Jahresrückblick 2014 (Helga Echle)

Das Vereinsjahr 2014 bescherte uns wieder viele interessante Veranstaltungen.

Eine aufmerksame Gruppe besuchte im Januar die Städtische Galerie im Stadtbezirk Schwenningen. Frau Ursula Köhler führte wie immer fachkundig durch die Ausstellung „Richard Haizmann – Bilder und Skulpturen“ des 1895 in Villingen geborenen Künstlers. Die Begegnung mit den Werken des Künstlers war für die Besucher äußerst interessant und wertvoll.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen unterhaltsamen Nachmittag erlebten 50 Teilnehmer beim Besuch des Skimuseums in Hinterzarten. Das Skimuseum ist in dem 400 Jahre alten Hugenhof zuhause, der in mühevoller Arbeit nach einer Idee von Olympiasieger Georg Thoma, von ehrenamtlichen Helfern restauriert wurde. Georg Thoma erzählt aus seinem Leben.

In diesem einzigartigen Museum wird die über hundertjährige Skigeschichte des Schwarzwaldes aber auch das harte Leben der Schwarzwaldbauern im Winter anschaulich dargestellt. Georg Thoma erzählte äußerst lebendig und kurzweilig seinen Werdegang vom Hütejungen in einem abgelegenen Schwarzwaldbauernhof, Holzfäller und Postboten bis zum gefeierten Olympiasieger. Georg Thoma legte mit seinem Erfolg den Grundstein für das 1997 eröffnete Skimuseum in dem anschaulich in Wort, Bild und Ton die Geschichte des Wintersports im Schwarzwald dargestellt wird.

 

Die Besucher lauschen Georg Thoma gespannt.

 

Im März fand die jährliche Mitgliederversammlung statt mit dem Bericht des Vorsitzenden und dem Kassenbericht des Schatzmeisters. In ihren Ämtern für jeweils 2 Jahre wurden der 2. Vorsitzende Dr. Helmut Kury und die Schriftführerin Helga Echle einstimmig bestätigt. Der GHV konnte auf ein erfolgreiches Vereinsjahr 2013 zurückblicken und insgesamt eine positive Bilanz vorlegen.

Ebenfalls im März waren wir zu Gast im Franziskanermuseum. Frau Dr. Anita Auer berichtete spannend und anschaulich über „Essgewohnheiten im Mittelalter“ Die ausgestellten Kochutensilien und der gedeckte Tisch spiegelten wider, wie das enfache Volk sich damals ernährte und seine Speisen zubereitete.

Die Wirtschaftsgeschichte der 60er und 70er Jahre der Stadt Villingen-Schwenningen ist noch kaum erforscht. Nach der äußerst günstigen Zukunftsperspektive unserer Stadt in der Nachkriegszeit machten sich bereits in den 60er Jahren, vor allem in der Uhrenindustrie, erste Krisenerscheinungen bemerkbar. Es folgten Firmenverkäufe und Konkurse sowie diverse Entlassungen von Arbeitnehmern. Über die Ursache und Hintergründe dieser Entwicklung sowie über die Reaktionen auf die Krisenerscheinungen informierte Frau Dr. Annemarie Conradt-Mach in ihrem aufschlussreichen Vortrag „Das Ende des Wirtschaftswunders. Industrielle Entwicklung in den sechziger und siebziger Jahren in der Doppelstadt“.

 

Die Gruppe vor dem Castello Pollenzo in Portugal.

 

Anfang Mai erlebten mehr als 40 Mitglieder beeindruckende Tage in Portugal. Unter der sach- und fachkundigen Leitung von Klaus Weiss erlebte die Gruppe eine Vielfalt an Landschaft und Kultur. Begonnen wurde in Lissabon, wo das Castelo de São Jorge, die Festung des Hl. Georg, das älteste Bauwerk Lissabons sowie das Jerónimus- Kloster mit dem zweistöckigen Kreuzgang und der hohen dreischiffigen Hallenkirche besichtigt wurden. In Sintra, der einstigen Sommerresidenz der portugiesischen Könige bis 1580, 200 m hoch auf einem Bergsporn gelegen, wurde u.a. der Palacio Da Pena besichtigt. Über Tomar mit seiner gewaltigen Burg der Tempelritter ging es nach Obidos. Einen Höhepunkt der Reise bildete sicher der Besuch des Wallfahrtsortes Fatima mit der großen Basilika. Der Name ist arabisch und erinnert an die langen Kriege gegen die Sarazenen. Weitere Stationen waren Coimbra und die Stadt Guimaraes, die allen Portugiesen als die Wiege der Nation gilt. Selbstverständlich wurden auch die guten portugiesischen Gerichte und Weine probiert, bevor es von der Provinzstadt Porto, dem wirtschaftlichen Zentrum Portugals, wieder nach Hause ging.

50 Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins Villingen waren mit dem früheren Forstamtsleiter und GHV-Beiratsmitglied Eberhard Härle bei den Holzwerken Dold in Buchenbach zu Gast. Mit diesen hatte Herr Härle Mitte der 1980er Jahre eine bis heute bestehende Geschäftsbeziehung aufgebaut: rund 45 Prozent des städtischen Holzes werden nach Buchenbach geliefert; dabei erweist sich Villingen-Schwenningen mit der zuverlässigen just-in-time-Lieferung hochwertigen Holzes als Premiumpartner. Am Sägewerk wurden die Exkursionsteilnehmer von Erwin Dold, Firmenchef in der vierten Generation, gastfreundlich begrüßt und erhielten weitere Informationen, wie hier über 200 Mitarbeiter die Stämme sägen, hobeln und zu Massivplatten oder Pellets verarbeiten. Beeindruckt waren die Besucher aus Villingen davon, wie der Gedanke der Nachhaltigkeit die Holzwirtschaft bestimmt: Holz ist als nachwachsendes Naturprodukt wertvoll. Deshalb werde bei Dold gleichsam noch der letzte Span dem firmen- eigenen Kraftwerk zugeführt, das den Strombedarf von 2000 Haushalten decken könnte.

 

Der Inhaber des Sägewerkers Erwin Dold begrüßt Herrn Härle mit der Reisegruppe.

 

Am Nachmittag machte die Gruppe Station bei Brüninghoff-Holz an der ehemaligen Tannheimer Säge. Der Geschäftsführer Herbert Riegger erläuterte den Weg seiner bis dahin selbstständigen Firma Schwarzwald Abbund unter das Dach dieses westfälischen Familienbetriebs. In den beiden Hallen konnten die Gäste die Produktion von Abbund-elementen für Zimmereibetriebe am Bau und von Teilen von Fertighäusern, die bis nach Norwegen geliefert werden, beobachten.

 

Herbert Riegger erläutert seinen Betrieb.

 

 

Aus aktuellem Anlass wurde eine Fahrt nach Freiburg angeboten zum Thema „Baustelle Gotik, das Freiburger Münster“. Besucht wurde die Jubiläumsausstellung im Augustinermuseum, im Museum für Stadtgeschichte und im Münster, die mittelalterliches Bauen in allen Facetten zeigt. Anlass ist die Weihe des Chorraumes vor 500 Jahren. Bei einer eindrucksvollen Führung im Augustinermuseum erfuhren die Besucher alles über die Planung, Organisation, Finanzierung und Realisierung der Baumaßnahme des Freiburger Münsters.

 

 

Baumodell des Freiburger Münster im Augustinermuseum.

 

Pfarrer Alfons Weisser führte eine aufmerksame Mitgliederschar nach Bad Mergentheim zum Besuch der Stuppacher Madonna. Dazu heißt es: „Wohl kaum ein Marienbild in der Welt ist wundersamer in seiner Farbgestaltung, verhaltener und zugleich ergreifender in seinen Zeichen, umfassender und dichter in seinen Symbolen – als das Marienbild der Stuppacher Madonna.“

 

Die Stuppacher Madonna.

 

 

Das Marienbild fand im Jahre 1812 Heimat im hohenlohisch-fränkischen Dorf Stuppach, einem südlichen Teilort der Deutschordensstadt Mergentheim und befindet sich in einer Seitenkapelle der dortigen Pfarrkirche Mariä Krönung. Das berühmte Marienbild von Matthias Grünewald (Mathias Gotthardt Nidhard), gilt als eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Tafelmalerei.

 

Die Besucher lauschen den Ausführungen von Pfarrer Alfons Weißer.

 

Zusätzlich ins Programm aufgenommen wurde eine Exkursion im Juni unter der Leitung von Dekan Josef Fischer in den Kraichgau und nach Schwetzingen.

In Steinsfurt bestaunten die Mitglieder das Lerchennest, ein altfränkisches Kleinbauerngehöft aus dem frühen 17. Jahrhundert. Mit der Instandsetzung des Fachwerk-Kleinods in den Jahren 1973/74 ergab sich die Chance – entsprechend der geschichtlichen Bedeutung des Anwesens – an die Vorkommnisse der Nacht zum 5. August 1730, den Fluchtversuch des späteren Königs von Preußen, zu erinnern. Die Namensgebung geht auf die Begegnung des Kronprinzen mit dem Bauern Lerch zurück. Das Lerchennest ist eine Besonderheit der baden-württembergischen Museumslandschaft, denn in dem ehemaligen kurpfälzischen Dorf Steinsfurt und nicht in Berlin oder Brandenburg befindet sich das einzige Museum, das über das Leben und Wirken des Preußenkönigs Friedrich dem Großen (1712-1786) informiert. Hier schlug sein Fluchtversuch 1730 fehl, bei dem er sich dem Regiment seines strengen Vaters (Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.) entziehen wollte.

 

Das „Lerchennest“, das Friedrich der Große-Museum.

 

 

Nach dem Mittagessen im Heimatort von Dekan Fischer bewunderten die Besucher den großen, prächtigen Schlosspark von Schwetzingen.

 

Erklärungen vor dem Schwetzinger Schloss.

 

 

Die kleine Jahresexkursion führte unter der Leitung von Günter Rath wieder einmal in die Bayrische Hauptstadt München. Nach einem Weißwurstfrühstück im Palais-Keller gab es eine Führung in der Münchner Residenz. Sie gilt als größtes Innenstadtschloss Deutschlands und wurde in ihrer über 600jährigen Geschichte laufend erweitert und umgebaut. Der Höhepunkt am nächsten Tag war der Besuch des Lenbachhauses. Es beherbergt die weltweit größte Sammlung zur Kunst des „Blauen Reiter“. Nach einer mehrjährigen Renovierungszeit und mit einem Anbau versehen, erstrahlt es nun seit Mai 2013 wieder in neuem Glanz. Den Abschluss bildete ein Besuch im Freisinger Dom, eigentlich „Dom St. Maria und St. Korbinian“, umgangssprachlich auch „Mariendom“. Er ist die Konkathedrale des Erzbistums München und Freising. Hier finden die Priester-weihen des Erzbistums, regelmäßige Gottesdienste und kirchenmusikalische Veranstaltungen statt. Eine eigene Gemeinde hat der Mariendom jedoch nicht. Bis zur Erhebung Münchens zum Erzbistum im Jahre 1821, war der Freisinger Dom Sitz des Bischofs und Kathedrale des damaligen Bistums Freising.

Die Besucher zeigten sich beeindruckt vom filigranen Stukkwerk der Gebrüder Asam, vom Hochaltar mit dem Marien-Motiv von Peter Paul Rubens und von der meisterlichen Schnitzkunst des gotischen Chorgestühls.

Großen Anklang fand auch die Fahrt zur Landesausstellung „Das Konstanzer Konzil“ an den Bodensee.

Bereits im Bus informierte der Leiter der Reise, Pfarrer Kurt Müller ausführlich über die Hintergründe dieses „Weltereignisses im Mittelalter“. Das Konstanzer Konzil, ein kirchliches Gipfeltreffen der Mächtigen jener Zeit, fand von 1414 bis 1418 statt. Gesandte trafen sich in Konstanz, um dem Zerfall der Kirche entgegenzuwirken. Im Konzilgebäude als historischem Schauplatz der einzigen Papstwahl auf deutschem Boden wurde das Großereignis hier nach 600 Jahren durch viele Exponate aus jener Zeit wieder erlebbar. Dem Besuch der Ausstellung folgte nach dem Mittagessen ein Spaziergang durch die Stadt mit Besuch der Dreifaltigkeitskirche. Sie war auch Aufnahmeort für Konzilsgäste unter anderem König Sigismund, der dafür Fresken in der Kirche stiftete.

 

Erläuterungen von Pfarrer Kurt Müller in der Dreifaltigkeitskirche.

 

Ende August /Anfang September unternahmen 40 wissbegierige Mitglieder eine Reise an die Ost- see unter der Leitung von Hasko Froese. Die Reise stand unter dem Thema „Backsteingotik“. Besichtigungsschwerpunkte waren dabei Städte, die über besondere Bauwerke aus Backstein aus der Zeit der Gotik verfügen. Auftakt war die Backsteinbasilika St.Nikolai in Wismar. Weiter ging es nach Lübeck mit Besichtigung u.a. von Holstentor, Rathaus, Buddenbrookhaus, Marienkirche und Dom. Schwerin war das nächste Reiseziel mit dem Schloss, dem Rathaus und dem Dom. Es folgte Güstrow, bekannt geworden durch den Bildhauer und Grafiker Ernst Barlach. Ein besonderes Meisterwerk der Backsteingotik, nämlich das Münster, bestaunte die Gruppe als nächstes in Bad Doberan. In Stralsund beeindruckten bei strahlendem Sonnenschein das Rathaus, das Johanniskloster, die Nikolaikirche und das Kütertor.

 

Die Reisegruppe in Stralsund.

 

 

Bevor es zu einer Schifffahrt nach Warnemünde ging, konnten in Rostock noch das Kuhtor, die Nikolaikirche, das Alte Hafenhaus, die Universität und das Rathaus bewundert werden. Nach dieser Fülle an begeisternden Eindrücken machte die Gruppe auf der Heimfahrt noch Halt in Weimar, der Stadt von Goethe, Schiller und Liszt.

Gengenbach die Stadt der Türme und Tore begrüßte bei herrlichem Spätsommerwetter die Besucher des GHV in ihren Mauern. Bei einem geführten Rundgang erfuhren die Gäste viel von der Geschichte, die einiges mit Villingen gemeinsam hat. Schon in vorchristlicher Zeit wurde auch die dortige Gegend von Kelten besiedelt. Über Römer und Alemannen kam die Stadt zum fränkischen Königshof, bis sie 1230 die Stadtrechte verliehen bekam. Nachdem die Stadt im pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 in Schutt und Asche gelegt wurde, zeigt sie sich nach dem Wiederaufbau in ihrem heutigen anmutigen Stadtbild. Herausragend sind das imposante Rathaus und der „steinerne Ritter“ auf dem Marktplatzbrunnen. Viel bewundert wurden die hübschen engen Gässchen mit ihren gepflegten Fachwerkhäusern.

 

Gruppe mit Stadtführerin vor dem ehemaligen Abteigebäude, das nach dem Brand von 1689 im Barock neu aufgebaut wurde (1696 – 1700) mit schönem Treppenhaus.

 

 

Die zweite Station dieses Tages war ein Besuch beim Weingut Siegbert Bimmerle. Der Chef persönlich erzählte engagiert von dem 1936 gegründeten Familienunternehmen und über die Vielfalt an unterschiedlichen Lagen und Böden für die Rebsorten. Bei einem Rundgang konnten sich die Besucher vom Einsatz modernster Anlagen überzeugen, wie z. B. einer Anlage zur temperatur- gesteuerten Gärung oder Maischegärbehältern für Rotweine.

 

Eine neugierige 40köpfige Gruppe besuchte das im Umbau befindliche „Alte Krankenhaus“ in der Herdstraße und die angegliederte „Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe“ mit Internat. Architekt Andreas Flöß, der die Umbau und Sanierungsmaßnahmen leitet, erklärte Baustil und Bauweise des ehemaligen Krankenhauses. Bei einem Rundgang erläuterte Dr. Enzenroß, dass dieses Krankenhaus für seine damalige Zeit als sehr modern galt, denn es verfügte über Röntgengerät, OP-Saal und Dampf- Sterilisator. Im EG gab es eine chirurgische und im OG eine internistische Abteilung mit insgesamt ca. 70 Betten. In der ehemaligen Kapelle, die bis heute erhalten wurde, deutete Pfarrer Alfons Weißer die 1931 entstandenen Wandmalereien des Villinger Malers Waldemar Fleig (siehe auch Jahresheft XXXII, 2009). Die Besucher konnten auch, unter Führung des Internatsleiters Sowinski, einen Blick in das moderne Internat werfen, in dem z.Zt. ca. 440 Schüler aus allen Teilen des Landes untergebracht sind. Es schloss sich ein überaus fesselnder Rundgang durch die Landesberufsschule mit deren Leiter Robert Fechteler an, bei dem er erläuterte, welche Berufszweige an dieser Schule gelehrt werden. Passend dazu konnten jeweils die Lehrräume besichtigt werden, in denen die Schüler ihre praktische Ausbildung absolvieren, wie z.B. Hotelrezeption, Lehrraum für Restaurant und die großen Küchen.

 

Im ehemaligen Alten Krankenhaus Villingen.

 

 

Eberhard Härle lud zu einem Spaziergang auf einem Teilstück des Geschichts- und Naturlehrpfades ein. Vom Feldbergweg ging es über die Ahornalle, eine der zahlreichen Verbindungen der Stadt mit dem Wald und von Oberförster Ganter angelegt, zum Ortsrand des Spitalwaldes mit einem herrlichen Ausblick über Marbach und Bigachtal. Über Judas-Thaddäus-Kapelle, Laible, Magdalenenberg mit dem neu eröffneten Teilstück des Keltenpfades und Magdalenenberg-Eiche ging es Richtung Tannhörnle. Den Abschluss bildete eine Einkehr im Sportheim Pfaffenweiler.

Unterwegs gab Herr Härle an den jeweiligen Hinweistafeln und auch zwischendurch wichtige Hinweise über Geschichte, Flora und Fauna dieses Gebietes.

Eine große Zuhörerschar interessierte sich für den Lichtbildervortag von Pfarrer Kurt Müller über „Die wechselnde Rolle der Klöster in Villingens Stadtgeschichte“.

Äußerst anschaulich und kurzweilig berichte- te er, dass es vor 1220 wohl keine klösterlichen Niederlassungen in Villingen gab. Zuerst gab es bis 1480 sogenannte „Sammlungen“ von Frauen die Gutes taten in der Armen- und Krankenpflege. Danach kam Ursula Haider aus Valduna mit 7 Schwestern, die – obwohl sie nur wenige Jahre hier wirken konnte – eine prägende Figur in Villingen war. Das Bickenkloster war ursprünglich auch eine Versammlung von Frauen, von

„Klarissinnen“. 1782 wurde das Bickenkloster ein Ursulinen-kloster, ein Lehrorden, der sich um die Erziehung junger Mädchen bemüht. Heute leben noch 2 Schwestern in dem Kloster.

Pfarrer Müller ging auch auf die vielen anderen Klöster ein, die es einst in Villingen gab, z.B. das Germanskloster (außerhalb der Stadt), das Kapuzinerkloster sowie die kleine Gruppe der Antoniter, die Johanniterkommende, und nicht zu vergessen die Franziskaner, denen wir heute noch die große Kirche (heute Konzerthaus) verdanken. Das Wirken der Benediktiner hat ein besonderes Kleinod in Villingen hinterlassen: Die mit viel Mühe und Kosten renovierte Benediktinerkirche mit ihrer wieder rekonstruierten Silbermann- Orgel.

Er stellte fest: Was früher Mönche und Klosterfrauen Gutes an den Menschen taten wird heute von kirchlichen und sozialen Werken übernommen.

Mit Des Wächters Runde, – ein Stadtführungs- theater -, ließen sich im Oktober Mitglieder des GHV in das Villingen Anfang des 16. Jahrhunderts entführen. Als der Nachtwächter seinen abendlichen Kontrollgang antritt, bittet am Riettor Vatz Wöhrlin, ein Händler aus Freiburg, zu später Stunde um Einlass. Er nimmt ihn und die Besucher mit auf seine Runde. Sie begegnen dabei dem Juden Salomon, einer Pilgergruppe auf dem Weg nach Compostella, dem Bildhauer Conrad Rötlin, der Hexe Elisabeth Schwarzin, die bei den Besuchern einen betroffenen Eindruck hinterließ, dem Bauernführer Joos Fritz und seinem Werber Michael von Dinkelsbühl, Barbara Reutlin aus der Zaisengassen und Remigius Mans, der Stadtlegende, die sich gerade am Lagerfeuer wärmt. Die Zuschauer waren begeistert von dem fast dreistündigen Bilderbogen voller Leben und Gefühlen, aber auch gefüllt mit geschichtlichen Hintergründen, durch 20 Schauspieler, Musiker, Techniker und Küchenpersonal. Der Abend klang bei einem Nachhock in der „Schwarzen Mohrin“ mit allerlei Kurzweil und dem „Nachtwächter im Innendienst“ (Lambert Hermle) aus.

Einer großen Zuhörerschar erzählte Professor Dr. Werner Mezger in seiner bekannt unterhalt- samen Art über Bräuche in der Advents- und Weihnachtszeit. Unter dem Titel Mehr als Kitsch, Konsum und Kerzen und anhand von reichem Bildmaterial ging er der Frage nach: Was bedeutete die Advents- und Weihnachtszeit früher und wie gestaltet sich diese besondere Zeit des Jahres in der modernen Konsumgesellschaft von heute. Außerdem gab es farbenfrohe Einblicke in Brauchtumsformen aus ganz Europa, die in ihrer Exotik teilweise ebenso rätselhaft wie faszinierend sind. Er sprach dabei vielen Besuchern aus der Seele, dass alte Bräuche mehr bewahrt werden sollten.

Mit dem vorweihnachtlichen stimmungsvollen Besinnlichen Abend im Hotel Diegner, bei der der bisherige 1. Vorsitzende Günter Rath noch einmal die Ansprache hielt, verabschiedete sich ein reichhaltiges, gelungenes Vereinsjahr 2014.