kaiser-Mitarbeiter ohnehin lange genug auf ihr Geld warten müssen. ‚Von den ausgehandelten Summen haben wir ohnehin 25 Prozent Verlust‘, hat einer von ihnen ausgerechnet, denn beispielsweise 9.000 DM von 1974 sind heute eben nur noch 6.750 DM wert.“

45 SAVS 4.9-1114. Schwabo 2. 12. 1980 Die Höhe des Entgeltes für Konkursverwalter richtet sich nach der Vergütungsordnung für Konkursverwalter und wird vom Gericht festgesetzt.“

46 SAVS 4.9-1114. Schwabo 2. 12. 1980 Konkursverwalter schlägt Kaiserkapitel zu. Restzahlungen für die 640 Mitarbeiter noch vor Weihnachten.

47 SAVS 1.16-1998 Schwabo 10. 7. 1974

48 Von 1966 bis 1972 gab es eine CDU/SPD-Koalition in Baden- Württemberg. Von 1972 bis 1992 regierte die CDU allein. Das Uhrenprogrammwarnochunterdergroßen Koalitionbeschlossen worden.

49 Schwabo 8. 7. 1974 IG Metall durchleuchtet Vorgänge bei Kaiser- Uhren: „Fünf Minuten vor zwölf für deutsche Uhrenindustrie. „Dabei beurteilt Erich Mayer die Chancen der Uhrenindustrie als ausgezeichnet. Bis in die achtziger Jahre hinein sagt er dieser Branche Wachstumsraten voraus, die sich mit denen der Elektro- Industrie messen könnten. Die Entwicklungsländer und auch die Ostblockländer bedeuteten eine riesige Marktlücke. In zehn Jahren könne die Uhrenindustrie, weltweit gesehen, ihren Absatz verdoppeln. Schon die Vergangenheit habe bewiesen, allerdings von Ausnahmen abgesehen…. Dass die Uhrenindustrie eine krisenfeste Branche sei und bei steigendem Absatz nur sehr geringen Konjunkturschwankungen ausgesetzt sei.“ Leider erfüllten sich diese Hoffnungen nicht.

50 SAVS 1.16-1998. SK v. 17. 8. 1974 „Zwischen Verfassungsrecht und Wirklichkeit klaffen Welten.“ BZ 17. 8. 1974 IG Metall schildert den Konkurs aus ihrer Sicht. Schwabo 17. 8. 1974 IG Metall: „Wo sind 4,5 Millionen Mark vom Stammkapital der Firma Kaiser-Uhren geblieben?“. Ebenso Stgt Zeitung 19. 8. 1974 Gewerkschaftskritik am Kaiser-Konkurs. Steinkühler fragt Verwaltung der Uhrenfirma nach Verbleib des Stammkapitals.

51 SAVS 1.16-1998. Schwabo 21. 8. 1974. Kaiser-Uhren: Konkurs wegen Zahlungsunfähigkeit. Dr. Herbert Zimmermann nimmt zu Vorwürfen der IG Metall Stellung / Halbwahrheiten in Sachen Kaiser-Uhren‘

52 SAVS 4.9-866 Die Welt 7. 1. 1975 Walter H. Rueb, Uhrenindustrie im Schwarzwald: Schwindender Absatz, wenig Kapital, Arbeitslose und Kurzarbeiter. Die Zeiger stehen auf fünf vor zwölf. VDU-Verbandsvertreter Wahl, v. 24. 1. 1975 Der VDU nimmt Stellung zu dem Artikel in der Welt.

53 a.a.O.

54 SAVS 1.16-1998. Schwabo vom 21. 8. 1974

55 SAVS 1.16-1998. Schwabo 12. 7. 1974

56 SAVS 1.16-1998. SK 19. 7. 1974 Staatssekretär Erwin Teufel: Schwierigkeiten der Inflation geht über die Kraft der Kleinen.

57 SAVS 1.16-1998.SWP v. 9. 10. 1975 Erwin Teufel: Von Anfang aneingesetzt. Zur Äußerungder SPDin Villingen-Schwenningen.– Leserbrief.

58 SAVS 1.16-1998 Schwabo 21. 8. 1974 Wirtschaftsminister nimmt Stellung. Brief an Teufel. Antwort auf Teufels Schreiben vom 9. Juli. Siehe auch SAVS 4.9-865Stuttgarter Nachrichten v. 16. 9. 1974 Brigitte Möck: Kaiser –Konkurs gab einem alten Thema neue Nahrung: Gehen die bundesdeutschen Uhren falsch? Verband: keine branchenspezifische Krise – Programm der Landeregierung realitätsfern – technisch auf der Höhe. Die Uhrenkrise beschäftigt den Stuttgarter Kongress für Chronometrie. „Die Landesregierung hat aber schon vor zwei Jahren auf die Schwierigkeiten den Branche reagiert, eine Analyse erarbeitet und einen Uhrenplan vorgelegt. In der Analyse wurde festge stellt, dass die Zuwachsraten in der Uhrenindustrie weit unter denen der Gesamtindustrie lagen… Im gesamten Uhrenexport betrug die Zuwachsrate von 1960 bis 1970 nur 82 Prozent gegen über 188 Prozent im Durchschnitt der baden-württembergischen Gesamtindustrie. Die Investitionen gingen sogar zurück, von 30 Mill. DM in 1962 auf 30,3 Mill. DM in 1969.“ – Landesmittel für kooperationsfördernde Investitionen würden nicht genutzt. „Auf diese von der Industrie nicht genutzten Angebote der Landesregierung bezogen sich auch die Vorwürfe der IG-Metall nach der Schließung von Kaiser-Uhren. Das Wirtschaftsministerium in Stuttgart bestätigte, dass bisher kein Antrag auf einzelbetriebliche Förderungseitens der doch offensichtlich notleiden den Unternehmen eingegangen sei. Doch der Verbandder Deutschen Uhrenindustrie konterte:… Tatsache sei, dass die gesamte Uhrenbranche nicht von einer Absatz-, sondern von einer Kostenkrise geschüttelt werde… Notwendig seien billige Kredite, um Liquiditätsschwierigkeiten zu beheben, die bei der geringen Eigenkapitaldecke der Betriebe immer drohender würden.“

59 Vermutlich die Uhrenfabrik Senden (Europa-Uhren)

60 IGMetall Geschäftsbericht 1972, 1973, 1974. Verwaltungsstelle Villingen-Schwenningen

61 IGMetall Geschäftsbericht 1972, 1973, 1974. Verwaltungsstelle Villingen-Schwenningen, SWP 10. 7. 1974 Selbstbewußtsein allein nützt nichts.

62 a.a.O. 1973 hatte die Fa. Kaiser-Uhren bei 630 (geschätzt) Mitarbeitern 243 organisierte (S.57), die Fa Mauthe bei 428 Mitarbeitern 385 organisierte IGMetall-Mitglieder (S. 60).

63 SAVS 1.16-1998. Schreiben Albert Glunk v. 8. 4. 1978 an die großeKreisstadtVillingen-Schwenningen.SAVS4.9 / 1114Kaiser/11. 12. 1980 Der Konkursverwalter wollte zuerst an eine Handelskette verkaufen, was die Stadt ablehnte. „Schließlich erwarb die Villinger Baufirma Seemann das Gelände für vier Millionen Mark. In das Gebäude wird nach einem grundlegenden Umbau im nächsten Jahr das Finanzamt einziehen.“