150. Orgelmusik zur Marktzeit im Februar 2015 (Ulrich Kolberg)

Jubiläum an der rekonstruierten Villinger Silbermann-Orgel

Abb. 1: Johann-Andreas-Silbermann-Orgel von 1752.

 

Wenn man heutzutage als Bewohner von Villingen oder Besucher der Stadt an einem Samstagvormittag in die Benediktinerkirche kommt, kann man sich vielleicht an einer „Orgelmusik zur Marktzeit“ erfreuen. Das war nicht immer so.

Im Rahmen der Festwoche anlässlich der Weihe der rekonstruierten Villinger Johann-Andreas- Silbermann-Orgel von 1752 im September 2002 hatte der damalige Münsterkantor Christian Schmitt die Idee, an einem Samstag eine – wie er es nannte – „Orgelmusik zur Marktzeit“ zu spielen. Es sollte auch den Besuchern des Wochenmarktes auf dem Münsterplatz zu einer günstigen Tageszeit Gelegenheit gegeben werden, sich das herrliche Instrument nicht nur anzusehen, sondern vor allen Dingen auch anzuhören.

Diese „Orgelmusik zur Marktzeit“ war also eigentlich nur als ein „Versuch“ oder „einmalige Sache“ gedacht. Aber das Echo bei Freunden der Benediktinerkirche und Musik-Liebhabern – nicht nur in Villingen, sondern in der ganzen Region – auf die frühzeitig publizierte Ankündigung einer solchen „Orgelmusik zur Marktzeit“ war so überraschend und überwältigend positiv, dass sich daraus schließlich eine „kleine Konzertreihe“ entwickelte mit einem monatlichen Termin, und zwar stets am 2. Samstag, jeweils von 11 bis 11 Uhr 30. So konnten und können sich Besucher des Marktes sowie der Villinger Innenstadt und natürlich auch andere Interessierte 12 mal im Jahr für eine halbe Stunde schöner Orgelmusik und dem herrlichen Klang dieses Instrumentes hingeben sowie den berühmten „silbermannschen Effect“ – einer genialen Synthese aus einem Maximum an Klangvolumen und Klangvielfalt gepaart mit einer optimalen Klanggestaltung weder durch forcierte noch gedrosselte Intonation – genießen und in angenehmer Art ein wenig vom Tagesgeschehen verschnaufen. Sie kommen z. T. mit ihren Taschen und Körben in die Kirche, die gefüllt sind mit Obst, Gemüse und was man vielleicht sonst noch auf dem Wochenmarkt rund um das Villinger Münster eingekauft hat.

Wochentag und Zeitpunkt sowie Dauer des kleinen Konzertes haben sich als ideal herausgestellt, so dass jährlich inzwischen über 2.000 Personen als Zuhörer begrüßt werden können, je nach Witterung und Jahreszeit. Die „Orgelmusik zur Marktzeit“ ist zu einem wahrhaft kulturellen Highlight in Villingen und der Region geworden. Viele Orgelspieler sind natürlich nicht nur neu- gierig, sondern geradezu begierig darauf – trotz hin und wieder weiter sowie anstrengender Anreise – auf der rekonstruierten Villinger Silbermann- Orgel zu spielen. Das liegt vor allem auch daran, dass dieses Instrument wie das untergegangene Original „aus einem Guss“, wie die Fachleute sagen, gefertigt wurde, nach und mit den handwerklichen Methoden des 18. Jahrhunderts, so wie es Johann Andreas Silbermann in seinen Tagebüchern aufgezeichnet und beschrieben hat, in denen gerade die Villinger Orgel besonders gut und ausführlich dokumentiert wurde.

Bei der Auswahl der zu spielenden Musik-Stücke muss man natürlich berücksichtigen, dass wir es hier mit einer Orgel aus der Barockzeit ‚französich – elsässischen Typus‘ zu tun haben.

Es kann auch angemerkt werden, dass schon das Original der rekonstruierten Orgel, also das Instrument von 1752 – es war dies die erste von Johann Andreas Silbermann auf dem rechten Rheinufer errichtete Orgel – die Menschen durch ihren Klang begeistert hat, wie den Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert entnommen werden kann. Sie stellte einen Markstein nicht nur in der Orgelgeschichte der Stadt Villingen, sondern des ganzen Oberrheingebietes dar. Denn mit ihm drang der französische Orgelbau in eine Landschaft ein, die bis dahin geprägt war von süddeutschen Prinzipien. Villingen wurde damit zu einer Schnittstelle zwischen der französisch bzw. französisch-elsässisch geprägten Orgelbautradition links des Rheins und dem süddeutschen Orgelbau auf der echten Rheinseite. Nach der Fertigstellung des Villinger Instrumentes erhielt Silbermann allein 11 Anschlussaufträge im damals badischen Gebiet.

Der Klangreichtum der Villinger Orgel wird zudem ergänzt durch die exzellente Akustik der Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters, das ursprünglich in St. Georgen ansässig war, aber im 16. Jahrhundert nach Villingen umgesiedelt wurde.

Bemerkenswert ist auch, dass das Villinger Instrument die erste und bisher einzige Total-Rekonstruktion einer Silbermann-Orgel überhaupt ist.

Anfang kommenden Jahres wird man nun zu einem Jubiläum einladen können, wenn nämlich im Februar 2015 die „150. Orgelmusik zur Markt- zeit“ gespielt wird. Wegen des Fasnet-Wochenendes am betreffenden 2. Samstag des Monats wird sie allerdings eine Woche früher, also am 07. Februar, stattfinden. Villingen sowie die ganze Region mit vielen Musikfreunden wird sich über diese Jubiläums-Orgelmusik freuen können.

Der Gedanke, eine „Orgelmusik zur Marktzeit“ anzubieten, hat inzwischen übrigens auch an anderen Orten Nachahmung gefunden.