„Die Worth Gottes loben steht der Statt Villingen gezümlich” (Konrad Flöß)

 

300 Jahre Villinger Votivtafel in der Triberger Wallfahrtskirche „Maria in der Tanne“

Abb. 1: Tafelbild mit Tafel und 6 Kanonenkugeln darunter.

 

Am 1. Juli 1704, im Spanischen Erbfolgekrieg, überschritt der französische Marschall Tallard den Rhein bei Kehl und rückte mit etwa 29.000 Mann über Waldkirch durch das Prechtal nach Hornberg. Sein Ziel war zunächst die Hochebene von Hardt zwischen Rottweil und Villingen, dann wollte er über Tübingen und Urach nach Ulm ziehen, um sich mit den Bayern zu vereinigen. Er hatte dabei die Absicht, Villingen zu erobern und in der Stadt ein Hauptdepot für die weiteren militärischen Operationen zu schaffen.

Schon seit mehreren Tagen war die Stadt von französischen Truppen umschwärmt, und am 16. Juli begann die Belagerung. Laufgräben wurden ausgeworfen und die Stadt beschossen. Schon waren Breschen gelegt und die Villinger erwarteten den Sturm– da zog am 22. Juli der Feind ab. Tallard sah sich in seiner Hoffnung, die kleine Stadt in zwei Tagen zu erobern, getäuscht und die sechstägige Belagerung hatte ihn in seiner Hauptaufgabe, dem schnellen Vormarsch nach Bayern, aufgehalten.

 

Abb. 2: Detail Tafelbild: Die belagerte Stadt.

 

Zudem musste der französische Marschall fürchten, von Prinz Eugen, der bereits am 22. Juli von Rastatt über Horb in Vöhringen (Oberamt Rottweil) anlangte, abgeschnitten zu werden.

In der Not dieser Belagerung gelobte die Stadt Villingen eine Votivtafel in die Wallfahrtskirche „Maria in der Tanne“ nach Triberg zu stiften, was die Villinger nach dem Friedenschluss von Rastatt im Frühjahr 1714 dann auch umsetzten. Der Villinger Stadtrat beschloss am 8. Oktober 1714, ein imposantes Dankgemälde für die Wallfahrtskirche anfertigen zu lassen nach der Vorlage des Malers Johann Georg Glückher aus Rottweil. Das große Votivbild (Abb. 1) wurde am 21. November 1715 von den Villinger „Statt-Häuptern“ nach Triberg verbracht und in der dortigen Wallfahrtskirche ein Hochamt zelebriert.

An dieser Stelle soll zunächst die Geschichte des Votivbildes aufgezeigt werden. Dr. Ernst Batzer veröffentlichte 1914 in der Zeitschrift „Die Ortenau“, die Zeitschrift des historischen Vereins für Mittelbaden, den nachfolgenden Artikel über die Votivtafel:

„Für das Bild erhielt Georg Glückher 300 Fl (Anm: = Gulden). Es ist 4 m hoch und über 3 m breit und stellt in seiner Hauptfigur Villinga in den Stadtfarben blau und weiß dar. In langem Faltenkleid kniet sie vor der Himmelskönigin, die mit der rechten Hand ihren Mantel zum Schutze über sie ausbreitet. Ein Engel steht im Begriff, der schon gekrönten Villinga (die Stadt hatte schon eine dreimalige Belagerung 1633 und 1634 im Dreißigjährigen Krieg abgeschlagen) einen zweiten Lorbeerkranz aufzusetzen. Über diese Gruppe erscheint die Dreifaltigkeit: Gottvater mit der Weltkugeln, in der Mitte der Heilige Geist mit der Taube, dann der Erlöser. Mit der linken wehrt dieser den Blitzen, die die Stadt in Schutt und Asche legen sollen und deren untere Ausläufer zu Lorbeerblättern werden. Ein Engel unterstützt ihn. Zwei andere schwebende Engel tragen das Wappen der Stadt: Adler mit Pfauenschweif. Unten liegt die belagerte Stadt; vor ihr erblickt man den Marschall Tallard; er kommt aus dem Haubenloch heraus und reitet an der Spitze seines Stabes. Die Franzosen nähern sich der Stadt, deren deutliches Bild durch Schlachtenrauch verhüllt ist. Die Abbildung Villingens (Abb. 2) ist von 1715, nicht von 1704. Links befindet sich die Weihinschrift. Sie lautet: Deo Patri,/ Jesu filio, / spiritui sancto / conservanti,/ Mariae matri/ interpellanti/ Villinga grata,/ quia conservata / haeC Dona obtVLIt/ In anatheMa / ob LIVI onis (Zu Deutsch: Gott dem Vater, Jesu dem Sohn, dem Heiligen Geist, Maria der fürsprechenden Mutter hat das dankbare, weil glücklich gerettete Villingen dieses Geschenk dargebracht als Gabe gegen die Vergessenheit).

Im Herbst 1715 war das Bild vollendet und wurde im Münster zu Villingen von Sonntag, den 17. November, 4 Tage lang ausgestellt. Dann wurde die Votivtafel der Wallfahrtskirche Mariä zu Triberg „auf Mariä Opferung Tag (21. November) durch eine herrliche Abordnung dero gesambten Stattäuptern und übrigen Deputierten abgerichtet und deß Herren Prälaten Michael zu St. Georgen Hochwürden und Gnaden u. das Hoch-Ambt, die Lob- und Ehrenpredigt aber dasiger (Villingen) Herr Statt-Pfarrer Johann Jacob Riegger, der Heil. Schrift Candidus und jetziger Capitulus-Cammerer ec., bey dieser prächtigen Solemnität und einer sehr zahlreichen Volks- Mänge gehalten.“ Unter das Bild wurden sechs Kanonenkugeln von der Belagerung Villingens gehängt.

Mit der Zeit wurde das Gemälde schadhaft und auf Bitten des Dekans Beck in Triberg ließ es der Stadtrat von Villingen auf Kosten der Stadt im Jahr 1881 wiederherstellen. Die Restaurierung wurde dem Maler Leiber aus Villingen übertragen, der auch eine Kopie für die städtischen Sammlungen in Villingen herstellte. Schreiner Glatz in Villingen verfertigte den neuen Rahmen. Gelegentlich der Restauration der Wallfahrtskirche wurde das Bild in jüngster Zeit von dem Stuttgarter Künstler Haaga wieder aufgefrischt.“

Soweit zur Geschichte und Interpretation der Villinger Votivtafel nach E. Batzer.

Weniger bekannt ist der mit dem Transport ver- bundene Zwischenfall über den Wilhelm Maier in der „Geschichte der Stadt Triberg“ berichtet:

„Die Belagerung war aufgehoben worden, und also spendeten die Villinger 400 Gulden zu einem großen Tafelbild. Diese Tafel wurde von den Stadtvätern von Villingen und anderen Deputierten barfuss auf den Schultern nach Triberg getragen. Viel Volk begleitete diese denkwürdige Prozession. Als man mit dem Bild bei der Wallfahrtskirche ankam, war es zu groß, so dass es nicht durch die Tür gebracht werden konnte. Man zog daher einen Graben an der Türe und trug es senkrecht der Länge nach in die Kirche. Danach wurde ein feierliches Hochamtgehalten, welches der Prälat Michael von St. Georgen zu Villingen (Anm: Michael Glückher von Rottweil/ Abt. 1690 – 1733 – Bruder des Malers Glückher) zelebrierte. Die Festpredigt hielt der Kapitelskammerer, Stadtpfarrer Johann Jakob Riegger von Villingen“.

Soweit die Ausführungen des Wilhelm Maier.

Die Wallfahrtkirche Triberg „Maria in der Tanne“ (1699 – 1705) (Abb. 3) erfreute sich bei den Wallfahrern in der damaligen Zeit großer Beliebtheit. Es war also naheliegend, dass der Rat der Stadt Villingen gerade diese Gnadenstätte für das Votivbild wählte, umso mehr, da die barocken Altäre und die Kanzel für die Wallfahrtskirche in der Werkstatt des Joseph Anton Schupp zu Villingen geschaffen wurden.

 

Abb. 3: Die Wallfahrtskirche „Maria in der Tanne“ zu Triberg.

 

Wie allgemein bekannt ist, wurde ebenfalls während der Belagerung 1704 durch Marschall Tallard auf Anregung vom Münsterpfarrer Johann Jakob Riegger durch den Rat der Stadt Villingen das Gelübde ausgesprochen, außerhalb der Mauern eine Lorettokappelle zu errichten. Lambert Hermle, unser Vereinsmitglied, hat das historische Datum vom 21. November 1715 in Erinnerung gebracht. Aus Anlass dieses 300-jährigen Jubiläums sind wir alle eingeladen, von Villingen aus eine Fußwallfahrt zum Votivbild nach Triberg zu unternehmen. Der Verfasser wird 2015 über Termin und Ablauf informieren.

Literaturnachweis

Dr. Ernst Batzer, Die Ortenau, 1914 Triberg Heimatblättern/ Jahresheft 8, 2004

Klaus Nagel, 2014

Abbildungen

Abb. 1 und 2 stammen von Thomas Herzog-Singer (Foto-Singer, Villingen)

Abb. 3 Foto von Kurt Gramer aus Bietigheim-Bissingen